
Nahverkehr in NRW: Teil 38 - RE 2 + RB 42: Die Haard-Achse
In Münster beginnen zwei Linien ihre Fahrt in Richtung Essen auf der selben Trasse: Der RE 2 "Rhein-Haard-Express" und die RB 42 "Haard-Bahn". Dabei endet die Fahrt der Regionalbahn in Essen, der Regionalexpress überquert noch die Ruhr und fährt bis Düsseldorf. Beide bilden das eigenene Netz "Haard-Achse". Der Regionalexpress fährt mit Loks der Baureihe 146 und Doppelstockwagen der dritten Generation, die Regionalbahn mit modifizierten "Quietschies" der Baureihe 425. Zwischen Münster und Essen besteht der einzige Unterschied zwischen den Linien in den Halten in Münster-Albachten und in Recklinghausen-Süd. Hier hält jeweils nur die Regionalbahn.
Den Namen haben die beiden Linien von der Haard bekommen. Aber was ist die Haard? Die Haard ist eines von drei kleinen, relativ unbekannten Gebirgchen an der Grenze zwischen Münsterland und Ruhrgebiet bei Haltern am See. Die Haard, nicht zu verwechseln mit der Haardt in Rheinland-Pfalz oder dem kleinen Hardtwald in Baden-Württemberg, wird durch die Lippe von der Hohen Mark und von den Borkenbergen getrennt. Alle drei Höhenzüge gehören zum Naturpark Hohe Mark und sind kleine, bewaldete Sandsteingebirge im sonst flachen Umland. Inmitten liegt der Halterner Stausee, ein beliebtes Freizeit- und Ausflugsziel von Ruhrpöttlern.
Die Linien führen vom Münsterland durch den Naturpark "Hohe Mark" und erreichen das Ruhrgebiet. Der Rhein-Haard-Express fährt dabei bei Duisburg ins Niederrheinische Tiefland. Bis Dezember 2010 fuhr der RE 2 über Krefeld nach Mönchengladbach. Doch diesen Linienast tauschte er mit dem RE 11. |
 |
Nördliches Linienende ist Münster. Praktischerweise ist die komplette Linie des RE 2 im Train Simulator in Graphics15s "Wupper Express 11" umgesetzt, weshalb auch hier wieder ein paar Screenshots dieses großartigen Werks zur Untermalung eingebaut werden. Auf eine Parallelfahrt des MSTS während der Zugfahrt auf dem Laptop wird wegen des häufigen Um- und Aussteigens verzichtet, wäre aber prinzipiell möglich.

Münster Hauptbahnhof Haupteingang
|

In Münster steht die RB 42 "Haard-Bahn" nach Essen bereit
|

RB 68 "Emsauenbahn" nach Rheine |

FLIRT der Westfalenbahn nach Osnabrück |
Münster ist eine kreisfreie Stadt inmitten des flachen Münsterlandes, trägt das Kennzeichen MS und hat nicht ganz 275.000 Einwohner. Schon von weitem erkennt man den hohen Turm der Lamberti-Kirche, die fälschlicherweise häufig für den Dom gehalten wird. Dieser ist etwas niedriger gebaut und steht an einem Nebenplatz in der Stadtmitte. Bekannt ist das Rathaus von Münster, in dem 1648 die Friedensverträge zum Ende des Dreißigjährigen Krieges unterzeichnet wurden. Die Stadt ist Fahrradhauptstadt. Nirgendwo in Deutschland gibt es mehr Fahrräder pro Einwoh- ner und nirgendwo werden mehr Wege mit Drahteseln zurückgelegt wie hier. Dafür gibt es hier sogar ein Fahrradparkhaus mit Waschanlage.

