
Nahverkehr in NRW: Teil 51 - RB 39: Die Schwalm-Nette-Bahn
Die Schwalm-Nette-Bahn ist eine kurze RB-Llinie zwischen Mönchengladbach und Dalheim, direkt an der niederländischen Grenze gelegen.
Benannt ist die Regionalbahn nach den beiden Flüsschen Schwalm und Nette, die hier im Grenzgebiet zwischen Deutschland und den Niederlanden in die Niers bzw. in die holländische Maas fließen. Betrieben wird die etwa 24 Kilometer lange Linie der Schwalm-Nette-Bahn von der Rurtalbahn, allerdings im Auftrag der DB Regio. Die Rurtalbahn fährt hier mit den für sie typischen blau-weißen Regio-Sprintern, wie man sie auch von der RB 21 zwischen Heimbach (Eifel) und Linnich her kennt. |
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Von Rheydt bis Dalheim nutzt die RB 39 die Strecke mit dem klingenden Namen "Eiserner Rhein". Dabei handelt es sich um eine alte Verbindung zwischen dem Duisburger Hafen und dem im belgischen Antwerpen. Bereits 1830 wurden erste Pläne erarbeitet, mit dem Ziel, eine Eisenbahn unter Umgehung holländischer Zölle zwischen der Nordsee und dem Duisburger Binnenhafen zu bauen. Vertraglich wird eine Querung über Niederländisches Staatsgebiet 1839 beschlossen. Im Jahre 1879 wurde die Strecke eröffnet. Bis zum ersten Weltkrieg florierte der Personen- und Güterbetrieb auf der Strecke. Sie selbst wurde immer weiter ausgebaut, die Bahnhöfe stetig vergrößert. So baute man beispielsweise ein zweites Gleis. Doch nach dem zweiten Weltkrieg werden Strecken stillgelegt und teilweise rückgebaut. Es fanden in den 1970er Jahren erste Versuche einer Reaktivierung statt, die jedoch bald aufgegeben wurden. 1991 fuhr der letzte Güterzug, seitdem ist die Strecke ab Dalheim bis zur Grenze nach Roermond, der nächsten Stadt in den Niederlanden, abgeschnitten und wächst zu. Jetzt, wo die Verbindung ihr 130 jähriges Jubiläum feiert.
Es gibt Planungen, wieder eine Güterverbindung zwischen Antwerpen und dem Ruhrgebiet zu bauen. Leider sind grenzüberschreitende Verhandlungen immer etwas schwieriger. Dazu kommen Proteste der Anwohner des Eisernen Rheins gegen das Vorhaben, die historische Trasse wieder auszubauen, weil sie Angst vor einer wachsenden Lärmbelästigung haben - schließlich ist der Eisenbahnverkehr heute sehr überschaubar. Eine Variante der neuen Güterstrecke ist eine etwas nördlich entlang der A52 verlaufende Neubautrasse. Wobei ein Flächenrecycling sicherlich sinnvoller und ökologisch besser ist.
Die Exkursion - Teil 1:
Ein kleines Problem stellt die Tatsache dar, dass auf dieser Strecke tagsüber ein Zweistundentakt gefahren wird. Für Zickzackfahrten ist das Gift. Die einzige Chance wird mir in den späten Nachmittagsstunden geboten. Ab 16 Uhr fahren einige wenige Umläufe im Stundentakt. Und diese Zeit wird bis zum Sonnenuntergang an zwei Tagen ausgenutzt.

