
Nahverkehr in NRW: Teil 33 - RB 74: Die Senne-Bahn
Die Senne-Bahn ist eine ca. 45 Kilometer lange Regionalbahnlinie zwischen Bielefeld und Paderborn und wird von der NordWestBahn betrieben
Dabei nutzt die Linie die gleichnamige Bahnstrecke (KBS 403). Sie ist durchgehend eingleisig und unelektrifiziert. Daher fährt die NordWestBahn mit Talent (Talbot Leichter Niederflurtriebwagen) in dem für die Gesellschaft typischen blau-gelben Design. Die Züge werden in Paderborn als RB 84 "Egge-Bahn" nach Holzminden durchgebunden, was eine sehr praktische Einrichtung ist. Für die Strecke benötigt der Triebwagen etwas mehr als eine Stunde, was bei der etwa 40 km langen Linie eine sehr geringe Durch- schnittsgeschwindigkeit ausmacht. Mit dem Auto schafft man die Strecke etwa in der halben Zeit, was daran liegt, dass die Autobahn A33 zwischen Bielefeld und Paderborn relativ nah und parallel zur Strecke verläuft.
Die Senne, nach der Linie und Strecke benannt sind, ist eine zur Münster- länder Tieflandsbucht zählende Landschaft westlich des Teutoburger Waldes. In ihr wurden in der Saale-Kaltzeit große Mengen Sand abgelagert. Auch heute ist der Boden sehr sandig, weshalb hier die Trockenheit liebende Pflan- zen wie Kiefern sehr gut und weit verbreitet wachsen, denn Wasser versickert hier schnell in den Untergrund. Bekannt ist vielleicht der Begriff "Sennelager", der einen großflächigen, unter britischer Regie stehenden Truppenübungsplatz bezeichnet. Der heutigen Sennestadt entspricht die ursprüngliche Gemeinde Senne II, eine in den 1950er Jahren geplante und errichtete Großwohnsied- lung. Senne I heißt heute Bielefeld-Senne.
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Start der Exkursion zur Senne-Bahn ist in Bielefeld. Die Anreise erfolgte mit RB 54, RE 13 und RB 69 via Unna und Hamm. Natürlich fährt die Sennebahn in Bielefeld zehn Minuten vor meiner Ankunft ab. Planmäßig. Also ist am Hauptbahnhof Zeit totzuschlagen.

Bahnhofsgebäude Bielefeld Hauptbahnhof |

Endstation für die Senne-Bahn |

Der Lipperländer auf dem Weg nach Lemgo |

Bahnhofshalle Bielefeld |
Bielefeld ist ein wichtiger Hauptbahnhof der Region. Neben dem Fernverkehr halten hier die wichtigen RE-Linien 6, 70, 78 und 82 ins Ruhrgebiet bzw. Richtung Paderborn und Niedersachsen. Außerdem Regionalbahnlinien nach Osnabrück, Rahden, Lemgo, Paderborn und Münster. Für zehn der genannten Linien bildet Bielefeld Hauptbahnhof die Endstation.
Relativ unauffällig schiebt sich ganz außen ein dreiteiliger Talent langsam zum Bahnsteig. Die Senne-Bahn wird bereits bereitgestellt. Noch ist wenige Minuten nach Bereitstellung recht leer im Zug, im Vierer nebenan versucht die Zugbegleiterin, ein paar Minuten zu entspannen. Warum auch nicht. Es dauert ja noch einige Zeit bis zur Abfahrt. Auch ich widme mich der Tageszeitung. Irgendwann taucht der Lokführer auf und spielt an irgendwelchen Schaltern im Schaltkasten hinter mir herum. Keine Minute später rümpft die Zugbegleiterin die Nase - immer noch mit geschlossenen Augen. *Schnüffschnüff*. Jetzt rieche ich´s auch - ein beißender Abort-Gestank zieht durchs Abteil. Jetzt schlägt sie die Augen auf, stöhnt und schnappt sich im Führerstand aus einem Regal einen Latex-Handschuh und Desinfektionsspray, krempelt sich den Ärmel hoch und verschwindet in der Toilette. Das ist doch mal Einsatz. Hoffentlich ist der Handschuh dicht...
Etwa zehn Minuten später rollt der Triebwagen los, fährt in einem Tal durch den schmalen Teutoburger Wald noch im Stadtgebiet von Bielefeld durch und erreicht Brackwede, ein Vorort vor den Toren der Stadt.

