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Nahverkehr in NRW: Teil 2 - RB 52: Die Volmetal-Bahn

Die Volmetal-Bahn ist eine etwa 57 Kilometer lange Regionalbahnlinie zwischen Dortmund im Ruhrgebiet und Lüdenscheid im Sauerland.

Größtenteils nutzt sie die gleichnamige Kursbuchstrecke 434. Die Volmetalbahn führt heute größtenteils eingleisig und unelektrifiziert zwischen Dortmund und Die- ringhausen und von Hagen bis Meinerzhagen parallel zum Fluss Volme. In Brügge ändert der Zug einmal die Fahrtrichtung. Die Fahrtzeit von der Großstadt Dortmund bis in die Kreisstadt des Märkischen Kreises beträgt etwa eine Stunde.

Fertiggestellt wurde die Volmetalbahn Hagen-Dieringhausen in mehreren Abschnit- ten zwischen 1871 und 1893. Im Jahre 1910 wurde bei Hagen-Oberhagen der etwa 2,2 km lange Goldbergtunnel als Umgehungsstrecke eröffnet, bis dato fuhren die Züge mitten durch die Stadt. 1879 wurde die Strecke von Hagen-Vorhalle nach Dortmund eröffnet. Diese verlief allerdings zunächst Richtung Hörde, erst 1957 wurde der Anschluss an die Hellwegbahnstrecke Unna-Dortmund hergestellt.

Im Jahre 1986 wurde der Abschnitt Brügge-Meinerzhagen zum Sommerfahrplan für den Personenverkehr stillgelegt. Die auf der Aggertalbahn fahrenden Züge , also auf der anderen Seite des geschlossenen Abschnitts, verkehrten ab 1987 nur noch bis Gummersbach und seit 2003 wieder bis Marienheide, mittig zwischen Gum- mersbach und Meinerzhagen gelegen. Ein Zusammenschluss der Volme- und Aggertalbahn für Personenverkehr wird langfristig wieder angestrebt. Die Lücke ist heute 14km klein und die Strecke voll funktionsfähig ausgebaut.

Karte Volmetalbahn

Eingesetztes Rollmaterial war die für die 1970er und 80er übliche Wendezuggarnitur, bestehend aus einer Baureihe 212 und Silberlingen. Später fuhren hier die "Quadratschädel" der Baureihe 624 und Triebwagen der Baureihe 628. Im Südabschnitt zwischen Meinerzhagen und Dieringhausen verkehrte der Versuchsträger zur City-Bahn, bestehend aus einer Diesellok der Baureihe 218 und modifizierten Silberlingen. Mehr dazu können Sie im entsprechenden Artikel zur RB 25 "Oberbergische Bahn" (Aggertalbahn) nachlesen - der Link steht weiter unten. Zwischen 1999 und 2004 wurde die Volmetal-Bahn von der Dortmund-Märkischen Eisenbahn (DME) betrieben, die Linie war in Deutschland die erste europaweit ausgeschriebene ihrer Art. Eingesetzt wurden dreiteilige, weiß-rote Talent (Talbot leichter Niederflurtriebwagen). Nach erneuter Ausschreibung der Linie ab 2004 und Vergabe dieser an DB-Regio NRW wurde die DME aufgelöst. Seitdem fährt die Volmetal-Bahn im sogenannten Sauerland-Netz, das neben der RB 52 auch die RB 53 "Ardey-Bahn" (Dortmund-Iserlohn), die RB 54 "Hönnetal-Bahn" (Unna-Neuenrade) und den RE 57 "Dortmund-Sauerland-Express" (Dortmund-Winterberg) beinhaltete. Seither setzt die Deutsche Bahn Triebwagen des Typs LINT41 (Leichter, innovativer Nahverkehrstriebwagen, zweiteilig und 41 Meter lang; Baureihe 648) ein, selten andere Baureihen wie z.B. 628.

Nordteil Dortmund - Hagen

Samstag früh, der Wecker hat die Nacht beendet. Die Fahrt beginnt unspektakulär mit der Anfahrt von Fröndenberg nach Hagen Hbf mit dem Sauerland-Express über die Obere Ruhrtalbahn. In Hagen steht dann die Volmetalbahn nach Dortmund auf dem Bahnsteig gegenüber, so dass sich ein einfacher Umstieg ergibt. Die Verbindung vom Sauerland-Express aus Fröndenberg auf die Volmetalbahn ist günstig. Viele Umsteiger gibt es allerdings nicht. In Schwerte, ein Halt vor Hagen, hat man mit der Ardey-Bahn ebenfalls guten Anschluss bei kürzerer Fahtrzeit nach Dortmund. Außerdem fährt auf der selben Strecke bis Fröndenberg mit dem RE 57 noch ein Regionalexpress direkt in die Großstadt.

