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Nahverkehr in NRW: Teil 27 - Am Sauerländer Rothaarsteig

In dieser Exkursion werden zwei Regionalbahnlinien in Südwestfalen betrachtet. Die RB 93 "Rothaar-Bahn" verbindet Siegen mit Bad Berleburg, die RB 94 "Obere Lahntalbahn" Erndtebrück mit Marburg in Hessen. Dabei bildet Erndtebrück den zentralen Umsteigeknoten zwischen den beiden Linien. Man betrachte zum Verständnis die folgende Karte:

Karte Rothaarbahn / Obere Lahntalbahn - RB 93 + RB 94

Prolog - Geographie und Strecke

Die Rothaar-Bahn fährt auf der gleichnamigen, etwa 50 Kilometer langen Kursbuchstrecke 443. In Kreuztal zweigt die Rothaarbahn von der Ruhr-Sieg-Strecke nach Hagen ab. Bei Hilchenbach erreicht sie das Rothaargebirge und windet sich dort in die höchsten Regionen des Sauerlands hoch. Bei Erndtebrück beginnt das das Wittgensteiner Land. In Bad Berleburg befindet sich heute das Streckenende. Die Abschnitte Kreuztal-Erndtebrück und Erndtebrück-Bad Berleburg wurden 1888 bzw. 1911 eröffnet. In Bad Berleburg zweigte die zwischen 1910 und 1911 gebaute und 1996 stillgelegte Obere Edertalbahn nach Allendorf (Eder) ab. In Erndtebrück zweigt die KBS 623 nach Marburg ab. Hier beginnt die Linie RB 94 ihre Fahrt auf dieser Strecke. In Bad Laasphe erreicht sie die Lahn und wird dahinter das Land NRW in Richtung Hessen verlassen. In Birkelbach (Abschnitt Erndtebrück-Bad Berleburg) zweigte die 1917 eröffnete und 1944 stillgelegte Strecke nach Altenhundem an der Ruhr-Sieg-Strecke ab. Besonderheit dieser Strecke ist das Krenkelbachaquädukt aus Beton, das den Krenkelbach unweit des Heinsberger Tunnels noch heute über den Einschnitt der Schienen ins Gelände führt.

Die Rothaar-Bahn wird heute von der DB-Regio NRW im Netz Drei-Länder-Bahn betrieben, zusammen mit dem Biggesee-Express der Linie RB 92 und der Sieg-Dill-Bahn der Linie RB 95. Es verkehren Dieseltriebwagen des Typs LINT (Leichter, innovativer Nahverkehrstriebwagen) entweder einteilig (Baureihe 640) solo oder in Doppeltraktion oder in der zweiteiligen Variante (Baureihe 648). Die Rothaar-Bahn verkehrt im Stundentakt und benötigt für die Gesamtstrecke ganze eineinhalb Stunden.

Auf der Oberen Lahntalbahn fährt die DB-Regio als Kurhessenbahn und setzt hier Triebwagen der Baureihe 628.2 ein. Auf dieser Verbindung ist ein Zweistundentakt eingerichtet.

 

Exkursion zum Rothaarsteig

Im Bereich Westfalen ist die Strecke diejenige, welche von meinem Wohnort aus die zeitlich längste Anfahrt hat. Als schnellste Verbindung stellte sich übrigens zu meinem Erstauenen statt der Anreise über die Ruhr-Sieg-Strecke eine Route über Winterberg mit anschließender, einstündiger Busfahrt nach Bad Berleburg heraus. Zweieinhalb Stunden Fahrt bis zum Ausgangspunkt der Strecke. Das Wetter ist anfangs vielversprechend.

