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Nahverkehr in NRW: Teil 20 - RB 67: Der Warendorfer


Der "Warendorfer" ist eine quert durchs Münsterland verlaufende Regionalbahnlinie zwischen Bielefeld Hbf und Münster Hbf. Er wird von der
NordWestBahn GmbH (NWB) mit Sitz in Osna- brück betrieben. Sie fährt hier mit Talent (Talbot leichter Niederflurtriebwagen) im typischen blau-gelben Schweden-Look. Von Bielefeld bis Rheda-Wiedenbrück folgt die Linie der Hauptstrecke zwischen Hamm und Minden und durchquert auf dem ersten Abschnitt den Teutoburger Wald. Danach geht es bis Münster flach durch das Münsterland.

Die RB 67 fährt auf der sogenannten "Warendorfer Bahn", die 1886 fertiggestellt wurde. Mitte der 1980er Jahre sollte die Strecke aus wirtschaft- lichen Gründen stillgelegt werden, was jedoch verhindert werden konnte. Erst seit 2006 fahren Züge durchgängig im Stundentakt. Die Züge des Warendorfers werden in Bielefeld als RE 82 "Der Leineweber" bis nach Detmold bzw. Altenbeken durchgebunden, ein Umstieg ist in die Richtung also unnötig, was ein recht praktisches System darstellt. Die NordWestBahn hat den Betrieb 2003 übernommen. Seit 2009 wird der Betrieb vom elektronischen Stellwerk (ESTW) Coesfeld gesteuert, woraufhin die mechanischen abgebaut wurden.

Ziel der Reise ist der Streckenabschnitt zwischen Rheda-Wiedenbrück und Münster. Alles nordöstlich von Rheda-Wiedenbrück gelegene ist schon Statist im Artikel zum RE 6 "Westfalenexpress" bzw. zur RB 75 "Haller Willem" (Links ganz unten). Also fahre ich zunächst via Unna und Hamm mit den altbekannten Linien RB 54, RE 13 und RB 69 nach Rheda-Wiedenbrück, wo ich im schön renovierten Bahnhof die Zeit totschlagen muss, denn es dauert eine halbe Stunde, bis der Anschluss nach Münster kommt.

Warendorfer in Rheda-Wiedenbrück

Der Warendorfer in Rheda-Wiedenbrück

Bahnhof Rheda-Wiedenbrück

Der Bahnhof von Rheda-Wiedenbrück

Bahnhofsgebäude Rheda-Wiedenbrück

Bahnhofsgebäude

Bahnsteige in Rheda-Wiedenbrück

Bahnsteigdächer mit weißem Holz

Bei Rheda-Wiedenbrück handelt sich um eine Stadt, die aus der Zusammenlegung von Rheda und Wiedenbrück hervorgegangen ist. Der Bahnhof liegt nördlich des Stadtteils Rheda. Wiedenbrück mit der historischen Altstadt ist etwa drei Kilometer entfernt. Der Bahnhof überrascht: Die Bahnsteige haben eine sehr schöne Dachkonstruktion, getragen von weiß angestrichenem Holz. Das Bahnhofsgebäude ist renoviert und in einem spitzenmäßigen Zustand. Außen wunderschön gestaltet, der Vorplatz bepflanzt und dekoriert. Innen sehr sauber und gepflegt. Das mag an den zahlreichen Kameras unter der Decke liegen. Und was gibt es hier noch? Kostenfreie, öffentliche und geöffnete Toiletten! Unglaublich, aber wahr. Das kann bei einer Exkursion unter dem hohen Mineralwasserverbrauch bei diesen Temperaturen schonmal zu einem kleinen Problem werden! Überraschend das Schild an der Waschraumtür: "Die Toilette ist kameraüberwacht!" Bitte was?! Ich schaue nach oben. Tatsächlich! Über dem Waschbecken hängt eine Domkamera in der Ecke - so angebracht, dass sie zwar nicht in den Raum mit den Pissoirs spicken kann, aber dennoch jeden Benutzer im Vorraum filmt. Auch wenn man sich beim Händewaschen etwas beobachtet fühlt, es scheint seine Wirkung zu zeigen. Kein Grafitti, es ist sauber und es riecht sogar neutral. Neben der Toilette befindet sich die Radstation des Bahnhofs.