Hagen ist eine kreisfreie Stadt mit dem Kennzeichen HA und hat fast 200.000 Einwohner. Der Hauptbahnhof ist ein Knotenpunkt in NRW. Hier halten alle ICE- und IC-Züge. Regionalexpresslinien führen nach Essen, Siegen und Kassel; außerdem nach Köln und Krefeld, Münster und Rheine. Daneben ist Hagen an die S-Bahn Rhein / Ruhr Richtung Dortmund und Mönchengladbach angebunden. Die Bahnsteige liegen unter einer zweibogigen Kuppelhalle aus Stahl. Durch ihre enorme länge sind sämtliche Bahnsteige geteilt, vor und hinter der Unterführung findet sich jeweils ein nummeriertes Gleis. Pro Mittelbahnsteig also vier. Darüberhinaus haben einige Bahnsteige an einem Ende Überholgleise.

Daher haben die Bahnsteige - man sieht es im Foto andeutungsweise hinten - eine etwas geschwungene "Wurstform". Das Bahnhofsgebäude ist durch eine Unterführung angebunden, wurde vor kurzer Zeit renoviert und beherbergt ein Reisezentrum, Buchhandlung, Bäckerei, Drogerie und nebenan ein Fastfood-Restaurant. Besonders markant ist der angebaute Turm am Gebäude.

Hagen Hauptbahnhof

Markanter Turm am Hauptbahnhof von Hagen

Volmetal-Bahn in Hagen Hauptbahnhof

Volmetal-Bahn in Hagen Hauptbahnhof

Hagen Hauptbahnhof

RE 17 »Sauerland-Express« nach Warburg bzw. Kassel

Hagen Hauptbahnhof

In Hagen hält auch der RE 13 »Maas-Wupper-Express«

Zunächst beschäftige ich mich mit dem Nordabschnitt der Volmetal-Bahn. Der Zug setzt sich um Zeigerschlag '53 in Bewegung. Der Triebwagen ist sehr gut gefüllt. Man muss schon mit einem freundlichen aber bestimmten "Da ist doch noch frei?!" den Rucksacktouri bitten, sein Gelumpe vom Sitz neben ihm zu nehmen. Auffällig viele Kleinkinder oder Mütter mit Kinderwagen sind im Zug.

Zuerst zweigt, sobald wir aus dem Hauptbahnhof rausgefahren sind, rechts die Obere Ruhrtalbahn Richtung Schwerte ab, bei Hagen-Vorhalle verlassen wir auch noch die Strecke Richtung Essen und überqueren in einem großen Bogen das Ruhrtalviadukt bei Herdecke. Das Viadukt ist über 300 Meter lang und etwa 30 Meter hoch und wurde ab 1877 gebaut. Es besteht aus zwölf Bögen. Durch die Flutwelle der gesprengten Möhnetalsperre am 17.05.1943 wurde ein Pfeiler weggerissen, später Teile des Viadukts von der Wehrmacht gesprengt.

Herdecke Bahnhof

Herdecke - Kreuzungsbahnhof

Herdecke

ungenutzte Gütergleise

Bahnhof Herdecke

 

Ruhrtalviadukt Herdecke

Ruhrtal-Viadukt bei Herdecke (aus dem Zug aufgenommen)

In Herdecke kreuzen sich die Züge das erste Mal. Außer dem durch Vandalismus bedingt unschönen Bahnsteig und den zwei Kreuzungsgleisen gibt es hier einige stillgelegte Gütergleise, aber kein Bahnhofsgebäude (mehr). Die Aufenthaltsqualität liegt bei Null. Aber länger als zwei Minuten bleibe ich hier eh nicht. Mit dem selben Zug auf dem selben Sitzplatz - das Gegenüber wundert sich etwas - geht´s weiter.

