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Nahverkehr in NRW: Teil 29 - RB 36: Die Ruhrort-Bahn

Die RB 36 ist eine sehr kurze Regionalbahnlinie zwischen Oberhausen Hbf und Duisburg-Ruhrort, gelegen am größten Binnenhafen der Welt. Neben dem offiziellen Namen »Ruhrort-Bahn«, der recht alt und eingesessen ist, wird die Linie in Fahrplänen als »Der Ruhrorter« angegeben.

Linienführung / Karte Ruhrort-Bahn
Weniger als neun Kilometer - nach gültiger Rechtschreibung ist die Länge so kurz, dass man sie als Zahlwort schreiben muss. Von Oberhausen geht es in westlicher Richtung bis ans Rheinufer. Weiter kommt der Zug mangels Brücke nicht. Zwischendurch wird Obermeiderich und Meiderich passiert. Die Fahrt mit der PEG, die hier mit einem Triebwagen des Typs Talent im Halbstundentakt pendelt, dauert etwa zwölf Minuten.

Einige besondere Fahrzeuge haben mehr oder weniger lang diesen Streckenabschnitt geprägt. Nicht zu vergessen sind die legendären Akku-Triebwagen der Baureihe 515, die lange in dieser Region anzutreffen waren. Sie wurden zunächst durch die Baureihe 628 ersetzt. Mit der Prignitzer Eisenbahn wurde es bunter. Fahren hier heute moderne Triebwagen des Typs TALTENT (=Talbot leichter Niederflur-Triebwagen), so wurden zeitweise auch alte Schienenbusse des Typs VT98 und für ganz kurze Zeit die kleinen, einteiligen Doppelstock-Triebwagen der Baureihe 670 oder RegioShuttles der Baureihe 650 eingesetzt. Ab Dezember 2010 wird man hier LINT41 (=Leichter innovativer Nahverkehrstriebwagen, zweiteilig) im blau-gelben NordWestBahn-Design antreffen. Ab dann gehört die Linie zum ausgeschriebenen Niers-Rhein-Emscher-Netz.

Teil Zwei der Tagesexkursion "Tour de Ruhr". Nachdem »Der Wedauer« als kürzeste Regionalbahnlinie des Landes von Duisburg Hbf nach Duisburg-Entenfang besucht ist, folgt direkt anschließend mit der Ruhrort-Bahn die zweitkürzeste Linie, die gar nicht so weit entfernt ist. Oberhausen Hauptbahnhof. Ein relativ großer Bahnhof mit direktem Anschluss ans ÖPNV-Netz der Stadt. Von hier gelangt man einfach und bequem in die "Neue Mitte" von Oberhausen, doch dazu später mehr. "Industriekultur und Strukturwandel" - das Motto dieser Exkursion.

Oberhausen Hbf

Oberhausen Hauptbahnhof

PEG RB36 Ruhrort-Bahn in Oberhausen

TALENT der Prignitzer Eisenbahn nach Duisburg-Ruhrort

Ruhrort-Bahn der PEG in Oberhausen HBF

Teilabgeschatteter Triebwagen an seiner östlichen Endstation

Rhein-Emscher-Express in Oberhausen Hbf mit Gasometer

»Der Weseler« nach Wesel mit dem Gasometer Oberhausen

Oberhausen Hbf stillgelegte Bahnsteige

Geisterbahnsteig 2 und 3 mit Museumsbahnsteig (links)

Oberhausen Hbf Museumsbahnsteig

Schlackenpfannenwagen am Museumsbahnsteig in Oberhausen

Strukturwandel ist ein gutes Stichwort, das direkt im Bahnhof aufgenommen werden kann. Hat der Hauptbahnhof sieben Inselbahnsteige, sind zwei davon stillgelegt, haben aber dennoch als einzige ein modernisiertes Dach. Der eine Bahnsteig heißt "Museumsbahnsteig". Hier steht ein Museumszug bestehend aus einer Werkslok und zwei Waggons - einem Schlacken- und Torpedopfannenwagen zum Transport von Schlacke oder flüssigem Roheisen. Nachts ist diese Anlage farbig beleuchtet. Südlich vom Museumsbahnsteig befindet sich noch ein Geisterbahnsteig. Hier existiert der Bahnsteig an sich, ein kurzes Dach, ein Lastenaufzug... aber der Bahnsteig wird im Norden, wo eigentlich Schienen liegen müssten, durch eine Grasfläche und im Süden durch einen Parkplatz begrenzt. Museums- und "Geisterbahnsteig" verbindet eine kleine Brücke, gelagert auf Radsätzen, die auf kurzen Schienenstücken ruhen. Fast, als könnte man die Brücke ganz einfach wegrollen.