Rathaus von Münster (links) |
Der Hauptbahnhof ist ein wichtiger Knotenpunkt im Fern- und Nahverkehr und liegt am südöstlichen Rande der Innenstadt.
Er ist Endstation für einige Bahnlinien der Region. So fahren von hier der Emsland-Express (RE 15) nach Emden, der Lünener (RB 50) nach Dortmund, die Euregio-Bahn (RB 64) nach Enschede in den Niederlanden, die Ems-Bahn (RB 65) und Emsauenbahn (RB 68) nach Rheine, die Teuto-Bahn (RB 66) nach Osnabrück in Niedersachsen, der Warendorfer (RB 67) nach Bielefeld und die Ems-Börde-Bahn nach Bielefeld (RB 69). Die Baumbergebahn nach Coesfeld endet planmäßig erst eine Station weiter am kleinen Haltepunkt Münster-Zentrum Nord. Ein Großteil der genannten Linien wird von den drei privaten Verkehrsunternehmen NordWestBahn, eurobahn und Westfalenbahn betrieben. So sind die in Münster vertretenen Fahrzeuge - meist Talent oder FLIRT - schön bunt.
Die hier betrachteten Linien RE 2 und RB 42 bilden dabei quasi Ausnahmen. Sie werden von der DB betrieben. Apropos treiben. Der Regionalexpress nach Mönchengladbach steht bereits abfahrbereit am Bahnsteig - es geht langsam los. Die Exkursion beginnt.
Man kennt doch aus vielen RE-Linien mit Doppelstockwagen die ewig geschlossenen ZugCafés, die großflächig außen am Wagen beworben werden. Im Gegensatz dazu besitzt der RE 2 ein tatsächlich bewirtschaftetes ZugCafé. Hier kann man Kaffee, Muffins |
und andere Kleinigkeiten kaufen und essen. Der zur Musikuntermalung gewählte Radiosender WDR4 im Abteil vertreibt mich allerdings in einen anderen Waggon. 08:37 Uhr - Abfahrt. "Meine Damen und Herren, wegen Anschlussaufnahme wird sich unsere Abfahrt einige Minuten verzögern." Während kleine Kinder im Vierer nebenan rätseln, was eine Anschlussaufnahme ist, rollt der Zug schon an. Scheinbar wusste der Lokführer nichts davon. Der RE besitzt LCD-Anzeigen in den Abteilen, die die nächsten Halte, die Restdauer bis zum nächsten Bahnhof, Umsteigemöglichkeiten und mehr anzeigen. Etwas vereinfacht findet man die Teile jedoch auch in den Zügen des SauerlandNetzes.

Haard-Bahn in Dülmen
|

Kreuzendes Gleis der RB51 auf dem oberen Niveau
|

Senkrecht kreuzt die Westmünsterlandbahn die Bahnstrecke |

Verbunden sind die Ebenen über eine Brücke |

Dülmen im TS mit Rhein-Haard-Express
|

Na, das stimmt nicht ganz. Nur ein Gleis und kein Bahnsteig
auf der Brücke. Trotzdem den Charakter des Bahnhofs erzielt.
|
Vorbei an Nottuln-Appelhülsen. In Dülmen kreuzt im 90°-Winkel die Westmünsterlandbahn nach Enschede die Trasse über einer Brücke. Der Bahnhof liegt in zwei Ebenen, das Empfangsgebäude im nordwestlichen Quadranten. Über lange Brücken und Tunnel gelangt man von einer Ebene zur anderen. Ausführlicher ist der Bahnhof bei der Exkursion zur RB 51 behandelt worden.

RE 2 verlässt Haltern am See im Nebel
|

Der Bahnhof von Haltern am See
|

Empfangsgebäude Haltern
|

Ankunft der Haard-Bahn in Haltern, Gleis 3
|
Ich steige erst wieder in Haltern am See aus. Der Zug ist hier dann bereits durch die Hohe Mark und die Borkenberge in der Mitte durchgefahren. Gesehen habe ich nichts davon. Es könnte am Nebel liegen. Hier in Haltern befindet sich die Stevertalsperre, ein Trinkwasserspeicher, der besser unter dem Namen "Halterner Stausee" bekannt ist. Hier kann man sich sportlich aktiv betätigen, Boot fahren oder einfach nur in der Sonne liegen. Sonne? Hier am Bahnhof ist es im Moment eigentlich sehr suppig, hier herrscht dichter Nebel. Am Hausbahnsteig endet die Linie der S9, die via Bottrop und Essen nach Wuppertal fährt. Allerdings steht gerade kein Triebwagen am Bahnsteig vor dem Empfangsgebäude.
| Apropos Triebwagen. Die RB 42 fährt ein. Es handelt sich dabei um "schönere" Quietschies. Die Sitze sind bequemer und dicker und unter der Decke befinden sich ebenfalls diese Monitore mit den Angaben zum nächsten Bahnhof und Uhrzeit. Es gibt hier kein ZugCafé, aber einen Zugbegleiter, der zugleich die Funktion einer "Saftschubse" hat. Während er die Fahrausweise kontrolliert, zieht er einen Handkarren mit allerhand Getränken und Snacks hinter sich durch den Flur und bleibt dabei an so einigen Füßen, Gepäckstücken, Sitzen und der Zwischentür hängen. Ein kleiner Scherzkeks, der sich meinen Studiausweis genau anschaut (der muss beim NRW-Ticket als Kontrolle mit dabei gezeigt werden, verlangen aber die wenigsten) und feststellt, dass ich das ja gar nicht sein könnte, weil meine Augen im Ausweis nicht blau seien. Eine bewunderswerte Fähigkeit, in einem schlecht aufgelösten Mini-Passbild eines Studiausweises die Augenfarbe zu erkennen. |
 |
In Gegenrichtung muss ich einmal aussteigen, um mich an meinen Zickzack zu halten. Buldern oder Nottuln-Appelhülsen? Buldern oder Nottuln-Appelhülsen? Rein vom Namen her müsste die klare Antwort sein, dass man unbedingt in Appelhülsen aussteigen müsste. Aber Buldern... das sagt mir irgendwas.