Bahnhof Brackwede bei Bielefeld |

Die "alte" RB 69 "Ems-Börde-Bahn" aus Hamm |

Einfahrt des "Haller Willem" nach Osnabrück |

Straßenseite des Bahnhofsgebäudes |

Zugang zu den Gleisen |

Gegenzug der Ems-Börde-Bahn |
Bei Brackwede zweigen zum einen der ebenfalls von der NWB betriebene "Haller Willem" nach Osnabrück und auch die Sennebahn nach Paderborn von der Hauptstrecke Hamm-Minden ab. Für die größeren Regionalexpresslinien ist hier kein Halt vorgesehen. So sind es vier Regionalbahnen, die sich die drei Bahnsteige teilen.
Geruchsneutral rumpelt der Zug nach dem Einsatz der Zugbegleiterin kurz darauf von Bielefeld in die Senne, vorbei an den Halten Brackwede-Süd und Windelsbleiche. In Sennestadt findet die erste Zugkreuzung statt. Angesichts des Aussehens des Bahnhofs bleibe ich im Zug sitzen.

Haltepunkt Windelsbleiche aus dem Zug gesehen |

Sennestadt: ein Bahnhof zum Wohlfühlen. |
Sennestadt ist eine geplante Großwohnsiedlung und keine gewachsene Stadt. Bei Großwohnsiedlungen handelt es sich generell um in den 70er Jahren in der Epoche der Entwicklungsplanung auf dem Reißbrett geplante Vorstädte, die meist aus Hochhäusern bestehen. Im Gegensatz zu heute war damals das Planungsmotto "Urbanität durch Dichte" - je mehr Menschen auf einem Fleck waren, desto besser. Bekannteste und größte Großwohnsiedlungen sind die Gropiusstadt sowie Marzahn in Berlin, Neuperlach in München und Chorweiler in Köln. Die hohe Bevölkerungsdichte macht diese Gebiete oft zu sozialen Brennpunkten. Häufig wird heute versucht, Bausünden von damals zu kaschieren und Extrembauten rückzubauen. Senne II wurde bereits Ende der 1950er gebaut und war damit eine der ersten Großwohnsiedlungen des neuen Deutschlands. Dabei besitzt die Stadt allerdings kaum Hochhäuser wie in den genannten Beispielen aus Berlin, München und Köln, sondern viele ähnliche oder gleiche, geringgeschossige Reihenhäuser, die in einem bestimmten Schema angeordnet sind.
Ich fahre bis Hövelhof. Hier steht ein gepflegtes Mini-Bahnhofsgebäude. Aber es besitzt alles, was ein großer Bahnhof auch hat: Fahrdienstleiter im mechanischen Stellwerk, Toilette (den Schlüssel gibts beim FdL) und Fahrkartenschalter in der Warte"halle" - naja, es ist mehr der Flur zum Abort. Wenn ich es richtig verstanden habe, dann schreit als Klingel am Fahrkartenschalter ein Kuckkuck durch das kleine Gebäude.

Senne-Bahn in Hövelhof
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Bahnhofsgebäude von Hövelhof. Klein aber fein!
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Nebenan liegt eine Bushaltestelle
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Grundsätzlich wird nur das rechte Gleis benutzt
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In Hövelhof zweigt die Teutoburger-Wald-Eisenbahn nach Gütersloh ab. Die Strecke wird nur für Gütertransporte genutzt. Wird sie überhaupt noch? Anscheinend. Ganz rostig sind die Gleise nicht. Aus Richtung Paderborn nähert sich inzwischen ein anderer Talent dem "Tor zur Senne", wie Hövelhof sich plakativ am Bahnhof bewirbt. Vorbei am Haltepunkt Hövelriege fahre ich mit diesem bis Schloss Holte. Hövelriege ist geteilter Haltepunkt, also mit Bahnsteig vor und hinter einem Bahnübergang. Gehalten wird immer dahinter, damit der Übergang nicht zu lange blockiert ist. Üblicherweise existieren an den Haltepunkten und Bahnhöfen NRWs auf dem Bahnsteig weiße Linien, hinter die man bei Zugeinfahrt treten soll(te). Bei geschotterten oder bewachsenen Bahnsteigen wurden weißbepinselte Pflastersteine in einer langen Linie oder so kleine weiße Nupsis im Abstand von einem Meter verbaut. Hier hat ein ganz Schlauer eine weiße Linie wie auf dem Fußballplatz ins Gras und auf den losen Schotter gepinselt oder gesprüht...