Insgesamt stellt sich der Bahnhof etwas schmuddelig dar. Viel Unkraut, kaputte Platten auf den Bahnsteigen, Müll. Dazwischen teilzerstörtes Mobiliar. Dazu kommt eine recht geringe Ausnutzung, trotzdem hier regelmäßig sogar Fernverkehr hält. Dagegen ist die Bahnhofshalle sehr modern und schön ausgebaut. Immerhin ist der Bahnhof ein wichtiger Knotenpunkt im westlichen Ruhrgebiet. Von hier aus verläuft die Strecke in die Niederlande, außerdem fahren Regionalexpresse und Regionalbahnen nach Düsseldorf, Dortmund, Wesel, Emmerich und Dorsten. Zusätzlich verkehrt hier die S-Bahn S2. Und - um langsam zum Thema zu kommen - natürlich die Regionalbahn der PEG nach Duisburg-Ruhrort.

Zunächst fahre ich den weiten Weg der kompletten Strecke bis zur Endstation. Das klingt nach viel, ist aber in zwölf Minuten bewältigt. Die PEG fährt mit einem einzigen Talent-Triebwagen auf der Linie, der immerzu von Ost nach West und wieder retour pendelt. Hin und her - und hin und her. Knapp zwölf Minuten pro Fahrt - weshalb der Zug nach kurzem Aufenthalt in Ruhrort ohne mich wieder zurückfährt. In Oberhausen wird er wieder zurück kommen. Im Gegensatz zum Wedauer (vgl. eben diesen Artikel zur RB37) ist der Zug aber ganz gut ausgenutzt.

Man landet, abgesehen vom Parkplatz von Kaufland, an einem kleinen Hafenbecken am Rhein. Vater Rhein wird hier von der Straße durch die Friedrich-Ebert-Brücke überquert, die mit auffälligen Brückentürmen an der Rampe besäumt ist. Läuft man ein wenig weiter, gelangt man an den Kai des größten Binnenhafens der Welt - hier, wo die Ruhr in den Rhein fließt. Doch der Duisburger Binnenhafen ist heute nicht Ziel der Reise. Die Zeit wird noch für etwas anderes, besonderes gebraucht.

Ruhrort-Bahn in Duisburg-Ruhrort

Haltepunkt Duisburg-Ruhrort - Endstation

Friedrich-Ebert-Brücke in Duisburg

Friedrich-Ebert-Brücke über den Rhein

PEG in Duisburg-Ruhrort

Schmaler Bahnsteig von Duisburg-Ruhrort - und viel Flieder

Duisburg-Ruhrort Bahnhof

Baustelle...

Duisburg-Ruhrort Endstation Eisenbahnhafen

Der Bahnhof von Ruhrort ist ein Haltepunkt geworden. Bahnsteig, Pluspunkt und viel Sommerflieder - inzwischen ohne Bahnhofsgebäude. Außerdem eine Bushaltestelle, der Rest ist planiert. Einstmals gab es eine Eisenbahnfähre (was den beiden Hafenbecken auf Ost und Westuferseite den Namen "Eisenbahnhafen" gibt), ein sogenanntes Trajekt. Nun endet die Strecke aber hinter dem Haltepunkt am Puffer.

Der kurze Bahnsteig füllt sich, der Pendel kehrt zurück. Leider ist der Bahnsteig genau so kurz, dass der VT knapp komplett passt. Daher gibt es kein Bild mit VT samt besonnter Schnauze im Bahnhof.

PEG auf Brücke über Rhein-Herne-Kanal

Brücke am Hp. Meiderich-Ost

Bahnhof Meiderich-Süd

Alter Bahnhof Meiderich-Süd

Die Fahrt geht bis Meiderich-Ost. Warum nur bin ich hier ausgestiegen?! Vermutlich wegen der Brücke. Direkt hinter dem Haltepunkt quert die Trasse den Rhein-Herne-Kanal mit einer interessanten Stahlkonstruktion. Aber der Haltepunkt ist ansonsten unspektakulär und zusätzlich noch total im Schatten. Außer einem kleinen Wartehäuschen gibt es hier kaum nennenswerte Details. Weiter.

