
Nahverkehr in NRW: Teil 11 - RE 6: Der Westfalen-Express
Der Westfalen-Express ist eine Regionalexpresslinie, die quer durch NRW von der Landeshauptstadt in den äußersten Nordosten NRWs führt.
Mit etwa 220 Kilometern Länge ist der RE 6 die drittlängste Regionalexpresslinie in NRW nach RE 7 und RE 5. Fast zu unrecht heißt er "nur" 'Westfalen-Express', wobei der um zwei Kilometer kürzere RE 1 doch "Nordrhein-Westfalen-Express" heißt. Daneben klingt dieser Zug wie der kleine Bruder. Bruder ist auch fast richtig. Früher führte der RE 1 von Aachen bis nach Bielefeld. Wegen der Verspätungsanfälligkeit wurde die Strecke verkleinert und stattdessen der RE 6 neu eingerichtet, nachdem der alte RE 6 "Rhein-Wupper-Express von Koblenz nach Wuppertal gestrichen wurde. Er verbindet seitdem Düsseldorf mit Minden im äußersten Nordosten von NRW. Bis Hamm wird daher mit dem RE 1 zusammen ein Quasi-Halbstundentakt mit dem Verhältnis 40 zu 20 Minuten erreicht.
Ebenfalls wie beim großen Bruder fahren hier Doppelstockwagen, gezogen oder geschoben von einer Lok der Baureihe 146. |
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Geographie: Vom Rhein an die Weser
Von der Landeshauptstadt Düsseldorf am Rhein aus folgt die Linie zunächst dem Fluss nach Norden. An der Mündung der Ruhr in Duisburg erfolgt die Wendung nach Nordost. Das Ruhrgebiet wird über die längstmögliche Distanz durchfahren und die Grenze zu Westfalen überschritten. Bei Hamm wird mit Queren der Lippe das Münsterland erreicht, eine flache und zugleich landwirtschaftlich intensiv genutzte Tieflandsbucht. Kurz vor Bielefeld muss die Strecke den schmalen Gebirgszug des Teutoburger Waldes durchqueren. Hier tangiert man den dritten Landesteil NRWs, das Lipper Land. Damit sind sämtliche "Provinzen" des Landes NRW, die auch im Landeswappen (Rheinland mit dem Rhein links, das edle Ross der Westfalen rechts und die Lippische Rose ganz unten) zu finden sind, besucht. Nachdem das Ravenberger Land, eine weitere kleine Ebene, durchfahren ist, folgt der nächste und letzte Höhenzug: Die Porta Westfalica als Durchbruchstal der Weser durch das nördliche Weserbergland. Bei Minden ist ist die Landesgrenze von NRW zu Niedersachsen erreicht.
Der betrachtete Streckenabschnitt Hamm-Minden ist viergleisig gebaut. Zwei Gleise stehen dem Personen- und zwei für den Güterverkehr zur Verfügung. Die Strecke ist der längste viergleisige Abschnitt Deutschlands und die zweite Ausbaustrecke der Bundesbahn auf 200 Stundenkilometer. Hier wurden einige Rekordfahrten im Versuchsbetrieb durchgeführt. Anfang 2010 war die Strecke durch gleich zwei Güterzugunfälle in zwei Tagen in den Medien.
Teil 1: Düsseldorf - Hamm: Durch dasRuhrgebiet
Aufgrund seiner Deckungsgleichheit zwischen Düsseldorf und Hamm wird dieser Teil nicht noch einmal beschrieben. Wer sich für diesen Bereich interessiert, sollte daher den zentralen Artikel zum RE1 aufrufen. Hier gibt es für den Abschnitt Hamm-Düsseldorf ein separates Kapitel.
Teil 2: Hamm - Minden: Von der Lippe an die Weser
Bilderbuchwetter! Sonne, Wärme und blauer Himmel mit einigen harmlosen Haufenwolken. In Hamm steige ich wieder aus einem rumpelnden Maas-Wupper-Express und seinen alten Rotling-Wagen aus - wie schon zur Exkursion des Nordrhein-Westfalen-Expresses.

Bahnhof Hamm mit Elefanten auf dem Vorplatz
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Ems-Börde-Bahn der eurobahn als RB 69 / 89 in Hamm
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Auch in der Innenstadt stehen bunte Plastikelefanten |

