Nahverkehr in NRW: Teil 10 - RE 1: Der NRW-Express
Der Nordrhein-Westfalen-Express ist neuerdings die längste Bahnlinie in NRW und soll verschiedenen Quellen nach deutschlandweit täglich die meisten Menschen befördern. Seine enorme Wichtigkeit im Nahverkehr des Landes wird durch die Bezeichnung »RE 1« gut repräsentiert.
Folgende Abbildung stellt den lagetreuen Linienverlauf dar:
| |
|
 |
| |
|
Der häufig wegen der Überlänge des Namens als »NRW-Express« abgekürzte Regionalexpress ist das Bindeglied zwischen Westfalen und Rheinland. Er verbindet die Bischofsstadt Paderborn in Ostwestfalen mit der Kaiserstadt Aachen an der Grenze zu Belgien und den Niederlanden und durchquert dabei die Hellwegzone, das gesamte Ruhrgebiet mit den wichtigsten Städten Dortmund, Bochum, Essen und Duisburg, hält in der Landeshauptstadt Düsseldorf und in Köln, der größten Stadt des Landes. Am Drei- ländereck ist nach etwa 296 Kilometern Fahrt der westliche Endpunkt erreicht. Seit der Verlängerung nach Paderborn wurde der RE 1 von der fünftlängsten (218 km) zur längsten Nahverkehrslinie in NRW. Befahren wird der RE 1 hauptsächlich von Loks der Baureihe 146 und fünf (zukünftig sechs) Doppelstockwagen. |
|
Der Nordrhein-Westfalen-Express verkehrt grundsätzlich im Stundentakt und zwischen Hamm und Paderborn zweistündig, wird allerdings auf der gesamten Strecke abschnittsweise von bis zu drei anderen RE-Linien, Regionalbahnen und S-Bahnen verdichtet. Die Fahrtzeit auf der gesamten Strecke dauert etwa dreieinhalb Stunden. Der Regionalexpress würde, soweit man denn bei den Planungen vorran käme, durch den Rhein-Ruhr-Express RRX 1 ersetzt werden.
Im Jahre 2006 sollte der RE 1 einem terroristischen Bombenanschlag zum Opfer fallen. In einem Wagen wurde eine in einem Koffer verstecke Bombe mit Zeitzünder und angeschlossener Gasflasche entdeckt, die jedoch nicht explodierte. Andernfalls wäre wohl ein Wagen in Höhe von Kamen in die Luft geflogen. Seitdem ist man relativ wachsam und besonders vorsichtig und empfindlich bei herrenlosen Koffern. In diesem Zu- sammenhang wurde von den Medien auch der häufig verwendete Begriff »Kofferbomber« geprägt.
Prolog
Es ist schlicht unmöglich, den gesamten Nordrhein-Westfalen-Express mit einer Tagesfahrt abzudecken. Paderborn, Soest, Köln, Aachen und Düsseldorf sind Städte, die alleine schon einen Ausflug an einem ganzen Tag wert sind! Der Artikel wird in vier Teile aufgeteilt, in denen die Bahnhöfe in ihrer Reihenfolge chronologisch dokumentiert werden. Begonnen wird in Paderborn im äußersten Osten. Teil Zwei beginnt in Hamm und führt durch den Korridor ins Ruhrgebiet. Teil Drei behandelt die Rhein-Ruhr-Magistrale von Dortmund bis Düsseldorf - also den Streckenabschnitt, in dem der Zug quasi immer rappelvoll ist. Von Düsseldorf nach Aachen führt schließlich Teil Drei durchs Rheinland und die Kölner Bucht in den nördlichsten Zipfel der Eifel.