Regio-Sprinter der Rurtalbahn in Mönchengladbach Hbf
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Maas-Wupper-Express in der untergehenden Sonne
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Ich stehe nun um halb fünf am Nachmittag in Mönchengladbach. Und warte gespannt auf das, was da wohl anrollen mag. Regio-Sprinter bin ich bislang noch nicht gefahren. Die Teile kenne ich bisher nur aus dem Train-Simulator oder von Weiten aus Düren. Das kleine Wägelchen wird alsbald bereitgestellt. Ein blau-weißer, dreiteiliger Mini-Triebwagen. Vorne im Display steht das Schild "Im Auftrag der DB". Eingestiegen. Das Interieur erinnert viel mehr an einen Linienbus als an eine Bahn. Die sitze sind hart und schmal. So schmal, dass tatsächlich in Wagenmitte Platz für eine 6er-Sitzgruppe ist - und daneben direkt noch ein 4er passt. Es befinden sich elf Fahrradhalter im Zug, die man nutzen kann, wenn man die Klappsitze darunter hochklappt. So gibt es in diesem schnuckeligen Triebwagen mehr Platz für Fahrräder als in den größten Zügen der DB! Ein Fahrkartenautomat ist mit einer Plane zugedeckt - ist er auf der Rurtalbahn in Betrieb, ist ein Nachlösen bzw. Fahrkartenkauf auf dieser Linie nicht vorgesehen. An der Decke sorgt eine schwache Lichtleiste für ein sanftes Licht in der dunklen Bahnhofshalle von Mönchengladbach. An der Decke hängt Auslegeware - ein grüner Teppich. An der Wand ist auch einer, dieser ist hellblau. Für angenehme Wärme sorgt keine Heizung, sondern elektrische Heizlüfter, die unter den ausgesessenen Sitzreihen angebracht sind. Da versteht man, warum man bei der Rurtalbahn mit dem Gedanken spielt, auf neues Rollmaterial zu setzen. Achso, eine Toilette gibt es übrigens auch nicht. Die würde ja auch vermutlich ein Drittel des Zuges füllen. Aber das ist bei dieser kurzen Strecke jetzt auch nicht das große Problem. Piiiep, piiiep, pipp - die Türen schließen.

Der Innenraum eines RTB-Regiosprinters: geräumig
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Die Sitze sind im Design feindlich gegen Tags
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Bei dem Motorengeräusch weiß man immer noch nicht so genau, ob es sich jetzt um einen Bus oder einen Zug handelt. Er klingt und schaltet wie das Straßenverkehrsmittel und fährt genau so ruckelnd, laut und hart gefedert.

Rheydt Hauptbahnhof
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RTB VT nach Mönchengladbach
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RE 8 strebt seinem Ziel M'Gladbach entgegen
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Altes Stellwerk von Rheydt - alles ist vergänglich
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War der Zug in Mönchengladbach schon voll, wird es in Rheydt noch enger. Aber wie heißt es so schön: In der kleinesten Kneipe ist es gemütlicher als in der größten Fabrik. Klar, jetzt sind die Berufspendler auf dem Weg nach Hause. An jeder Station Richtung Streckenende wird der Zug leerer. Wir halten an jeder Zwischenstation. Auch an den Bedarfshalten. Die Haltewunschtasten befinden sich dazu jeweils einmal an den vier Türen. In Arsbeck steige ich aus.

Halt in Arsbeck
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... heute ein Mini-Haltepunkt
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Arsbeck ist ein sehr kleiner Haltepunkt in einem Einschnitt. Bedarfshalt. Rechts und links befinden sich Böschungen, oben Häuser des Ortes. Mit mir ist am zweitletzten Halt der Strecke eine Handvoll Leute ausgestiegen, damit dürften nur noch ein oder zwei Menschlein im Zug sitzen. Ich gehe jetzt zu Fuß zum letzten Halt in Dalheim. Das sind angepeilt etwa 3 Kilometer. Innerhalb einer halben Stunde sollte das zu schaffen sein, denn nur auf diese Art und Weise habe ich genügend Zeit für den Endhalt. Es sei denn, ich würde eine Stunde dort warten. Der Weg ist etwas verwirrend - erst recht ohne Karte - und ich muss einmal nachfragen, ob ich denn auf dem richtigen Weg bin. Dennoch ist der Bahnhof in Dalheim schneller als erwartet erreicht.

Endstation der RB 39 an der Grenze: Bahnhof Dalheim
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Wilder Parkplatz am Bahnsteig
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Ankunft des Triebwagens aus Mönchengladbach
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Nach nichtmal fünf Minuten Aufenthalt bereit zur Rückfahrt
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Wer jetzt hier an der Endstation einen riesigen Grenzbahnhof erwartet, hat sich getäuscht. Zwei Gleise, ein Bahnsteig, ein Stellwerk. Formsignale. Ein Stationsschild, eine Wartehalle. Nur wenige hundert Meter westlich von hier liegt die Grenze zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den Niederlanden. Zu Fuß kann man hier schnell zum Nachbarn rüberlaufen.