Ein Hochbunker in Bahnhofsnähe |

Ems-Börde-Bahnen RB 89 / 69 Richtung Bielefeld und Paderborn |

Sonderzug zum eurobahn-Betriebswerk am 15.08.09 |

Die alte Ems-Börde-Bahn nach Bielefeld in Hamm |

Der Maas-Wupper-Express nach Venlo in Hamm - Endstation |
Hamm ist ein mittelgroßer Umsteigeknotenpunkt im östlichen Ruhrgebiet. Naja - Hamm und Ruhrgebiet ist so eine Sache. Die einen zählen es dazu, die anderen nicht. Es gehört noch so gerade zum Regionalverband Ruhr (RVR). Und die Grenzen dieses Verbandes werden meist mit denen des Ruhrgebietes gleichgesetzt.
Es ist eine kreisfreie Stadt mit dem Kfz-Kennzeichen "HAM". Hier am Bahnhof hält der Fernverkehr und wird zum Teil in westlicher Richtung geflügelt; Außerdem geflügelt werden die Züge der "Ems-Börde-Bahn" von Paderborn nach Münster und Bielefeld. Neben dem RE 1 haben der RE 3 nach Düsseldorf durch das nördliche Ruhrgebiet und der RE 13 nach Venlo durch das Bergische Land hier ihre jeweils östliche Endstation.
Das Stadtzentrum von Hamm liegt fast unmittelbar an der Lippe. Diese fließt von Ost nach West von Bad Lippspringe bis Wesel und dort in den Rhein. Der Fluss an sich ist recht gewunden und schmal, weswegen zur Schiffbarmachung ein parallel verlaufender Kanal gebaut wurde.
In der Mitte fällt der wuchtige Turm der Pauluskirche und der eher zierliche der benachbarten Martin-Luther-Kirche auf. Und immer wieder stehen Elefanten in der Stadt.
Sie sind eine Anspielung auf den "Gläsernen Elefanten" im Maximilianpark in Hamm - ein Park auf einer alten Zeche und ein Gebäude, dem ein Glasvorbau in Form eines riesigen Elefantenkopfes mit Rüssel verpasst wurde. Für Kinder und auch Erwachsene ein beliebtes Ausflugsziel in der Region. |
Martin-Luther-Kirche (links) und Paulus-Kirche (rechts) in der Innenstadt von Hamm
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Und dieses Rüsseltier wurde 2004, als die ersten Elefanten aufgestellt wurden, 20 Jahre alt. Diese Plastiktiere findet man hier inzwischen relativ häufig. Dortmund hat den Anfang gemacht mit den geflügelten Nashörnern, dann Hamm mit Elefanten und schließlich Unna mit Eseln. Sieht ja auch ganz schön aus. Vor allem schön bunt. Die Gestaltung erfolgt üblicherweise durch den Sponsor, der ein Tier anschafft.
Bahnhofshalle Hamm
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Zurück zum Bahnhof der Stadt, der mit einem rot-weißen Gebäude freundlich die Fahrgäste empfängt. Die große Bahnhofshalle ist sehr beeindruckend, vor allem die bemalte Decke. Das schafft einen angenehmen ersten Eindruck beim Aussteigen. Wird der Bahnhof allgemein als "Hamm (Westf.)" bezeichnet, wird er im örtlichen Bus-System mit der Haltestelle am Willy-Brandt-Platz als Hauptbahnhof betrachtet.
Die Bahnsteige dagegen sind in einem eher schlechteren Zustand. An der Decke der Bahnsteigdächer hängen Fallblattanzeiger der letzteren Generationen in Bahn-blau. Auf den Bahnsteigen stehen kleine "Büros" der Bahnhofsmission, die an den Fenstern auffordern, bei Kälte einzutreten und sich aufzuwärmen.
Vom Maas-Wupper-Express hat man guten Anschluss an die RB 69 in Richtung Bielefeld und Münster. Diese Linie wird von der Eurobahn betrieben und verläuft parallel zum RE 6. RB 69 und 89 bilden unter dem Namen "Ems-Börde-Bahn" ein kleines Netz zwischen Münster, Paderborn (bzw. Warburg) und Bielefeld. Unter dem Artikel zur Linie RB 89 wird der Südast dieser Regionalbahn betrachtet. Auf allen diesen Linien fährt die Eurobahn mit den gelb-weißen FLIRT (= Flinker leichter innovativer Regionaltriebwagen), die teilweise in Hamm geflügelt werden. Auch jetzt ist es so: Ein Zugteil fährt nach Münster, der andere, in den ich nun einsteige, fährt nach Bielefeld.
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Zehn Minuten nach meiner Ankunft setzt sich der E-Triebwagen in Bewegung und erreicht bereits nach wenigen Minuten Hamm-Heessen. Nein, es ist nicht falsch geschrieben! So steht es auch auf den Stationsschildern.
Schwer auszusprechen mit langem e und kurzem, doppelten s! Also wie das Bundesland Hessen. Nur mit langem e. Kriegen Sie das hin? Ob das wohl mal Heeßen hieß und dann falsch an die neue Rechtschreibung angepasst wurde? Die Dame von der Bandansage - übrigens eine Moderatorin aus einem Lokalradiosender - bevorzugt die Variante "Heeeeeßen". Falls unter den Lesern jemand näheres weiß...

