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Nahverkehr in NRW: Teil 40 - RB 35: Der Weseler

Der Weseler ist eine etwa 34km lange Regionalbahnlinie zwischen Duisburg Hbf und Wesel, die allerdings in der Hauptverkehrszeit bis nach Emmerich an der niederländischen Staatsgrenze und in die Landeshauptstadt Düsseldorf verlängert wird, was den Laufweg etwa verdreifacht.

Rechts ist ein Linienplan des Weselers zu sehen. Die Linie verläuft auf der 1856 eröffneten sogenannten "Hollandstrecke" (KBS 420) zwi- schen Oberhausen und Arnheim (Niederlande) und verbindet damit das westliche Ruhrgebiet mit dem Niederrhein. Mit der Endstation Emmerich ist zugleich der Grenzbahnhof in die Niederlande erreicht. Einen grenzübergreifenden Verkehr gibt es derzeit allerdings nicht. Die einzige Möglichkeit für die Fahrt in die Niederlande bietet der auf der Trasse ebenfalls fahrende "ICE International" von Frankfurt am Main nach Amsterdam Centraal via Utrecht und dem Flughafen Schiphol sowie ein Nachtzug. In der Hauptverkehrszeit ergänzt die Regionalbahn die stündlichen Fahrten des ebenfalls auf der Hollandstrecke fahrenden RE 5 "Rhein-Express" zwischen Wesel und Emmerich, der an den meisten der Unterwegssationen nicht oder nur nach einem für Laien undurchschaubar unsystematischen Plan hält.

Zur Zeit betreibt die DB-Regio NRW die Linie und setzt auf ihr Triebwagen der Baureihe 425 oder 426 und in der Hauptverkehrszeit bis zu sechs Waggons lange Rotling-Züge ein. Zug- oder Schublok ist in diesem Falle eine Baureihe 110 oder 111.

Karte zur RB 35 "Der Weseler"

Betrachtet wird der Kernabschnitt zwischen Duisburg und Wesel sowie die Endstation Emmerich. Der Südteil ist bereits abgedeckt durch den RE 1 "Nordrhein-Westfalen-Express". Startpunkt ist demnach Duisburg Hbf, nach einer Anreise von Fröndenberg via Dortmund mit RE 57 und 1.

Duisburg Hbf

Bahnhofgebäude von Duisburg Hbf, Ausgang Innenstadt

NRW-Express und Niederrheiner in Duisburg

Der Niederrheiner und der NRW-Express in Duisburg

Rhein-Emscher-Express in Duisburg

Rhein-Emscher-Express nach Düsseldorf in der Bahnhofshalle

Alter Niederrheiner in Duisburg

Der alte Niederrheiner außerhalb der grünen Stahlüberdachung

Duisburgs Bahnhof hat eine sehr eigentümliche Form bzw. ein auffallendes, grünes Stahlgerüst. Duisburg, gesprochen "Düüsburg", bildet die Grenze zum Ruhrgebiet. Hier fließt die Ruhr in den Rhein. In der Mündung liegt der Hafen der Stadt, welcher der größte Binnenhafen der Welt ist. Natürlich ist die Stadt auch bekannt für ihre Industrie für Kohle und Stahl. Berühmt ist der Stadtteil Meiderich für sein stillgelegtes Hüttenwerk. Dieses Stahlwerk wurde nach seiner Schließung nicht abgerissen, sondern in einem Landschaftspark integriert. So ist ein Naherholungsgebiet inmitten einer Industriekulisse entstanden. Den alten Hochofen kann man besteigen und das alte Werk, teilweise von der Natur zurückerobert, von oben betrachten. In den alten Kohle- und Eisenbunkern finden sich Möglichkeiten zum Klettern, im benachbarten Gasometer kann man tauchen. Nachts wird das Gelände mit dem Namen "Landschaftspark Nord" am Wochenende und an Feiertagen farbig illuminiert. Man beachte dazu die Unterseite zum Thema Industriekultur auf diesen Seiten.

