
Nahverkehr in NRW: Teil 32 - Privatbahnwelt Ostwestfalen-Lippe
Ostwestfalen ist die Region in Deutschland, die gleich zwei gegenläufige Himmelsrichtungen im Namen vereint: Ost und West. Geographisch ist die Region "OWL", wie sie auch bezeichnet wird, mit den Grenzen des Regierungsbezirks Detmold gleichzusetzen. Er liegt im Nordosten des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen und umfasst die Kreise Paderborn, Gütersloh, Höxter, Herford, Minden-Lübbecke, Lippe sowie die Stadt Bielefeld und von der Topologie her sämtliche Gebiete östlich des Teutoburger Waldes und einem schmalen Streifen westlich davon. Damit werden die Landschaften Teutoburger Wald, Ravensberger Land, Wiehengebirge, Weserbergland und das Lipper Land eingefasst, die sich teilweise in den Namen der betrachteten Nahverkehrslinien spiegeln.
Bahntechnisch decken zwei große Verkehrsverbünde die Region ab, nämlich der Nahverkehrsverbund Paderborn-Höxter (nph) und der Verkehrsverbund Ostwestfalen-Lippe (VVOWL), der gemäß seiner Nummer des Kooperationsraumes auch als "Der Sechser" bezeichnet wird. Im Bereich dieser Zweckverbände gibt es kaum eine Nahverkehrslinie, die nicht ausgeschrieben wurde. Dies hat dazu geführt, dass vier statt ein Bahnunternehmen dominieren. Neben der Deutschen Bahn, die hier "nur" noch drei wenn auch wichtige Regionalexpresslinien betreibt, fahren drei private Eisenbahnunternehmen, sogenannte NE-Bahnen (Nichtbundeseigene Eisenbahn): Die Eurobahn, die NordWestBahn und die Westfalenbahn. Dementsprechend bunt sind die Züge. Doch die Meinungen dieses Vorgehens gehen auseinander. Bezeichnen die Kritiker die Vielfalt als "neuartige Kleinstaaterei", so argumentieren die Befürworter mit dem gesteigerten Wettbewerb und der Qualitätsverbesserung.
In folgender Karte sind die Bahnlinien nach Betreiber unterschieden eingezeichnet:

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Linien der Deutschen Bahn:
RE 6 "Westfalen-Express": Düsseldorf-Minden
RE 60 "Ems-Leine-Express": Rheine - Braunschweig
RE 78 "Porta-Express": Bielefeld-Nienburg
Linien der Eurobahn:
RB 71 "Ravensberger Bahn": Bielefeld - Rahden
RB 73 "Der Lipperländer": Bielefeld - Lemgo
RB 77 "Weser-Bahn": Bünde - Hildesheim
RB 89 "Ems-Börde-Bahn": Münster-Paderborn (-Warburg)
Linien der NordWestBahn:
RE 82 "Der Leineweber": Bielefeld-Lage-Altenbeken
RB 84 "Egge-Bahn": Paderborn-Holzminden
Linien der Westfalenbahn:
RB 61: "Wiehengebirgs-Bahn": Bad Bentheim - Bielefeld
RB 72: "Ostwestfalen-Bahn": Herford - Paderborn
Eingestellte Linien:
RB 62 "Der Cherusker": Rheine-Paderborn
RE 76 "Weser-Heide-Bahn": Bielefeld-Rothenburg (W.)
RB 83 "Weserbergland-Bahn": Paderborn-Hameln (Jetzt S5)
Kursiv gedruckte Linien werden andernorts betrachtet!
* Bedarfshalt
Stand der Informationen: 2010
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Zugunsten der Übersichtlichkeit sind einige Linien der NordWestBahn (z.B. Senne-Bahn) mit eigenen Artikeln nicht eingezeichnet. Vier Bahnunternehmen teilen sich elf Linien der Region, die sich größtenteils abwechselnd eine Trasse teilen oder auch alleine bis zur Endstation führen. Gebündelt sind die Linien teilweise zu Netzen, nämlich dem Ems-Senne-Weser-Netz (NordWestBahn-Linien), Teutoburger-Wald-Netz (Westfalenbahn-Linien) sowie das Lipperländer Netz, die Ravensberger Bahn und die Weser-Bahn (Eurobahn).
Die Linienbetreiber
Die NordWestBahn GmbH ist eine Tochter der Veolia Verkehr GmbH, der Stadtwerke Osnabrück und der Verkehr und Wasser GmbH in Oldenburg. Veolia ist dabei das größte private Verkehrsunternehmen in Deutschland. Zur ihr gehört auch die Nord-Ostsee-Bahn (NOB), Ostseeland Verkehr (OLA) sowie Connex. Seit 2000 fährt die NWB in Niedersachsen und Bremen, seit 2003 in Nordrhein-Westfalen. Die NWB befährt heute einen Großteil der privat betriebenen Linien in NRW, vor allem im Münsterland, am Niederrhein und im Raum OWL.
Die Eurobahn gehört der Keolis SA. mit Sitz in Paris. Ehemals wurde das Unternehmen unter der Beteiligung von Rhenus (bei der Rethmann, ein Müllentsorger aus dem Kreis Unna, Gesellschafter ist) gegründet. Die Eurobahn betreibt schon länger einige Linien im grenzübergreifenden Verkehr zwischen Niedersachsen und NRW im Raum Lippe, fährt seit 12/2008 aber im großen Hellweg-Netz zwischen Paderborn, Soest, Dortmund und Münster auf den Regionalbahnlinien 50, 59, 69 und 89 sowie seit 12/2009 auf dem RE 3 und 13.
Die Westfalenbahn GmbH bilden vier Unternehmen mit gleichen Anteilen: Die Abellio GmbH, moBiel GmbH (eine Tochter der Stadtwerke Bielefeld), Mindener Kreisbahnen GmbH und Verkehrsbetriebe Extertal-Extertalbahn GmbH. Das Unternehmen mit Sitz in Bielefeld wurde 2005 gegründet. Seit 2007 fahren die Züge der Westfalenbahn auf vier Regionalbahnlinien in NRW: Auf der RB 61 "Wiehengebirgsbahn" von Bad Bentheim nach Bielefeld, der RB 65 "Ems-Bahn" von Münster nach Rheine, der RB 66 "Teuto-Bahn" zwischen Münster und Osnabrück sowie auf der RB 72 "Ostwestfalenbahn" zwischen Herford und Paderborn.
Eine ausführlichere Übersicht über die in NRW vertretenen Bahnunternehmen findet sich unter Privatbahnen in NRW .
Die Exkursion
Bunt ist nicht nur die Vielfalt der Züge durch privaten Betreiber. Auch die Wälder sind schon leicht bunt - es ist Herbst. Gelb sind frei nach dem Herbstlied nicht nur die Stoppelfelder, sondern auch die Triebwagen der Eurobahn, mit der ich in Bielefeld anreise. Zwei Stunden zuvor ging die Reise von Fröndenberg über Unna und Hamm los. Bielefeld bildet den westlichen Ausgangspunkt der Erkundung des OWL-Bahnnetzes.
Die Stadt liegt direkt am schmalen Teutoburger Wald, einem niedrigen, bewaldeten Höhenzug, der sich von Südost nach Nordwest bogenförmig durch das nördliche Westfalen zieht. Die kreisfreie Stadt Bielefeld (BI) ist die größte Stadt der Region und hat etwa 320.000 Einwohner. Bekannt ist die Stadt für die sogenannte "Bielefeldverschwörung", die besagt, dass es die Stadt gar nicht gibt. Probieren Sie´s aus und geben Sie bei Google "Bielefeld gibt es nicht" ein. Über 2,5 Mio Treffer (Stand 01/2010). Der Hauptbahnhof liegt etwa ein Kilometer nördlich des historischen Stadtzentrums. Er hat vier Bahnsteige, an denen wichtige Züge des Nah- und Fernverkehrs halten. Die Bahnsteige sind modernisiert und mit LCD-Zielanzeigern ausgerüstet. In der hellen und freundlichen Bahnhofshalle sind neben einem Reisezentrum diverse Läden angesiedelt.