Westfalen-Express verlässt nach Halt Hamm-Heessen |

Östlicher Bahnsteig mit Pluspunkt |

Westlicher Bahnsteig |

Bahnhof von der Brücke gesehen, links Gleise für Güterverkehr |

Halde Sachsen: Windzeiger auf dem Abraumberg |

Überreste der Zeche Sachsen an der Alfred-Fischer-Halle |
Der Haltepunkt besteht aus zwei Bahnsteigen - einem am Rand und einem in Insellage zwischen den Personenverkehr- und Güterverkehrgleisen. Eine Unterführung verbindet beide Bahnsteige. Ein kurzes Dach sorgt für Regenschutz, Unterstellmöglichkeit bieten ansonsten einige gläserne Wartehallen sowie ein Pluspunkt auf dem östlichen Bahnsteig. Den Charakter der Ausbaustrecke merkt man dadurch, dass Fernzüge hier bereits mit hoher Geschwindigkeit durchbrettern. Entsprechende Durchsagen und recht weit von der Bahnsteigkante entfernt gepinselte Striche sollte man ernst nehmen. Am Bahnhof angeschlossen ist ein großer Parkplatz und ein Fahrradständer.

"Achtung, an Gleis 1: ein Zug fährt durch. Ich wiederhole! An Gleis 1: ein Zug fährt durch!" |
Etwa einen Kilometer entfernt befindet sich die ehemalige Zeche Sachsen bzw. das, was davon übrig geblieben ist. Es ist ein Gewerbepark entstanden mit kleinen Grünflächen und Veranstaltungszentrum. Nördlich begrenzt wird das Areal durch die Halde Sachsen, ein dreigipfeliger Abraumberg aus dem tauben Gestein aus der Zeche. Alle drei Gipfel können bestiegen werden und folgen mit der "Panoramahalde", der "Windsegelhalde" und der "Alten Halde" verschiedenen künstlerischen und ökologischen Konzepten. Weithin sichtbar sind der Windzeiger, der die Windrichtung anzeigt, und ein Stahlkreuz, das im Zuge von Ruhr 2010 aufgestellt wurde. Die Halde wird bald näher auf der Partnerseite www.ruhrgebiet-industriekultur.de vorgestellt.
Vor der Halde steht neben Obi das brandneue Betriebswerk der eurobahn, in dem sämtliche Triebwagen des Unternehmens gewartet werden. Nach 14-monatiger Bauzeit wurde im Juli 2009 die viergleisige Werkstatthalle mit benachbarter Waschanlage eröffnet. Die Halle ist 130 Meter lang und auf allen Gleisen können die hier fahrenden Züge der eurobahn (FLIRT und TALENT (=Talbot leichter Niederflurtriebwagen; Talbot ist der Hersteller)) hochgebockt werden. Am 15.08.2009 konnte man die Anlage im Zuge des Tag der offenen Tür besichtigen. So ließen sich die Fahrzeuge von außen, unten und innen begutachten, die Führerstände besuchen. Hier konnte man mit gut aufgelegten Lokführern über ihre Arbeit plaudern. Und natürlich auch mal auf dem "heiligen Stuhl" platznehmen. Groß und Klein konnten außerdem eine Rangierlok fahren und die Angehörigen die Wartzeit beim Glücksrad oder am Würstchen- oder Bierstand überbrücken.

Tag der offenen Tür im eurobahn-Betriebswerk Heessen |

Talent, wie er auf der Ravensberger Bahn fährt |

Ein FLIRT auf einer Hebebühne |

Sonderzugverkehr als Pendel zwischen BW und Hamm Bahnhof |
Doch zurück in die Ems-Börde-Bahn kurz hinter Heessen. Nebenan will eine Frau mit dem Handy ihrem Abholer in Bielefeld erklären, dass sie einen Zug später kommt. Irgendwie schafft sie es aber mit einem geschickten Themawechsel, über eine Viertelstunde lang von ihren Krankheiten und Wehwechen zu erzählen. Die sehen sich doch gleich! Und warum muss das gleich so laut sein, dass das ganze Abteil jetzt über ihre Darmkrankheiten Bescheid weiß?! Manchen Leuten ist auch gar nichts peinlich. Glücklicherweise bin ich am ersten Unterwegshalt Ahlen angekommen. Bisher verlief die Güterstrecke in Fahrtrichtung Bielefeld auf der linken Seite. Kurz vor Ahlen führt diese Strecke unter einem Überwerfungsbauwerk auf die rechte Seite.