Bahnhof Meiderich Süd mit Ruhrort-Bahn nach Ruhrort

Halt am übriggebliebenen von zwei Bahnsteigen in Meiderich

Bahnhof Meiderich Süd

Nicht unwichtige Teile fehlen im Dach...

Ruhrort-Bahn in Meiderich-Süd

Ruhrort-Bahn der PEG in Meiderich-Süd

Bahnhof Meiderich Süd

Ausfahrt in Richtung Oberhausen

Mit dem Pendel schwinge ich wieder mit nach Westen und steige am Bahnhof Meiderich-Süd aus. Es ist ein Kreuzungsbahnhof auf der eingleisigen Strecke. Der Zug fährt immer links an den Bahnsteig, also in der einen Richtung im Süden, in der anderen im Norden. Bedenkt man, dass hier keine Zugkreuzung durchgeführt wird und dies der einzige Zug auf der Strecke ist, sieht das recht unsinnig aus.

Meiderichs Bahnhof war einmal etwas größer, was auch in einigen Dokumentationen, Fotoserien und auch Videos aus der Zeit der ETA 515 zu sehen ist. So mancher Eisenbahnfreund mag daher sogar enttäuscht sein, wenn er in Meiderich-Süd aussteigt. Bis Mitte der Neunziger führte von hier aus eine Strecke nach Mülheim-Styrum über Dümpten und Alstaden. An dieser Strecke befand sich ein weiterer Bahnsteig, der heute zwischen dem Bahnhofsgebäude und dem aktiven Bahnsteig im Unterholz schlummert und im leichten Winkel von der Strecke Oberhausen-Ruhrort absteht. Die Trasse ist heute noch deutlich sichtbar, teilweise liegen hier Schienen. Eine Überquerung über den Rhein-Herne-Kanal wurde allerdings inzwischen abgerissen und in der alten Ausfahrt aus Meiderich-Süd kommt die Straßenbahn aus dem Tunnel an die Oberfläche. Der erhaltene Bahnsteig hat wohl einen neuen Zugang bekommen, die alte Unterführung zwischen den Bahnsteigen und dem Bahnhofsgebäude ist zugebaut. Nur die beiden Türme der alten Lastenaufzüge gammeln noch vor sich hin. Daher auch anscheinend die Lücke im Dach....

Bis Meiderich-Süd führt der Fahrdraht von Oberhausen aus kommend. Dahinter ist die Strecke bis Ruhrort unelektrifiziert.

An sich ist die eigentliche Exkursion an dieser Stelle schon beendet. Doch vom Bahnhof Meiderich Süd aus ist es ein Katzensprung zu einer der berühmtesten Sehenswürdigkeiten des Ruhrgebietes: dem Landschaftspark Nord. Es handelt sich dabei um ein stillgelegtes Hüttenwerk, das in einen Landschaftspark integriert wurde. Tag und Nacht lässt sich der Park besuchen. Dabei erfährt der Besucher vieles über die Stahlverhüttung und Hochöfen. Einen Hochofen kann man auch besteigen, er dient dabei als hohe Aussichtsplattform über die Stadt Duisburg.

Der Landschaftspark Nord in Duisburg-Meiderich

Kohlebunker

Illumination bei Nacht

"Krokodil" in grün

Wenn Sie neugierig auf den Park geworden sind, so sei Ihnen der ausführlichere Artikel mit vielen Fotos des Landschaftsparks Nord auf der Themenseite www.ruhrgebiet-industriekultur.de desselben Autors ans Herz gelegt.

Weiterführende Informationen:

- Webseite zum "Landschaftspark Nord":
- Führungen und Illumination im LPN: :
- Bereich "Industriekultur" von Mytrainsim:

www.landschaftspark.de
www.tour-de-ruhr.de
www.ruhrgebiet-industriekultur.de

Sebi on Tour - Demnächst vielleicht auch in Ihrer Nähe ;-)

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(c) Bilder, Text und Grafiken: S.Hellmann - www.mytrainsim.de

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