
Nahverkehr in NRW: Teil 16 - RB 66: Die Teuto-Bahn (Rollbahn)
Mit der Rollbahn auf der Rollbahn - so könnte das Motto dieser Erkundung heißen. Es ist vermutlich die einzige Exkursion, auf der der alte, schwere Laptop im Handgepäck mitreist. Und das nur, um ein paar Minuten Train Simulator in der Ferne spielen zu können....
Die Schnapszahl-RB 66 "Teuto-Bahn" verbindet die Stadt Münster mit Osnabrück, das bereits zum benachbarten Bundesland Niedersachsen gehört. Im Stundentakt fährt die Westfalenbahn mit FLIRT (Flinker, leichter, innovativer Regionaltriebwagen) in ihrer typischen blau-gelb-grünen Lackierung und mit Westfalenross auf der Seite.
Stundentakt klingt nach einer ruhigen Nebenstrecke - die Trasse, in dem Falle die Kursbuchstrecke 385, ist allerdings eine der wichtigsten Strecken Deutschlands und wird wegen der ständig rollenden Züge auch "Rollbahn" genannt. Korrekt bezeichnet die Rollbahn die Strecke zwischen Wanne-Eickel und Bremen via Münster und Osnabrück. Sie ist DIE Verbindung zwischen der Metropolregion Rhein/Ruhr und den Großstädten Bremen und Hamburg im Norden der Bundesrepublik. Sie wurde 1870 im betrachteten Abschnitt fertiggestellt. Fast exakt 50 Kilometer ist die Strecke zwischen Münster und Osnabrück lang. Zwischen Lengerich und Natrup-Hagen wird die Landesgrenze überfahren.
Den genauen Streckenverlauf zeigt die nebenstehende Karte. Der Strang auf dem Landesgebiet Niedersachsens, hier in grau eingefärbt, wird mit Ausnahme von Osnabrück nicht weiter betrachtet. Immerhin gilt hier mein NRW-Ticket noch - Ein Sonderfall, von dem ich hoffe, dass ihn die Zugbegleiter auch kennen...
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Geographie:
Münster liegt inmitten des Münsterlands, gerne auch "Westfälische Agrarsteppe" genannt. Es ist ein Ausläufer des norddeutschen Tieflands und durch periglaziale Prozesse sehr flach geformt. Das heißt, dass während der letzten Eiszeit (Weichsel-Eiszeit, die bis zum Südlichen Landrücken an der Elbe vordrang) hier enorme Schmelzwassermassen und Wind das Gelände absgeschliffen haben - zu den Formen, die es heute besitzt. Nördlich von Münster wird zunächst die Ems überfahren, dann über bzw. unterquert die Rollbahn den Teutoburger Wald bei Lengerich. Dahinter liegt das Tecklenburger Land, benannt nach der Grafschaft Tecklenburg. Nach Osnabrück wird die Hauptstrecke den Westzipfel des Wiehengebirges erreichen. Deutlich sichtbar ist auf der Fahrt ein Wechsel der Vegetation. Laub-Mischwälder wechseln sich nach Norden hin ab mit einigen Kiefernwäldern. Ein Zeichen, dass hier bereits erste Ausläufer der Geest mit ihren sandigen Böden zu finden sind. Die Nordseeküste ist gar nicht mehr sooo weit weg...
Exkursion:
Der Teuto-Bahn-Abschnitt ist ein Teil der von German Railroads für den Microsoft Train Simulator gebauten Rollbahn. Damals im Biggetal - man
beachte den entsprechenden Bericht zum "Biggesee-Express" der Linie RB 92 - war der Wiedererkennungswert so hoch, dass man mit dem Train Simulator parallel hätte mitfahren können. Warum sollte man das nicht einmal versuchen? Auf dem Laptop ist der Train Simulator ja installiert. Also suche ich meine alte CD von "GR2" aus dem Schrank, installiere das Addon nach und lade mir parallel das passende Freeware-Triebfahrzeug in Form eines Westfalenbahn-FLIRT herunter. Der Akku wird noch einmal voll geladen und sollte den Klapprechner um respektable 30 Minuten mit Strom versorgen. Ob in einem Westfalen- bahn-FLIRT wie im gleichen Triebwagentyp von Abellio Rail im Ruhr-Sieg-Netz auch Steckdosen an einigen Viererplätzen sind, weiß ich ja auch erst hinterher. Auf das Ladegerät verzichte ich aus Gewichts-gründen. Im Gegensatz zu den modernen, ultraleichten Mini-Lade- geräten hat meines noch die Form und das Gewicht eines Ziegel- steines.
Der alte, schwere Schlepptop wandert in den Rucksack. Beim Probeaufsetzen graut es mir schon vor´m Tragen, aber im Zug kann man das Gepäck ja absetzen.
Also auf geht´s auf Exkursion zur Teuto-Bahn. |

Teuto-Bahn in der Simulation: "Rollbahn" im Train Simulator |
In Unna erwische ich mit meiner Hönnetal-Bahn den um 15 Minuten verspäteten RE 7 nach Rheine, mit dem ich nie gerechnet hätte. Triebfahr-zeugschäden können auch manchmal von Vorteil sein - ich hätte sonst zweimal mehr umsteigen müssen und wäre viel später am Ausgangspunkt in Osnabrück angekommen. Von Rheine aus nehme ich die Wiehengebirgs-Bahn der Westfalenbahn. Dann wird Osnabrück erreicht. Ausland.