Auf seiner Fahrt durch NRW durchquert der NRW-Express mehr als ein Dutzend Landkreise oder kreisfreie Städte. Zunächst ist der erste Streckenabschnitt landwirtschaftlich geprägt. Der Zug durchfährt die Soester Börde. Börden sind Ablagerungen feinster und nährstoffreicher Sedimente aus der Eiszeit, die als Löss bezeichnet einen hervorragenden Boden für Ackeranbau darstellen. Von Hamm bis Duisburg zieht sich das industriell geprägte und dicht bewohnte Ruhrgebiet. Dort knickt die Strecke nach Süden ab und folgt dem Rhein an seinem östlichen Ufer. Hier liegt die Grenze der Landschaften Bergisches Land und dem Niederhreinischen Tiefland. Bei Leverkusen erreicht die Linie die Kölner Bucht. In Köln wird der Rhein überquert, nun verläuft die Strecke wieder in west-südwestlicher Richtung. Die Ville, ein Höhenzug mitten in der Kölner Bucht, wird durchquert, ebenso wie die wiederum recht flache Zülpicher Börde bei Düren. Mit der Landschaft "Münsterländchen" bei Aachen ist der Nordzipfel der Eifel erreicht, ein Gebirge, bekannt für seine vulkanische Tätigkeit und den kreisrunden Maaren.
Es sei noch erwähnt, dass im Verlauf dieses Artikels einige touristisch interessante Ziele auf der Themenseite zur Industriekultur vorgestellt werden. Von Zeit zu Zeit wird mittels eines Direktlinks zu dieser Seite eine Möglichkeit zur Informationsvertiefung gegeben.
Teil 1: Paderborn - Hamm: Alle zwei Stunden von Ostwestfalen durch die Börden bis vor die Tore des Ruhrgebiets
Paderborn Hauptbahnhof ist ein Umsteigeknoten in Ostwestfalen. Neben wenigen Fernverkehrszügen halten hier Regionalzüge, die quer durch die Landschaft nach Bielefeld, Holzminden und Herford fahren. Dazu kommt die S-Bahn nach Hannover.
Auf der Strecke von Paderborn nach Hamm wird der Nordrhein-Westfalen-Express durch die Regionalbahnlinie RB 69 / 89 mit dem Namen »Ems-Börde-Bahn« begleitet. Diese wird vom privaten Eisenbahnunternehmen Eurobahn (eigene Schreibweise: eurobahn) betrieben. Die Linie ist Teil des sogenannten Hellweg-Netzes. Wie auf den zu diesem Netz gehörenden Linien RB 50 »Der Lüner« und RB 59 »Hellweg-Bahn« werden hier Triebwagen des Typs FLIRT (Flinker Leichter Innovativer RegionalTriebwagen) eingesetzt, die das firmentypische weiß-gelbe Design tragen. Die Linie verkehrt halbstündlich zwischen Münster, Paderborn und Bielefeld (Zugteilung in Hamm) und zweistündlich weiter nach Warburg. Einzelne Umläufe fahren als länderübergreifende Sprinter-Züge bis nach Kassel in Hessen. Seit dem Fahrplanwechsel 2010 ersetzt der RE 1 den die Ems-Börde-Bahn begleitenden RE 11 »Rhein-Hellweg-Express«, der als schnelle Linie mit Halt nur an den größeren Halten in diesem Jahr zusammen mit dem NRW-Express ebenfalls eine Neugestaltung der Linienführung erhalten hat. Positiver Effekt dieser Umgestaltung ist die schnelle Anbindung von Paderborn auch am Wochenende.