Haard-Bahn von Münster nach Essen in Buldern
|

Leicht marodes Stellwerk in Buldern
|

Versetzt angeordnete Bahnsteige
|

RB 42 nach Münster
|
Lange habe ich bei der Planung überlegt, dann wusste ich´s. Und zwar kenne ich Buldern aus der fünften Klasse aus dem Erdkundebuch "Terra". Hier wurde uns damals glaube ich das erste Mal der idealtypische Aufbau einer Kleinstadt erklärt. Da muss ich dann doch mal aussteigen.
 |
Der Bahnhof von Buldern (wobei ich bis heute nicht weiß, ob die Betonung offiziell auf dem U oder dem E liegt, ich habe beides gehört) ist vielmehr ein Haltepunkt. Zwei Bahnsteige rechts und links, jeweils versetzt hinter einer Straßenunterführung angeordnet.
Es existiert noch ein stillgelegtes Stellwerk, welches langsam dem Vandalismus nachgibt. Der Ort ist wirklich sehr klein, im Zentrum steht die Kirche im Nebel. Um diese Uhrzeit ist hier noch nicht besonders viel los. Aber schön, die trockene Theorie mal in der Praxis zu sehen!
Im Train Simulator existiert der Halt auch, hier jedoch noch mit dem alten Bahnübergang zwischen den Bahnsteigen, also in einer Zeit, bevor die Unterführung existierte. Der RE 2 im Simulator sagt´s schon: Mit dem nächsten Rhein-Haard-Express fahre ich bis zum Reckling- hausener Hauptbahnhof. |
Es ist der erste Ruhrpottbahnhof mit der "Hauptbahnhofinitis" auf der Linie. Recklinghausen, Wanne, Gelsenkirchen, Essen, Mülheim, Duisburg. Krefeld, Mönchengladbach - alles Hauptbahnhöfe. Dabei ist Recklinghausen Bahnhof mit zwei Bahnsteigen und drei Gleisen nichtmal besonders groß (er hat damit das Format von Bottrop Hbf), dennoch hält hier ein InterCity in Richtung Nordseeküste (Emden / Norddeich) und Rheinland bzw. Österreich. Im Bahnhof selbst endet ein Abzweig der S2, die von hier aus erst nach Herne und dort verdichtet mit dem anderen Zweig der S2 aus Oberhausen im üblichen 20-Minuten-Takt nach Dortmund fährt. Der Bahnhofsvorplatz heißt einfallsreich "Europaplatz". Ein futuristisch anmutender Busbahnhof auf diesem Platz ist die Verbindung vom Bus zur Bahn.

Eingang zum Hauptbahnhof
|

RE in RE
|
Mit der Regionalbahn geht es nun weiter. Der nächste Halt ist Recklinghausen-Süd - der RE 2 fährt hier planmäßig durch. Beide zusammen halten erst wieder in Wanne-Eickel Hbf. Hier treffen die Linien auf die Emschertalbahn RB 43 und die Glückaufbahn der Linie RB 46.

Bahnhof Wanne-Eickel in Herne-Wanne
|

Glückaufbahn der Linie RB 46 nach Bochum
|

Bahnsteige in Wanne-Eickel - etwas zugewachsen bereits... |

|
Wanne-Eickel ist eigentlich keine Stadt mehr, sondern zwei Bezirke der Stadt Herne: Herne-Wanne und Herne-Eickel. Einzig in der Bezeichnung dieses Hauptbahnhofs taucht der zusammengesetzte Name noch auf - außerdem noch im Lied "Der Mond von Wanne-Eickel".