Osnabrück Hauptbahnhof
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Ein Bahn-Kreuz, wie die Train-Sim-Vogelperspektive zeigt
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NordWestBahn-Linie nach Wilhelmshaven |

Das Bahnhofsgebäude bildet einen Winkel |
Ich steige aus. Wie, das ist Osnabrück Hauptbahnhof? Der ist aber klein! Nur zwei Bahnsteige? Doch dann erst sehe ich das, was mir nichtmal beim Befahren der Rollbahn im Train Simulator aufgefallen ist: Der Bahnhof besteht aus zwei Ebenen, deren Gleise sich nahezu rechtwinklig kreuzen. Unten die beiden Inselbahnsteige für den Ost-West-Verkehr, oben die der Rollbahn.
Bevor mein Flirt mit dem Pferdchen auf der Seite in Richtung Münster einfährt, decke ich mich noch mit Proviant ein. Das tue ich in der atemberaubenden Bahnhofshalle, die innen eher an eine Residenz erinnert. Dicke Säulen stützen die hohe, gewölbte Decke. Wow! Aber auch die Preise sind nicht zu verachten. Belegtes Brötchen mit Schnitzel kostet hier vier Euro.
Währenddessen wird eine Etage höher mein achtteiliger FLIRT-Verband bereit- gestellt. Ein Fünfer und ein Dreier. Enorme Länge für eine Regionalbahn! Weit vorne im Zug ist es leer. Also wird der Laptop aus seiner Schutzhülle befreit und angesichts der kurzen Akkulaufzeit mit kritischem, rechnenden Blick auf die Uhr eingeschaltet und hochgefahren. Klick auf die Desktop-Verknüpfung - der Train Simulator lädt. Noch zwei Minuten bis zur Abfahrt. Streckenauswahl "Rollbahn" und als Fahrzeug den Westfalenbahn-FLIRT. Abfahrt im Train Simulator wie in Realität auf Gleis 1.
Und man staunt. Man erkennt´s! Und wie! Die niveauunterschiedliche Kreuzung der Trassen wird hier korrekt wiedergegeben, auch die beiden Bahnsteige im tiefen Bereich. Den Wasserturm und den Bunker hatte ich heute auch schon gesehen. Natürlich gibt es keine Formsignale mehr, aber wie gesagt, das Addon spielt in den 1970er Jahren. Hatte ich ernsthaft geglaubt, man könnte das Addon wegen der thematischen Zeitepoche nicht mit der Realität vergleichen? Weit gefehlt! |

Bahnhofshalle Osnabrück
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Der Sekundenzeiger geht auf die Zwölf. Die Trittstufen fahren ein und die Türen sind geschlossen. Der Zug rollt auf die Sekunde pünktlich an und auch ich lege den Regler nach vorne. Wir verlassen nun beschwingt das Osnabrücker Stadtgebiet. Nun geht es vorbei an Hasbergen und Natrup-Hagen und über die Landesgrenze nach Nordrhein-Westfalen, einmal zurück nach Niedersachsen und kurz vor dem Lengericher Tunnel wieder nach NRW. Willkommen zu Hause. Es bewölkt sich. "Ideales" Fotowetter. Wenigstens im Train Simulator scheint die Sonne noch.
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Es geht nahezu gleichzeitig in Realität wie Simulation in den "neuen" fast 600m langen Lengericher Tunnel - hier wird der Teutoburger Wald unterquert, der der Bahnlinie ihren Namen gibt. Es ist der neuere von zwei Tunnels, der beim geplanten Ausbau der Rollbahn auf vier Gleise entstanden ist. Der alte, nur wenige Meter entfernt gelegene Tunnel ist mangels des tatsächlich erfolgten Ausbaus stillgelegt und heute zugemauert. Es scheiterte in den 1930er Jahren an der Weltwirtschaftskrise. Wir rollen in den Bahnhof Lengerich ein.

Bahnhofsgebäude Lengerich
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Teuto-Bahn in Lengerich
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Lengerichs Bahnhof im TS - hier ein einstöckiger Bau
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Virtuelle Teuto-Bahn in Lengerich
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Lengerich ist eine Kleinstadt mit offensichtlich starker Industrie. Schon von weitem lassen sich die großen Fabrikanlagen erkennen. So wie im Train Simulator auch, liegt neben dem kleinen Personenbahnhof ein großer Güterbereich. Hausbahnsteig - zwei Gleise - Inselbahnsteig - Güterbahnhof... stimmt! Nicht nur der Gesamteindruck stimmt, auch viele Details, die mir in der kurzen Zeit des Aufenthalts ins Auge fallen, passen. Einzig der Belag auf dem Bahnsteig ist ein anderer.