Paderborn Hauptbahnhof |

Ems-Börde-Bahn in Form eines Eurobahn-FLIRT nach Münster |

|

Rathaus von Paderborn |

Gymnasium Theodorianum und Theologische Fakultät der Uni |

Im Paderborner Dom |
Ausgangspunkt in diesem Abschnitt ist nun Paderborn im gleichnamigen Landkreis mit dem Kennzeichen PB. Rein von der Wortbedeutung kann man darauf kommen, dass hier in der Stadt tatsächlich der Fluss Pader entspringt, also geboren wird. Nach vier Kilometern fließt die Pader in die Lippe und ist damit der kürzeste Fluss Deutschlands. Im Gegensatz zur Stadt wird der Fluss sogar so ausgesprochen wie er geschrieben wird. Die westfälische Allgemeinheit spricht die Stadt etwas kräftiger mit verdoppelten D und verschlucktem R aus: »Paddaboaan«. Die Stadt liegt auf der Paderborner Hochfläche vor dem Teutoburger Wald mit dem Eggegebirge. Für die geologisch Interessierten sei gesagt, dass diese Hochfläche neben der Schwäbischen Alb als ein Gebiet mit dem größten Kalkvorkommen in Deutschland bekannt ist.
Die Stadt ist Bischofssitz und Universitätsstadt. Der Bahnhof ist etwas außerhalb der Stadt. Mit dem Bus wird eine gute Verbindung mit der Innenstadt erreicht. Zugegebenermaßen ist es so weit auch nicht - aber bis zum Dom oder zum Rathaus ist es schon ein ganzes Stück zu Laufen. Der Dom ist ein mächtiger, gotischer Natursteinbau mit Grünspandächern und wurde größtenteils im 13. Jahrhundert gebaut. Vor dem Dom befindet sich ein kleiner Marktplatz, der leider durch einen nicht besonders hübschen Bau des Diözesanmuseums vom Dom getrennt ist.
Nur ein paar Schritte zurück zum Bahnhof stößt man auf das Rathaus der Stadt. Hier beginnt eine Fußgängerzone bis zum Westerntor. Mit dem Bus ist es von hier aus ein Katzensprung, den man gut und gerne auch hätte laufen können. Aber da der Takt der Busse auf dieser Strecke so gut ist - man könnte fast von einer Art Stammstrecke sprechen - braucht man meist nicht länger als ein paar Minuten auf den nächsten Zubringer zum Bahnhof zu warten. |

Gotischer Paderborner Dom St. Liborius |
Am Bahnhof steht bereits der weiß-gelbe Triebwagen der Ems-Börde-Bahn bereit. Vorbei an Scharmede durchfährt der spurtstarke Zug durch die Börde. Der Nordrhein-Westfalen-Express durchfährt ebenfalls Salzkotten und Geseke, von Ehringhausen und Dedinghausen ganz zu schweigen, ehe er erstmalig in Lippstadt hält. Etwas intensiver werden die mittelgroßen Zwischenhalte der Ems-Börde-Bahn übrigens im die Linie beschreibenden Artikel behandelt.

Eurobahn nach Münster macht Station in Salzkotten
|

Das Polizeimuseum im alten Bahnhofsgebäude
|

In mehreren Sprachen wird man hier begrüßt |

Gesekes Bahnhof |
Lippstadt ist nicht nur der erste Halt für den RE 1 bzw. früher den RE 11 aus Richtung Paderborn, sondern auch Fernverkehrshalt. Eine halbe Stunde Aufenthalt besteht, bis der nächstze Zug kommt, was beim Halbstundentakt nicht ganz unlogisch ist. Am Bahnhof spricht mich jemand an: »Ich habe noch nie gesehen, dass einer einen McDonald´s fotografiert!« Ein wenig Verständnis bringt er auf, als ich ihm erkläre, was ich wirklich mache. »Achso, der Bahnhof... der ist aber auch nicht viel besser.« Er fängt an, von der guten alten Zeit zu erzählen, während ich etwas nervös auf die Armbanduhr schiele. Dass hier früher einmal ein schöner Bahnhof im »Western-Stil«, wie er es nennt, gestanden haben soll.

Ems-Börde-Bahn verlässt Lippstadt
|

Der Bahnhof vom Mittelbahnsteig gesehen
|

Eine kleine Bahnhofshalle - aber mit Reisezentrum |

Da winkt einer. Wenn er unbedingt aufs Foto möchte...! |

Der Bahnhof von außen |

Fußgängerzone von Lippstadt |

|

Der Platz vor dem Rathaus |
Ich stelle mir schon einen Western-Bahnhof mit viel Holz wie in den »Lucky Luke«-Comics vor. Und vor dem Mäkkes... ähm dem Saloon... steht Jolly Jumper, trinkt das Regenwasser aus einem Bottich und passt auf, dass Rantanplan, der doofe Hund, keinen Unsinn macht. Auf dem Bahnsteig bläst einer in seine Mundharmonika das Lied vom Tod und über den Bahnübergang rollt eine dieser berühmten Strohkugeln im Wind.
Das wäre schon seeeehr ungewöhnlich für Lippstadt, oder nicht?! Auf etwas hartnäckige Nachfragen hat es sich dann aber - gemäß genauerer bildlicher Beschreibungen durch ihn - dann doch nur um ein Fachwerkgebäude gehandelt. Ist ja fast das Gleiche wie ein Westernhaus.
»Der hier... das sieht doch wirklich scheiße aus!«, ruft er mir noch hinterher. Moderne der 60er bis 70er Jahre. Quadratisch, praktisch, gut. Immerhin halten hier mehrfach am Tage InterCity-Züge Richtung Berlin und Stralsund bzw. ins Ruhrgebiet.
Durch Verzicht auf den nächsten Takt ergibt sich die Möglichkeit, die historische Innenstadt und die belebte Fußgängerzone von Lipp- stadt zu erkunden. |