Der Zug fährt ein und verharrt noch ein wenig planmäßig in Rheda- Wiedenbrück, bevor er in einem Bogen zunächst die Hauptstrecke verlässt und dann langsam unterquert. Mein erstes Ziel ist fahrplantechnisch bedingt in Raestrup-Everswinkel. Dazu braucht der Wagen allerdings etwa eine Dreiviertelstunde Zeit. Und schon kurz nach der Abfahrt aus Rheda nähert sich die Bundesstraße B64 den Schienen an, die uns bis Münster begleiten und nur in wenigen kurzen Abschnitten innerhalb von Ortschaften von der Seite weichen wird. Ähnlich wie bei der hier auf den Internetseiten geschilderten Nebenstrecke Menden-Hemer gibt es hier starke Konkurrenz durch die Straße. Dazu kommt allerdings ein anderes Problem: Feldwege, Hauseinfahrten, Nebenstraßen. Alles Kreuzungen mit der Bundesstraße. Die wenigsten Übergänge sind technisch gesichert. Das bedeutet, dass der Triebfahrzeugführer alle Nasen lang an den vielen P-Tafeln das Horn betätigen muss! Außerdem geht es langsam in Zuckelgeschwindigkeit vorwärts. Rechts überholen uns die LKWs, während wir einige Feldwege nur mit 20km/h überqueren dürfen. Der Witz dabei ist, dass einige entgegenkommende LKW-Fahrer zurückhupen, wenn der Lokführer am BÜ einer Kreuzung pfeift.

Bahnhof Herzebrock

Bahnhof Herzebrock

Es zieht sich. Besonders attraktiv kann die Linie nicht sein - für Fahrgäste und besonders nicht für Anwohner, die alle Stunde von einem Zug je Richtung aufgeweckt werden. Kein Wunder, dass die "Warendorfer Bahn", wie die Strecke heißt, schon einmal geschlossen werden sollte.

Bahnhof Beelen

Beelen

Warendorfer in Beelen

... Kreuzungsbahnhof

In Beelen kreuzen sich die Züge auf der eingleisigen Strecke erstmals. Ein schmuckes Backsteingebäude dient als Empfangsgebäude, wo auch der Fahrdienstleiter sitzt und an den Strippen zieht - hier stehen, wie fast überall an der Strecke, Formsignale. Zunächst fährt der Gegenzug Rich- tung Bielefeld raus, dann sind wir dran. An Warendorf vorbei erreiche ich den Bahnhof von Raestrup, gesprochen mit langem a, also "Raastrup".

Warendorfer in Raestrup-Everswinkel

Bedarfshalt Raestrup-Everswinkel

Bahnhof Raestrup-Everswinkel

"Leicht" zugewachsen...

Güterschuppen Raestrup-Everswinkel

Der Güterschuppen des ehemaligen Bahnhofs

Warendorfer in Raestrup-Everswinkel

... die sich auch nicht lange bitten lässt.

Bahnhof Raestrup-Everswinkel

Foto von der Straße unter Lebensgefahr

Bahnhofsgebäude Raestrup-Everswinkel

Sogar in der Dachrinne wächst ein Busch.

"Bitte beachten Sie! Der Zug hält an dieser Station nur nach Betätigung der 'Stopp-Taste'!" Durch das Hönnetal kenne ich bereits die Technik von Bedarfshalten. Im Normalfall fährt der Zug hier durch. Nur wenn jemand ein- oder aussteigen möchte, hält er dann.

Der Bahnhof gehört zu Everswinkel, einer 9.000-Einwohner-Stadt, die etwa vier Kilometer entfernt liegt und über eine Kreisstraße mit der Bahnstation verbunden ist. Man kann ihn eigentlich nicht mehr als Bahnhof bezeichnen. Ehemalige Gleisanlagen sind alle zugewachsen, ebenso das verlassene Empfangsgebäude. Büsche wachsen sogar aus der Dachrinne und der gesamte Bahnsteigbereich ist bis auf einen schmalen Streifen vor der Kante überwuchert. Ein paar Häuser stehen auf der anderen Seite der B64, die auch hier der Strecke treu bleibt, ansonsten ist hier der Hund begraben. Ich bin der Einzige, der aussteigt, und auch der Einzige, für den der Zug Richtung Warendorf hält. Welch eine Ehre.

Warendorfer in Warendorf

Der Warendorfer in Warendorf

Bahnhof Warendorf

Busbahnhof und Bahnsteig 1

Bahnhof und Radstation warendorf

Sendeturm und Radstation (links)

Bahnsteige Warendorf

Hinter dem Bahnhof stehen Wohngebäude

Bahnhof Warendorf

Unterführung und Wartehalle von Gleis 1

Busbahnhof Warendorf

Busbahnhof von Warendorf mit Einzelhandel

Es geht zurück nach Warendorf, dem Namensgeber der Bahnstrecke und auch der Linie. Es ist die Kreisstadt des gleichnamigen Kreises, hat nicht ganz 40.000 Einwohner und liegt mitten im Münsterland an der Ems. Der Bahnhof ist ein moderner Halt. Er besitzt zwei lange Bahnsteige, hinten und vorne jeweils mit größerem Bahnsteigdach. Im Osten verbindet eine Unterführung die Bahnsteige. Auf dem übrigen Bahnsteig stehen kleine Glaswartehallen, die hier besonders schmal gebaut sind. Gegenüber liegt der Busbahnhof. Eine Radstation bewacht die Zweiräder und ist, wie es scheint, sehr gut ausgelastet. Der Bahnhof selbst bietet eine Kreuzungsmöglichkeit, die jedoch im Alltag nicht genutzt wird.