Bis kurz vor Winterberg. Schon von Weitem konnte man zuvor die dicke Wolkenschicht über dem Haupt- kamm des Rothaargebirges mit dem Kahlen Asten sehen. War zuvor noch strahlend blauer Himmel bei schönstem Sonnenschein, ist hier Herbst. Umsteigezeit in Winterberg: Offiziell sieben Minuten. Zwischen Bestwig und Winterberg hat der Zug auch an den Bedarfshalten nicht gehalten, weshalb wir sogar etwas zu früh ankommen. Ich stelle mich an die Bushaltestelle hinter dem Bahnhof. Fünf nach Halb - Abfahrtszeit. Da hinten steht schon der Bus und macht Pause. "Hey! Schmeiß dei- nen Motor an und komm!" Zwanzig vor neun. Endlich erbarmt sich der Fahrer, seinen Dienst anzugehen. In Bad Berleburg habe ich genug Zeit, da kommt es auf die fünf Minuten auch nicht an. Die in der Stadtmitte von Winterberg eingestiegenen Leutchen steigen alsbald wieder aus, ich bin irgendwann alleine im Bus. Bis kurz vorm Ziel wird es so bleiben. Der Bus fährt durch Alt- und Neuastenberg, wo im Winter auf 700m ü. NHN Skipisten, eine Rodelbahn und die Skisprungschanze locken. Jetzt befindet sich alles in dichten Nebel. Die Verspätung vom Anfang ist bereits nach wenigen Halten aufgeholt, der Bus muss sogar hier und dort stehen bleiben, um nicht zu früh zu sein. Eine Fahrt durch den höch-

Nebel Neuastenberg

Busfahrt durch den Nebel - Hier bei Neuastenberg

sten Bereich des Sauerlands - das Rothaargebirge. Es ist eindeutig ein Urlaubsgebiet. Ferienwohnungen und Hotels finden sich in den meisten der folgenden kleinen Orte. Nur hier braucht man ein Auto, der Bus fährt nur alle zwei Stunden und auch nur über eine gewisse Tageszeit. In Schüllar steht endlich auch mal jemand an einer Haltestelle und fährt mit. Ich möchte gar nicht rechnen, ob sich die Fahrt rentiert.
 

Bad Berleburg Bahnhof

Bad Berleburgs Bahnhof

Rothaar-Bahn in Bad Berleburg

Die Rothaar-Bahn an der Endstation in Bad Berleburg

Rothaar-Bahn in Bad Berleburg

RB 93 in Form eines LINT 27

Bahnhof Bad Berleburg

Bahnhof Bad Berleburg

Ich komme endlich in Bad Berleburg an, direkt am Bahnhof. Wenige Menschen sagen wirklich "Bad Berleburg". Sie wissen ja, die Westfalen verschlucken gerne ein R. Wie beim Beispiel "Paderborn", was zu "Paddaboaan" wird. In diesem Falle wird das "Bad" einfach weggelassen und auf die Frage, wo Sie denn hinfahren würden, müssten Sie antworten "Ich fahre nach Bellebuich". Ein schönes Bahnhofsgebäude - potenziell zumindest. Leider ist es etwas verwahrlost und zur Zeit der Exkursion eine Baustelle. Als Anschluss wartet bereits die Rothaar-Bahn am Bahnsteig und macht sich nach kurzer Wartezeit auf den langen Weg nach Siegen. Ich bleibe noch hier und schaue mir die Stadt an.

Schieferhäuser Berleburg

Regionstypische Schiefer-Häuser

Schloss Berleburg

Schloss Berleburg

Der Bahnhof liegt in einem tieferen Ortsteil der Stadt. Über eine Treppe gelangt man in eine Art Oberstadt. Hier steht das Schloss Berleburg und unzählige der typischen Sauer- bzw. Siegerlandhäuser im Fachwerk-Schiefer-Stil. Etwa eine Stunde später stehe ich wieder am Bahnhof.

Zunächst führt die Fahrt mit einem Solo-640 nach Erndtebrück. Vorbei geht es an den mehr oder weniger gepflegten Halten wie Raumland-Markhausen, Berghausen und Aue-Wingeshausen. Teilweise sind es Bedarfshalte, an denen der Zug nur hält, wenn man im Zug die Stopp-Taste drückt oder wenn jemand auf dem Bahnsteig steht.

Birkelbach war einmal vor langer Zeit ein Umsteigebahnhof, von hier führte einst die erwähnte Nebenstrecke nach Altenhundem. Birkelbach ist heute nur noch Bedarfshalt und wir fahren ohne Halt durch die Station durch. Und schon nähert sich der Triebwagen dem Umsteigebahnhof Erndtebrück am Rande des Wittgensteiner Landes. Erndtebrück ist der dritte Bahnhof nach Winterberg und Bellebuich, bei dem es um knappe Umstiege geht. Der Plan sieht vor, dass ich in einem Abstecher nach Bad Laasphe (gesprochen: "Laas-Fe" mit kurzem E) mache, um die Obere Lahntalbahn anzuschauen. Üblicher- weise gibt es hier direkten Anschluss mit knapper Umsteigezeit. Heute ist Schienenersatzverkehr, weil die Strecke teilweise erneuert wird. Aber auch der Bus fährt relativ knapp nach unserer Ankunft.