Bahnhof Ahlen
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erster Inselbahnsteig
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Innenstadt von Ahlen - viel Leben
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Da ist er - der Westfalenexpress
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Spätestens jetzt ist das Münsterland erreicht. Der Kreis Warendorf ist der zweite Kreis, den ich auf dieser Linie betrete. Etwas Zeit habe ich für die Stadt. Aber nur etwas. Ein Blick in die Fußgängerzone verrät, dass dies eine aufgeweckte, aktive und attraktive Stadt ist. Direkt am Bahnhof steht der Betonstumpf einer Mühle.
Der Bahnhof besteht aus zwei Inselbahnsteigen. Zwischen den Bahnsteigen verläuft das Durchgangsgleis. Der südlichere Bahnsteig hat allerdings auf der einen Seite keinen Gleisanschluss mehr. Dafür verlaufen in etwas Abstand die zwei weiteren Durchgangsgleise vorbei. Und ganz am Ende ist noch ein alter, zugewachsener Bahnsteig. Laut Fahrplan ungenutzt, immerhin noch als Gleis 6 ausgeschildert. "Achtung an Gleis 2: Eine Schnellfahrt". Ein ICE-2 nähert sich. Eben noch ganz hinten am Horizont, kommt er näher... und viel näher... Holla! Der ist ja wirklich schnell! Und ZUUUUUUUUuuuuuuschhhhhhhhh ist er schon durch. Sehr gefährliche Sache. Soviel zum Thema Ausbaustrecke.

Orangefarbenes Empfangsgebäude von Oelde |

Ebenfalls zwei Inselbahnsteige |

Ems-Börde-Bahn Richtung Hamm fährt ein |

Innenstadt an der Pfarrkirche |
"Achtung an Gleis 2: Der Westfalenexpress nach Minden hat wegen Verzögerungen im Betriebsablauf etwa 15 bis 20 Minuten Verspätung." Das mal etwas eher gewusst und ich hätte mehr Zeit für Ahlen gehabt. Diese Verzögerung muss ich wohl oder übel absitzen.
Es ist nur ein kurzes Stück, welches ich einige Minuten später, als der RE dann doch mal zu erscheinen gedenkt, weiterfahre.
Vorbei an Neubeckum erreiche ich nun Oelde. Der Ort wird mit Ö ausgesprochen, nicht mit Dehnungs-E wie in Soest. Der Bahnhof hat ein schönes Empfangsgebäude und wie Ahlen zwei Bahnsteige. Das nördliche ist relativ zugewachsen und eine Nutzung fraglich.
Vom Bahnhof ist es ein Katzensprung in die Stadtmitte. Im Zentrum steht der markante Turm der Pfarrkirche St. Johannes mit dem offensichtlich fehlenden Dach. Jedenfalls fehlt oben drauf die typische Kirchturmspitze. An einer Eisdiele in einer Nebenstraße gibt´s zur Abkühlung erst einmal ein Eis, ehe es in einer kleinen Runde durch die Stadt geht. In Oelde wird das "Pott´s-Bier" gebraut. In der Stadt und außerhalb befinden sich dazu Gebäude der Brauerei. Direkt an der A2 steht das Stammhaus des westfälischen Möbelriesen "Zurbrüggen", der auch ein Warenhaus in Unna betreibt.
Am Bahnhof zischt wieder ein ICE mit Karacho durch. Es ist hier insgesamt etwas ruhiger als in Ahlen. Es ist wieder die eurobahn mit ihrem weiß-gelben FLIRT, die mich bis zur nächsten Station mitnimmt. |

St. Johannes-Pfarrkirche
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Nächster Halt: Rheda-Wiedenbrück. Es handelt sich hierbei um eine Stadt, die aus der Zusammenlegung von Rheda und Wiedenbrück hervorgegangen ist. Der Bahnhof liegt nördlich des Stadtteils Rheda. Wiedenbrück mit der historischen Altstadt ist etwa drei Kilometer entfernt.

Rheda-Wiedenbrück: Ein Vorbild von Bahnhof
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Hölzernes, weißes Bahnsteigdach
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Neoklassizismus innen...
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... und außen
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RB 67 "Der Warendorfer" Richtung Münster
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In Beton gegossene Schwellen
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Der Bahnhof überrascht! Die Bahnsteige haben eine sehr schöne Dachkonstruktion, getragen von weiß angestrichenem Holz. Das Bahnhofsgebäude ist neu renoviert und in einem spitzenmäßigen Zustand. Außen wunderschön gestaltet, der Vorplatz bepflanzt und dekoriert. Innen sehr sauber und gepflegt. Das mag an den zahlreichen Kameras unter der Decke liegen. Und was gibt es hier noch? Kostenfreie, öffentliche und geöffnete Toiletten! Unglaublich, aber wahr. Das kann bei einer Exkursion unter dem hohen Mineralwasserverbrauch bei diesen Temperaturen schonmal zu einem kleinen Problem werden! Überraschend das Schild an der Waschraumtür: "Die Toilette ist kameraüberwacht!" Bitte was?! Ich schaue nach oben. Tatsächlich! Über dem Waschbecken hängt eine Domkamera in der Ecke - so angebracht, dass sie zwar nicht in den Raum mit den Pissoirs spicken kann, aber dennoch jeden Benutzer im Vorraum filmt. Auch wenn man sich beim Händewaschen etwas beobachtet fühlt, es scheint seine Wirkung zu zeigen. Kein Grafitti, es ist sauber und es riecht sogar neutral. Neben der Toilette befindet sich die Radstation des Bahnhofs. Und schon muss ich wieder zurück, mein nächster Zug kommt. Diesmal sogar pünktlich.
In Rheda-Wiedenbrück zweigt die von Bielefeld parallel verlaufende Linie RB 67 "Der Warendorfer" von der Hauptstrecke Minden-Hamm ab. Er fährt diagonal durch das Münsterland vorbei an Herzebrock, Warendorf und Telgte.