Train Simulator: Man erkennt es wieder! |
Okay, und im "Mondpalast von Wanne-Eickel", einem vor Kurzem gegründeten Volkstheater, das auf Ruhrpott-Klischees setzt. Gegen Überlegungen, den Bahnhof umzubenennen in beispielsweise Herne Hbf wurde heftiger Widerstand eingelegt.
Im Bezirk Wanne findet alljährlich in Crange die große Cranger Kirmes statt. Viele Eisenbahnfans bzw. Train-Simmer kennen spätestens seit dem GR-Addon "Schnelltriebwagen auf der Rollbahn" die Rollbahn zwischen Münster und Bremen. Was kaum einer weiß: Offiziell beginnt die Rollbahn in Wanne-Eickel Hbf. Hier halten nicht nur einige Fernverkehrszüge, es besteht auch ein guter Umstieg ins Ruhrgebiet (Glückauf-Bahn nach Gelsenkirchen und Bochum, Rhein-Emscher-Express nach Oberhausen, Dortmund und Hamm, S-Bahnen nach Recklinghausen, Oberhausen, Dortmund).
Der Bahnhof ist ein Vorbild für Renovierung. Während man in Menden (Sauerland; verkommenster Bahnhof in NRW) beispielsweise noch drauf und dran ist, den alten Bahnhof abzureißen und durch postmoder- |
ne Gebäude zu ersetzen, wurde hier die alte Substanz renoviert und das Umfeld gestaltet. Und es kann sich sehen lassen. Kein Wunder, dass hier sogar ein Fernsehfilm gedreht wurde: "Ein Mann, ein Fjord!" von und mit Hape Kerkeling alias Horst Schlämmer. Sie werden dort das ein oder andere in der entsprechenden Szene wiedererkennen!
 |
Zusammen mit dem RE 3 Rhein-Emscher-Express aus Hamm und der Glückauf-Bahn der Abellio Rail, die früher NOKIA-Bahn hieß, geht es nur ein kurzes Stück weiter nach Gelsenkirchen. In die Stadt, die vor allem für den blau-weißen Fußballverein aus dem Vorort Schalke bekannt ist.

Gelsenkirchen Hbf
|

Eingang von der Fußgängerzone aus
|

Passage im Hauptbahnhof
|

Noch stehen die Zeichen auf Weihnachten |
Und jetzt heißt es tapfer zu sein. Ich habe es lange aufgeschoben. Aber irgendwie gehört es ja auch ein bischen dazu. Und dann sieht auch noch der Bahnhof besser aus als der von Dortmund! Die Rede ist von Gelsenkirchen. Und dessen Fußballverein aus dem Ortsteil Schalke, der auch die nächsten fünfzig Jahre garantiert maximal Vizemeister wird. Hinter dem Bahnhof gelangt man durch eine kleine, offene Einkaufspassage in die Fußgängerzone. Die Geschäfte sind die gleichen wie in anderen Städten auch. Warum auch nicht. Vorbei an Kray-Nord, wo nur S-Bahnen halten, fahren RB 42 und RE 2 ins mittlere Ruhrgebiet und erreichen die Ruhrmetropole Essen und die große Baustelle Hbf.

Essens Hbf im Regen
|

Zugang zur Stadtmitte
|

Endstation des Ruhr-Sieg-Expresses an Gleis 9 in Essen Hbf |

Am anderen Ende steht der "Borkener" |

RE 14 als Albino-Talent nach Borken |

Westfalen-Express nach Minden erreicht Essen |
Essen ist eine kreisfreie Stadt (Kennzeichen E). Direkt am Hauptbahnhof verläuft die A40 vorbei. Witzigerweise gibt es hier die einzige Buslinie in Deutschland, die auf einer Autobahn fährt und hier auch hält! Man muss es sich allerdings nicht so vorstellen, dass auf dem Standstreifen Haltestellenschilder stehen. Nein, die Busse fahren in einer eigenen Busspur zwischen den Fahrbahnen und halten an vier Haltestellen.
Im sogenannten Südviertel stehen einige recht große Bürohochhäuser von RWE, Evonik und Postbank. Das höchste Gebäude ist der keksdosenförmige RWE-Tower am Opernplatz mit 120 Metern Höhe und 30 Stockwerken. Weitere fünf Häuser überschreiten die 70-Meter-Marke. In Essen sitzt außerdem der eingangs erwähnte Regionalverband Ruhr. Auch Essen ist für seinen Weihnachtsmarkt bekannt, der in der jeweiligen Weihnachtssaison viele Besucher anlockt.
War die Großstadt früher ebenfalls - wie alle Städte des Ruhrpotts - Schwerpunkt der Montanindustrie, ist die Stadt heute Einkaufsstadt. Damit wirbt sie auch. Spuren der alten Epoche lassen sich dennoch hier und dort finden. Ein Beispiel dafür ist die Villa Hügel, das Wohnhaus der Familie Krupp. Unter diesem Namen fanden sich zahlreiche Produktionsstätten für Stahl und Eisen. Wesentlich bekannter als die Villa Hügel ist aber sicherlich die Zeche Zollverein, berühmt durch den großen, wie eine Landmarke auffälligen Zechenturm über Schacht XII, den man in zahlreichen Dokumentationen und Reiseberichten über das Ruhrgebiet findet. Hier auf der Zeche wurde Steinkohle gefördert und in der benachbarten Kokerei gleichen Namens weiterverarbeitet. Heute findet sich hier ein Besucherzentrum und ein Schwerpunkt von Gestaltung und Design. Industrie und der Strukturwandel - ein brandheißes und interessantes Thema. Nicht umsonst ist Essen im Jahre 2010 Weltkulturhauptstadt. Informationen zur Zeche Zollverein finden sie unter der Rubrik Route Industriekultur . |