Oberhausen Hbf

Bahnhofsgebäude Oberhausen Hbf

PEG RB36 Ruhrort-Bahn in Oberhausen

Ruhrort-Bahn der PEG nach Duisburg-Ruhrort

Oberhausen Hbf

Talent der PEG in Oberhausen Hbf

Weseler in Oberhausen

Der Weseler als 425er-Triebwagen, hinten der Gasometer

Oberhausen Hbf

Museums- und Geisterbahnsteig

Oberhausen Hbf

Schlackenpfannenwagen am Museumsbahnsteig

Hat der Hauptbahnhof sieben Inselbahnsteige, sind zwei davon stillgelegt, haben aber dennoch als einzige ein modernisiertes Dach. Der eine Bahnsteig heißt "Museumsbahnsteig". Hier steht ein Museumszug, bestehend aus einer Werkslok und zwei Waggons - einem Schlacken- und Torpedopfannenwagen zum Transport von Schlacke oder flüssigem Roheisen. Nachts ist diese Anlage farbig beleuchtet. Südlich vom Museums- bahnsteig befindet sich noch ein Geisterbahnsteig. Hier existiert der Bahnsteig an sich, ein kurzes Dach, ein Lastenaufzug... aber der Bahnsteig wird im Norden, wo eigentlich Schienen liegen müssten, durch eine Grasfläche und im Süden durch einen Parkplatz begrenzt. Museums- und "Geisterbahnsteig" verbindet eine kleine Brücke, gelagert auf Radsätzen, die auf kurzen Schienenstücken ruhen. Fast, als könnte man die Brücke ganz einfach wegrollen.

Insgesamt stellt sich der Bahnhof etwas schmuddelig dar. Viel Unkraut, kaputte Platten auf den Bahnsteigen, Müll. Dazwischen teilzerstörtes Mobiliar. Dazu kommt eine recht geringe Ausnutzung, trotzdem hier regelmäßig sogar Fernverkehr hält. Dagegen ist die Bahnhofshalle sehr modern und schön ausgebaut. Immerhin ist der Bahnhof ein wichtiger Knotenpunkt im westlichen Ruhrgebiet. Neben RE 5 und RB 35 in Richtung Niederrhein fahren von hier aus Regionalexpresse und Regionalbahnen nach Düsseldorf, Dortmund, Duisburg-Ruhrort und Dorsten. Zusätzlich verkehrt hier die S-Bahn S2.

Die Fahrt geht von Oberhausen Hbf innerhalb des Stadtgebietes weiter nach Sterkrade und Holten.

Innenraum Rotling

Modernisierte Rotlinge des Weselers

Bahnhof Oberhausen-Sterkrade

Bahnhof Sterkrade. Da fehlt was!

Von Oberhausen-Sterkrade aus fährt der Bus der Linie 952 an der vier Kilometer vom Bahnhof entfernten Halde Haniel an der Stadtgrenze zwischen Oberhausen und Bottrop vorbei. Es ist eine der höchsten Abraumhalden des Ruhrgebiets mit etwa hundert Metern Höhe über Grund und 160 Metern über Normalhöhennull.

Halde Haniel

"Totems" auf der Halde Haniel

Zeche Prosper-Haniel

Zeche Prosper-Haniel

Halde Haniel Amphitheater

Amphitheater im windgeschützten Kessel auf der Halde

Kreuzweg Halde Haniel

Kreuzweg auf dem Weg nach Oben

Und wirklich einen Besuch wert. Auf das Plateau führt ein Kreuzweg mit 15 Stationen. Ganz oben im Wind stehen die "Totems", Eisenbahnschwellen - um beim Thema zu bleiben -, die bunt bemalt sind. Außerdem liegt in einem Kessel ein Amphitheater, wo tatsächlich ab und an Veranstaltungen stattfinden. Ausführlichere Infos zur Halde Haniel und zur Exkursion dazu finden Sie weiterhin unter "Industriekultur".