Bielefeld Hauptbahnhof: Empfangsgebäude |

Der "Lipperländer" der RB 73 in Bielefeld |

Senne-Bahn der NordWestBahn nach Paderborn |

Lichte Bahnhofshalle von Bielefeld |
Bielefeld ist ein wichtiger Hauptbahnhof der Region. Neben dem Fernverkehr halten hier die wichtigen RE-Linien 6, 70, 78 und 82 ins Ruhrgebiet bzw. Richtung Paderborn und Niedersachsen. Außerdem Regionalbahnlinien nach Osnabrück, Rahden, Lemgo, Paderborn und Münster. Für zehn der genannten Linien bildet Bielefeld Hauptbahnhof die Endstation.
Der erste Streckenabschnitt, der angegangen wird, ist die Kursbuchstrecke 404, die sogenannte Begatalbahn. Sie verbindet Bielefeld über Lage mit Lemgo und führte früher bis nach Hameln weiter. 1980 wurde der Personenverkehr auf diesem letzten Abschnitt eingestellt, bis 1985 die Infrastruktur abgerissen. Seit 2007 wurde hinter Lemgo der neue Halt Lemgo-Lüttfeld eröffnet. Auf der gesamten aktiven Begatalbahn fährt die mit 32 Kilometern vergleichbar kurze Regionalbahn 73 "Der Lipperländer", die heute von der Eurobahn betrieben wird. Bis Lage wird der Stundentakt der Regionalbahn durch den Regionalexpress RE 82 "Der Leineweber" Bielefeld-Altenbeken, betrieben von der NordWestBahn ergänzt. Dieser Regionalexpress hält allerdings zwischen Bielefeld und Lage nur noch in Oerlinghausen. Auf beiden Linien fahren TALENT (Talbot Leichter Niederflurtriebwagen), die jeweils in den Farben der Firmen in gelb-weiß und blau-gelb lackiert sind.