Haltepunkt Kirchhörde Volmetalbahn

Haltepunkt Kirchhörde

Kirchhörde Bahnhof

Wohnhaus direkt am Bahnsteig

Zugang Bahnhof Kirchhörde

Der Zugang ist nicht übermäßig betont

Kirchhörde Bahnhof

Löwenzahn auf dem Bahnsteig

Ich fahre bis nach Dortmund-Kirchhörde. Ein schmaler Bahnsteig, teilweise geteert, teilweise Löwenzahnwiese. Außerdem wachsen noch Miere, Goldnessel und Hahnenfuß. Direkt neben dem Halt befindet sich ein Privathaus. Mutig, hier zu bauen und zu wohnen. Es sieht sehr gepflegt aus, das silbrige Grafitti auf himmelblauem Putz ist der einzige Minuspunkt. Die Wartehalle ist frisch gestrichen, von Hinsetzen wird durch ein Schild abgeraten. Der Zugang zum Bahnsteig liegt etwas versteckt. Ohne dieses typische, blaue Schild, das den Bahnhof an der Straße markiert, wird es für Ortsfremde schwierig. Direkt hinter einem Altglascontainer und hinter Büschen. An einer Hauptstraße, wo es keine Querungsmöglichkeit für Fußgänger gibt. Gehwege ebenfalls nicht. Genau eine halbe Stunde Zeit bleibt zum Erkunden, dann geht es nach Wittbräucke.

Haltepunkt Wittbräucke Volmetalbahn

Zugang zum Bahnsteig von Wittbräucke (links)

Volmetal-Bahn in Wittbräucke

Volmetal-Bahn in Wittbräucke

Wartehalle in Wittbräucke

Wartehalle. Aber wer wartet hier gerne auf den Zug?

Wittbräucke Bahnhof

Rechts das ehemalige zweite Gleis

Gottverlassen liegt der Haltepunkt im Wald unterhalb eines Abhangs. Dieser wurde mit Natursteinen befestigt, interessanterweise wurde beim Bau eine Niesche gelassen und diese überdacht - eine Wartehalle ist entstanden. Aber wie sieht es hier aus...! Die Wartehalle ist auf dem Dach zugewachsen, Holzbalken sind morsch. Zur Stabilisierung wurde ein Balken in einem Plastikeimer betoniert. In dreizehn Minuten ist auch dieser Halt abgehandelt. Auch hier gibts keine Bank zum Sitzen. Spannend ist, dass man hier die Trasse eines ehemaligen zweiten Gleispaares erkennen kann. Einige Brücken, Bahnhöfe und sogar ein Tunnel sind für zweigleisigen Betrieb ausgelegt. Dieses Gleis existiert aber nicht mehr.

Volmetal-Bahn in Dortmund-Tierpark

Dortmund-Tierpark

Dortmund-Tierpark Haltepunkt

.... nicht wirklich schöner

Von Wittbräucke aus führt die Fahrt mich zum Zoo. "Nächste Station: Dortmund Tierpark. Bitte in Fahrtrichtung links aussteigen!" Deshalb auch so viele Kinder. Und alle werden gleichzeitig angezogen, fertig gemacht, durchs Haar gewuschelt. Zwanzig Minuten Zeit. Genug für ein nachgeholtes Frühstück im botanischen Garten neben dem Haltepunkt. Dort gibt es nämlich Bänke! Auch der Halt ist nicht besonders schön, innerhalb von fünf Minuten hat man hier alles gesehen. An diesem Haltepunkt ist besonders deutlich, dass hier mal mehr Betrieb war. Lange Unterführung, eine Treppe zu einem alten Bahnsteig. Eine Bahnsteigkante befindet sich unter den Büschen gegenüber.

Löttringhausen Bahnhof

An ein paar Metern Dach wurde gespart

Volmetal-Bahn in Löttringhausen

Löttringhausen

Bahnhof Dortmund-Löttringhausen

Statt florierender eher florale Nutzung

Bahnhof Löttringhausen Gräserlehrpfad

Löttringhausens Gräserlehrpfad

Zugang zum Bahnhof Löttringhausen Volmetalbahn

Hier kommt man raus, wenn man die Treppen absteigt

Löttringhausen Bahnhof

Lampen baumeln am Gerippe. Rechts ehemaliger Bahnsteig

Als nächstes steht der genialste Halt Dortmunds an: Löttringhausen. Genial? Genial und schlau bedacht. Hier steht das Eisengerippe einer Bahnsteigüberdachung. Ohne Dach. In den Öffnungen baumeln Lampen. Lediglich etwa 10 Meter sind vorbildlich saniert mit schönen Holzbrettern auf der Unterseite. Wenn das Stückchen zur Unterführung aber nicht offen wäre...!! Auch hier in Löttringhausen gibt es Anzeichen für eine ehemals floriende Nutzung. Heute ist die Nutzung allerdings eher floral, also pflanzlich. Ein zweiter Bahnsteig gegenüber, noch mindestens zwei Gleise hinter dem Bahnsteig... Macht zusammen vier. Im Unterholz des Unkrauts sind tatsächlich noch Schienen zu finden. Bedeckt mit Müll und Hundesch... Von Löttringhausen führte einst eine Bahnstrecke nach Bochum-Langendreer. Sie ist heute stillgelegt und die Trasse als Radweg in eine neue Nutzung übergegangen. Auch hier gibt es nur eine theoretische Sitzgelegenheit, die ist nämlich auch "frisch gestrichen". Womöglich hängt der Zettel seit Wochen, aber ich möchte bei der Hose keine Risiken eingehen.