Gütersloh EG
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ÖBB Railjet
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Nächster Halt: Gütersloh - nächster Kreis (GT). Wie heißt es noch bei den Wise Guys im Lied 'Die Bahn kommt': "Jemand zugestiegen? - Was für ein Hohn! Seh ich aus, also ob ich in Gütersloh wohn´?!". Ich mache mich aufs schlimmste gefasst. Es ist aber netter, als ich gedacht hätte. Ein kleines Städtchen, dessen Hauptbahnhof und Empfangsgebäude dem von Ahlen auf dem ersten Blick von der Gleisseite her zum verwechseln ähnlich sieht. Soeben werden die Fenster geputzt. Ein Railjet-Zug der ÖBB, der hinten am Steuerwagen genau so aussieht wie die Lok (Taurus) vorne, fährt an mir vorbei. Anschließend brettert - wie in Ahlen, noch ein ICE durch den kleinen Ort. Es ist wirklich gefährlich hier an der Strecke.

Talent in Gütersloh vor dem Fernsehturm am Hbf
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Schließlich darf auch endlich der blau-gelbe Talent der NordWestBahn, der die ganze Zeit schon vor dem Bahnhof auf die ICE-Durchfahrt gewartet hat, einfahren. Nebenan beschweren sich Gleisarbeiter, dass sie vor dem ICE so spät gewarnt wurden. "Du sollst nicht schrauben! Du sollst kucken!!" Mit dem bereits erwähnten "Warendorfer" geht es weiter.
An der Grenze des Kreises Gütersloh zur Stadt Bielefeld liegt der Halt mit dem merkwürdigsten Namen: Isselhorst-Avenwedde. Die beiden Regionalbahnlinien RB 67 und 69 halten hier, der RE 6 braust durch den kleinen Haltepunkt, von dem viele Fahrgäste den Namen als "Affenwette" missverstehen, hindurch. Kurz vor Avenwedde befindet sich wieder ein Überwerfungsbauwerk, über das die Güterstrecke wieder auf die linke Seite - in Richtung Bielefeld gesehen - führt. Auf dieser Seite bleibt sie bis Minden dann auch.
Schon von weitem konnte man den bewaldeten, schmalen Höhenzug des Teutoburger Waldes sich aus der Ebene erheben sehen, fast sind wir am Fuß angekommen. Doch bevor ich diesen Gebirgszug überquere, steige ich im Bielefelder Vorort Brackwede aus.
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In Brackwede tauchen zwei neue Linien auf, die nach Norden und Süden von der Hauptstrecke abbiegen. Die eine ist die Senne-Bahn, die von Bielefeld nach Paderborn durch die Senne fährt. Die andere Linie hat den eigentümlichen Namen "Haller Willem" und fährt als RB 75 nach Osnabrück in Niedersachsen. Das Bahnhofsgelände ist für einen Vorstadtbahnhof vergleichsweise groß, gibt es doch gleich drei Inselbahnsteige. Eine lange Unterführung verbindet diese. Ein schmuckes, gelbes Backsteinhaus bildet das ehemalige Empfangsgebäude.

Alte Ems-Börde-Bahn in Brackwede |

Bahnhofsgebäude von der Gleisseite |

RB 75 "Haller Willem" nach Osnabrück in ... naja, steht ja da. |

Der Gegenzug der Ems-Börde-Bahn Richtung Hamm |

Bahnhofsgebäude mit durchfahrendem ICE-2 |

Andere Seite |
Mit der Ems-Börde-Bahn geht es in die letzte Etappe. Der Teutoburger Wald ist nun erreicht, aber die Strecke durchschneidet den zwischen 100 bis 400m hohen Gebirgszug einfach. Dann erreicht der Triebwagen die Kreisstadt Bielefeld (BI). Eine Stadt, die es eigentlich gar nicht gibt.
Dabei handelt es sich um eine Legende, die nicht totzukriegen ist. Vor allem den Einwohnern geht sie mächtig auf den Zeiger. Es geht nämlich um, dass die Stadt real gar nicht existiert. Man spricht dabei von der "Bielefeldverschwörung". Trotzdem steige ich im "Nichts" aus und stehe wider Erwarten auf einem Bahnsteig und kurz darauf vor einem schmucken Empfangsgebäude. Bielefeld gibt es. Und wie!