Haltepunkt Aue-Wingeshausen

Der optisch "ansprechende" Halt von Aue-Wingeshausen.

Die Unterführung endet in einer wirklich schäbigen Bahnhofshalle, bei der so ziemlich alle alten Bahnschalter, Türen, Fenster und anderen Objekte durch inzwischen beschmierte Metallplatten "verbrettert" sind. Bänke und Mülleimer gibt es keine, nur ein Skelett von einem Tisch, der auf die Existenz eines Kiosks deutet. Kaputte Scheiben des hohen Fenstermosaiks werden ebenfalls nur durch Metall ersetzt, was zum einen optisch wie ein Flickenteppich aussieht und zum anderen die Halle mit fortschreitender Zerstörung verdunkelt. Die Fliesenmosaik-Decke, die sicherlich einmal etwas besonderes war, ist mit einem Netz abgedeckt, damit keine Steine von der Decke auf Fahrgäste fallen. Bloß weg hier.

640 in Erndtebrück

Rothaar-Bahn nach Bad Berleburg in Erndtebrück

Bahnhof Erndtebrück

Bahnhofsgebäude Erndtebrück - von außen ja noch ganz nett...

Bahnhofshalle Innen Erndtebrück

... innen aber einer der übelsten existenten Bahnhöfe.

Bahnhof Erndtebrück

RB 93 nach Siegen

Bahnhof Erndtebrück

Ankunft der Rothaar-Bahn aus Siegen

Bahnhof Erndtebrück

Empfangsgebäude von der Gleisseite gesehen

Schepper, bumm, bumm, bumm, schepper, schepper. Das war an der Treppe und heißt nichts gutes. "Scheiße!" Kehrtwende, zurück zur Treppe Ein Mitfahrer, der gerade noch vor mir her ging, macht nach meiner hektischen 180°-Drehung auch kehrt und folgt mir im Laufschritt. Unten liegt eine ältere Frau, daneben ihr Rollator auf der Seite und Meter daneben die Reisetasche. Vergiss den Bus, das hier ist wichtiger. Wir richten die Frau gemeinsam auf, setzen sie erstmal auf die Stufen. Einen Arzt, wie vorgeschlagen, braucht sie nicht. Das Telefon habe ich schon in der Hand, 112 ist schon eingetippt. Sie aber ist hartnäckig und möchte den Zug nach Siegen nehmen. Der LINT fährt gerade in dem Moment geräuschvoll an. "Der fährt um Halb!" - "Nee, der fährt gerade. Um Voll." - "Sind Sie sicher?" Ja, bin ich. Bin schließlich gerade damit gekommen. Wir bringen sie sicher gestützt mit all ihrem Gepäck auf den Bahnsteig - es gibt hier keine Aufzüge oder Rolltreppen, angesichts des Zustands des Bahnhofs kein Wunder -, vergewissern uns, dass es ihr wirklich gut geht. Ich weiß nicht, wie tief sie gefallen ist. Sie war mir selbst nicht aufgefallen, als ich die Treppe hoch ging. Womöglich hatte sie einen Schutzengel in Form ihrer Beleibtheit. Auch wenn es etwas komisch klingt - aber sie ist weich gefallen. Eine nochmalige Nachfrage nach einem Arzt und nach Schmerzen quittiert sie mit heftigem Kopfschütteln. "Ich komme alleine zurecht. Vielen Dank!" Okay. Wenn sie es sagt. Ab die Post, vielleicht ist der Bus ja doch noch da.

Tatsache - manchmal kann Verspätung auch von Vorteil sein. Ich hatte Bad Laasphe eigentlich schon abgeschrieben. Einen Gruß übrigens an die Schulklasse (mit ihrer Begleitung), dessen Nachhut das Ganze mitbekommen haben muss. Die Klasse stand dann, als ich mit Vollgas zum Bus flitzte, auf dem Bahnsteig der Lahntalbahn nach Marburg. Danke für die "Hilfe" - Die Strafe ist, dass euer Zug nicht gekommen sein wird.