Bahnhof Lage (Lippe)
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Ostwestfalen-Bahn nach Paderborn vor der Zuckerfabrik
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Der Lipperländer der Eurobahn von Lemgo nach Bielefeld
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Bahnhofsgebäude Lage
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Bahnhofsgebäude von der Gleisseite gesehen |

Der kleine Umsteigeknotenpunkt aus dem Führerstand |
Mit dem Leineweber geht es vorbei an allen kleinen Halten der Begatalbahn bis zum Eisenbahnknotenpunkt in der Zuckerstadt Lage. "Die NordWestBahn begrüßt Sie dann an Bord des Leinewebers nach Altenbeken und wünscht Ihnen dann eine angenehme Fahrt!" Werde ich dann jetzt wohl haben.
Der Bahnhof Lage ist ein Umsteigebahnhof zwischen den Strecken Bielefeld-Lemgo und Herford-Paderborn. Diese Strecke wurde Mitte der 70er Jahre elektrifiziert, so dass auch der Bahnhof Lage unter Strom steht. Neben dem Bahnhofsgebäude und einem ungenutzten Hausbahnsteig gibt es zwei Inselbahnsteige. Die Begatalbahn zweigt nördlich und südlich des Bahnhofs ab. Viel Zeit zum Umschauen besteht nicht, da bereits kurz nach Abfahrt des Leinewebers nach Detmold der gelb-weiße Talent der Eurobahn als RB 73 "Der Lipperländer" einfährt. Mit ihm fahre ich vorbei an Ehlenbruch bis zum ehemaligen Bahnhof und heutigen Haltepunkt Helpup.

Haltepunkt Helpup
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Bahnhof Helpup von der Straßenseite |

Zugewachsener Verladebereich |
Helpup ist ein kleiner Ortsteil von Oerlinghausen und hat etwa 5.000 Einwohner. Der Haltepunkt stellt sich als kleine Bahnstation heraus. Ich bin der einzige Aussteiger. In den 1990er Jahren war Helpup noch ein kleiner Bahnhof, der allerdings auf ein Durchgangsgleis zurückgebaut wurde.
Das kleine, alte Bahnhofsgebäude ist verlassen, verriegelt und verrammelt, ebenso der benachbarte Güterschuppen. Es weist eine regionstypische Architektur auf, findet man im Nachbarort Ehlenbruch doch eine Kopie des Gebäudes und an der Sennebahn ebenfalls Bahnhöfe in der Größe und Form. Der Bahnsteig besteht aus Betonfertigteilen, besitzt einen kleinen Pluspunkt und Fahrradständer. Die hinter dem Bahnhof verlaufende Bahnhofsstraße führt neben einer Verladerampe zu Silos.
Passenderweise deutet - nur um nicht zu übertreiben - ein Straßenschild statt zum Bahnhof oder Haltepunkt zum "Bahnsteig Helpup".
Nur kurze Zeit später taucht der Gegenzug des "Lipperländers" am Horizont auf und fährt mich über Lage hinaus Richtung Linienende in Lemgo-Lüttfeld. |
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Ich steige allerdings am Bahnhof Lemgo aus, der etwa einen Kilometer vor dem Linienende liegt.

RB 73 im Lemgo
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Bahnhofsgebäude von Lemgo
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Der Lipperländer auf dem Weg nach Bielefeld
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Der Bahnhof von Lemgo ist modernisiert und macht einen sehr guten Eindruck. Der Hausbahnsteig ist der einzige von den Linienzügen angefahrene. Er ist überdacht und bietet einen regengeschützten Übergang in die Bahnhofshalle. Daneben existiert ein Behelfsbahnsteig.
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In der Bahnhofshalle fallen gedruckte Zettel mit Verboten und Wünschen der Stadt auf, insbesondere die zum Alkohol- und Rauchverbot und die mit der Aufforderung, die Halle zur Abenddämmerung zu verlassen. Immerhin wirkt das Durchgreifen - die Halle ist einladend und sehr sau- ber. Das einzige, was hier weniger einladend ist, ist heute das Wetter.
Vom Bahnhof gelangt man zu Fuß rasch in die nördlich gelegene histo- rische Innenstadt von Lemgo. Dabei muss die Bega überschritten wer- den, der Fluss, der der Bahnstrecke den Namen gibt. Ich habe allerdings heute noch viel vor und muss leider leider leider verzichten. Vielleicht ergibt sich ja noch einmal eine Gelegenheit zu einem Stadtbesuch.
Nach kurzem Aufenthalt in Lemgo kommt der gelb-weiße Triebwagen |
zurück vom Linienende in Lüttfeld und fährt in den Bahnhof Lemgo ein. Er führt mich zum Kreuzungsbahnhof Oerlinghausen, mittig zwischen Bielefeld und Lage gelegen. Der Ort wird übrigens mit Ö ausgesprochen, das E hinter dem O hat keine Dehnungsfunktion. Örlinghausen.