Der nächste Halt ist der Bahnhof Signal-Iduna-Park, vor dem die Strecke aus Hagen auf die Hellwegbahnstrecke aus Unna und Soest einfädelt.

Bahnhof Signal-Iduna-Park

»Dortmund-Sauerland-Express« am Bahnhof Signal-Iduna-Park

Bahnhof Signal-Iduna-Park

Im Hintergrund das Westfalenstadion ("Signal-Iduna-Park")

Bahnhof Signal-Iduna-Park

Brücke über die Gleise

Westfalenhalle 1

Eingang zur Westfalenhalle 1

Dabei handelt es sich nicht um den Betriebsbahnhof einer Versicherung, sondern um den ehemaligen Haltepunkt Dortmund-Westfalenhalle. Er liegt in unmittelbarer Nähe zum Westfalenstadion, welches gemäß eines Sponseringvertrages "Signal-Iduna-Park" heißt und in dem bei Heimspielen an Bundesliga-Spieltagen Borussia Dortmund antritt. Ein paar Schritte weiter befindet sich mit den Westfalenhallen das große Messezentrum der Ruhrgebietsmetropole. Daneben findet sich hier eine große Eishalle und ein Zugang zum Westfalenpark, einem großen Park mit Spielplätzen, Seen, Teichen, Cafés, einer Seebühne und viel Grün, in dem schon mehrfach Gartenschauen stattfanden. Im Park steht auch der Florianturm.

Der Bahnhof ist für Massenverkehr ausgelegt, was ermöglicht, dass theoretisch vier Züge gleichzeitig an den beiden langen Bahnsteigen stehen können. In der Woche ist es - abgesehen von einigen Schülern des benachbarten Gymnasiums - menschenleer. Wenn hier aber die Borussia spielt oder eine größere Messe in den Westfalenhallen stattfindet (oder beides), dann ist hier die Hölle los. Dann hält hier auch der RE 57 außerplanmäßig. Für die Fußball-WM 2006 wurde der Haltepunkt extra modernisiert. Die Bahnsteige sind daher im Vergleich zu früher deutlich breiter und die Böschungen lichter gestaltet. Neue Lampen wurden aufgestellt und die Zugänge verbessert. Dabei ist der Umbau allerdings noch eine "Sparversion", war für den WM-Bahnhof doch anfangs eine auffällige Überdachung vorgesehen. Beim Umbau wurden einige Hohlräume im Boden gefunden, die zeitintensiv verfüllt werden mussten. Eine Folge war, dass alle Züge, die hier verkehren, umgeleitet wurden oder ganz ausfielen - teilweise über mehrere Monate hinweg. Pünktlich zur WM wurde der Halt fertiggestellt und verkommt nun langsam nach einer kurzen Hochglanzphase wieder. Hier und da wachsen im Sommer schon Wälder von Gräsern, Müll liegt herum. Pflege ist teuer und aufwändig.

Neben der Volmetal-Bahn halten hier auch die Ardey-Bahn nach Iserlohn und die Hellweg-Bahn nach Soest. RE 57 fährt planmäßig hier durch.

Dortmund Hbf

Dortmund Hauptbahnhof

Volmetal-Bahn und Hellweg-Bahn in Dortmund

Volmetal-Bahn neben der neuen »Hellweg-Bahn« der eurobahn

Die letzte Etappe führt unter der Schnettkerbrücke der B1 in einem großen Bogen um Dortmund herum. Hier trifft die Volmetalbahn auf die Strecke der S5 nach Hagen bzw. nach Mönchengladbach. Die der S4 wird unterfahren und man nähert sich der Hauptstrecke nach Bochum und Essen an, wo RE 1, 6 und 11 sowie der ganze Fernverkehr fahren. Schließlich erreicht die Volmetalbahn den Sackbahnhofsbereich des Dortmunder Hauptbahnhofs. Hier endet nicht nur die Linie der RB 52 auf Gleis 3, sondern auch die Hellwegbahn nach Soest über Unna, der Dortmund-Sauerland-Express nach Winterberg sowie die Ardey-Bahn nach Iserlohn.