Zeche Zollverein Schacht XII
|
Der Hauptbahnhof im Süden der Innenstadt wird derzeit saniert. Lange Zeit war dies ein riesiges Chaos mit wechselnden Gleisen, gesperrter Hauptunterführung und und und. Inzwischen sind die Bauarbeiten auf den Bahnsteigen schon fast fertig, die eigentliche Bahnhofshalle ist immer noch gesperrt. Die Bahnsteige bestehen hier aus Teer, in den taktile Blindenleitstreifen eingesetzt wurden. Außerdem wurden Aufzüge und neue Rolltreppen verbaut. Grundsätzlich besteht die Hauptpassage aus zwei unterschiedlichen Höhenstufen nebeneinander. Die ersten sichtbaren Ergebnisse des Umbaus (vor allem der Teer auf den Bahnsteigen) haben in Dortmund die Angst ausgelöst, dass beim dortigen Umbau des Hauptbahnhofs ähnlich "billig" saniert werden wird.
In Essen enden einige Nahverkehrslinien. Zum einen der "Borkener" der Linie RE 14, der nach Borken fährt und von der NordWestBahn betrieben wird. Diese Linie endet mit Gleis 8 auf einem Stumpfgleis ganz am Ende eines Bahnsteigs - meist sieht man Leute, die mit dieser Linie fahren wollen, suchend durch den Bahnsteig laufen. Am anderen Ende genau dieses Bahnsteigs Richtung Osten ist das Stumpfgleis Gleis 9. Hier endet die Fahrt für den Ruhr-Sieg-Express der Linie RE 16 und für die Ruhr-Lenne-Bahn (RB 40). Endstation ist in Essen auch für Fahrgäste der RB 42 "Haard-Bahn" aus Richtung Münster. Mit der S1, 2, 3, 6 und 9 gibt es zahlreiche Schnellbahnverbindungen im Ruhrgebiet. Eine Besonderheit bildet die S9, die zwischen Haltern (Münsterland) und Wuppertal Hbf (Bergisches Land) pendelt. Auf ihr fuhren bis 2009 die letzten Exemplare der alten Triebwagen der Baureihe 420 in NRW und war sehr verspätungs- und ausfallanfällig. Mit den neuen 422er-Triebwagen hat die Moderne Einzug genommen.

Mülheim / Ruhr Hbf
|

...und sein Bahnsteig
|
Ein kurzes Vergnügen in Mülheim (kreisfreie Stadt mit dem Kennzeichen MH - Nummer sechs). Der vorgesehene Zug, den ich ab Mülheim nehmen will, fährt quasi eine Signalblockzeiteinheit später ein als der Zug, mit dem ich gekommen bin. Es regnet nicht mehr, dafür ist der Himmel bewölkt. Ideales Fotowetter. Wenn man denn dichte Wolken fotografieren wollte. Will ich aber nicht.

Der Klotz von Duisburg Hauptbahnhof
|

In der stählernen Bahnhofshalle: Der Wedauer der RB 37
|

Der Niederrheiner und Nordrhein-Westfalen-Express in Duisburg
|

Stahlgerüst der Bahnsteigüberdachung
|
Es geht leicht verspätet mit dem RE 2 Rhein-Haard-Express weiter nach Duisburg. Der Hauptbahnhof hat eine sehr eigentümliche Form bzw. ein auffallendes, grünes Stahlgerüst. Duisburg, gesprochen "Düüsburg", bildet die Grenze zum Ruhrgebiet. Hier fließt die Ruhr in den Rhein. In der Mündung liegt der Hafen der Stadt, welcher der größte Binnenhafen der Welt ist. Natürlich ist die Stadt auch bekannt für ihre Industrie für Kohle und Stahl. Berühmt ist der Stadtteil Meiderich für sein stillgelegtes Hüttenwerk. Dieses Stahlwerk wurde nach seiner Schließung nicht abgerissen, sondern in einem Landschaftspark integriert.