Einfacher Umstieg von der Bahn auf den Bus
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Oerlinghausens Empfangsgebäude
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Gleisbild: Bahnsteig A und B (hinten) mit Umfahrgleis
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Der Bahnhof, der im Ortsteil Asemissen und etwa zwei Kilometer außerhalb des eigentlichen Ortes Oerlinghausen liegt, hat einige Besonder- heiten. Zum einen sind die Bahnsteige hintereinander angeordnet. Das westliche der beiden Gleise besitzt dabei ein bahnsteigloses Umfahrgleis. Die Bahnsteige tragen keine Gleisnummern. Sie heißen hier schlicht und einfach A und B und liegen etwa 150 Meter auseinander. In der Mitte steht das Empfangsgebäude, direkt am Gleis A halten praktischerwiese die Busse und ein Umstieg ist auch im Regen unproblematisch. Lediglich die Reisenden in Richtung Lage müssen dann zum Gleis B marschieren.
An Gleis A steht bereits der "Leineweber" in Richtung Bielefeld und wartet mit mir darauf, dass der Regionalexpress aus der Gegenrichtung eintrifft. Kaum steht dieser am Bahnsteig B, kann der andere Zug ihn umfahren und die Fahrt auf der eingleisigen Strecke fortsetzen. Auch mein Zug hat daher freie Ausfahrt.
In Lage wechselt nun die Strecke. Statt auf der Begatalbahn nach Lemgo fährt der RE 82 auf die Kursbuchstrecke 405 Herford-Altenbeken bzw. exakt bis zum Abzweig Langeland. Rund 50 Kilometer ist die Linie lang. 1885 wurde die Strecke bis Altenbeken eröffnet, nachdem sie zunächst 1880 nur bis Detmold gebaut wurde. Wie erwähnt wurde die Strecke etwa 90 Jahre später elektrifiziert. Neben dem Leineweber verkehrt auf der gleichen Strecke im Abschnitt Lage-Altenbeken die Ostwestfalen-Bahn der Linie RB 72. Sie fährt zwischen Paderborn und Herford und nördlich von Lage alleine auf der Strecke. Betrieben wird die Linie vom privaten Unternehmen Westfalenbahn. Eingesetzt werden bunte FLIRT (Flinker, leichter, innovativer Regionaltriebwagen) im grün-blau-gelben Design mit einem Westfalen-Pferd als Logo. Doch dazu später mehr. Der nächste Halt und auch Endstation des stündlichen Leinewebers ist Detmold, Sitz des gleichnamigen Regierungsbezirkes.

Bahnhofsgebäude von Detmold |

Detmold Bahnsteig |
Schon von weitem sieht man die hoch über der Stadt stehende "Freiheitsstatue", die sich bei näherem Hinsehen als das etwa 55m hohe Hermannsdenkmal herausstellt, bei dem eine Figur mit emporgestrecktem 7m langem Schwert auf einem hohen Sockel steht. Der Kopf hat einen Durchmesser von 1 1/2 Metern. Der Steinsockel ist etwa 27 Meter hoch - in ihm befindet sich auch das Kassenhäuschen, wo man die Gebühr für das Erklimmen verrichten darf. Das Denkmal kann man innen über Treppen besteigen bis zu einer Galerie knapp unterhalb der Füße Hermanns, dem Cherusker. Das Denkmal erinnert an die Varusschlacht der Germanen gegen die Römer im Teutoburger Wald.
Der Bahnhof von Detmold liegt einen halben Kilometer außerhalb der historischen Innenstadt mit dem Schloss und überrascht. Er hat ein schönes, altes Bahnhofsgebäude mit passender Bahnsteigüberdachung, altmodische Fahrplanschaukästen und alte Bänke. Ein wenig so, als sei am Bahnhof die Zeit stehen geblieben. Wenn da nicht ein moderner Dieseltriebwagen stünde, einige Gütergleise völlig verrostet und ungenutzt wären und zeitgemäße LCD-Anzeiger das Fahrtziel des Zuges angeben würden.
Mit der erwähnten Ostwestfalenbahn geht es kurz darauf weiter Richtung Altenbeken. Interessant wäre noch ein Aufenthalt in Horn-Bad Meinberg gewesen, weil sich hier die berühmten Externsteine befinden. Die Externsteine sind teilweise bis zu 40 Meter hohe Sandsteinfelsen. Sie werden schon seit Urzeiten für kultisch-spirituelle Veranstaltungen genutzt, heute insbesondere zur Sommersonnenwende und Walpurgisnacht. Man kann die Felsen gegen Bezahlen einer mäßigen Gebühr über in den Stein gehauene Treppen besteigen. Insbesondere eine Bogenbrücke zwischen zwei Felsen ist ein bekanntes Motiv. Während andere Touristen Hermann, den Cherusker oder die Externsteine erklimmen, fährt mein FLIRT vorbei an Sandebeck und Leopoldstal nach Langeland. Das hat allerdings nichts mit der dänischen Insel zu tun, sondern ist ein kleines Dorf mit einer Abzweigstelle an der Bahnstrecke. Hier stößt die Bahnstrecke aus Herford, die in Himmighausen auf die Strecke nach Hannover getroffen ist, auf die Eggebahn aus Holzminden und taucht in den 1632 Meter langen Rehbergtunnel ab. Sowohl RB 72 als auch RE 82, S5 aus Hannover und die RB 84 aus Holzminden erreichen damit den Landbahnhof Altenbeken.

Endstation des "Leinewebers" in Altenbeken |

.... für die RB 72 immerhin der letzte Halt vor der Endstation |

Bahnhofsgebäude Altenbeken |

Leineweber und Egge-Bahn der NWB nebeneinander |
Mit Altenbeken verbindet man häufig einen der kleinsten IC / ICE-Halte Deutschlands. Ja, im 9400 Einwohner kleinen Ort hält tatsächlich der Fernverkehr auf dem Weg nach Kassel und weiter nach Leipzig oder Richtung Ruhrgebiet. Häufig hört man Sätze wie "warum ist x kein ICE-Halt, aber Altenbeken, wo keine 10.000 Einwohner wohnen?!" Zunächst ist die übergroße Dimension des Landbahnhofs Bahnhofs historisch bedingt.