Bahnhofsgebäude Bielefeld Hbf |

Innen hell und freundlich |

"Der Lipperländer" der RB 73 nach Lemgo |

RB 74 "Senne-Bahn" von Bielefeld nach Paderborn |
Der Hauptbahnhof ist recht groß. Hier hält der Fernverkehr auf der Strecke und für viele Regionalbahnlinien ist hier Endstation. Hier enden die REs 70 "Weser-Leine-Express" und 78 "Porta-Express" in Richtung Minden bzw. weiter nach Niedersachsen, außerdem der RE 82 "Der Leineweber" nach Altenbeken. An Regionalbahnen die RB 61 "Wiehengebirgsbahn" nach Bad Bentheim (Niedersachsen), die genannten RB 67 und RB 69 nach Münster sowie RB 71 "Ravensberger Bahn" nach Rahden, RB 73 "Der Lipperländer" nach Lemgo sowie die ebenfalls erwähnten RB 74 nach Paderborn und RB 75 nach Osnabrück. Ein Großteil von ihnen wird von nichtbundeseigenen Bahnunternehmen (Privatbahnen) übernommen. Zu nennen sind hierbei die eurobahn, die NordWestBahn und schließlich die Westfalenbahn.
Noch beim Aussteigen kommt aus dem Lautsprecher neben mir die Stimme "Wegen einer Streckensperrung zwischen Bielefeld und Herford verzögern sich alle Ausfahrten um etwa 15-25 Minuten!" Superklasse! In Herford habe ich mir 30 Minuten Aufenthalt eingeplant. Und jetzt das dumme Gefühl, dass die Stadt etwas zu kurz kommen wird.
Der RE 6 fährt zwar pünktlich ein, aber nicht weiter. Ich steige in den Wagen ein, der oben ein halbes 1.-Klasse-Abteil beherbergt. Die wenigsten Leute gehen hier hoch, weil viele nicht sehen, dass das Abteil nur sehr kurz ist. Die Bedeutung des gelben Striches außen ist auch offenbar nur bei Insidern verbreitet. Normalerweise bekommt man auch in der größten Rush-Hour noch einen beinfreundlichen Sitzplatz in einem Vierer. Heute habe ich allerdings Pech: Eine Schulklasse hat schon den Wagen oben in Beschlag genommen. Riesige Koffer blockieren im Flur. Mit großen Schritten muss ich die übersteigen, höre aber ein leise gewispertes "Boaaa, hat der lange Beine...!" - und gute Ohren hat er.
Die Kinder randalieren ein bischen im Zug. "Frau Meeeeeieeeer! Der Philipp bewirft mich mit Papierfliegern!" Lautsprecherdurchsagen sind daher nicht zu verstehen - man wundert sich aber hinterher, warum man hier so lange steht. Nach 20 Minuten geht es tatsächlich weiter - und noch vor den beiden ICEs, die im Bahnhof stehen. Ich hätte vermutet, dass die vorgelassen werden. Nun, sie überholen uns wenige Kilometer später auf dem vierten Gleis. Die Schulklasse fährt anscheinend auch bis Herford. Denn die Lehrerin, deren Name jetzt auch als Frau Meier bekannt ist, schiebt Stress. "Leute, stellt euch schon mal in den Vorraum! Wissen Sie zufällig, ob wir jetzt in Herford sind? Gut. Und ob wir rechts oder links raus müssen? Nein? Wissen Sie es vielleicht? Nicht. Und Sie vielleicht? Sie??" Grrrrrr!

Herfords Empfangsgebäude
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Ein FLIRT im chicken Westfalenbahn-Look
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In Herford habe ich tatsächlich nur drei Minuten von geplant über 30, vermutlich fährt der Anschlusszug direkt hinter uns ein. Wenigstens einmal das Empfangsgebäude von außen anschauen, dann wieder Treppe hoch flitzen. Es ist ein großer Vorteil, wenn man hier auf einer weiteren Exkursion nochmal vorbeikommt. Bisher hatte ich um die Stadt immer einen großen Bogen gemacht, weil mein strengster Mathematiklehrer fast genau so heißt wie sie und ich mich noch lange dadurch an endlose Polynomdivisionen als Hausaufgaben im sommerlichen Sonnenschein erinnere. Wenn ich ehrlich bin: Ich hab da keinen blassen Schimmer mehr von!
Zu Fuß geht es einmal durch die Stadt. Vorbei am Gänsemarkt, der vom markanten Turm der Jacobi-Kirche überragt wird, durch eine kleine Fußgängerzone bis zum Rathaus am Münster und von dort zurück zum Bahnhof.

