
Tagesfahrt in NRW: Teil 7 - Die Röhrtalbahn der RLG
Die Röhrtalbahn ist auf keinem Linienplan des Nahverkehrs eingezeichnet. Personenzüge fahren hier nur noch bei gebuchten Sonderfahrten.
Sie ist eine private, normalspurige ca. 14 Kilometer lange Kleinbahn, die heute nur noch für Gütertransporte und einige Sonderfahrten genutzt wird. Sie führt von Neheim-Hüsten nach Sundern entlang des Flüsschens Röhr, welches bei Hüsten in die Ruhr fließt. Dort stößt die Strecke auf die Obere Ruhrtalbahn, die heute von den Regionalexpressen 17 und 57 befahren wird (vgl. Tagesfahrt "Sauerland-Express").
Betrieben wird die Strecke von der "Regionalverkehr Ruhr-Lippe GmbH", kurz RLG. Sie betreibt in NRW einige Bahnstrecken und Buslinien. Auch die Buslinien zwischen Sundern und Neheim werden von der RLG getragen. Die Ausweitung des Busverkehrs auf dieser Route führte 1977 zur Beendigung des Personennahverkehrs auf der benachbarten Schienenstrecke. Führt die B229 bzw. L 519 doch nahezu parallel zur Strecke entlang, ähnlich wie bei der Iserlohner Bahn Menden-Hemer.
Einige der Bahnhöfe, die rechts auf der Karte dargestellt werden, existieren nicht mehr. Dazu später mehr.
Nach der Vervollständigung der Erkundung des Sauerland-Expresses zwischen Bestwig und Winterberg fand nun am selben Tag die Fahrt ins Röhrtal statt. Die erste Strecke, die komplett nur mit Bussen erkundet werden kann.
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"Nächste Station: Neheim-Hüsten. Bitte in Fahrtrichtung rechts aussteigen!" Ich erhebe mich von meinem Plätzchen, das ich seit Olsberg-Bigge im Dortmund-Sauerland-Express eingenommen habe. Vorne ist die Tür defekt, also muss man hinten aussteigen. Ich habe noch zehn Minuten Zeit, bis mein Bus nach Sundern von der Haltestelle vor dem Bahnhof abfährt. Also genug Zeit, sich den Bahnhof von Neheim anzuschauen. Hier gibt es noch eine Zugaufsicht. Der Kerl steht am Signal und macht von dort seine Lautsprecherdurchsagen. "Neheim-Hüsten, hier Neheim-Hüsten." Außerdem staucht er noch Leute zusammen, die zu nah an der weißen Linie stehen. Er plaudert mit dem Lokführer - bis der Zug wieder abfährt. Nun mache ich mich langsam auf den Weg, noch weiß ich nicht genau, von wo mein Bus losfährt. Mit dem Regionalbus R25 der RLG geht es bis nach Sundern zur Haltestelle "Kurze Straße". Der Bus ist gut gefüllt durch Schüler. So gut, dass ein Großteil - ich auch - stehen muss. Fast 40 Minuten dauert die Fahrt bis nach Sundern für die paar Kilometer. Es ist innerhalb Hüstens sehr voll. Der Bus steht im Stau. Warum wurde die Strecke nochmal stillgelegt?? Mit Verzögerung kommen wir schließlich in Sundern an.

Bahnhof Sundern
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Streckenende
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Der Bahnhof ist schwer einsehbar. Klar, zum alten Empfangsgebäude kommt man sehr leicht. Am Kiosk neben dem Bahnhof stehen zwei Männer, die sich an Bierflaschen festhalten und mich skeptisch beobachten. Vom Gleis sieht man nichts, hier ist alles zugebaut. Weiter nördlich wird gerade Holz vom LKW auf Roos-t - Wagen der Bahn verladen. Einmal um den Block gelaufen, kann man von hinten durch das Buschdickicht spicken und doch noch die Gleisanlage sehen.

Bahnhof Stemel
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Stemel von hinten. Kyrills Auswirkungen: kahle Hänge
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Eine halbe Stunde später fährt mein Bus in Gegenrichtung los. Ein Schnellbus der Linie S20. Mit ihm fahre ich bis Stemel "Zum Giebel". Dort befindet sich der ehemalige Bahnhof Stemel der Röhrtalbahn. Es ist heute ein Wohnhaus. Vom Bahnsteig kann man noch ein wenig erkennen. Von Stemel aus zweigte in den 1930er Jahren eine Strecke zum nahegelegenen Sorpestaudamm ab. Dafür wurde sogar ein Viadukt über die Röhr gebaut. Die Strecke wurde zum Bau des Damms benutzt, um Stein- und Felsmaterial heranzuschaffen. Entgegen vieler anderer Stauseen im Sauerland hat der Sorpesee nämlich keine Mauer, sondern einen Erdwall mit Betonkern. Sein Glück - daher wurde er als einziger von den bombardierten Staudämmen im zweiten Weltkrieg nicht so zerstört, dass er gebrochen ist. Die Strecke wurde nach dem Bau des Damms wieder abgebaut und die Trasse samt Viadukt fortan von einer Straße genutzt. Stattdessen führt eine Buslinie zum Sorpedamm nach Langscheid. Der See ist heute ein sehr beliebtes Ausflugsziel - wie so ziemlich alle Sauerlandseen. Ich verzichte aber heute.