Östlich des Bahnhofs ist die Altstadt von Warendorf zu Fuß erreichbar.

Bahnhof Telgte

Der Bahnhof von Telgte

Marktplatz Telgte

Marktplatz

Der Gegenzug bringt mich nach Telgte. Suchen Sie es sich aus, wie Sie den Ort aussprechen: "Telkte" oder "Telchte". Rheinländer dürfen auch gerne zum "Tääälschte" greifen. Vielleicht haben Sie mal "Das Treffen in Telgte" von Günter Grass gelesen und kennen den Ort daher aus der Literatur. Das "Treffen" wird im schönen Bahnhof heute von der NordWestBahn realisiert, denn hier kreuzen sich planmäßig die Züge. Auch hier war (noch zum Zeitpunkt der Exkursion) ein mechanisches Stellwerk im Gebäude untergebracht.

Kreuzungsbahnhöfe haben immer den Haken, dass man nicht nach gewisser kurzer Zeit mit taktischem Planen den Gegenzug nehmen kann. Hier dauert es genau 60 Minuten, bis der nächste kommt. Aber die Stadt wollte ich mir dann doch anschauen...

Telgte ist eine hübsche und ruhige Kleinstadt. Viele Backsteinhäuser finden sich in den kleinen Straßen rings um den Marktplatz. Hier sitzt man draußen bei Kaffee und Kuchen. Durch eine art "Fressgasse" hindurch erreicht man eine neben der Kirche stehende kleine Wallfahrtskapelle. Hinter der Kirche rauscht die Ems über ein Stauwehr, hier erstreckt sich ein anscheinend bei Radfahrern und Joggern beliebter Park.

Auf dem Rückweg zum Bahnhof komme ich an einer Eisdiele vorbei. Nunja. Schoko und Vanille - ganz klassisch. Schoko sei aus, aber man habe noch Schoko mit Schoko- stückchen, das schmecke fast genau so. Tut es nicht. Es schmeckt scheiße. Irgendein schwaches Kaffee-Aroma. Nichts Halbes und nichts Hanzes. Gemischt mit dem Vanilleeis

Warendorfer im Bahnhof Telgte   Telgte

geht es. Und es kühlt - immerhin haben wir mal wieder über 33°C im Schatten. Am Bahnhof stelle ich fest, dass um diese Uhrzeit ein Sonder- fahrplan gilt. Wahrscheinlich schulbedingt. Der Zug fährt mal eben zehn Minuten später als sonst am Tage nach Münster. Also habe ich doch noch etwas Wartezeit. Im Schatten wird der Platz verteidigt durch zwei weibliche Teenies, die eine ganz fiese Musik laut hören. Habe ich schonmal gesagt, dass ich Mp3-Player im Handy hasse? Statt mich in die Sonne zu setzen, gehe ich lieber in die ruhige und kühle Schalterhalle.

Münster Hbf

Münster Hauptbahnhof

Münster Hbf

Haard-Bahn in Münster

Wir hangeln uns wieder von P-Tafel zu P-Tafel. Langsam erreicht der blau-gelbe Triebwagen den Endhalt in Münster Hauptbahnhof, der Fahrradhauptstadt in NRW. Nach Hause geht es nur über komplizierte Umwege, weil eine passende Verbindung gerade abgefahren ist. Um nicht wieder eine Stunde in Unna zu stehen, fahre ich Zickzack. Münster-Hamm-Soest-Unna-Fröndenberg. So fahre ich zwar länger, aber die Wartezeit ist auf mehrere Stationen und in kleine Häppchen verteilt. Von der Gesamtfahrtzeit kommt es auf das selbe raus. Natürlich hat der Zug in Soest zwei Minuten Verspätung und die Hellwegbahn fährt gerade ´raus - einige Optimisten wollen ihr noch hinterherrennen. Ich bin Realist und wusste, dass die nicht warten würde. Aber auf die war ich eh noch nicht angewiesen. Die nächste Hellwegbahn hat natürlich zehn Minuten Verspätung. So viel, dass es in Unna mit dem Anschluss knapp werden könnte...! Hab ich mir durch meinen Umsteigezickzack wieder selbst ein Bein gestellt? Nein. Mit Rennen passt es. Es war wirklich Zeit, dass hier endlich die neuen Triebwagen der Eurobahn kommen...

Sebi on Tour - demnächst vielleicht auch in Ihrer Nähe ;-)

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