Weseler in Dinslaken

Endlich: Der Weseler nach Wesel. Fünf Rotlinge und 111

Bahnhof Dinslaken

Dinslakens Bahnhof mit Fahrradaufsicht

Bahnsteig Dinslaken

Bahnsteig in Dinslaken

Rhein-Niers-Bahn in Dinslaken

Rhein-Niers-Bahn nach Wesel

Der nächste Halt ist Dinslaken. In Dinslaken fließt die Emscher in den Rhein. Wie Sie von der Fahrt mit der "Emschertal-Bahn" Dortmund-Dorsten vielleicht wissen, ist dies ein während der Industrialisierung im Ruhrgebiet als Abwasserkanal genutzter Fluss, der in hohen Betonwänden kanalisiert und teilweise schnurgerade im nördlichen Ruhrgebiet verläuft. Er entspringt in Holzwickede (Kreis Unna). Derzeit sind langwierige Renaturierungsmaßnahmen im Gange. Allerdings wird es noch viele Jahre und viele Euros kosten, bis das Wasser hier sauber und klar ist. Südlich der Stadt liegt das zentrale "Klärwerk Emschermündung". Hier wird das gesamte Wasser aus der Emscher geklärt, bevor es in den Rhein abfließt. Der komplette Fluss wird also einmal durch die Kläranlage geleitet.

Der Bahnhof besitzt eine kleine Bahnhofshalle mit Buchhandlung. Vor dem Bahnhofsgebäude werden die zu einem großen Haufen zusammengestellten Drahtesel von Menschen in Warnwesten bewacht. In unmittelbarer Nähe befindet sich auch eine Straßenbahnhaltestelle. Hier endet die Linie 903 aus Duisburg kommend. Sie fährt auch am erwähnten Landschaftspark Nord in Meiderich vorbei.

Bahnhof Voerde

Fahrkartenverkauf und Bahnhofsgebäude in Voerde

Rhein-Niers-Bahn in Voerde

RB 33 nach Mönchengladbach verlässt Voerde

Voerde (Niederrhein) liegt etwa mittig zwischen den größeren Städten Wesel und Dinslaken. Hier gibt es am Bahnhof eine kleine Fahrkartenausgabe in einem kleinen Reisebüro. Auf dem südwestlichen Bahnsteig steht ein Pluspunkt, auf dem nördlichen nur eine Glaswartehalle. Fahrpläne, zur Kontrolle, ob mein Zickzack-Erkundungsplan stimmt, finde ich nicht.

Vor Wesel überfährt man zunächst den Unterlauf der Lippe, die etwa einen Kilometer weiter westlich in den Rhein fließt und davor noch eine Brücke über den parallel zur Lippe verlaufenden Wesel-Datteln-Kanal. Auch er endet am Rhein, allerdings in einer Schleuse. Direkt an der Kanalbrücke liegt die Station Friedrichsfeld. Der RE 5, in dem ich jetzt sitze, fährt hier ohne Halt durch.

Der Bocholter in Wesel

RB 32 "Der Bocholter" nach Bocholt in Wesel

Bahnhof Wesel

Bahnhof Wesel

Wesel

Berliner Tor

Wesel

Fußgängerzone und "Langer Heinrich" (Fernmeldeturm)

Und jetzt alle im Chor: Wie heißt der Bürgermeister von Wesel? Esel! Natürlich. Ganz klar. Halt, stopp! Stimmt gar nicht. Das ist falsch. Es gab, soweit nachvollziehbar, aber keinen Bürgermeister dieses Namens. Schade auch.

Im Kurzen Fußmarsch vom Bahnhof stößt man auf das imposante Berliner Tor, einziger noch erhaltener Teil der alten Festung Wesel. Dahinter beginnt mit der Hohen Straße die Fußgängerzone. Es ist eine sehr breite und belebte Straße. Sie endet am... jetzt muss ich nochmal im Lexikon nachschlagen: Willibrordi-Dom. Einem kleinen Jungen wird gerade die Inneneinrichtung eines Streifenwagen der Polizei gezeigt. Vermutlich wird ihm das noch lange in Erinnerung bleiben.