Landschaftspark Nord in Meiderich: Hochofen 5
|

Erz- und Kohlebunker
|

Illumination bei Nacht
|

Das Krokodil im Sturm
|
So ist ein Naherholungsgebiet inmitten einer Industriekulisse entstanden. Den alten Hochofen kann man besteigen und das alte Werk, teilweise von der Natur zurückerobert, von oben betrachten. In den alten Kohle- und Eisenbunkern finden sich Möglichkeiten zum Klettern, im benachbarten Gasometer kann man tauchen. Nachts wird das Gelände mit dem Namen "Landschaftspark Nord" am Wochenende und an Feiertagen farbig illuminiert. Man beachte dazu auch weiterhin die Unterseite zum Thema Industriekultur unter Dokumentationen & Berichte auf diesen Seiten.
An und für sich hat die Linie an dieser Stelle ihr Ende gefunden, da der Abschnitt von Duisburg nach Düsseldorf hinreichend ausführlich unter dem RE 1 »Nordrhein-Westfalen-Express« betrachtet wird.
Rhein-Haard-Express Anno 2008 nach Mönchengladbach:
Im Dezember 2010 fand im Zuge des Fahrplanwechsels zugleich eine Umorientierung einiger Regional-Express-Linien statt, von der auch der RE 2 nicht verschont blieb. Zuvor verkehrte der Rhein-Haard-Express über Krefeld nach Mönchengladbach Hbf. Diesen letzten Abschnitt übernimmt heute der Rhein-Hellweg-Express nach Hamm, der sein östliches Ende nach Paderborn wiederum an den NRW-Express der Linie RE 1 abgegeben hat.
Um dem dokumentatorischen Auftrag gerecht zu werden, wird der alte Abschnitt weiter erhalten und von der damaligen Erkundung berichtet. Beachten Sie also bitte beim Lesen der folgenden Abschnitte, dass das dargestellte Rollmaterial heute nur noch bedingt in dieser Form verkehrt. Der RE 11 wird langfristig auf einstöckige Triebwagen umgestellt, weswegen Doppelstockwagen auf diesem Streckenbereich praktisch zur Vergangenheit gehören. Ausnahmen bestätigen die Regel (RE 4 / RE 7) |

Karte des RE 2 bis 12/2010 |
Bei Rheinhausen wird der Rhein überquert. Der Vorteil des MSTS hierbei: Die Brücke in Rheinhausen mit dem alten Brückenpfeiler kann man relativ einfach aus der Luft betrachten. In Realität müsste ich einen Hubschrauber mieten - oder einen Heißluftballon.

Bahnhof von Rheinhausen |

Der Niederrheiner der RB 31 von Xanten nach Duisburg |

Duisburg-Hochfelder Brücke
|

Durchfahrt des Niederrheiners in Rheinhausen-Ost
|

Hochfelder Rheinbrücke (MSTS) - wiedererkennbar! |

Und der Bahnhof selber (MSTS). Hm. |
Wir halten in Krefeld Uerdingen quasi im Chemiewerk von Bayer. Der Zug entwickelt schon in Krefeld-Uerdingen einen Geruch, den ich so noch als "Normalen Bremsabrieb" bezeichnet hätte. Man weiß ja, dass Doppelstockwagen ziemlich müffeln von den Bremsen, wenn sie im Bahnhof angehalten haben. Aber diesmal riecht das ziemlich heftig. Ohne ein Zeichen einer Störung fährt der RE 2 allerdings wieder an.
Kurz vor Krefeld zieht plötzlich wieder ein beißender Gestank durch den Wagen. Ich bilde mir ein, dass die Sonnenstrahlen sichtbar werden, es also nebelig wird. Feuer?? In der Tat zieht nun langsam aber stetig ein blauer Nebel durch das obere Stockwerk. Auch andere bemerken nun diesen Fakt nach kurzer Zeit: "Boa! Alter Schwede, wat stinkt dat hier?!" Ich muss ja eh in Krefeld aussteigen, daher stehe ich auf und steige die Treppen hinunter in den Flur, in der Hoffnung, dass es dort besser ist. Der Qualm kommt vom Drehgestell, welches inzwischen draußen kräftig rechts und links vom Zug qualmt. Und der Qualm zieht durch die Zwischentüren und die Klimaanlage in den Waggon. Eine gewisse Unruhe bricht aus, vor allem, weil man nun nicht mehr befreit atmen kann und der Gestank ziemlich ungesund riecht. Es wird immer ungemütlicher. Not-Sprechstellen werden betätigt, die mit dem Schriftzug "Bitte warten..." reagieren. Sonst passiert - nichts.
Wir halten kurz vor Krefeld. "Die Türen kann man doch entriegeln, sollen wir? Man kann ja nicht mehr atmen!" |