Hachen Bahnhof
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Stationsschild am Busbahnhof
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Holzverladung
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Von Stemel geht es wieder mit R25 nach Hachen, Haltestelle "Hachen-Bahnhof". Hier gibt es einen Wendehammer und ein Wartehäuschen mit zerkratzten Plastikscheiben. Sie knacken geräuschvoll, wenn die Sonne von Wolken verdeckt wird oder wieder zum Vorschein kommt. In der benachbarten Hecke steht ein Stationsschild der Bahn. Dahinter befindet sich tatsächlich noch ein kleiner Bahnhof. Zur Zeit wird hier wieder Sturmholz verladen. An der Stelle, wo früher einmal das Empfangsgebäude stand, steht heute ein Bagger.
Ich setz mich auf die Bordsteinkante in den Schatten und warte auf den Bus nach Neheim. Von den anderen Haltestellen der Röhrtalbahn - Müschede und Hüsten-West - soll es nämlich nicht mehr viel geben.

Zeichen, dass die RLG hier doch Menschen befordert...
Kurz vor Abfahrt des Busses stelle ich fest, dass dieser ja gar nicht vom Bahnhof nach Neheim fahren würde - sondern rund 400 Meter weiter südlich von der Haltestelle Hachener Straße. Ich hatte es sogar aufgeschrieben und fett markiert! Zum zweiten Mal an diesem Tage (vgl. Teil 4 von RE17/57) muss ich einem Bus hinterherrennen. Vielleicht sollte man seine eigenen Anmerkungen mal lesen. Auf die Sekunde komme ich an der Haltestelle an - vom Bus ist nichts zu sehen. Er ist auch noch nicht an mir vorbeigefahren. Er kommt rund fünf Minuten später - weshalb sich auch direkt mein Anschluss in Neheim zum RE57 in Luft auflöst. Der Bus stand einfach im Stau. In Höhe der Cäcilienstraße, wo in etwa der Bahnhof Hüsten-West liegt, meint eine Frau einsteigen zu müssen und die Fahrt mit einem Fuffziger zu bezahlen.

Hüsten-West (ein halbes Jahr später)
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Ein Anschlussgleis durch die Vorgärten
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Die neue Umgehungsstraße von Hüsten
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Was macht der da?!
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Lange Diskussionen vorne zwischen Fahrer und Fahrgast. Wertvolle Zeit für mich, denn der Bus ist an vielen Haltestellen ohne wartende Fahrgäste durchgefahren und hat seine Verspätung nahezu wettgemacht. Es hat geschlagene drei Minuten gedauert, bis der Busfahrer irgendwann doch zum Geldwechsler gegriffen hat. Um fünf Minuten später in Höhe der Haltestelle "Röhrbrücke" etwa einen Kilometer vom Bahnhof entfernt im Stau zu stehen. Und zwar sehr sehr lange. Mein nächster Zug würde eine halbe Stunde später fahren. Stillstand auf der Straße. Aussteigen und laufen? Hm. Mitgehangen, mitgefangen. Mit fünfzehn Minuten Verspätung erreicht der Bus mit einem genervten Fahrer den Vorplatz. Noch knapp zehn Minuten, bis der nächste Zug kommt, als ich auf dem Bahnsteig stehe. Vielleicht würde eine Schienenverbindung das Straßennetz doch etwas entlasten? Es gibt ja bereits Planungen und Visionen. Aber ob man über dieses Stadium hinaus kommt?!

Neheim-Hüsten Bahnhof
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... Gegenrichtung
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Mein RE nach Hause kommt. Diesmal war der Abstecher sehr kurz. Ebenso sein Bericht. Aber es gibt ja noch viele schöne Bahnstrecken in NRW.
"Neheim-Hüsten, hier Neheim-Hüsten". Träumt man das eigentlich auch nachts, wenn man das tagtäglich im selben Tonfall sagt?
Sebi on Tour - Demnächst vielleicht auch in Ihrer Nähe ;-)
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(c) Bilder, Text und Grafiken: S.Hellmann - www.mytrainsim.de
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