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Nahverkehr in NRW: Teil 55 - RB 21a: Die Rurtalbahn (Süd)

Die Rurtalbahn ist eine Bahnlinie, die auf der gleichnamigen Strecke von der gleichnamigen Gesellschaft unterhalten und betrieben wird. Sie verbindet Heimbach (Eifel) mit Linnich. Sie wird in zwei unabhängigen Relationen gefahren, weshalb die Exkursion auch aufgeteilt wird.

Die südliche Rurtalbahn verbindet den Verkehrsknotenpunkt Düren mit Heimbach. Sie verläuft entlang des Flüsschens Rur, nicht zu verwechseln mit der Ruhr zwischen Winterberg und Duisburg, die dem Ballungsraum Ruhrgebiet seinen Namen gibt. Gemeint ist diesmal die ohne 'h'. Von Düren in der Zülpicher Börde, die wiederum in der flachen Kölner Bucht liegt, geht es etwa bei Kreuzau in die nördliche Eifel. So hat der Fluss die Ehre, nicht nur Bahngesellschaft, -Strecke und -Linie zu benennen. Er gibt auch diesem Teil der Eifel den Namen "Rureifel". Der Fluss entspringt im Hohen Venn in Belgien. Nach etwa 170 Kilometern fließt er bei Roermond in den Niederlanden als "Roer" in die Maas. Die Rur besitzt einige Stauseen in ihrem Verlauf und hat eine recht hohe Fließgeschwindigkeit.

Die Rurtalbahn GmbH besitzt seit 1992 die Eisenbahnstrecken der Rurtalbahn sowie die Bördebahn Düren-Zülpich - alles in allem etwa 90 Kilometer Schienenstrecke. Diese Strecken sollten von der Bundesbahn stillgelegt werden. Der Kreis Düren konnte mit der Dürener Kreisbahn jedoch die Strecke für einen symbolischen Gegenwert von 1 DM (umgerechnet ca. 51 Cent) kaufen und ab 1993 einen Taktverkehr einrichten. Nach anfänglich eingesetzten umgebauten Uerdinger Schienenbussen fahren seit 1995 die bekannten blau-weißen RegioSprinter, die seitdem in einer beispiellosen Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit fahren. Man plant aber wohl langfristig, diese auszutauschen. Man liebäugelt offenbar zur Zeit mit den zweiteiligen Dieseltriebwagen des Typs ITINO von Bombardier.

Rurtalbahn Karte (Südteil)

Die Rurtalbahn ist die letzte noch fehlende Strecke, die hier portraitiert wird. Kein Wunder, sind die südlichen Haltepunkte der Linie doch die am weitesten von meinem Ausgangspunkt entfernten in ganz NRW. Dazu kommt die hohe Zahl an Halten - im Südteil 17. Bei einer Anfahrt von fast drei Stunden würde nicht viel Zeit übrig bleiben für eine angemessene Erkundung dieser besonderen Strecke. Die zweitletzte Exkursion überhaupt mit dem NRW-Ticket wurde aufgeschoben, bis ich a) eine Übernachtungsmöglichkeit in der Nähe nutzen konnte, b) Zeit hatte und c) der Wetterbericht nach Wochen voller Regen, Schnee und dicksten Wolken Sonnenschein pur versprach. Eine etwas seltene Kombination.

Punkt sieben Uhr fährt der Maas-Wupper-Express von Neuss nach Düsseldorf. Hier habe ich zwanzig Minuten Umsteigezeit, ehe mich der Nordrhein-Westfalen-Express der Linie RE 1 nach Düren bringt. Immerhin beträgt die Anfahrt auch hier schon eine Stunde und 40 Minuten.