Dortmunds Hauptbahnhof ist einer der größten des Landes und der wichtigste Umsteigeknotenpunkt im Regional- und Fernverkehr im Ruhrgebiet. Die Stadt ist die zweitgrößte in NRW hinter Köln und die siebtgrößte von Deutschland mit mehr als eine halbe Millionen Einwohnern. Die Größe hat die Stadt der Industrialisierung und dem sogenannten "Dortmunder Dreiklang" zu verdanken: Kohle - Stahl - Bier. Allerdings ist von den drei Bereichen nur noch wenig in der Stadt zu finden, es ist heute eher ein Einzelhandels- und Dienstleistungszentrum. Auch von der alten "Europas Bierstadt Nr. 1" ist wenig zu sehen, von den ehemalig acht Brauereien wie Union (DUB), Kronen, Hansa, Ritter, Thier, Stifts, Dortmunder Actien-Brauerei (DAB) und Bergmann existiert nur noch eine einzige (DAB der Fa. Dr. Oetker), die zugleich die meisten anderen Marken übernommen hat und diese vermarktet. Kronen- und Thierbrauerei bilden großflächige Brachflächen in der Innenstadt, das markante Gebäude der Union-Brauerei mit dem leuchtenden "U" auf der Spitze wird derzeit zum Kulturzentrum umgebaut. Die lange Fußgängerzone im Zentrum bietet sich zum gemütlichen Einkaufen an. Wahrzeichen der Stadt ist der Florianturm im Westfalenpark. Und natürlich sein schwarz-gelber Fußballverein BVB 09.

 

Südteil Hagen - Lüdenscheid

Etwa eine Stunde später bin ich im echten Volmetal. Der Fluss, nach dem das Tal, die Bahnstrecke und Bahnlinie benannt sind, fließt bei Hagen in die Ruhr - wir folgen der Volme stromaufwärts nach Süden.

Hinter Hagen Hauptbahnhof biegt die Volmetalbahn von der Hauptstrecke Richtung Wuppertal scharf ab, um kurz darauf im von 1906 bis 1910 gebauten etwa 2,2 Kilometer langen Goldbergtunnel zu verschwinden. Die Draufsicht des Tunnels hat die Form eines großen "S" und umfährt somit Hagen und Wehringhausen mitten durch den Berg. Zuvor dampften die Züge durch die enge Stadt. Der Tunnel ist zweigleisig ausgebaut - als einer der wenigen Abschnitte auf dem Südabschnitt.

Der Triebwagen schaukelt zunächst sachte durch die Dunkelheit und gibt schließlich deutlich Gas. Der Tunnel nimmt kein Ende - und immer noch ist kein Lichtschein aus Richtung Südportal erkennbar. Irgendwann wird es plötzlich hell. Direkt hinter der östlichen Tunnelausfahrt liegt der ehemalige Bahnhof Hagen-Oberhagen - heute nur noch Haltepunkt. Doch dazu später mehr.

Ich fahre zugunsten des Zickzack-Kurses zunächst bis Dahl und erst mit dem Gegenzug nach Oberhagen. In Delstern, wo es früher einen Bahnhof gab, wurde die Strecke währenddessen eingleisig.

Goldbergtunnel volmetalbahn

Portal des Goldbergtunnels bei Oberhagen

Das zweite Gleis existiert zwar, wird aber nicht genutzt, ist streckenweise abgebaut oder zugewuchert. Der Rückbau sollte der Geschwindig- keitserhöhung dienen.

Bahnhof Dahl Volmetalbahn

Hagen-Dahl: Mittelbahnsteig einseitig benutzt

Bahnhof Dahl: Ausgang durch einen Flur im Bahnhofsgebäude

Ausgang durchs Gebäude

Dahl Wartehalle

Ein gemütliches Plätzchen

Hagen-Dahl Bahnsteig

Kühne Trägerkonstruktion in der Unterführung

Dahl ist ein Vorort von Hagen. Dessen Bahnhof sieht auch danach aus - weisen sich die Hagener Bahnhöfe nicht durch besondere Pflege und gute Behandlung aus, wie man später auch noch sehen wird.

Ein Teil des Bahnhofsgebäudes ist aber offensichtlich bewohnt. Immerhin wurden Löcher im Schiefer geflickt und der Balkon bepflanzt mit blühenden Sommerblumen. Zum Bahnsteig selbst gelangt man durch einen Flur des Bahnhofsgebäudes. Er hat keine Türen mehr, sämtliche Nischen und Schalter sind zugemauert. Die Decke ist neu, sieht allerdings roh verspachtelt aus. Auf dem Fußboden liegen rote, sechseckige Fliesen - zumindest im vorderen Teil. Hinten befindet sich nackter Beton mit einigen Rissen. Abends im Spätherbst und im kalten Winter, wenn der Wind pfeift, sicherlich ein beschaulicher Ort...!