Bahnhofsgebäude Schloss Holte
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Senne-Bahn in Schloss Holte
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Einfahrt vorbei am Ausfahrt-frei-zeigenden Signal |

Bahnhof Schloss Holte |
Schloss Holte ist ein Ortsteil von Holte-Stukenbrock, das knallgelbe Schloss liegt etwa einen Kilometer vom Bahnhof entfernt im Wald. Neben dem häufigen Vorkommen in den Verkehrsnachrichten ist der Ort vor allem bekannt für seinen Hollywood-Safaripark, auch "Stukenbrockpark" genannt. Hier kann man tatsächlich mit dem Auto durch die Tiergehege durchfahren. Zusätzlich zu den Wildtieren gibt es einen Freizeitpark mit Zoocharakter. Hauptattraktion sind weiße Löwen und Tiger.
Der Bahnhof hat ein so kleines Bahnhofsgebäude wie Hövelhof. Auch die Bauform ist ähnlich. Dafür gibt es einen als Restaurant ausgebauten Güterschuppen. Das Durchgangsgleis fächert sich im Bahnhof in drei Gleise auf, die alle einen eigenen, schmalen Bahnsteig besitzen. Gehalten wird allerdings ganz außen. Die Formsignale dieses Gleises zeigen in alle Richtungen hp2, der Bahnhof ist also durchgeschaltet.
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In Gegenrichtung steige ich noch einmal kurz in Sennelager aus, während wir auf den Gegenzug warten. Hier halten die Züge rechts und links an einem Inselbahnsteig, der zum Rand hin mit Betonplatten belegt ist und in der Mitte ein Grasfläche aufweist. Der Zugang erfolgt über einen klei-nen Bahnübergang auf der Westseite. Im Bahnhof stehen einige Militärzüge der britischen Streitkräfte in Deutschland, gehörend zum benach-barten, etwa 116km² großen "Truppenübungsplatz Senne". Hier in Sennelager ist das südliche Ende der Senne erreicht. Etwas weiter im Osten geht der Teutoburger Wald ins Egge-Gebirge über. Irgendwo im Nordosten von hier stehen Hermann, der Cherusker, und die Externsteine.
Schließlich erreicht der Triebwagen kurze Zeit später das Stadtgebiet von Paderborn mit den Halten Paderborn-Nord und Kasseler Tor. Dann endet die Fahrt für die Senne-Bahn im Paderborner Hauptbahnhof, wo der Triebwagen nach kurzer Zeit als RB 84 "Egge-Bahn" via Altenbeken, Bad Driburg und Höxter nach Holzminden in Niedersachsen fährt.
Rein von der Wortbedeutung kann man darauf kommen, dass hier in der Stadt tatsächlich der Fluss Pader entspringt, also geboren wird. Nach vier Kilometern fließt die Pader in die Lippe und ist damit der kürzeste Fluss Deutschlands. Im Gegensatz zur Stadt wird der Fluss sogar so ausgesprochen wie er geschrieben wird. Die westfälische Allgemeinheit spricht die Stadt etwas kräftiger mit verdoppelten D und verschlucktem R aus: "Paddaboaan".

Paderborn Hauptbahnhof |

eurobahn nach Münster. Diesmal tatsächlich mit Displayfehler. |

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Rathaus von Paderborn |

Gymnasium Theodorianum und Theologische Fakultät der Uni |

Im Paderborner Dom |
Die Stadt ist Bischofssitz und Universitätsstadt. Der Bahnhof ist etwas außerhalb der Stadt, weshalb eine Besichtigung bei vergangenen Exkursionen zeitlich immer etwas enger war. Heute steige ich aber in den Bus und lasse mich am Westlichen Ende der Innenstadt absetzen. Okay, so weit ist das auch nicht - aber bis zum Dom oder zum Rathaus ist es ja auch noch ein ganzes Stück weit. Der Dom ist ein mächtiger, gotischer Natursteinbau mit Grünspandächern und wurde größtenteils im 13. Jahrhundert gebaut. Vor dem Dom befindet sich ein kleiner Marktplatz, der leider durch einen nicht besonders hübschen Bau des Diözesanmuseums vom Dom getrennt ist.
Nur ein paar Schritte zurück zum Bahnhof stößt man auf das Rathaus der Stadt. Hier beginnt eine Fußgängerzone bis zum Westerntor. Mit dem Bus ist es von hier aus ein Katzensprung, den man gut und gerne auch hätte laufen können. Aber da der Takt der Busse auf dieser Strecke so gut ist - man könnte fast von einer Art Stammstrecke sprechen - braucht man meist nicht länger als ein, zwei Minuten auf den nächsten Zubringer zum Bahnhof zu warten. Wenn man das Ticket eh hat, lohnt das. Und da ich heute noch genug laufe, sowieso.
Und dann geht es auf den Rückweg. Mit dem RE 11 bis Soest und dann mit der Hellweg-Bahn nach Unna. Kaum erreiche ich Unna, fängt es an zu regnen. Unter starken Sturmböen schwankt sogar der VT648 der Hönnetalbahn beim Stehen in Unna. Sachte schaukelt er hin und her, der Regen klatscht ans Fenster...
Glück gehabt!
Sebi on Tour - Demnächst vielleicht auch in Ihrer Nähe ;-)
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Paderborner Dom St. Liborius |
Zusatzinformationen:
Hollywood-Safaripark Stukenbrock: www.safaripark.de
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