Gar nicht so falsch: In Uerdingen mitten durchs Chemiewerk |
Gut, dass der Kollege an der Tür nicht die Entriegelung betätigt hat. Soeben fährt nämlich ein anderer Regionalzug direkt neben uns aus dem Bahnhof heraus. Das hätte wehtun können. Wir fahren alsbald wieder an und der Rauch wird dichter. Die Leute versuchen, durch Schals, Pullovern oder Anoraks zu atmen. Das funktioniert allerdings auch nur im Fernsehen. Raus aus dem Flur kommt man nicht mehr, weil inzwischen eine große Schlange auf den Treppen steht. Quasi der gesamte Inhalt des Waggons will eigentlich nur hinaus. "Merken die das denn nicht?" - "Sollen wir die Notbremse ziehen?" - "Also.... ich sag ehrlich, ich hab Angst!". Ein kleines Kind bricht in Tränen aus. Wir rollen langsam weiter in die Bahnhofshalle.
Endlich Ankunft im Bahnhof von Krefeld. Kaum stehen wir am Bahnsteig, bricht die Menge unaufhaltsam und hustend nach draußen. Die am Bahnsteig stehenden sind dementsprechend verblüfft, nur wenige steigen zaghaft ein - und direkt wieder aus. Der Großteil bleibt draußen. Der Lokführer wird informiert, eine kleine Gruppe steht vorne. Wo einige Menschen schon das Telefon in der Hand haben, um die Feuerwehr anzurufen - das Drehgestell qualmt immer noch recht kräftig -, macht der Tf eine Bremsprobe. "Bremsen sind gelöst. Wir können also weiter." Ein Fahrgast mischt sich ein: "WAS? Wollen Sie SO weiterfahren?" - "Ja, wieso?" - "Da kann man nicht atmen!" - "Das bisschen Geruch wird von der Klimaanlage rausgezogen..." Es steigen dann doch noch ein paar Leute aus, die sich nicht in den Rauch setzen wollen. Ein Großteil der Menschen aus den betroffenen Waggons bleibt in Krefeld. Ich auch - aber geplant. Der Zug verschwindet mit +15 Minuten und immer noch qualmenden Drehgestellen nach Mönchengladbach. Ich weiß nicht, ob das wirklich so harmlos war, wie vom Personal angenommen. Ich wette übrigens, dass in der Not-Sprechstelle immer noch "Bitte warten..." steht. Gut zu wissen, dass man sich darauf verlassen kann!
Lange nicht mehr eine derartige Unprofessionalität des Zugpersonals erlebt. Aber *hust* jetzt bin ich erstmal in Krefeld angekommen *hust*.
|
|
Ein Kollege aus dem Waggon übergibt sich soeben in einen Mülleimer - passenderweise den für Restmüll. Offensichtlich konnte er noch aussuchen und unterscheiden zwischen Plastik, Papier und Glas. Mir geht´s noch gut. Noch.

Bahnhofshalle Krefeld mit dem Niers-Express aus Kleve
|

Bahnhofsgebäude
|

MSTS: Die helle, freundliche Halle
|
|
Der Hauptbahnhof Krefeld besteht aus einer kleinen mehrbögigen Halle samt Empfangsgebäude. Sie ist angenehm hell gestaltet - im Gegensatz zum architektonisch ähnlichen Bau in Mönchengladbach, wie man später sehen wird. Hier in Krefeld beginnt der RE 7 seine Zickzack-Fahrt quer durch NRW. Zuerst nach Süden Richtung Köln Hbf, um dort den Rhein zu queren und wieder via Opladen, Wuppertal, Hagen, Unna, Hamm und Münster nach Rheine zu fahren. In der Form eines großen, mathematischen Wurzelzeichens mit aufgebogenem Querstrich. Als ob der Mathematiker beim zeichnen der Wurzel von seinem Sitznachbarn angestoßen worden wäre: "Ey, wie geht das?!" Und da der Zug auch nach Münster fährt, wie der RE2 auch, allerdings bei Neuss den Verkehrsverbund Rhein-Ruhr verlässt, ist der Text in seiner LCD-Zielanzeige mit dem Zusatz "ÜBER KÖLN" versehen. Mit der parallel fahrenden RB 33 "Rhein-Niers-Bahn" Duisburg-Aachen fahre ich weiter nach Viersen.