Brunnen auf dem Rathausplatz und die Marienkirche im Zentrum von Lippstadt |
Vor dem nächsten Halt in Soest, wo auch der NRW-Express hält, macht die Ems-Börde-Bahn in Bad Sassendorf Station, ein Kurort inmitten der Soester Börde. Er besitzt neben den Reha-Kliniken und Kurheimen einen großen Kurpark mit Gradierwerk, Ententeich und einem Thermalbad. Außerdem eine Vogelvoliere mit einem Beo, der Neugierige Vogelbeobachter mit einem feinen »Haaaaaaaallooo!« begrüßt. Immer wieder sieht man ein wenig fremdschämend, wie Leute versuchen, ihm Schimpfwörter oder Alltagsslang beizubringen »Sag mal Maaahlzeit!« Relevant für diesen Artikel ist lediglich noch, dass Bad Sassendorf von der Statistik her der Ort mit dem höchsten Altersdurchschnitt im Land NRW hat.

Bahnhof Bad Sassendorf
|

Der gelb-weiße Triebwagen bringt Leben in die Bude |
Wenn es Sie interessiert: Im Bereich »Doku & Spiele« finden Sie unter »Thermalbilder« einige Schnappschüsse aus dem Kurpark von Bad Sassendorf.
Nächste Station sowohl für die Ems-Börde-Bahn als auch für den Nordrhein-Westfalen-Express ist nach nur wenigen Minuten Fahrtzeit von Bad Sassendorf der Bahnhof von Soest, der Kreisstadt des Kreises Soest mit dem Kennzeichen SO.

Soest Bahnhof - momentan Baustelle
|

So sah die alte Ems-Börde-Bahn aus. 425 nach Warburg
|

Die neue Hellweg-Bahn: Endstation für RB 59 aus Dortmund |

Ems-Börde-Bahn nach Münster in Soest |
In Soest befindet sich an Gleis 1 das Linienende der Hellweg-Bahn, die von hier aus als Regionalbahn über Unna nach Dortmund fährt und ebenfalls von der Eurobahn betrieben wird. Neben dem RE 1 fahren von hier aus also nur noch Züge einer privaten Eisenbahngesellschaft. Trotzdem die Hellweg-Bahn quasi eine Abkürzung zur Strecke des Regionalexpresses fährt und dieser in Hamm seine Richtung wechseln muss, ist die Fahrtzeit mit dem RE 1 von Soest nach Dortmund um wenige Minuten kürzer.
Es existiert ein Haus- und ein Inselbahnsteig, wobei das gesamte Gelände gerade frisch renoviert ist. Das Bahnhofsgebäude ist ebenfalls saniert und erstahlt nicht mehr im blassen rot, sondern ist in hellen freundlichen Tönen gestrichen. Vom Bahnhof gelangt man schnell und einfach in die nahegelegene Innenstadt. Sie besitzt einige historische Gebäude und natürlich die Kirchen Maria auf der Höhe, Maria auf der Wiese, die Petri-Kirche und den Dom. In der Stadtmitte befindet sich außerdem ein Teich mit Wassermühle. Insgesamt ein etwas verträumtes Städtchen.
Der Nordrhein-Westfalen-Express fährt nun den letzten Abschnitt der ersten Etappe. Die kleineren Halte Borgeln und Welver durchfährt er im Gegensatz zur Regionalbahn und hält erst wieder in Hamm.
Teil 2: Hamm - Dortmund: Der Korridor ins Ruhrgebiet (bis Dezember 2010)
Hamm ist ein recht großer Umsteigeknotenpunkt im östlichen Ruhrgebiet. »Hamm« und »Ruhrgebiet« in einem Satz zu nennen ist so eine Sache. Die einen zählen es dazu, die anderen nicht. Es gehört noch so gerade zum Regionalverband Ruhr (RVR). In Fachkreisen werden die Grenzen dieses Verbandes meist mit denen des Ruhrgebietes gleichgesetzt. Es ist eine kreisfreie Stadt mit dem Kfz-Kennzeichen »HAM«. Hier am Bahnhof hält der Fernverkehr und wird zum Teil in westlicher Richtung geflügelt; Außerdem geflügelt werden die Züge der »Ems-Börde-Bahn« von Paderborn nach Münster und Bielefeld. Der RE 3 »Rhein-Emscher-Express« nach Düsseldorf durch das nördliche Ruhrgebiet und der RE 13 »Maas-Wupper-Express« nach Venlo durch das Bergische Land haben hier ihre jeweils östliche Endstation; seit Dezember 2010 auch der genannte RE 11, der neuerdings von Hamm statt von Paderborn in Richtung Rheinland fährt. Abgesehen davon hält hier noch der RE 7 »Rhein-Münsterland-Express« nach Münster / Rheine und Krefeld via Köln.