Der "Eiserne Rhein": die Trasse ist zugewachsen...
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Hier fährt nichts mehr
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Das Gleis endet an der Sh0-Tafel (nicht im Bild) am Stellwerk
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Die Strecke Richtung Niederlande ist zugewachsen. Man kann ungefährdet entlang der Trasse gehen und stößt nach kurzer Zeit an die holländische Grenze. Auf den Fotos sieht die Trasse ja sogar noch ganz gut aus, aber stellenweise ist die Trasse so stark mit Flieder und anderen Büschen oder Kiefern überwuchert, dass man nur umkehren kann. Es wird eh langsam Zeit.
Durch das Gebüsch und über die parallel verlaufende Straße geht´s zurück zum Bahnhof. Hier wartet bereits eine Frau, die sich in der Sonne wärmt. Schließlich kommen nacheinander drei Autos, die jeweils jemanden am Bahnhof "rauswerfen". Neben dem Stationsschild liegen zwei Kabeltrommeln. Brandneu.
Es nähert sich bald der blau-weiße Regiosprinter der Rurtalbahn. Sofort schwingt das Formsignal auf "Ausfahrt" hoch. Nach kurzem Aufenthalt geht es dann auch schon zurück. Der Lokführer hat auch kurz daußen frische Luft geschnappt und setzt sich nun wieder ans Führerpult. Drei oder vier Menschen außer mir sind im Zug, es werden auf der gesamten Fahrt nicht viel mehr.
Hier und da fallen auf der Strecke diese Kabeltrommeln auf, die hier liegen.
Es wird zunehmend dämmrig um diese Jahreszeit, daher muss ich vorerst hier abbrechen. Morgen ist auch noch ein Tag. |

Bahnhof Wegberg aus dem Zug - ein Restaurant
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Die Exkursion - Teil 2:
Einen Tag später. Aus Aachen kommend steige ich in Rheydt in die Schwalm-Nette-Bahn um. Glück gehabt: Normalerweise wäre es knapp geworden. Dank weniger Minuten Verspätung durch die Rhein-Niers-Bahn. Aber auch die RB 39 kommt später, soeben fährt der Wagen aus Dalheim in Richtung Mönchengladbach ein. Weil hier nur einer pendelt, wird dieser erst nach Mönchengladbach fahren und dann von dort zurückkehren - also etwa zehn Minuten Verspätung haben.

Haltepunkt im Feld: Genhausen
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Ein Wohnaus ist benachbart...
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Sonst viele Felder. Aber kein Weg.
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Auch heute ist der Zug in Rheydt gut gefüllt und schüttelt zwischendurch immer wieder Fahrgäste an ihren Heimatbahnhöfen ab. Ich fahre bis nach Genhausen - Bedarfhalt. Mitten im Feld. Etwa zwei Kilometer von Rheindahlen entfernt, möchte ich eigentlich gemütlich neben der Strecke auf einem Feldweg den einen Bahnhof zurücklaufen. Durch die Verspätung reduziert sich die etwa halbe Stunde Zeit dafür auf unter zwanzig Minuten. Hinzu kommt, dass es hier nicht - wie am Vortag irrtümlich angenommen und gesehen - durchgängig einen Feldweg gibt. So muss ich zunächst über ein buckeliges Feld laufen. Laufen? Laufen. Also - schnell laufen. Vorbei am Vorsignal, am Einfahrsignal, unter der Brücke der Bundesstraße hindurch an den ersten Häusern des Ortes vorbei. Mit dem Getränkemarkt am Bahnhof habe ich mein Ziel erreicht.

Bahnhof Rheindahlen. Viel Backstein.
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Stellwerk und Formsignale in Rheindahlen
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Geschafft. Völlig atemlos komme ich am kleinen Bahnsteig an. Keine fünf Minuten nach mir kommt auch schon der Zug aus Dalheim zurück. Ich bin völlig fertig und erhole mich während der Fahrt nur mühsam. Und die Schuhe sind völlig versaut vom Erdboden auf dem Feld...!
Es ist sicher spannend, zu beobachten, was mit der Strecke noch passiert. Und ob der "Eiserne Rhein" wieder zu alten Ehren kommt.