Obere Lahntalbahn

Auf der Busfahrt nach Bad Laasphe.

Bahnhof Oberndorf

Bahnhofsgebäude Oberndorf (aus dem Bus)

Wieder eine dreiviertel Stunde lang dauernde Busfahrt. Für die nächsten Wochen ist meine Lust auf Busfahren erschöpft. Die Fahrt endet übri- gens zu meiner Überraschung zunächst auf dem Betriebshof der Firma, die die Busse stellt. Fahrerwechsel. Ich schau auf die Uhr - eigentlich müssten wir jetzt in Laasphe sein...! Statt angebrachter gewisser Hektik wird der Wechsel in Ruhe durchgeführt. "Was machst´ am Wochenende?" - "Ach, ich fahr mit meiner Frau mal nach... und außerdem wollte ich das Gartenhaus aufbauen... und du?" Arghh! Ein gutes Betriebsklima ist zwar gut und schön, aber. Wir kommen später als geplant in Bad Laasphe an. Es gibt übrigens weder ein Informationsdisplay wie im Zug, noch eine Durchsage des Busfahrers, wo wir denn gerade sind. Das macht unnötig hibbelig. Ich kann mich nicht mit meinen mitgenommenen Uni-Texten beschäftigen, da man auf Ortseingangsschilder achten muss. Auch ich muss mich am Zielort mehrfach bei anderen Mitreisenden erkundingen, wann denn die Haltestelle "Bahnhof" kommt. Der Bus hält nämlich auch nur auf Knopfdruck.

Bad Laasphe! Rechtzeitig kann ich den Bus stoppen. Hier ist wieder Bahnbetrieb, ein Triebwagen der Kurhessenbahn wartet auf Kundschaft. Er wird aber erst in einer Stunde abfahren, hier herrscht nämlich Zweistundentakt. Als Ergänzung fährt ein Regionalbus entlang der Strecke - ebenfalls zweistündig und die Lücken auffüllend. Laasphes Bahnhof hat ein mechanisches Stellwerk, daher stehen hier Formsignale.

Bad Laasphe Bahnhof

Bad Laasphes Empfangsgebäude im regionstypischen Baustil

Obere Lahntalbahn in Laasphe

VT 628.2 der Kurhessenbahn als RB 94 nach Marburg

Bahnhof Bad Laasphe

Bahnhofsgebäude von der Straßenseite gesehen

Bad Laasphe

Ortsmitte von Laasphe - eine Nebenstraße.

Ein kurzer Weg zurück zur Stadt, aber viel Zeit für Sightseeing ist nicht da. Rund zehn Minuten hätte ich mehr gehabt, wenn der Bus nicht... ach, lassen wir das. Wieder eine dreiviertel Stunde später lande ich in Erndtebrück. Positive Fügung: Die Buslinie endet am Bahnhof von Erndtebrück. Verpennen kann ich den also diesmal nicht. Eine Schüler-Sportgruppe mit schätzungsweise 12 bis 14 jährigen Kindern ärgert sich, dass ich die hintere Rückbank im Bus belegt habe - aber hier kann man besser nach hinten ´rausfotografieren. "Boaa, der hat ´ne fette Kamera!" "Der is bestimmt vom Geheimdienst!" Zwangsläufig muss ich grinsen. "Ey, hat der das gehört?!" Ich höre alles. Bin halt beim BND.

In Erndtebrück beträgt die Umsteigezeit immerhin sieben Minuten. Immer noch zu wenig für eine effektive Erkundung (vom Ort ganz zu schweigen) aber ohne Hetze wenigstens. Mein Zug Richtung Siegen trudelt dann auch irgendwann mal ein.

Vormwald Zollposten

Unbewohntes und unbenutztes Bahnhofsgebäude von Vormwald

Bahnhof Vormwald

Empfangsgebäude von der Schienenseite aus gesehen

Rothaar-Bahn in Vormwald Bedarfshalt

Ankunft der Rothaar-Bahn in Vormwald

Bahnhof Vormwald Bedarfshalt

Ein einsamer Müllcontainer steht auf dem Vorplatz

Es ist wieder ein doppelter 640er. Auf dem Nebengleis fährt ein 648 nach Bad Berleburg ein. Bis Vormwald fahre ich. Das ist genau an der Stelle, wo sich die Strecke durch einige Kehren in die Höhe schraubt. Es ist Bedarfshalt und ich bin der einzige, der aussteigt. Da auch keiner einsteigt, hat der Zug nur für mich gehalten. Nunja, wer sollte hier auch aussteigen? Statt Vormwald sollte der Bahnhof eher "Imwald" heißen.