Wartehalle im Flur des EGs
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Außerdem ist Altenbeken ein nicht zu unterschätzender Umsteigeknotenpunkt - auch für den Fernverkehr. Sie werden es nicht glauben, aber schauen Sie mal auf den Linienplan (oder Netzspinne, falls man den bei Ihnen so nennt):
Mit der RB 84 gelangt man nach Höxter und Holzminden, kann aber in Ottbergen in den Nahverkehr von Niedersachsen umsteigen, um nach Göttingen, in den Solling oder den Harz zu fahren. Außerdem beginnt in Altenbeken die Linie des RE 82 "Der Leineweber", der über Detmold nach Bielefeld fährt und so Anschluss an weitere IC- und ICE-Linien sichert. Mit der RB 72 "Ostwestfalen-Bahn" gibt es zusätzlich eine Verbindung nach Herford. Mit der S5 gelangt man nach Hannover, mit RB 89 nach Warburg, Hamm und Münster.
Der Bahnhof ist keilförmig angeordnet mit einem Empfangsgebäude in Insellage. Neben dem Hausbahnsteig gibt es an jeder Seite noch einen Inselbahnsteig. An der dritten Seite des Bahnhofs befinden sich noch einige Sackbahnhofsgleise. Diese wirken allerdings größtenteils seit langem ungenutzt, Pflanzen wachsen im Gleisbett und die Schienen sind sehr verrostet. Ein einzelner Kofferkuli wartet dort auf seine Benutzung, einige LCD-Zielanzeigen sind mit Folien zugedeckt.
Ein typischer Landbahnhof, der langsam seine Wichtigkeit eingebüßt hat.
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Doch nun wird es Zeit, zum berühmten Altenbekener Viadukt zu marschieren. Es existiert am östlichen Widerlager eine neu geschaffene Aussichtsplattform, der Zugang vom Ort aus ist etwas versteckt. Doch vom Fuße der Brücke führt ein Treppenstufenweg direkt dorthin. Das Viadukt ist etwa 1,5 Kilometer vom Bahnhof entfernt und nicht zu verfehlen. Ich verzichtete zugunsten der Rucksacklast auf Karten und Navigationssysteme, war ich doch der Meinung, dass man das Viadukt nicht übersehen könne. Und es war eine richtige Entscheidung.

Ems-Börde-Bahn nach Warburg auf dem Altenbekener Viadukt
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Kurze Zeit später die Egge-Bahn der NWB nach Holzminden
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24 Säulen mit einer Maximalhöhe von 35 Metern über Grund |

Ein Kapellchen und die S5 nach Hannover. Wie ein Spielzeug. |

Die Ostwestfalen-Bahn kehrt aus Paderborn zurück nach Bielefeld |

Und die nächste RB 84 auf dem Weg in die Egge |
Das Viadukt wurde 1853 eingeweiht und ist die größte Kalksandsteinbrücke Europas. Es hat eine Länge von ca. 480 Metern und eine Höhe von maximal ca. 35 Metern (Höchste Distanz zum Talgrund), beschreibt dabei einen großen Bogen. Es wurde im zweiten Weltkrieg mehrfach bombardiert und zerstört. Erst Anfang der 50er Jahre konnte der Betrieb wieder aufgenommen werden. Zuvor mussten Reisende auf der Strecke am einen Ende aussteigen, den Hang hinunterklettern, auf der anderen Seite wieder hinauf und den Anschlusszug nehmen.

Von Weitem sieht so ein Quietschie auch ganz nett aus. Solange man nicht mit fahren muss ;-)
Natürlich hält es mich nicht eine Stunde lang auf der Plattform. Ich entdecke irgendwann die kleine Kapelle unterhalb der Brücke, die meiner Meinung nach ein schönes Vordergrundmotiv abgibt. Nach sieben Personen- und einem Güterzug schaue ich mir den Ort an.

Einzelhandelszentrum im Ortskern (links) und die Beke |

Egge-Museum |
Das Tal, in dem Altenbeken liegt, ist relativ schmal. Zu den meisten Häusern - und auch zum Bahnhof - muss man recht steile Straßen hochlaufen.
Im größten Teil besteht der Ort aus Neubauten, wie man relativ schnell erkennnen kann. Die Tatsache, dass Altenbeken sogar IC- oder ICE-Halt ist, verwundert nicht nur viele Leute, sondern führte wohl auch zu einer Expansion im Ort. Es gibt aber auch ältere Gebäude in einem alten Kern und zwei Kirchen. Das "Zentrum" oder besser die Ortsmitte selbst besteht größtenteils aus einem langgestreckten, recht modernen Einzelhandelskomplex, der entlang einer Prommenade am Ufer der Beke angelegt ist. Man gibt sich hier aber offensichtlich Mühe für eine ansprechende Bepflanzung. In der Nähe des Viadukts befindet sich das Egge-Museum, davor steht sehr demonstrativ eine Dampflok der Baureihe 44 - samt Wasserkran.
Für den weiteren Verlauf der Ostwestfalenbahn bis Paderborn verweise ich auf den Artikel zur Ems-Börde-Bahn. Mit der RB 72 geht es wieder den Weg zurück Richtung Lage. Vorbei an Sylbach und Schötmar erreiche ich schließlich Bad Salzuflen