Gänsemarkt mit Jacobikirche |

Markthalle mit Münster |

Rathaus von Herford |

Gänsemarkt |
Schon fährt mein RE 78 "Porta-Express" nach Nienburg / Weser in Form eines Triebwagens der Baureihe 644 ein, die eigentlich besonders typisch für den Raum Köln sind. Kurz hinter Herford wird die Werre (nicht zu verwechseln mit dem Quellfluss der Weser) überquert. Schließlich komme ich am Bahnhof von Löhne an.

Bahnhof Löhne |

RE nach Bielefeld, in NRW als RE 70 bezeichnet |

Mehrere Bahnsteige, viel Unkraut und wenig Menschen |

Einsam und verlassen steht die RB 77 nach Bodenburg bereit |
Ein sehr flächenintensiver Provinzbahnhof. Er erinnert an Altenbeken. Löhnes Bahnhof ist Umsteigeknotenpunkt in einer Kleinstadt. Ebenso wie Altenbeken ist der Bahnhof auch hier etwas vernachlässigt. Am Südende rotten Schuppen vor sich hin und warten auf ihren Verfall.
Vor und hinter Löhne zweigen zwei Strecken von der Hauptstrecke Hamm-Minden ab. Westlich führt die Strecke über Bünde und Melle nach Osnabrück in Niedersachsen. Während ich hier warte, fährt am südlichsten Bahnsteig ein verblichen blau-gelber LINT (= Leichter innovativer Nahverkehrstriebwagen) der eurobahn ein. Er kommt aus Bünde und fährt als "Weser Bahn" mit der Schnapszahlnummer RB 77 auf der östlich abzweigenden Strecke nach Hildesheim bzw. weiter nach Bodenburg. In Vlotho, am übernächsten Halt, ist die Landesgrenze von NRW erreicht. Dahinter liegt Rinteln, was der ein oder andere Leser vom Draisinenausflug her kennen könnte.
Derweil geht es für mich weiter. Meine Hauptstrecke und die Nebenstrecke Richtung Hildesheim nehmen den nächsten Ort quasi in die Zange. Hier gibt es einen nördlichen und einen südlichen Bahnhof: Bad Oeynhausen.

Porta-Express in Bad Oeynhausen
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Empfangsgebäude des Bahnhofs Bad Oeynhausen
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Ortsmitte mit Brunnen
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RE 60 nach Rheine
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Es handelt sich dabei um einen Kurort südwestlich des Weserberglands und des Wiehengebirges. Korrekt sollte man ihn "Bad Öhn-Hausen" aussprechen. Man hatte mich vorher gewarnt: "Du wirst da nur alte Leute sehen! Das ist eine Kurstadt!" Stimmt nicht ganz. Natürlich sieht man hier und da ältere Menschen mit Hackenporsche, AOK-Shopper, Dreibein oder wie die Rollatoren im Volksmund auch genannt werden. Aber vermutlich wären die nicht aufgefallen, wenn man nicht darauf geachtet hätte. Es laufen auch viele jüngere Leute und auch Schüler durch die Straßen. Man muss die Stadt also ein wenig verteidigen. Östlich der Stadt fließt bereits die Werre in die Weser - ein weiteres Anzeichen, dass die Landesgrenze nicht mehr besonders weit ist.

Bahnhof Porta-Westfalica
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Empfangsgebäude mit optischen Illusionen durch Schattenwurf
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Mit dem RE6 überschreite und folge ich dann dem Lauf der Weser auf dem östlichen Ufer bis zur Porta Westfalica. Ein schöner Name, der aus dem lateinischen übersetzt "Tor nach Westfalen" bedeutet - für diejenigen unter Ihnen, die statt Latein lieber Französisch gewählt haben in der Mittelstufe. Es handelt sich hierbei um ein Durchbruchstal der Weser durch das Weserbergland, genauer durchschneidet es den schmalen Höhenzug und teilt ihn ins Wiehen- und ins Wesergebirge. Und genau an dieser Stelle liegt der Bahnhof des gleichnamigen Ortes Porta Westfalica. Blickt man hier nach rechts oder links würde man ohne Waldbedeckung den Querschnitt eines Gebirges sehen können. Wie mit einem Messer durchgeschnitten. Das Messer war die Weser.

Der Westhang der Porta Westfalica - Blick vom Fuß des Osthangs: Wie ein Schnitt durch das Gebirge
Auf dem ersten Hügel des Wiehengebirges ist eine Statue bzw. dessen Pagode deutlich sichtbar - ein Denkmal zu Ehren Kaiser Wilhelms I., das mit der Porta Westfalica an sich nichts zu tun hat, auch wenn viele Menschen das damit gleichsetzen. Man sieht die Pagode von der A2 aus. Der Bahnhof des Ortes wird gerade modernisiert und der Bahnsteig zu einem Hochbahnsteig aufgestockt. Ein paar Güterzüge fahren auf den äußeren Gleisen am Bahnhof vorbei.