"Hinter die Linie! aber Dalli!"

Es gibt ein Bahnhofsgebäude, das allerdings leersteht. Ein Restaurant oder eine Kneipe waren wohl als letztes darin untergebracht. Zumindest erkennt man durch die Fenster Schemen einer Zapfanlage. Aber hier lebt, arbeitet oder trinkt schon lange keiner mehr.

Der Ort an sich liegt weiter nördlich und ist durch den Haltepunkt Vormwald-Dorf viel besser angebunden. Hier steht, abgesehen vom Bahnhof, noch ein einziges Haus. Weiter oben am Berg schaut der Turm der Ginsburg aus dem Wald.

Wo ich gerade noch denke, ob der Halt nicht mangels Fahrgäste bald stillgelegt werden würde, höre ich Kindergeschrei. Eine Schulklasse sputet sich, den nächsten Anschluss auch noch zu erreichen. Außer Atem kommen sie auf dem Bahnsteig an. Und nachdem der Lehrer laut "Alle hinter die weiße Linie!!" gebrüllt hat, ergibt sich das lustige Bild, dass tatsächlich alle aufgereiht hinter dem weißen Strich stehen. Das ist Gehorsam.

In Lützel lasse ich die Klasse alleine. Ich steige aus. Es ist kein wirklich spektakulärer Bahnhof, aber der Halt ergibt sich zwangsläufig durch meine Zickzack-Fahrt. Immerhin bietet sich hier noch die Möglich- keit einer Zugkreuzung. Im Normalfall wird davon kein Gebrauch gemacht.

Hier kann man die Zeit nutzen, auf der Bank im Grünen ein paar Sachen für die Uni zu lesen - bisher bin ich nicht wirklich dazu gekommen. Der 648, der in Erndtebrück als Gegenzug entgegengekommen war, nähert sich. Und ich bin zwei Kapitel weiter.

Rothaar-Bahn in Lützel

Zweifacher VT640 fährt aus Lützel raus

Bahnhof Lützel

Der Bahnhof. Genutzt wird aber nur das Gleis im VG.

In Vormwald halten wir schon wieder. Noch eine Schulklasse! Was ist denn heute los? Das ist die dritte in vier Stunden! Ob die auch so auf den Lehrer gehorcht wie die andere? Äh - nein. Sie stürmen schon rein ohne Rücksicht auf andere, der Geräuschpegel steigt kräftig an. Geschrei, Gekreische. Gerenne, Getrampel. Warum einige immer an meinem Sitz "Barrenturnen" machen müssen, weiß der Geier. Als I-Tüpfelchen packt der Lehrer seine Mundharmonika aus und spielt "Hänschen Klein". Und lässt die Kids raten, welches Lied es ist. Das nächste kenne ich noch nichtmal. Es wäre schön gewesen, wenn er stattdessen seinen Sprösslingen mal erzählen würde, wie man ruhig Bahn fährt. Bei Vormwald-Dorf (einem nicht besonders schönen Haltepunkt) kommt der letzte Tunnel. Wie auf Kommando bekommt das Gekreische einen Takt: "LICHT AUS! LICHT AUS! LICHT AUS! LICHT AUS! ... " Eine mitfahrende Studentin, die mir gegenüber sitzt, klappt ihr Buch zu und zieht den Kopfhörer aus dem Ohr. "Der Lä... ü...önt a...s, so..a... mei....Ämpe...Plä...er!" Ich muss zurück brüllen "WAS?!" - "Ich sagte: Der Lärm übertönt alles, sogar meinen MP3-Player!" Ah, verstanden. Die Restliche Kommunikation findet in Zeichensprache statt. Neugierig fängt sie an, die Kinder auszufragen, wie weit sie denn noch fahren würden. Sie muss bis Weidenau. "Bis Ferndorf!" - "Ach! Cool! Ähmm... das ist ja schade! Das ist ja schon gleich!"