RB 72 "Ostwestfalen-Bahn" in Bad Salzuflen |

Bahnhofsgebäude Bad Salzuflen |

Am Markt in Bad Salzuflen |

Ritterstraße |

Kirche auf dem Hallenbrink |

RB 72 Richtung Herford in BSU |
Bad Salzuflen ist ein Heilbad, hat etwa 55.000 Einwohner und liegt vor den Toren von Herford.
Die historische Altstadt befindet sich etwa mittig
zwischen dem etwas außerhalb liegenden Bahnhof und den Kuranlagen mit Kurhaus, Salinen und einem ausgedehnten Park mit See. Im Stadtkern stehen viele historische Gebäude, insbesondere einige Fachwerkhäuserzeilen sind bekannte Fotomotive der Stadt. Rings um den Markt finden sich kleinere Einkaufsstraßen mit vielen Cafés. Recht markant ist auch das kleine Rathaus und der Turm der Kirche auf dem Hallenbrink.
Der Bahnhof der Stadt liegt etwa 300 Meter südlich der Stadtmitte. Er besitzt ein recht großes Empfangsgebäude. In der schmucken kleinen Halle des Bahnhofs sind Sofas, Sessel und Tische aufgestellt, an denen man gemütlich auf den Zug warten kann. Der Bahnhof selbst hat einen Haus- und einen Inselbahnsteig. Sämtliche Züge fahren allerdings von Gleis 1 ab, der Inselbahnsteig samt Unterführung ist also unnötig für den Alltagsbetrieb.
Mit der nächsten Ostwestfalen-Bahn fahre ich bis zu ihrer Endstation in Herford. Herford kenne ich bisher durch´s Flitzen vom Westfalen-Express - hier musste ich bereits mehrfach meinem Anschluss hinterherrennen. Herford war mir bisher irgendwie nicht vergönnt! Gegen den Namen habe ich aber auch eine gewisse Aversion, da so ähnlich mein Mathelehrer in der Schule hieß. Der, der an den schönsten Sommertagen die längsten Hausaufgaben aufgab. Was ich mit den in mühevoller, wochenlanger Arbeit in der 9 oder 10 auswendig gelernten Additionstheoremen machen soll, weiß ich auch noch nicht so genau... |

Rathaus von Bad Salzuflen |
In einer scharfen Kurve wird die Innenstadt Herfords im Süden umfahren und der westlich gelegene Bahnhof der Stadt erreicht. Endstation für die Ostwestfalen-Bahn nach etwa 70 Kilometern bewältigter Strecke.

Herfords Empfangsgebäude
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Ein FLIRT im Westfalenbahn-Look
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Herford ist Kreisstadt des gleichnamigen Kreises (HF). Sie hat knapp 65.000 Einwohner. Der Bahnhof der Stadt liegt westlich von der City, die nach wenigen Geh-Minuten erreicht wird. Er hat ein Empfangsgebäude, einen Haus- und drei teilüberdachte Inselbahnsteige.

Herford: Gänsemarkt mit Jacobikirche |

Markthalle mit Münster |

Rathaus von Herford |

Gänsemarkt |
Zu Fuß geht es einmal durch die Stadt. Vorbei am Gänsemarkt, der vom markanten Turm der Jacobi-Kirche überragt wird, durch eine kleine Fußgängerzone bis zum Rathaus am Münster und von dort zurück zum Bahnhof.
Eine Verbindungskurve verknüpft die Strecke Hamm-Minden hinter Herford mit der Kursbuchstrecke 375 Löhne-Bünde (-Rheine) aus Richtung Hamm. An der Stelle, an der die Verbindungskurve die Strecke verlässt, liegt der kleine Haltepunkt Hiddenhausen-Schweicheln. Hier halten die beiden Regionalbahnen 61 und 71. Ich fahre mit der "Wiehengebirgs-Bahn" jedoch einen Halt weiter bis Kirchlengern. Früher musste man dazu aus Richtung Detmold kommend nicht einmal umsteigen. Damals fuhr die Linie RB 62 mit dem schönen Namen "Der Cherusker", benannt nach dem Hermann mit dem Schwert hoch über Detmold, zwischen Bad Bentheim und Detmold durch. Die Linie wurde gestrichen.
Die Wiehengebirgs-Bahn verbindet mit 135 Kilometern Länge Bielefeld via Herford mit Osnabrück, Rheine und der Endstation Bad Bentheim. Auch sie wird von der Westfalenbahn betrieben. Das Besondere an dieser Linie ist, dass sie dreimal die Landesgrenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen überschreitet. Auch hier setzt die Westfalenbahn ihre bunten FLIRT ein.
Der Ort Kirchlengern ist mir aus den WDR 2-Verkehrsnachrichten ein Begriff, aber dass der Bahnhof so chic ist, hätte ich nicht gedacht.

Kirchlengern. Ändert man die Perspektive...
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...steht der Bahnhof unter dem Kraftwerk von Kirchlengern.
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Vor dem E.ON-Kraftwerk steht ein knallrotes Backstein-Bahnhofsgebäude. Es beinhaltet heute u.a. ein Bistro. Die Bahnsteige liegen an der zweigleisigen Strecke gegenüber. Eine Unterführung gibt es nicht, der Bahnsteigwechsel erfolgt durch einen benachbarten Straßen-Bahnübergang. Auf beiden Seiten steht ein Pluspunkt. Es existiert außerdem ein Parkplatz und ein kleiner Busbahnhof. Kirchlengern ist ein Vorbild in Sachen Bahnhofsrenovierung.
Neben der RB 61 und 71 hält hier der RE 60 "Ems-Leine-Express" von Rheine nach Braunschweig und die "Weser-Bahn" der Linie RB 77 von Bünde nach Hildesheim. Mit der letzteren geht es einen Halt weiter nach Bünde.