Bahnhof Hamm mit Elefanten auf dem Vorplatz
|

Ems-Börde-Bahn
|

Maximilianpark Hamm |

Gläserner Elefant während der Aktion »Herbstleuchten« |

Gläserner Elefant im Maximilianpark am Tage |

Elefanten in Hamm in Anlehnung an das Original im Maxipark |
Das Stadtzentrum von Hamm liegt fast unmittelbar an der Lippe. Diese fließt von Ost nach West von Bad Lippspringe bis Wesel und dort in den Rhein. Der Fluss an sich ist recht gewunden und schmal, weswegen zur Schiffbarmachung ein parallel verlaufender Kanal gebaut wurde.
In der Stadtmitte fällt der wuchtige Turm der Pauluskirche und der eher zierliche der benachbarten Martin-Luther-Kirche auf. Und immer wieder stehen Elefanten in der Stadt. Sie sind eine Anspielung auf den »Gläsernen Elefanten« im Maximilianpark in Hamm - ein Park auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Maximilian im Ortsteil Werries. Im Jahre 1984 fand hier die erste Landesgartenschau in NRW statt. Bekanntestes Objekt ist die um einen Anbau in Form eines Elefantenkopfes erweiterte Kohlenwäsche der Zeche.
Ausführlich wird dieses Ziel auf der Themen- seite zur Industriekultur vorgestellt:
Direktlink zum Artikel über den Maxipark
Der Maximilianpark ist heute ein beliebtes Ausflugsziel in der Region. Der Gläserne Elefant, inzwischen eine Art Wahrzeichen der |
Martin-Luther-Kirche (links) und Paulus-Kirche (rechts) in der Innenstadt von Hamm
|
Stadt, wurde 2004 genau 20 Jahre alt, woraufhin diese bunten Dekorations-Rüsseltiere in der ganzen Innenstadt aufgestellt wurden. Bunt bemalte Plastiktiere findet man hier in einigen Städten inzwischen relativ häufig. Dortmund hat den Anfang gemacht mit den geflügelten Nashörnern, die insbesondere bei der Fußball-WM 2006 in Landesfarben der Teilnehmerländer ein beliebtes Foto-Motiv darstellten. Es folgten Hamm mit Elefanten und schließlich Unna mit Eseln. Die Gestaltung erfolgt durch denjenigen, der das Tier anschafft.