Leider stimmen die Definitionen von Sonnenschein offenbar zwischen mir und dem Wetterdienst nicht überein. Es versperrt dicker Hochnebel den Blick auf die Sonne, aber ich bin optimistisch. In Düren steht schon auf Gleis 4a der kleine Regio-Sprinter bereit. Ich kenne ihn bereits von der "Schwalm-Nette-Bahn", wo die Rurtalbahn im Auftrag der DB mit den blau-weißen Triebwagen fährt. Er ist recht klein und inzwischen in die Jahre gekommen. Die Sitze sind hart und schmal, sie erinnern an die in einem alten Linienbus. Der kurze Triebwagen ist dreiteilig, die Enden an den Führerständen haben einen Hochflur. Die Sitzanordnung ist etwas ungewöhnlich. Es gibt neben den typischen 4er-Sitzen auch 6er (wobei daneben noch Platz für einen weiteren 4er ist), Sitzreihen und 3er-Reihen. Elf Fahrradhalter bieten für so einen kleinen Triebwagen unglaublich viel Platz für Drahtesel. Da so ein Wagen aber recht schnell überfüllt ist, werden größere Gruppen mit Fahrrädern gebeten, sich anzumelden. Dann wird ein Wagen angehängt. Eine Toilette gibt es nicht im Wagen, auch keine Zentralheizung. Einige Heizlüfter verstreut im Raum laufen auf Hochtouren. Dafür existieren gleich vier verschiedene Automaten: Jeweils ein Fahrscheinautomat für Münzen und EC-Karten, ein Geldwechsler für Banknoten (der immer für Belustigung sorgt, wenn der Zehn-Euro-Schein in Jackpotmanier in Münzen zerkleinert wird) und natürlich Entwerter. An den Bahnstationen selbst stehen keine Fahrkartenautomaten. Man steigt ein und löst dann zentral im Zug.

Rurtalbahn Bahnhof Heimbach

Endbahnhof Heimbach (Eifel): Nationalpark-Informationszentrum

RB 21 Rurtalbahn in Heimbach

Unter dicken Wolken an der südlichen Endstation der Rurtalbahn

Rurtalbahn Bahnhof Heimbach (Eifel)

An jedem Halt einheitliche Ausstattung und Begrüßungsschilder

Führerstand des Rurtalbahn-Regiosprinters

Führerstand des RegioSprinters

Laut und rappelig wie ein Bus beschleunigt der mau gefüllte Wagen in Richtung Rureifel. Ein paar Menschen sind mit den RE 1 und 9 aus Köln und Aachen umgestiegen. So wie ich. Ich fahre durch bis zur Endstation in Heimbach (Eifel). Der Zug wird mit jeder Station leerer. Zum Schluss sind es zwei ältere Frauen und der Lokführer, die mit mir in Heimbach aussteigen. Man ist hier am östlichen Ende der Rureifel. Nur wenige Kilometer westlich von hier befindet sich der Rurstausee mit dem weiter unterhalb liegenden, bekannten Kraftwerk in Jugendstilarchitektur. Heimbachs Bahnhof liegt etwas außerhalb am nördlichen Ortsende. Er besitzt ein Empfangsgebäude, in dem ein Informationszentrum zum Nationalpark Eifel, eines von mehreren sogenannten "Nationalpark-Toren" untergebracht ist. Etwa zehn Minuten steht der Triebwagen hier und wartet bereits auf Rückfahrt - das Signal ist schon grün.

Die Halte sind auf der gesamten Strecke einheitlich gestaltet. Sie sind neu, gepflastert mit "Altstadtpflaster" und sind in ihrer Höhe an die Niederflurfahrzeuge angepasst, damit ein behindertenfreundlicher Übergang in den Wagen geschehen kann. Auch der Zugang zum Bahnsteig ist mit Rampen versehen. Weiße Lampen und Geländer, blaue Wartehallen und Informationstafeln spiegeln das Farbschema der Rurtalbahn wider. Auf jeder Station befindet sich ein "Willkommen in.... "-Schild, auf dem Freizeitmöglichkeiten der Region auf einer Karte angezeigt werden. In den Wartehäusern hängt ein etwas umständlicher Plan zu Abfahrtszeiten und Fahrpreisen. Ein Betreten der Bahnsteige nach Betriebsschluss ist laut Aushängen verboten. Alle Haltestationen sind gepflegt und sehr sauber.