Bündes Empfangsgebäude
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In der Tat ist das Gefälle nicht zu verachten
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Das erste, was mir hier auffällt, ist das Bahnsteigschild "Achtung Gefälle! Gepäckstücke mit Rollen, Kinderwagen sowie Rollstühle nicht ungebremst abstellen!" Nicht unbegründet, der Bahnsteig ist wirklich in Schieflage. Unter dem Stationsschild wirbt man für die "Zigarrenstadt Bünde", mir als Nichtraucher sagt das allerdings nichts.
Bünde hat knapp 45.000 Einwohner und gehört zum Kreis Herford. Der Bahnhof liegt nordwestlich der Stadtmitte und ist durch den Fluss Else von ihr getrennt. Er hat ein recht großes Bahnhofsgebäude, in dem eine Radstation untergebracht ist, und zwei Bahnsteige, von denen einer ein Inselbahnsteig ist. Eine Unterführung verbindet die Bahnsteige, das Spitzdach der Unterführung über den Treppen wird durch eine alte, blaue Stahlkonstruktion mit vielen Fensterchen getragen.
Hier halten die gleichen Linien wie in Kirchlengern. Der einzige Unterschied dabei ist, dass für die Weser-Bahn hier Endstation ist. Für alle anderen Linien gilt, dass mit Bruchmühlen der nächste Halt in Niedersachsen liegt, denn Bünde befindet sich an der Landesgrenze.
Um die Jahrhundertwende wurde die Ravensberger Bahn, die heutige Kursbuchstrecke 386, eröffnet. Damals verband sie Bünde mit Bassum an der Rollbahn Münster-Bremen. Der Abschnitt Rahden-Bassum wurde 1994 (Personenverkehr) bzw. 1997 (Güterverkehr) mit einer Ausnahme zwischen Sulingen und Barenburg - beides in Niedersachsen - stillgelegt. Damit ist Rahden der nördlichste aktive Bahnhof von Nordrhein-Westfalen. Auf der Ravensberger Bahn fährt weiterhin die 60 km lange gleichnamige Regionalbahnlinie RB 71 der Eurobahn. Daher verkehren auf der eingleisigen Strecke mit Kreuzung in Holzhausen-Heddinghausen die gelb-weißen Talent. Die Züge werden üblicherweise von der RB 73 aus Lemgo in Bielefeld nach Rahden und in Gegenrichtung durchgebunden, sodass Fahrgäste praktischerweise nicht umsteigen müssen.

Bahnhof Lübbecke |

Bahnhof Espelkamp
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Bahnhof Espelkamp |

Kreuzungsbahnhof Holzhausen-Heddinghausen |
Die Fahrt im Talent führt vom Ravensberger Land zwischen Bieren und Holzhausen durch das schmale Wiehengebirge. In Holzhausen-Heddinghausen kreuzen sich die Züge. Die meisten Stationen sind - wenn auch etwas rückgebaut - modernisiert. Insbesondere Espelkamp glänzt mit einem Bahnhofsgebäude mit großer Glasfassade der Halle. Auch der Bahnhof von Lübbecke hat sein altes Bahnhofsgebäude behalten, einen modernisierten Hausbahnsteig und einen Behelfsbahnsteig, der über einen kleinen Übergang erreicht wird. Nördlich von Lübbecke kreuzt die Strecke den Mittellandkanal. Schließlich rollt der Triebwagen im Kopfbahnhof Rahden ein.

Endstation der "Ravensberger Bahn"
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Rahdens Empfangsgebäude
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In Rahden selbst macht der Bahnhof einen sehr guten Eindruck. Das Empfangsgebäude ist mit grünen Holzbrettern verkleidet und hat weiße Fenster. Ein schöner Kontrast. Der Bahnsteig ist ebenfalls modernisiert. Daneben stehen hinter einem Zaun einige historische Wagen und Dieseltriebwagen. Sie gehören zur Museumsbahn Rahden-Uchte e.V., die unregelmäßig Sonderfahrten auf der 1996 stillgelegten Strecke nach