Denkmal Kaiser Wilhelms I.
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Der Westfalenexpress erreicht die Porta Westfalica
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Güterzug auf den äußeren Gleisen
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Obiger RE6 wartet auf Abfahrt
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Dann geht es mit dem RE 70 "Weser-Leine-Express" in Form eines Doppelstockzuges mit einer Lok der Baureihe 111 vorne dran Richtung Braunschweig bis nach Minden - meiner Endstation für heute. Das Logo "Niedersachsen ist am Zug" verrät schon, dass der Zug auf dem größten Teil seiner Linie im anderen Bundesland fährt. Auffällig außerdem, dass die für NRW typische Nummerierung in der Zielanzeige fehlt. Hier steht einfach nur "[RE] Braunschweig". In Niedersachsen gibt es halt keine Nummerierungen. Man kann nicht alles haben.
Wenn man sich eine politische NRW-Karte anschaut, erkennt man mit ein wenig Phantasie aus dem nordöstlichsten Gebiet des Landes die Form eines Vogels, der mit dem Schnabel nach links schaut und nach rechts den Schwanz ausstreckt. Sie können es vielleicht auf der Übersichtskarte von der Portraitseite erkennen. Anhand dieses Vogels lässt sich NRW sehr schön von anderen Bundesländern beispielsweise in einem Puzzle oder in stummen Karten unterscheiden. Dieser Vogel ist der Kreis Minden-Lübbecke (MI), dessen Kreisstadt Minden ist. Zugleich ist die Stadt die letzte, die ich mit meinem Bahnticket nach Nordosten besuchen kann, ist doch direkt dahinter schon die Landesgrenze zu Niedersachsen. Minden ist Endpunkt der Cöln-Mindener Eisenbahn und auch Endpunkt der Linie des RE6. Also steige ich hier aus.

Ein ICE durchfährt den Bahnhof
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RE 70 aus Bielefeld fährt gleich über die Grenze
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Empfangsgebäude in Insellage
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Weserbrücke zur Innenstadt
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Der Bahnhof hat grob eine ähnliche Architektur wie der von Warburg und ist ebenfalls in Insellage gebaut. Eine halbe Stunde Zeit gebe ich mir für einen Fußweg Richtung Stadt. Eine Polderbrücke muss überquert werden, erst dann kommt die Weserbrücke. Mit offenen Augen in der Welt sieht man häufig lustige Gegebenheiten. Wie beispielsweise eine Kampfsportschule, bei der über dem Laden die Buchstaben abblättern. Vermutlich sollten sie sogar, denn so sieht man nur noch mit Mühe den Fehler: "Selbstverteidung" - stand einmal dort. Vermutlich gab es nur ein i und ein g damals beim Aufkleben. Wenn man allerdings bei Google nachschlägt, gibt es sogar Treffer. Im Rechtschreib-Duden ist das Wort allerdings nicht zu finden.
Etwas weiter nördlich von hier überquert der Mittellandkanal mit einer gewaltigen doppelten Trogbrücke die Weser. Leider zu weit zu Fuß heute, aber sicherlich ein Ziel wert, wenn man hier in der Nähe ist.

Drei Stunden brauche ich für den Rückweg, der einigermaßen ruhig verläuft. Bei Oelde haben wir wohl jemanden aufgeschreckt, der in der Wiese hinterm Wäldchen am Gleis sein "großes Geschäft" verrichten wollte. Eben zieht er seine Hose hoch. Man stelle sich das mal vor: Sie erleichtern sich und dann fährt ein vollbesetzter Doppelstockzug langsam vorbei! Hochpeinlich. Das ist es dem Kerl offensichtlich auch, gemessen an der Farbe seines Kopfes, der jetzt eher an eine Tomate erinnert. Die weitere Fahrt verläuft ruhig. Pünktlich kommen wir in Hamm an, wo ich direkt in den Rhein-Münsterland-Express nach Unna umsteige. Ich sehe noch die Hönnetalbahn nach Fröndenberg rausfahren. Ein mieser Systemplan ist das. 59 Minuten habe ich nun Zeit, mich etwas in meine Uniunterlagen zu vertiefen. In einer gläsernen Wartehalle auf Gleis 18 - ohne Störer und ohne Lärm.
Das Wetter hat sich gehalten - es war eine der schöneren Touren mit vielen positiven Überraschungen, auch wenn Streckensperrungen und eine leichte Verspätungen allgegenwärtig waren. Aber das gehört schließlich dazu, nicht wahr?!
Weiterführende Informationen:
Sebi on Tour - Demnächst vielleicht auch in Ihrer Nähe ;-)
Zur Auswahlseite des Nahverkehrs in NRW
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