Die Unterführung ist abgesperrt. Sie untertunnelt das nicht mehr genutzte Gleis und ist überflüssig geworden. Stattdessen wurde das Gleisbett zum Darübersteigen zugeschüttet. Rechts und links sperrt ein Holzzaun ab.

In unmittelbarer Nähe zum Bahnhof führt eine alte Natursteinbogenbrücke eine Straße über die Volme. Man sieht sie vom Zug aus, wenn der Triebwagen abbremst und in den Haltepunkt rollt.

Nur zehn Minuten später kommt bereits der Gegenzug. Mit ihm fahre ich das kurze Stück nach Oberhagen.

Dahl Flur im Bahnhofsgebäude

Noch braucht Menden (Sauerland) keine Sorge zu haben, dass es von seiner Top-Platzierung zum schönsten Bahnhof in NRW vom letzten Rang fällt, aber Oberhagen hat gute Chancen für einen Platz auf dem Treppchen.

Volmetal-bahn in Oberhagen

Volmetal-Bahn nach Dortmund in Hagen-Oberhagen

Haltepunkt Oberhagen Volmetalbahn

Wieder einer der typischen "Gräserlehrpfade"

Oberhagen Bahnhof

Benachbart einige Hochhäuser

Oberhagen Wartehalle

Wie es hier riecht, kann man sich ausmalen...

Haltepunkt Oberhagen

An sich fast romantisch. Wenn man das Schild lesen könnte.

Oberhagen Volmetal-Bahn

Und weg mit dem Gegenzug....

Wieder vorbei an Dahl fahre ich bis Rummenohl - einem Kreuzungsbahnhof auf der zeitlich gesehen noch nicht besonders lange eingleisigen Strecke. In Höhe Ambrock wird zum einen eine recht bekannte Klinik für Lungenkrankheiten, zum anderen das etwa zwei Kilometer entfernte Freilichtmuseum Hagen bei Eilpe passiert.

Freilichtmuseum Hagen

LWL-Freilichtmuseum Hagen

Freilichtmuseum Hagen

Viele kleine Werkstätten zu verschiedensten Handwerken

Hier kann sich der Besucher informieren, wie früher im Handwerk gearbeitet wurde. Bohrer-, Feilen-, Ketten-, Nagel- und Hammerschmiede, Seilerei, Papierherstellung, Bäckerei jeweils in kleinen Fachwerkhäusern und viel viel mehr, was ich nicht alles aufzählen kann. Abwechselnd werden bestimmte Produktionsstätten vorgeführt. So dreht sich beispielsweise draußen das Wasserrad, um den Schmiedehammer anzutreiben, drinnen brennt das Feuer unter der Esse, welches von großen Blasebalgs angefacht wird (manchmal muss der Besucher den Blasebalg bedienen...). Und dann wird vorgeführt, wie früher Nägel hergestellt wurden. Mit etwas Glück dürfen Sie dann sogar den Nagel mitnehmen. Der Besuch im Museum lohnt. Man muss nur gut zu Fuß sein, da man größere Wege laufen muss. Das Museum zieht sich durch ein kleines Tal.

Volmetal-Bahn in Rummenohl

Rummenohl - Zug und Haus harmonieren

Rummenohl gehört wie Dahl und Oberhagen ebenfalls noch zu Hagen, Richtung Süden bildet das Stadtgebiet eine Art Zipfel. Man ist über- rascht, wie gut dieser Halt jedoch aussieht. Hagen kann also doch. Der Bahnsteig ist allerdings auch unter "Beobachtung". Ein mechanisches Stellwerk bedient die Formsignale und sorgt für den sauberen Ablauf der einzigen Kreuzung auf der Volmetalbahn. Es ist der einzige Kreuzungsbahnhof, sieht man davon ab, dass ab Delstern nach Hagen die Strecke für ein gewisses Stückchen zweigleisig ist. Kommt es zu Verspätung, wird diese gerne auf den Gegenzug übertragen.

Auffällig ist hier in Rummenohl ein rotes Haus mit grauem Dach und weißen Fenstern, welches vom Farbschema her fast ideal zum LINT-Triebwagen passt.

Mehr Zeit zum schauen habe ich nicht. Der Gegenzug rollt ein, das Formsignal schwingt auf Langsamfahrt um. Ich steige ein. Kurz darauf fährt mein Zug los - Glück gehabt. Endlich ist die Stadtgrenze von Hagen erreicht. Rummenohl war der letzte Bahnhof im Verkehrsverbund Rhein / Ruhr. Nun greift mein NRW-Ticket.