Rahden
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Uchte durchführt. Desweiteren gibt es seit April 2009 die Möglichkeit, in der Som-mersaison mit Fahrraddraisinen die etwas mehr als 13 Kilometer lange Strecke bis nach Ströhen abzuradeln (Link dazu weiter unten). Man passiert in etwa 500 Metern Entfernung den sogenannten "Nordpunkt", die nördlichste Stelle des Bundeslandes Nordrhein- Westfalen. Im Gegensatz zur Draisinenstrecke im Extertal, die auf diesen Internetseiten auch beschrieben wird (siehe weiter unten), liegt dieser touristisch erschlossene Abschnitt der Ravensberger Bahn komplett im Flachland bzw. Auenland, was der Anlage auch den Namen "Auenland-Draisinen" gibt, und kann daher auch mit Kindern ganz bequem gemeistert werden.
Auf dem Bahnsteig diskutiert die Zugbegleiterin mit dem Lokführer und einem Kollegen. Sie deutet auf mich und ich habe das Gefühl, Gesprächsthema zu sein. Ich grüße freundlich beim vorbeigehen und schnappe auf "... daher sieht man im Internet auch viele Bilder mit verfremdeten Gesichtern..." Aha, richtig geraten.
Rückzug. Die "Ravensberger Bahn" nutzt hinter Kirchlengern ebenso wie die Wiehen- gebirgs-Bahn die Verbindungskurve zum Bahnhof Herford, in der der Haltepunkt von Hiddenhausen-Schweicheln liegt. In Herford warte ich auf den RE 6, der mich nach Löhne bringen soll. Schließlich fehlt dieser Bahnhof noch als wichtiger Umsteigeknotenpunkt in Ostwestfalen und auch noch ein kleiner Streckenabschnitt der Weserbahn in Richtung Hildesheim. Eine von Mensch gemachte Durchsage kündigt den Westfalen-Express an:
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"Angleisvierfährteinregionalexpressnachmindenüberlöhnebadoeynhausenportawestfalicavorsichtbeidereinfahrt". Das ganze in genau fünf Se- kunden. Zwei Zugbegleiter stehen am Bahnsteig, warten mit mir und schauen sich jetzt an. "Ähm, also 'Löhne' habe ich jetzt noch verstanden, das danach nicht mehr." - "Ich auch nicht. Wenn die´s so machen, dann kann man´s gleich lassen. Versteht doch kein Schwein." Recht hat er.
Trotzdem komme ich irgendwie in Löhne an. Es ist ein sehr flächenintensiver Provinzbahnhof. Er erinnert an Altenbeken. Löhnes Bahnhof ist Umsteigeknotenpunkt in einer Stadt mit 40.000 Einwohnern. Ebenso wie Altenbeken ist der Bahnhof auch hier etwas vernachlässigt. Dennoch ist dieser Bahnhof ein Umsteigebahnhof zwischen den Regionalexpresslinien von und nach Hamm, Minden, Hannover, Braunschweig und Rheine / Osnabrück. Abgesehen davon zweigt hier die Regionalbahnlinie nach Hildesheim ab. Ganz hinten steht schon ein Triebwagen der Eurobahn als Schnapszahlinie RB 77 bereit. Eigentlich sieht der Lack außen etwas verblichen aus, aber das ist wohl so gewollt. Die höchste Auslastung hat der LINT 41 (Leichter innovativer Nahverkehrstriebwagen, zweiteilig und 41 Meter lang) nicht, nur eine Handvoll Fahrgäste fährt mit mir Richtung Landesgrenze an der Weser. Die gesamte Linie von Bünde nach Hildesheim ist etwa 110 Kilometer lang, davon liegen ca. 27 auf NRW-Gebiet.

Löhnes Bahnhofsgebäude
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Recht leere Bahnsteige in Löhne
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RE 70 nach Bielefeld
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LINT der Weserbahn nach Hildesheim bzw. Bodenburg
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Zunächst vorbei an Bad Oeynhausen Süd ist die Grenze bei Vlotho erreicht. Zwar verläuft die Strecke noch ein ganzes Stück innerhalb NRWs, aber die Grenze wird vor dem nächsten Halt überschritten. Tabuzone für mich.
Vlotho liegt an einem Bogen der Weser direkt am Fluss. Der eigentliche Ortskern hat etwa 8.000 Einwohner, zusammen mit umliegenden Dörfern kommt die Kleinstadt auf etwa 20.000. Insbesondere die Autobahnabfahrt Vlotho-Exter an der A2 ist wieder aus den Staunachrichten bekannt. Der Bahnhof liegt nicht weit von der Innenstadt entfernt und ist Kreuzungsbahnhof auf der eingleisigen Strecke, der Gegenzug steht bereits am Nebengleis und wartet auf Ausfahrt. Das Bahnhofsgebäude ist eine Ruine ohne Fensterscheiben, völlig zugewachsen und mit Bauzäunen abgesperrt - steht aber unter Denkmalschutz. Es ist daher davon auszugehen, dass das Gebäude in absehbarer Zeit nicht abgerissen wird. Die Natur erobert es sich langsam zurück. Auch die Unterführung ist Scheibenlos, heruntergekommen und zugewachsen.

Die Ruine des EG in Vlotho
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Innenraum des ERB-LINTs
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Der nächste Halt der RB 77 ist Rinteln in Niedersachsen. Auch in Rinteln gibt es eine Draisinenstrecke, nämlich die bereits erwähnte Extertalbahn von Rinteln-Süd nach Alverdissen (Link zu: "Draisinenfahrt im Extertal"). Diese 20 Kilometer lange Strecke ist etwas anspruchs- voller im Bezug auf Krafteinsatz und Körperkondition. Wer sich dem allerdings gewachsen fühlt, soll sich ruhig mal versuchen.
Unglaublich aber wahr - die kleine Odyssee durch Ostwestfalen ist trotz der überdurchschnittlich vielen Umstiege völlig nach Plan und komplett ohne Probleme abgelaufen. Kritik am System der sogenannten "Kleinstaaterei" kann ich heute absolut nicht nachvollziehen.

ERB LINT41 der RB 77 nach Bodenburg an der Endstation Bünde
Zusatzinformationen:
Sebi on Tour - Demnächst vielleicht auch in Ihrer Nähe ;-)
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(c) Bilder, Text und Grafiken: S.Hellmann - www.mytrainsim.de |