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Nebenan im Vierer erzählt eine junge Frau einer anderen sehr bildhaft und spannend, wie ihre demente Nachbarin den eigenen und ihren Garten flambiert hat. Das halbe Abteil hört gespannt zu, wie der Feuerwehreinsatz abgelaufen ist. Sogar der Geschäftsmann im Anzug und Krawatte gegenüber von mir lässt seine überregionale Zeitung sinken und lauscht bedächtig. Die Trittstufen fahren ein und auch ich löse die Bremsen. Sowohl der Flirt als auch mein virtuelles Vehikel legen sich in die Kurve. Naja, fast. Im Train Simulator gibt es ja bekanntlich keine Kurvenüberhöhung.
Wir fahren nun ins Münsterland ein, genauer in den Bahnhof von Kattenvenne. Ein heller Ziegelbau mit dunklem Dach. Im TS wie in Realität. Es fehlt zwar ein kleiner Vorbau, der aber gut und gerne nach der Zeit von GR2 entstanden sein könnte - rein architektonisch. Funktionalismus und Flachdach - typisch für die 70er. Ich habe allerdings wieder ein Problem mit der Bahnsteigtextur. Damit hätte man die Bahnhöfe noch etwas individualisieren können. |
Hinter Kattenvenne fahre ich im Simulator an drei großen Silos vorbei. Hm. Ich schaue aus dem Fenster - und tatsächlich, auch in Realität tauchen Silos auf. Soeben ist ein Handwerker damit beschäftigt, neue, geriffelte Bleche rings um die Kolosse zu befestigen. Daher ist es auch nicht mehr bläulich, sondern glänzt im silbernen Weiß.

Bahnhof Kattenvenne in Realität |

und in der Simulation. Wiedererkennbar. |
Hinter Kattenvenne liegt im TS eine kilometerlange, schnurgerade Strecke. Es ist erstaunlich: Lange kommt kein Brückenbauwerk, dann schießen sowohl der Zug, in dem ich sitze, und sein virtuelles Abbild gleichzeitig unter einer Brücke her! Es fehlen zwar ein paar Straßen hier und da, aber vielleicht gab es die in den 80ern noch nicht. Ein InterCity kommt uns entgegen; wir erreichen Ostbevern - ich nur mit einer Schnellbremsung und auch einige Meter hinter dem Bahnsteig. Der echte Lokführer vorne schafft das etwas eleganter. Auch hier stimmt die virtuelle Bahnsteiglage mit der realen überein - am Ende des östlichen Bahnsteigs steht ein kleines Empfangsgebäude. Heute ist das Empfangsgebäude verbrettert, wenn ich das bei der Vorbeifahrt richtig erkenne. Auch den Briefkasten an der Wand gibt es nicht mehr.

Letzter Halt vor Münster: Westbevern
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IC mit 101 102-2 "Wir Menschen sind alle gleich"
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Empfangsgebäude von der Straßenseite gesehen
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RB 66 nach Osnabrück in Westbevern
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Nur wenige Minuten später erreichen wir das Pendant von Ostbevern: Den Bahnhof von Westbevern. Hier stimmt ja fast alles mit der virtuellen Welt überein! Empfangsgebäude, Bahnsteige, Unterführung, Bahnsteigbelag, Gütergleise (die jedoch heute nicht mehr von der Hauptstrecke erreichbar sind). Und hinten natürlich das Stellwerk. Die Brücke weiter hinten sieht neu aus, die gab es wohl noch nicht. Dafür einen Bahnübergang, der wiederum im TS umgesetzt ist. Noch heute kann man die im Unkraut endende Straße bei der Ausfahrt aus Westbevern erkennen. Fahrkartenautomaten, Entwerter und diese modernen Design-Mülleimer gab es damals noch nicht.

Westbevern frontal in Realität
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Westbevern frontal im MSTS
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Realität... |

und virtuell. Offenbar früher noch ohne Anbau |
Und schon geht die Fahrt ihrem Ende zu. Die freundliche Ansagefrau kündigt die Endstation an. "Die Westfalenbahn sagt 'Tschüss und auf Wiedersehen'!" - Das kommt mir bekannt vor. Bei der Abellio ist der Text und die Frauenstimme gleich - nur mit anderer Bahngesellschaft. Es ist Zeit, Train Simulator vorzeitig zu beenden, das Betriebssystem herunterzufahren und den Laptop in den Rucksack zu packen.

Münster Hauptbahnhof.
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Quietschie der Haard-Bahn nach Essen
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Wissen Sie, warum Münster bei TS-Freunden so beliebt ist? Mit dem Kfz-Kennzeichen der Stadt lässt sich das Hobby am Fahrzeug kombiniert mit seiner Lieblingsbaureihe schreiben - MS-TS 648. Mal sehen, ob ich eines der Art finde...
Sebi on Tour - Demnächst vielleicht auch in Ihrer Nähe ;-)
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