Prompt kommt ein Zugbegleiter aus dem Führerstand. Das selbst ausgedruckte Ticket reicht nicht. "Haben Sie auch einen Lichtbildausweis? Und einen Studentenausweis?" - "Ja, wenn Sie bitte mal kurz halten könnten..."

Vorbei an Dahlerbrück erreiche ich Schalksmühle. In der Nähe liegt die Glörtalsperre, die jedoch heute nicht Ziel der Reise ist. Auch hier gab es mal ein zweites Gleis, welches heute noch hier und da sichtbar ist. Zwischen Dahlerbrück und Brügge zum Beispiel liegt es noch heute neben dem Durchgangsgleis. In Schalksmühle wurde der Halt vor Kurzem saniert und zu einem Hochbahnsteig aufgestockt.

Volmetal-Bahn in Schalksmühle

Haltepunkt Schalksmühle

Schalksmühle

Schalksmühle an sich

Gläserne Wartehalle, neuer Fahrkartenautomat, Überwachungskamera. Was allerdings nichts daran ändert, dass die Wand vom benachbarten Einkaufszentrum nicht mehr so aussieht, wie es sich der Besitzer vorstellt. Ein kleines Städtchen, am Samstagnachmittag aber schon etwas verschlafen. Außer im Einkaufszentrum mit den vielen kleinen Geschäften hat in der eigentlichen Stadt keines mehr geöffnet.

Von Schalksmühle aus verlief einst eine meterspurige Bahn nach Halver. Sie gehörte zur "Kreis Altenaer Eisenbahn AG" und wurde im Volksmund als "Schnurre" bezeichnet. Noch heute erinnern Beschilderungen eines Wanderweges daran. Die AG sowie das Schienennetz existieren nicht mehr. Im altbewährten Schema geht es mit dem Gegenzug zurück nach Dahlerbrück. Das reimt sich - und was sich reimt ist gut.

Volmetal-Bahn in Dahlerbrück Bahnhof

Dahlerbrück Einfahrt

Dahlerbrück Bahnhof

Dahlerbrück Bahnhof

Bahnhof Dahlerbrück Volmetalbahn

Das Nebengleis endet im Nichts

Volmetal-Bahn in Dahlerbrück

Starke Neigung des Wagens am Bahnsteig

Auch hier existiert noch ein zweites Gleis, der Bahnsteig ist eigentlich ein Inselbahnsteig. Das Empfangsgebäude scheint eine neue Nutzung zu haben, immerhin ist die Unterführung dorthin zugemauert. Der Zug legt sich hier in die Kurve, was bedeutet, dass man verdammt hoch klettern muss, um einzusteigen. Gut, dass die Trittstufen funktionieren! Trotzdem sicherlich gerade für ältere Menschen beschwerlich, hier einzusteigen. Trotzdem hat der Halt einen gewissen Charme.

Wir erreichen nun Brügge. Die Volmetal-Bahn hat etwa fünf Minuten Aufenthalt, ehe der Triebwagen rückwärts wieder aus Brügge ausfährt, um die letzte Etappe nach Lüdenscheid anzugehen. Dabei steht der LINT an einem kleinen Bahnsteig ganz im Norden des Bahnhofs. Im Süden sind im Unterholz zwei lange Bahnsteige zu erkennen, an denen früher die Züge gehalten haben, die bis Dieringhausen und weiter gefahren sind. Wie gesagt ist Brügge heute das nördliche Ende des Personenverkehrs auf der Volmetalbahn. Ein bekanntes Fotomotiv ist das Reiterstellwerk, dessen Zugang sich auf einem der beiden stillgelegten Bahnsteige befindet. Der Bahnhof wird mechanisch gesteuert, daher stehen hier auch noch Formsignale. Es bleibt abzuwarten, ob und wann irgendwann mal wieder getaktete Personenzüge die Lücke zur Aggertalbahn schließen.

Volmetal-Bahn in Brügge

Brügge Bahnsteig

Bahnhof Brügge Westfalen

Reiterstellwerk Brügge

Reiterstellwerk Brügge

 

Brügge Bahnhof

Verlassener Inselbahnsteig weiter außen

Ein letzter Halt wartet noch. Auf geht´s in den Endspurt nach Lüdenscheid. "Auf" Wörtlich gemeint, denn der Abschnitt zwischen Brügge und Lüdenscheid ist ein sehr steiler Abschnitt, der regelmäßig Probleme bei Herbstlaub und Schnee macht. Im Jahr 2008 fuhr die Volmetalbahn im Herbst häufig nur bis Brügge, Busse ersetzten die Schienenverbindung hoch in die Kreisstadt. Das lag aber auch zum Teil daran, dass nicht genügend Triebwagen der Baureihe 648 verfügbar waren. Die ersatzweise verkehrenden 628er kommen hier halt bei Glätte nicht hoch.