RB 21 Rurtalbahn in Obermaubach

Haltepunkt Obermaubach - direkt am Stausee

Bahnhof Obermaubach am Stausee

Näher am Ufer geht nicht

Staudamm von Obermaubach

Der Staudamm von Obermaubach - ein Erdwall

Bahnhof Obermaubach

Hinten hocken die Angler am Bahndamm

Leider ist das Wetter noch nicht deutlich besser geworden - im Gegenteil, die Wolken sind dichter denn je in den letzten Tagen. Ich fahre nach Obermaubach. Der kleine Haltepunkt des Ortes liegt unmittelbar am Staudamm des Obermaubacher Stausees. Direkt daneben ein kleiner Biergarten, ein Restaurant und ein Pferdeparkplatz. Außerdem beginnen hier zahlreiche Wanderwege entlang des Sees und durch die Eifel. Die Bahnstrecke führt unmittelbar am Seeufer vorbei. Einige Angler hocken auf dem Bahndamm und halten ihre Angel ins Wasser. Ganz dicht an ihnen fährt der Triebwagen vorsichtig vorbei. Über den Staudamm, einem begrünten Erdwall, gelangt man zum eigentlichen Ort Obermaubach. Ein Wehr an einem Dammdurchlass reguliert den Abfluss der Rur. Direkt nebenan ist eine Fischtreppe mit Panoramafenster - um das, was da durchschwimmt, beobachten zu können. Oben am Himmel hat sich ein minimal großes Fenster geöffnet, durch das man den blauen Himmel sehen kann. Hier und dort kommen sogar kleinere Sonnenstrählchen durch. Doch noch Hoffnung? Ich picknicke erst einmal im kleinen Glaswartehaus. Es ist kalt, ein eisiger Wind fegt über den kleinen Stausee.

RB 21 Rurtalbahn in Zerkall

Haltepunkt Zerkall

Rurtalbahn Bahnhof Zerkall

Mit der typischen Standardausstattung in blauer Optik

Brücke über die Rur
Bahnübergang Rurtalbahn

Als der kleine, blau-weiße Triebwagen anrollt, sind die Wolkenlücken etwas größer geworden. Etwas. Ich fahre nur einen Halt zurück bis nach Zerkall. Hier reißt die Wolkendecke auf - der Triebwagen wird vom schönsten Sonnenlicht bestrahlt. Endlich! Am Haltepunkt führt eine Fußgängerbrücke neben der der Bahn über die Rur. Auch hier steht ein Haus zum Nationalpark Eifel. Mit mir steigt eine Wandergruppe aus, die das Gebäude als ersten Anlaufpunkt anvisiert. Neben der Strecke führt nun ein kleiner Wanderweg von Zerkall nach Nideggen-Brück. Hier scheint die Sonne nun von einem fast wolkenlosen Himmel. Innerhalb von einer halben Stunde ist das Wetter völlig zum positiven umgeschlagen.

Biologische Station Düren: Bahnhof Nideggen-Brück

Biologische Station der Stadt Düren im Bahnhof Nideggen

RB 21 Rurtalbahn in Nideggen-Brück

Rurtalbahn-RegioSprinter in Nideggen-Brück

Bahnhof Nideggen

Der Bahnhof bietet kleinere Rangiermöglichkeiten

Bahnhof und Burg Nideggen

Bahnhofsgebäude und Burg Nideggen (rechts oben)

Nideggen-Brück ist ein Vorort von Nideggen. Über dem Ort steht die Burg Nideggen am Felsen. Witzigerweise liegt Nideggen selbst, nur etwa 1,5 Kilometer entfernt, auf der anderen Seite der Berge bereits wieder in der Flachlandzone der Zülpicher Börde! Plötzlich fangen hinter den sieben Bergen wieder weitläufige Felder an und es ist flach. Von hier aus dem Tal sieht man das natürlich nicht. Die Bahnstation von Nideggen-Brück ist ein Kreuzungsbahnhof. Zumindest besitzt er ein Ausweichgleis und einen Mittelbahnsteig. Züge kreuzen sich hier allerdings regulär nicht. Kreuzungsbahnhof ist Untermaubach-Schlagstein, einen Halt weiter als der Haltepunkt am See von vorhin. Im Bahnhofsgebäude befindet sich die Biologische Station der Stadt Düren. Und davor wird demonstriert, wie Trockenmauern oder Baumstämme Heimat für kleinere Tiere sind. Ein schönes Gebäude, welches nett hergerichtet ist.

RB 21 Rurtalbahn in Kreuzau-Eifelstraße

Haltepunkt Kreuzau-Eifelstraße

RB 21 Rurtalbahn in Kreuzau

 

Rurtalbahn Bahnhof Kreuzau

Bahnhof Kreuzau

Burg in Kreuzau

Burg inmitten des Ortes

Bahnhof Kreuzau

Altes Bahnhofsgebäude und ehemaliger Hausbahnsteig?

Rathaus von Kreuzau

Rathaus von Kreuzau am Bahnhof

Es geht nun vorbei am völlig besonnten Stausee Obermaubach. In Untermaubach findet die Zugkreuzung statt. Ab hier ist der Takt verdichtet auf eine halbe Stunde. Daher findet man in Düren Triebwagen mit den Zielanzeigen zu diesem kleinen Dorf. Ich fahre bis Kreuzau-Eifelstraße. Es handelt sich hierbei um einen kleinen Haltepunkt inmitten der Vorstadt Kreuzaus. Zu Fuß laufe ich an einem Stück der Berliner Mauer vorbei zum Bahnhof der Stadt. Auch in Kreuzau gibt es eine kleine Burg. Direkt am Bahnhof steht das Rathaus. Im alten Bahnhofsgebäude (?) ist ein Kiosk untergebracht. Man erkennt noch Reste des alten Bahnsteigs an dieser Stelle unter einer Blätter- und Grasschicht. Leider hat es sich wieder vorübergehend bewölkt. Weiter hinten, in der Richtung, wo ich fahren möchte, lösen sich die Wolken jedoch wieder auf.