Die Exkursion - Teil 3: Roermond
Monate später. Bäume tragen nun Sommergrün. Weil es über den Schienenweg nur mit größeren Umständen funktioniert, geht es mit dem Auto vom Ruhrgebiet kommend über die A52 aus Richtung Neuss vorbei an Mönchengladbach, Schwalmtal, Niederkrüchten und der vom Namen her interessanten Raststätte Cloerbruch (mit Dehnungs-E, also "Kloorbruch" ausgesprochen). Man kennt die Namen aus den WDR2- Verkehrsnachrichten. Laut Uschi, unserem Navi, fahren wir gerade mit 130 km/h durch ein Feld bzw. ein Wohngebiet, die Autobahn wurde inzwischen fertiggestellt und vor nicht einmal vier Wochen dem Verkehr freigegeben. Schließlich wird die Grenze in die Niederlande überschritten. Genau auf der Grenze bei Elmpt steht eine Tankstelle, bei der Super-Benzin mit 1,47 Euro pro Liter 10 Cent teurer ist als eben bei der Vorbeifahrt in Cloerbruch. Jetzt geht es auf der Nationalstaße ("Provinciale weg") N280 weiter. Sie ist autobahnähnlich ausgebaut, besitzt aber Ampelanlagen. Nun heißt es Statt "Ausfahrt" auf holländisch "Uit", Auf den "Achtung!"-Schildern steht "Let op". Ziel der Fahrt ist der Parkplatz auf dem McArthurGlen Outlet-Center Roermond.
Der Name Roermond lässt sich recht einfach übersetzen mit "Rurmündung". Hier fließt die Rur, die in den Niederlanden Roer (ebenfalls gesprochen: "Rur", der Name der Stadt ist also dementsprechend "Rurmond") genannt wird, in die Maas. Im Jahre 2001 wurde auf dem Gelände einer ehemaligen Kaserne ein Einkaufszentrum am Rande der Innenstadt errichtet. Das Einkaufszentrum ist jedoch kein geschlossenes Gebäude, wie man es vielleicht vermuten könnte. Man hat hier ein kleines Dorf errichtet. Es gibt zwei Hauptstraßen, auf denen man flanieren kann. Rechts und links stehen dann individuelle kleine Häuser, meist am regionstypischen Baustil angelehnt. Auf der Straße stehen Laternen, mit dicken Petunien oder anderen Sommerpflanzen behangen. Dazwischen immer wieder Ruhebänke und Deko-Bäumchen. Alles in allem noch neu, sehr sauber und gut gepflegt. Sicherheitsleute gehen zu Fuß oder fahren auf dem Segway durch das Dorf. Mehr oder weniger versteckte Überwachungkameras tun das Übrige. Eine künstliche Traumwelt zum Shoppen.