Bahnhof Hilchenbach Rothaarbahn

Bahnhof Hilchenbach

rothaar-Bahn in Hilchenbach

Rothaar-Bahn in Hilchenbach

In Hilchenbach steige ich nochmal kurz aus, hier hat der Zug fünf Minuten Aufenthalt, denn hier kreuzen sich die Triebwagen wieder. Natürlich ist, als ich wieder einsteige, mein Platz durch die Kinder belegt worden. In Ferndorf steige ich mit ihnen unter mitleidigen Blicken der Mitfahrerin aus. Sie schlägt auch ihr Buch wieder auf.

Ein besetztes Bahnhofsgebäude mit winziger Wartehalle und Fahrkartenschalter - betont für nationale Fahrkarten zuständig, um diese Zeit allerdings geschlossen. In der Woche ist die Wartehalle samt Schalter länger geöffnet, am Wochenende mit den lachhaften Öffnungszeiten von 8 bis 10 Uhr. Es wird kurzfristig sehr warm. Über zwanzig Grad. Auch hier im Ort gibt es viele Fachwerk- oder Schieferhäuser. Ein Industriebetrieb liegt am Bahnhof. Im Ort selbst stehen wieder einige Fachwerkhäuser. Ein schöner Ort, wenn hier nicht die Hauptdurchgangsstraße des Tals durchführen würde. Auf die andere Straßenseite gelangt man nur mit Hilfe einer Ampel, die bei direkt für lange Staus auf der Straße sorgt.

Rothaar-Bahn LINT in Ferndorf

Rothaar.Bahn nach Siegen in Ferndorf

Bahnhof Kreuztal-Ferndorf

Bahnhofsgebäude von Kreuztal-Ferndorf

Nochmalige Rückkehr - Ich fahre nach Stift Keppel-Allenbach. Dabei ist das Stift heute ein Gymnasium, was eine gewisse Zahl an Schülern auf dem Bahnsteig erklärt. In der Nähe des Ortes liegt der Staudamm der Breitenbach-Talsperre, einem Reservoir, das hauptsächlich der Trink- wassergewinnung dient. Wie alle Sauerlandseen ist auch diese Talsperre ein Ausflugsziel zum Wandern, Fahrradfahren oder ähnlichem. Viel Zeit zum Nachdenken bleibt nicht, alsbald nähert sich der Gegenzug. Mit einem Solo-640er geht es nach Dahlbruch.

Bahnhof Stift Keppel-Allenbach

Haltepunkt Stift Keppel-Allenbach

Stift Keppel-Allenbach Haltepunkt

Je Länger der Name, desto zugewachsener?

Dahlbruch steht zumindest am Stationsschild, ich hätte es eher "Abbruch" genannt. Das Empfangsgebäude ist heruntergekommen, teilweise abgerissen. Anscheinend gehört es heute zum Grund des benachbarten Schrottverarbeitungsbetriebes.

Dahlbruch Bahnhof

Bahnhof Dahlbruch, "Abbruch" treffender wäre

Dahlbruch Bahnhof

Dahlbruchs Empfangsgebäude

Rothaar-Bahn in Dahlbruch

Rothaar-Bahn nach Siegen in Dahlbruch

Dahlbruch Bahnhof

Bahnhofsgebäude von Dahlbruch

Alsbald fahre ich zum Zielort Kreuztal. In Kredenbach (Bedarfshalt) legt der Tf eine Vollbremsung hin, weil sich eine Person auf dem Bahnsteig im Schatten des Wartehauses aufgehalten hatte und nur schwer für den Lokführer zu erkennen war. So gerade ist die hintere Tür des Triebwagens noch in Höhe des Bahnsteigs, so dass die Person einsteigen kann. Ohne große Vorkommnisse geht es nach Kreuztal. Hier besteht direkter Anschluss an die Ruhr-Sieg-Bahn nach Hagen.