Vorbei am Ort Lösenbach, wo einst auch mal ein Halt an der Strecke war, durchfährt der rote Triebwagen den etwa 400m langen Lüdenscheider Tunnel. Nach etwas mehr als sechs Kilometern ist hinter Brügge die Endstation erreicht. Neu seit Juni 2009 ist, dass der alte Bahnhof nicht mehr angefahren wird. Die Strecke zweigt einige hundert Meter vorher nach rechts ab und endet an einem Neubau-Haltepunkt - ein paar Zehnmeter neben dem alten Bahnhof von Lüdenscheid. Hier wird gerade ein Umsteigeknoten von der Bahn auf den Bus gebaut. Und das alte Bahnhofsgleis ist zum Zeitpunkt der zweiten Exkursion bereits abgeschnitten.

Lüdenscheid neuer Haltepunkt

Volmetalbahn am neuen Haltepunkt Lüdenscheid

Lüdenscheid Bahnhof

Das alte Bahnhofsgebäude ohne Bahnanschluss

Lüdenscheid alter Bahnhof mit Dixi-Klo

Düstere Bedachung des ehemaligen Bahnsteigs

Lüdenscheid alter Bahnhof

 

Volmetalbahn auf Neubauabschnitt der Volmetalbahn

RB 52 fährt auf dem neuen Streckenstück

Lüdenscheid alter Bahnhof

Am alten, verlassenen Bahnhof stehen Taxis

Lüdenscheid Bahnhof mit Bagger

Mit Baggern wird die Basis für den Busbahnhof geschaffen

Lüdenscheid Haltepunkt

Endstation Lüdenscheid

Vom Bahnhof aus ist es ein "Katzensprung" in die Innenstadt, genauer gesagt in die Oberstadt mit den verwinkelten Gässchen und der strahlend weißen Erlöserkirche in der Mitte. Dazu müssen ein paar Treppen bestiegen werden.

Lüdenscheid Oberstadt

Ältere Gebäude in einer der Gässchen der Oberstadt

Lüdenscheid Fußgängerzone

Fußgängerzone zum Rathaus - hier das "Inselhaus"

Lüdenscheid

Zweimal den selben Giebel von der Seite zu sehen ist selten...

Lüdenscheid Rathaus

Rathaus - ein moderner Klotz

Lüdenscheid

"Bankenviertel" der Kreisstadt am Rathausplatz

Lüdenscheid

Fußgängerzone von der Oberstadt bergab

Rückzug. Es ist später geworden, als ich mir vorgenommen hatte. Die Wasserflasche ist schon lange leer, Nahrungsmittel sind - ausgenommen eines Schokoriegels - auch schon zur Neige gegangen. Ich setz mich in den Zug und will eigentlich nochmal den Charme des industriell geprägten Volmetals mit seinen heruntergekommenen und stillgelegten Bahnanlagen genießen - heißt: in Ruhe aus dem Fenster schauen.

Wenn mein Sitz-Gegenüber im Vierer nicht der Meinung gewesen wäre, dass man sich im Zug unbedingt unterhalten muss.

"Ich finde, ihr Deutsche redet zu wenig im Zug. Bei uns in America..." - natürlich mit einem typischen Dialekt. Und bis Hagen hatten eine Frau, die mit im Vierer saß, und ich einen Knopf an der Backe. Vom Zutexten. Wo der herkommt, warum er hier war, was er in der Bundeshauptstadt - wo er gerade hinfahren würde - macht, dass es in Berlin kaum regnet und dass Lüdenscheid doch ein "Loch" sei. Weil man hier nicht richtig feiern könne. Und wo wir denn hinfahren würden und überhaupt - warum sagten wir nichts?! Wie denn auch. Bisher spricht nur einer. Nach weiteren 20 Minuten Informationen über die Vorzüge Berlins zum Sauerland können wir den Zug endlich in Hagen verlassen. Die Frau zwinkert

Lüdenscheid Erlöserkirche   Lüdenscheid Oberstadt

Erlöserkirche und kleine Gassen in der Oberstadt Lüdenscheids

mir noch wissend zu, dann muss sie nach Köln. Wer weiß, wer jetzt im IC nach Berlin leiden muss. Hoffentlich hat derjenige einen Mp3-Player dabei. Um die Umgebung zu übertönen. Es ist ihm zu wünschen.

Sebi on Tour - Demnächst vielleicht auch in Ihrer Nähe ;-)

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