RB 21 Rurtalbahn an der Tuchmühle

Tuchmühle

Haltepunkt Tuchmühle

Bolzplatz und Kinderspielplatz am Haltepunkt

Ein Halt weiter liegt die Station Tuchmühle wieder im schönsten Sonnenschein. Ringsum befindet sich ein kleines Wohngebiet, direkt am Haltepunkt ein Kinderspielplatz. An den Schienen verläuft ein kleiner Weg entlang. Auf die Weise gelange ich zum Haltepunkt Renkerstraße / Krankenhaus im Dürener Ortsteil Krauthausen. Aber dies ist nur ein Zwischenstopp. Ziel der Wanderung ist erst der nächste Halt: Lendersdorf.

RB 21 Rurtalbahn an der Tuchmühle

Abfahrt vom Haltepunkt Tuchmühle

Spielplatz am Bahnhof Renkerstraße

Noch ein Spielplatz am nächsten Halt Renkerstraße

Bahnhof Renkerstraße

Haltepunkt Renkerstraße / Krankenhaus

Rurtalbahn Bahnhof Lendersdorf

Lendersdorf Kreuzungsbahnhof

Dieser Bahnhof ist wieder Kreuzungsbahnhof. Bald schon kommt der Zug vom "Haupt-" Bahnhof Düren, um erstmals einen Gegenzug passieren zu lassen. Am Bahnhof befinden sich größere Industriebetriebe. Der Bahnhof selbst samt Stellwerk ist an ein privates Fotostudio übergegangen. Während der eine Zug schon in Lendersdorf wartet, kommt der aus Richtung Heimbach eben eingefahren. Vorbei geht es an der Kuhbrücke und am Haltepunkt Annakirmesplatz. Und schon ist die Endstation in Düren erreicht - rund 30 Streckenkilometer von Heimbach entfernt.

RB 21 Rurtalbahn in Lendersdorf (Kreuzungsbahnhof)

Zugkreuzung in Lendersdorf - hier herrscht Linksverkehr...

Im Bahnhof von Düren halten neben den beiden RB 21 die RE 1 und 9. ICEs und der Thalys fahren hier hingegen durch. Düren ist zusätzlich Endpunkt der S-Bahnlinie S12 nach Au (Sieg) via Köln. Das große Bahnhofsgebäude mit Fahrkartenschaltern und kleinen Läden liegt in Insellage zwischen den nördlichen und den südlichen Bahngleisen. Eine alte, rostige Drehscheibe davor zeugt von der einst noch größeren Bahnaktivität in der Stadt. Am Vorplatz stehen Taxis. Dem Taxiunternehmen "Kobra" mit dem Schlangensymbol auf der Autotür muss es Spaß machen, sich wie in der Fernseh-Actionserie "Cobra11" zu melden ("Kobra 1 an Kobra 12" - "Kobra 12 hört!").

RB 21 Rurtalbahn in Düren

Endstation Gleis 4a in Düren

RB 21 Rurtalbahn Düren

Bahnhofsgebäude Düren - Westflügel

RE 9 "Rhein-Sieg-Express" in Düren

Ostflügel und RE 9 aus Gießen nach Aachen

Regiosprinter mit roter Werbelackierung

Nicht alle RegioSprinter der Rurtalbahn sind blau-weiß.

RegioSprinter auf dem Nordast der Linie nach Linnich in Düren

Drechscheibe in Düren

Alte Drehscheibe im Bahnhofsbereich

Ich mache mich heute auf den langen Rückweg. Dreieinhalb Stunden brauche ich von hier aus, bis ich zu Hause ankomme. Wer jetzt wissen möchte, wie Dürens Innenstadt aussieht und wie die Rurtalbahn nach Norden in der Jülicher Börde verläuft, darf zum Artikel zur RB 21b wechseln.

Sebi on Tour - demnächst vielleicht auch in Ihrer Nähe ;-)

Zum Artikel der RB 21 Rurtalbahn (Nordabschnitt)
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RE 1 | RE 9 | RB 21b

(c) Bilder, Text und Grafiken: S.Hellmann - www.mytrainsim.de

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