Der Rhein-Haard-Express: Gegenzug in Viersen
|

Viersens Empfangsgebäude
|

TS: Leider das EG von Mülheim/Ruhr, aber sonst korrekt
|

RB 33 "Rhein-Niers-Bahn"
|
Vorbei an den Halten Forsthaus und Anrath, wo der RE 2 planmäßig durchrauscht. Und auch mir ist jetzt "kotzübel" vom Rauch aus dem RE von eben. Er hängt überall. Im Pullover, in der Tasche, wenn man die öffnet, um an der Wasserflasche zu nuckeln. Kopfschmerzen, Übelkeit. Wer weiß, was da abgebrannt ist. Gesundheitsfördernd kann es nicht gewesen sein. Mir wird jetzt schon wieder schlecht, nur beim dran denken. Noch bin ich nicht am Ziel - ich halte mich aber tapfer. Hier in Viersen wird massiv gebaut. Dennoch fällt das blitzweiße, von außen fertig sanierte Empfangsgebäude auf.
Am Bahnsteig von Viersen, wo ich nun auf den Anschluss nach Mönchengladbach warte, stehen Mutter und Kleinkind. Und das Kind erzählt von brennenden Eisenbahnen. "Ja, seit heute brennt es in allen Zügen für ihn", entschuldigt sich die Frau. Schau an, die beiden waren also auch dabei. Und sind auch mit ausgestiegen in Krefeld.
Auf geht es in die letzte Etappe. Diese wird wenig korrekt für den Artikel ohne RE 2 durchgeführt, sondern mit dem RE 13 aus Venlo, dem Maas-Wupper-Express (Der hat in den n-Wagen Fenster, die man öffnen kann. Ein nicht zu unterschätzender Fakt bei der Wahl des Fahrzeugmaterials heute...). Praktischerweise hieß dieser sogar einmal "Der Viersener" und verkehrte als sehr kurzer RE von Düsseldorf bis Viersen. Mit diesem Zug erreiche ich die dunkle Halle des Hauptbahnhofs von Mönchengladbach.

Maas-Wupper-Express in Mönchengladbach Hbf
|

Schwalm-Nette-Bahn wartet in der düsteren Halle auf Abfahrt
|

Mönchengladbach Hbf im MSTS
|

Europaplatz und Hauptbahnhof
|

Endstation des RE 2: Vergangenheit |

Haupteinkaufsstraße von M'Gladbach |
Benannt ist die Stadt nach dem Gladbach, der auf dem Stadtgebiet entspringt. Und weil der Name so lang ist, wird er häufig nur M'gladbach oder sofort MG abgekürzt - wie das Autokennzeichen. Es ist nämlich eine kreisfreie Stadt.
Ein langes Stationsschild, eine sehr düstere Bahnhofshalle. Von hier aus fährt im Zweistundentakt die Schwalm-Nette-Bahn der Linie RB 39 nach Dalheim an der niederländischen Grenze - als Strecke benutzt sie den "Eisernen Rhein", eine alte internationale Güterverbindung zwischen Deutschland, Belgien und den Niederlanden. Heute spielt die Borussia, der Gladbacher Fußballverein, gegen Köln. Dementsprechend viele Menschen mit merkwürdigem Eindruck trifft man auf dem Bahnhofsvorplatz, der ebenfalls Europaplatz heißt. Wie in Recklinghausen - sehr einfallsreich. Weiß die EU wohl, dass die Stadt einen Busbahnhof als Europaplatz bezeichnet? Hier steht ein riesiger Omnibusbahnhof mit überdachten Haltestellen. Die Bedachung versucht man zu begrünen, große Rankgitter sollen Pflanzen die Richtung zeigen, in der sie wachsen sollen. Vom Europaplatz aus verläuft die Hindenburgstraße nach Südwesten. Es handelt sich dabei um die Haupteinkaufsstraße. Sie ist als Fußgängerzone ausgeschildert, allerdings führen viele Buslinien hier durch. Es geht etwas steil nach oben zum Alten Markt.
Einige Schritte südlich vom Markt, auf dem heute auch tatsächlich Markt stattfindet, liegt die Münsterbasilika etwas versteckt hinter dem als Rathaus benutzten Benediktinerklosters.
Genug - ich habe heute absolut keine Lust mehr auf Bahn. Auch so kann mal eine Streckenexkursion enden. Vielleicht kann ja jemand unter Ihnen mal erklären, wozu die Notsprechstellen im Zug da sind, wenn nicht für den Ernstfall??
Sebi on Tour - Demnächst vielleicht auch in Ihrer Nähe ;-)
Zusatzinformationen:
Wupper-Express 11 für MSTS: www.graphics15.de
Weitere, thematisch passende Nahverkehrs-Artikel:
RE 1 | RE 3 | RE 13 | RB 31 | RB 39 | RB 43 | RB 51
Zur Auswahlseite des Nahverkehrs in NRW
(c) Bilder, Text und Grafiken: S.Hellmann - www.mytrainsim.de |