Bahnhofshalle Hamm |
Zurück zum Bahnhof der Stadt, der mit einem rot-weißen Gebäude freundlich die Fahrgäste empfängt. Die große Bahnhofshalle ist sehr beeindruckend, vor allem die bemalte Decke. Das schafft einen angenehmen ersten Eindruck beim Aussteigen.
Die Bahnsteige dagegen sind in einem eher schlechteren Zustand. An der Decke der Bahnsteigdächer hängen Fallblattanzeiger der letzteren Generationen in Bahn-Blau. Hier und da stehen Warteräume und Büros der Bahnhofsmission, die mit Schildern werben, ruhig hereinzukommen und sich aufzuwärmen. Weiter hinten im Bahnhof schallt es aus dem Lautsprecher: »An Gleis 11 fährt nun ein: RE 1 nach Aachen über Kamen, Dortmund, Bochum, Essen, Duisburg, Düsseldorf, Köln, Düren. Bitte Vorsicht bei der Einfahrt!«
Drei andere Nahverkehrslinien fahren neben dem NRW-Express von nun an auf dem Abschnitt Hamm-Dortmund, nämlich der genannte RE 3 von Hamm nach Düsseldorf über Herne, der RE 6 »Westfalen-Express« von Düsseldorf nach Minden und der ebenfalls erwähnte RE 11 als Vorgänger des Linienastes des RE 1 nach Paderborn. Während RE 1 und 6 quasi als Sprinterzüge zwischen Hamm und Dortmund nur in Kamen halten, machen RE 3 und 11 an jeder Unterwegsstation halt, teilweise mit abwechselndem Takt. Nur an bestimmten Tagesrandlagen hält auch der NRW-Express in Nordbögge, Methler, Kurl und Scharnhorst - so wie er es bis 2010 auch schon getan hat.
|
Der Nordrhein-Westfalen-Express verlässt Hamm, passiert das erst im Oktober 2010 stillgelegte Bergwerk Ost mit der markanten Halde Kissinger Höhe (Link zum Artikel im Bereich Industriekultur) und der Halde Sundern und hält erst wieder in Kamen. Durch den Haltepunkt Nordbögge in Bönen fährt der RE 1 grundsätzlich durch. Wir überschreiten bei Bönen die Grenze zwischen Hamm und dem Kreis Unna mit dem Kennzeichen UN. Die Anreise in Nordbögge kann also (fast) nur durch den RE 3 oder den RE 11 erfolgen. Ausführlicher werden nicht vom RE 1 bediente Unterwegshalte in anderen Artikeln - in diesem Falle in dem zum Rhein-Emscher-Express.

»Alter« Rhein-Emscher-Express in Nordbögge |

kleiner Haltepunkt mit versetzt angelegten Bahnsteigen |
Nordbögge ist ein 1500-Einwohner-Dorf und gehört zur Gemeinde Bönen. Das Dorf selbst ist etwas eingeklemmt zwischen der Bahnstrecke und der Autobahn A2. Es ist hier sehr ruhig. Bis vor kurzer Zeit querte hier noch eine Straße die Schienen. Dieser Bahnübergang wurde durch eine Fußgängerbrücke ersetzt. Für Autofahrer gibt es auf der einen wie auf der anderen Seite einen Wendehammer, Parkplätze und Fahrradboxen sowie überdachte Ständer - einmal die doppelte Ausstattung. Die Bahnsteige sind versetzt angeordnet - damit man früher hinter dem Bahnübergang angehalten hat. Auf jedem der Bahnsteige steht ein roter Plus-Punkt im Midi-Format.
Wir fahren in unmittelbarer Nähe am Kamener Kreuz vorbei, über die Fünfbogenbrücke, eine der ältesten im Originalzustand vorhandenen Brücken Deutschlands, die über die Seseke führt, und erreichen den Bahnhof von Kamen.