Zurück zum Bahnhof. Er ist gerade zur Zeit der Exkursion eine Baustelle. Gebaut wird an einer neuen Unterführung, an Rampen, im Bahnhofsgebäude und vermutlich später auch auf den Bahnsteigen. Die Aufzüge sind auch neu, aber noch nicht im Betrieb. Hier in Wesel endet die Fahrt für die Linie RB 33 "Rhein-Niers-Bahn" und meist auch für die RB 35 "Der Weseler". Eben kommt der Rhein-Express aus Duisburg und lässt zunächst planmäßig den ICE "International" von Frankfurt a.M. nach Amsterdam überholen. Er ist übrigens die einzige Bahnmöglichkeit, über die Grenze in die Niederlande zu fahren, abgesehen von vereinzelten Nachtzügen. Dazu später mehr.

Kurz nach der Zugdurchfahrt und Abfahrt des RE nach Emmerich trudelt auch irgendwann der Triebwagen des "Bocholters" von und nach Bocholt ein. Nach dem Stadtrundgang setze ich mich in den nächsten RE 5 nach Emmerich.

Dom von Wesel

Willibrordi-Dom Wesel, Ostseite

Emmerich ist nicht nur in der Hauptverkehrszeit die Endstation des Weselers, sondern ständig auch die des "Rhein-Expresses". Dieser hält auf jeden Fall vor Emmerich noch in Mehrhoog und Empel-Rees (man merkt langsam den holländischen Einschlag in den Namen) und für Gelegenheitsbahnfahrer undurchschaubar regelmäßig alle zwei Stunden an den anderen Zwischenhalten Haldern, Millingen und Praest. Schließlich hat der aus Koblenz kommende RE 5 sein nördliches Ende erreicht.

Emmerich liegt an der Grenze zwischen den Niederlanden und Deutschland. Die Altstadt befindet sich direkt am Rhein. In unmittelbarer Nähe führt die Emmericher Rheinbrücke als längste Hängebrücke Deutschlands mit über 800 Metern Länge über den Strom.

Außer RE 5 und RB 35 halten hier nur noch wenige Züge im Bahnhof, zeitweise taucht nur eine einzige Abfahrt pro Stunde im Fahrplan auf. Der ICE "International" nach Amsterdam fährt durch den Bahnhof, in dem der Systemwechsel vollzogen wird. Einzig einige Nachtfernzüge nach Kopenhagen, Prag und Berlin / Warschau sind abends geblieben. Einstmals gab es mit dem "Arnheimer" (RB 34) eine Verbindung über die Grenze nach Arnhem (Arnheim), der nächsten Großstadt auf dem Gebiet der Niederlande. Doch diese Verbindung ist gestrichen - nun kommt man nur noch mit dem Auto und ggf. mit dem Bus nach drüben. Der Personenbahnhof ist eine Sackgasse.

Ich habe jetzt eine Stunde und 20 Minuten Zeit, mir den Ort anzusehen. Zu Fuß gelangt man recht bequem ins Herz der Stadt. Neben einer Fußgängerzone besitzt sie eine gepflegte Promenade mit Cafés und Restaurants direkt am Rhein. Doch jetzt am frühen Abend ist sowohl die Promenade als auch die Fußgängerzone verlassen, der Bahnhof sowieso. Es sind nicht viele, mit denen ich in den eingefahrenen nächsten RE steige. Ich habe für eine Zeit lang einen ganzen Doppelstockwagen oben und unten für mich alleine.

Bahnhofsgebäude Emmerich

Bahnhofsgebäude in Emmerich

Bahnhof Emmerich

Zugang zu den Bahnsteigen vom Bahnhofsgebäude aus

Emmerich Endstation RE 5

Endstation für den RE 5 in Emmerich an Gleis 1

Rheinbrücke Emmerich

Rheinbrücke - die längste Hängebrücke Deutschlands

rheinpromenade Emmerich

Rheinpromenade in Emmerich

Pegelhaus in Emmerich

Pegelhaus. Müsste 1,62 Meter Wassertiefe sein...

Die Sonne vermied es im weiteren Tagesverlauf, noch einmal zu erscheinen. Nach Umstieg in Oberhausen und Dortmund komme ich in tiefschwarzer "Nacht" zu Hause an. Lang war´s mal wieder....

Sebi on Tour - Demnächst vielleicht auch in Ihrer Nähe ;-)

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