Bahnhof Kreuztal

LINT41 der 3-Länder-Bahn in Kreuztal

Ruhr-Sieg-Bahn in Kreuztal

Ruhr-Sieg-Bahn nach Hagen

Ruhr-Sieg-Express Kreuztal mit Formsignal

Ruhr-Sieg-Express von Essen nach Siegen

Bahnhof Kreuztal

Gebäude am Bahnhof Kreuztal

"Kreuztaler Nächte sind lang...." Ach nein, das war etwas anderes. Kreuztal ist einer der wenigen Bahnhöfe der Strecke mit mechanischem Stellwerk und Formsignalen. Ein anderer Mensch läuft mit Kamera durch den Bahnhof. Mit mir sind es zwei, was einen im im Bahnhofsgebäude befindlichen Café Sitzenden irritiert. "Kommt hier etwa heute ´ne Null-Eins vorbei? Habe ich was verpasst?" Nein. Ich hoffe, es kommt "nur" ein Silberpfeil der Abellio. Mit dem Ruhr-Sieg-Express fahre ich bis nach Weidenau, ein Halt vor der Endstation.

Bahnhofsgebäude Siegen-Weidenau

Bahnhofsgebäude Siegen-Weidenau

Rothaar-Bahn in Weidenau

Rothaar-Bahn nach Siegen in Weidenau - kurz vor dem Ziel

Der Bahnhof ist modernisiert und ein gelbes Bahnhofsgebäude empfängt die Reisenden, die hier sogar ein kleines Reisezentrum vorfinden. In Siegen-Weidenau hielten bis zur Einstellung des Fernverkehrs die InterRegios der Linie IR22 Münster-Frankfurt, die den heutigen Hauptbahnhof durch einen Tunnel in Richtung Gießen umfahren haben. So war dies ein Anschluss Siegens an die Fernverkehrswelt.

Bahnhofsgebäude siegen

Bahnhof von Siegen

Rothaar-Bahn in Siegen

Ankunft im Endbahnhof Siegen

Ruhr-Sieg-Express in Siegen

Ruhr-Sieg-Express an der Endstation Siegen

Siegen Hauptbahnhof

Sieg-Dill-Bahn, Ruhr-Sieg-Express und abgestellter RE 99

Siegens Bahnhof ist ein Hauptbahnhof, wovon man in den Schildern und Durchsagen am Bahnsteig nichts hört. Nur Straßenschilder weisen in der Innenstadt jedoch auf den "Hauptbahnhof". Man plant eine offizielle Umbenennnung nach einer Sanierung. Immerhin fährt nach langer Zeit ab Dezember 2009 wieder ein Fernzug in Form eines EuroCitys von Siegen nach Klagenfurt in Kärnten (Österreich). In Siegen hielt vier Monate lang im Jahr 2003 der X3, der InterConnex 3, ein privater Fernzug von Connex (heute Veolia) von Neuss via Köln Gießen und Kassel nach Rostock gefahren ist. Er wurde jedoch nach kurzem Einsatz wieder eingestellt. In Siegen halten heute der RE 9 (noch) zwischen Gießen und Aachen, die RB 95, die ebenfalls zur 3-Länder-Bahn gehört und zwischen Au und Dillenburg verkehrt und natürlich die erwähnten RE 16 und RB 91 nach Hagen bzw. Essen sowie die Rothaar-Bahn nach Bad Berleburg.

Siegen besteht aus einer Unter- und einer Oberstadt. Der Bahnhof liegt unten. Eine Fußgängerzone führt sehr steil bergauf nach oben, wo Rathaus und Kirche stehen. Da kommt man beim Shoppen ganz schön ins schwitzen. Es gibt aber auch eine Buslinie, die in der Oberstadt hält.

Am Ziel der Reise - und jetzt Gelegenheit die nicht geschafften Unterlagen zu lesen? Im Ruhr-Sieg-Express jedenfalls nicht. Es ist einfach zu laut und zu voll. Und auch im Sauerland-Express in Hagen setzt sich eine Frau in meinen Vierer, wo ich soeben meine Texte ausgebreitet habe, und wird direkt auf meine Schuhe aufmerksam. "Sie tragen auch MBTs? Die sind klasse, oder?!" Schade. Ich komme heute nicht mehr zum Lesen. Als Begründung für die etwas matschigen Schuhe muss ich ja von meinem Ausflug ins Siegerland erzählen. "Waaaas? Da bin ich aufgewach- sen! Wo denn genau?" - Spätestens jetzt kann ich die Texte in den den Rucksack endgültig einschließen.

Sebi on Tour - Demnächst vielleicht auch in Ihrer Nähe ;-)

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