Im Designer Outlet-Center Roermond |

Touristen aus Deutschland auf Schnäppchenjagd im Einkaufsdorf |

Ruhebänke laden zum Verweilen |

Abwechslungsreiche Architektur |

Irgendwann wird´s auch voller - es geht auf Mittag |

Der Eingang von der Innenstadt von Roermond |
Größtenteils findet man hier das, was wir Männer ein wenig respektlos gerne als "Klamottenladen" bezeichnen würden. Hier sind einige noble Marken vertreten und auch trotz "Outlet-Rabatt" oder dem "Grand Sale" - Das Wort "Sale" ist eines der meistgelesenen hier im Dorf - sind manche Preise noch astronomisch hoch. Daneben gibt es Schuhläden en masse. Armani, Hugo Boss, Joop!, Tommy Hilfiger, Dolce & Gabbana, Lloyd, Calvin Klein - um nur die bekanntesten zu nennen. Einige Läden mit Jeans und sportlicher Bekleidung im Norden sind Ziele der jüngeren Generationen. Der Bereich Schmuck und Dekoration ist auch vertreten. Schon etwas seltener sind Haushaltswaren. Töpfe und Pfannen, Gläser, Geschirr und Küchenelektro findet man in nur einer Handvoll Geschäften. Und ganz in der Ecke ist dann doch noch ein Magnet nur für die Männer: Der Black & Decker-Kettensägenladen.
Vom Outlet-Center aus sind es nur wenige Minuten zu Fuß in die Stadt. Das Auto bleibt an seinem Platz. Übrigens kostet hier das Parken für einen ganzen Tag lediglich zwei Euro. Während der Abwesenheit wird das Auto durch Musik aus dem Lautsprecher beschallt. Damit ihm nicht so langweilig ist, vermutlich. 40% aller Outlet-Besucher gehen in die im niederländischen als "Binenstad" bezeichnete Innenstadt, was vom City-Marketing und der Stadt selbst mit Erleichterung statistisch ermittelt wurde. Man durchquert den Innenhof zwischen neuen Hochhäusern ohne irgendwelches Grün. Ein Hochhaus in Form eines modernen Stadttores wird durchschritten (achtes Bild unten rechts) und eine größere Straße in einem neu gestalteten Tunnel unterquert. Von der Kunstwelt des Outlet-Centers und der tristen Hässlichkeit der Hochhäuser erreicht man die Altstadt von Roermond.
Die Stadt besitzt eine Kathedraal (Kathedrale) direkt am Marktplein, dem Marktplatz der Stadt. Auf der anderen Seite steht das Stadhuis, was dem deutschen Rathaus entspricht. Heute am Samstag ist hier tatsächlich auch Markt. Früchte, Kleidung und natürlich Blumen gibt es an den zu engen Gässchen angeordneten Marktständen. Hier ist es fast noch voller als im neuen Einkaufszentrum weiter draußen.

Christoffelkathedraal und der Marktplein (Marktplatz) |

Stadhuis mit Glockenturm |

Steenen Brug (Steinerne Brücke) über die Roer |

Alte Stadthäuser am Ufer |

Yachten an der Roer vor der Kathedrale |

Typische Einkaufsstraße |

Munsterkerk (Münster) mit Musikpavillon |

Neubaugebiet zwischen Innenstadt und Outlet-Center |
Etwas westlich von der Innenstadt fließt die Rur in die Maas. Hier befindet sich auch ein Yachthafen. Doch zuvor überspannt een steenern Brug den hier als Roer bezeichneten Fluss. Weiter östlich davon steht die im Vergleich zur Kathedrale klein wirkende Munsterkerk, das Münster von Roermond. Auf dem Vorplatz ist allerhand Leben, hier spielt gerade in einem Pavillon eine Blaskapelle Bill Haleys "Rock around the clock" und heizt den Passanten ein. Bis dann ein Schausteller weiter hinten mit einer Art mobiler Kirmesorgel vorbeifährt.
Um thematisch wieder den Weg zum Eisernen Rhein zurückzufinden, laufe ich noch bis zum Bahnhof - der NS-Station Roermond. NS steht hierbei nicht für "Nationalsozialismus", sondern für die "Nederlandse Spoorwegen", die ehemalige Staatsbahn der Niederlande. Hier zweigt im südlichen Bahnhofsteil die Strecke des Eisernen Rheins Richtung Grenze von der Hauptstrecke ab, um bekanntlich wie oben gesehen im Unkraut von Dalheim zu enden. Von Roermond aus fahren die Stoptreins in die umliegenden Orte Eindhoven, Maastricht und Venlo sowie Intercitys in die Hauptstadt Amsterdam und nach Alkmaar - schon recht nah an der Nordseeküste. Dabei sind die Stoptreins vergleichbar mit deutschen Regionalbahnen, die an jedem Halt anhalten. Daher der Name. Intercity-Züge sind vergleichbar mit den Regionalexpreslinien, vielleicht etwas höherwertiger.

Bahnhof "Station" Roermond |

Materieel '64 "Plan V" - zweiteiliger E-Triebwagen der NS |
Zusatzinformationen:
Sebi op een lange reis - Misschien binnenkort in uw buurt! (Sebi on tour - demnächst vielleicht auch in Ihrer Nähe!)
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