Empfangsgebäude des Bahnhofs Kamen
|

Der NRW-Express auf seiner letzten Etappe Richtung Hamm
|

Ein weißes Empfangsgebäude |

Völkerwanderung: die Unterführung ist ganz hinten |

Innenstadt von Kamen am Alten Markt |

Die Seseke im Kamener Stadtgebiet - ein begradigter Bach |
Selbst wenn Sie nicht in NRW wohnen, haben Sie irgendwann schon einmal vielleicht mit Kamen zu tun gehabt oder zumindest davon gehört. Denn das »Kamener Kreuz« ist das zweitälteste (ehemals) kleeblattförmige Autobahnkreuz in Deutschland.
Hier kreuzen sich die Autobahnen A1 und die A2, die »Hansalinie« von Köln in Richtung Hamburg und die »Warschauer Allee« als Ost-West-Achse zwischen Oberhausen und Berlin. Beide gehören zu den wichtigsten deutschen Transitstrecken im Autoverkehr. Noch heute ist es regelmäßig wegen der vielen Staus im Verkehrsfunk zu hören. Ein alter Witz aus Zeiten des Kalten Krieges: »Es heißt: "Wenn der Russe will, kann er in 48 Stunden am Rhein sein". Aber das ist Quatsch! Der kommt bis zum Kamener Kreuz und bleibt da im Stau stehen!«
Kamens Bahnhof besteht aus einem Haus- und einem meist nur einseitig genutzten Inselbahnsteig. Die die Bahnsteige verbindende Unterführung liegt ganz am Ende, weswegen als Aussteiger zunächst ein kleiner Umweg gemacht werden muss, wenn man am falschen Zugende aussteigt. Das Empfangsgebäude ist renoviert. Innen findet sich ein Bäcker und ein Fahrkartenverkauf in Form eines Service-Stores. In Kamen halten alle Nahverkehrszüge der Linien RE 1, 3, 6 und 11, die ICEs fahren hier mit Karacho durch. Eine Radstation hegt und pflegt die Drahtesel der Pendler. Der Bahnhof ist auf dieser Linie der erste Bahnhof im Verkehrsverbund VRR. Mangels eines großen Park-and-Ride-Parkplatzes ist er aber anscheinend nicht besonders beliebt bei Auto-Umsteigern.
Die Bahnstation liegt etwas außerhalb der Innenstadt. Den etwa ein Kilometer langen Fußmarsch bringt man offensichtlich gerne mit dem Bus hinter sich - sie fahren auch relativ häufig in die Stadtmitte. |

Wahrzeichen von Kamen: Schiefe Turmspitze
|
Hier ist ein recht großer Marktplatz mit einigen historischen Gebäuden zu finden. Wahrzeichen der Stadt ist das gegen den Wind nach Westen geneigte, schiefe Dach der Pauluskirche. Auf dem Foto ist das leider nicht ganz gut zu sehen. Jedenfalls taucht diese Spitze auch im Logo der kleinen Stadt auf.
Ein Blick auf die Uhr - Höchste Zeit für den Rückweg. Zu Fuß. Mit dem Bus würde es knapp. Denn der Zug wartet erfahrungsgemäß selten.

Der Westfalen-Express brettert durch Kamen-Methler durch |

Hier haben die Zugangswege Straßenschilder... |
Der Haltepunkt Kamen-Methler, den der NRW-Express wieder nicht anfährt, hieß früher Westick-Kaiserau - das Ortsschild von Kaiserau steht mitten auf der Bahnüberführung. Hier ist es die selbe Sache wie in Nordbögge: Die Straße, die einmal über die Schienen führte, ist abgeschnitten. Dafür führt sie über eine Brücke darüber. Wie in Nordbögge auch liegen die Bahnsteige versetzt hinter dem ehemaligen Bahnübergang. Nur 500 Meter von hier liegt die Stadtgrenze zu Dortmund. Die nächste Station, die der Express durchfährt, ist Dortmund-Kurl.

Empfangsgebäude von Dortmund-Kurl; vom Bahnsteig aus
|

NRW-Express verlässt den Ort
|

Wartehalle, Bänke und die Unterführung links zum Ausgang
|

... und hier kommt er dann raus.
|
Dortmund markiert mit den Ziffern DO den nächsten Autokennzeichenwechsel auf der Linie. Dortmund Kurl bzw. mit dem Nachbarort Husen zusammen ist ein alter Zechenstandort. Spontan fällt das alte, aber heruntergekommene Empfangsgebäude auf. Fenster verbrettert, Schmutz, Grafitti und viel Müll. Die Natur holt sich das Gebäude zurück, Efeu und Büsche überwuchern es. Die Unterführung vom Mittelbahnsteig führt im Gebäude an die Oberfläche. Durch eine Art Flur mit Schwingtür gelangt man aus dem Gebäude nach draußen. Das Haus hat durch seine Verschnörkelungen Tendenzen zum Jugendstil. Ehemals eine Perle von Bahnhof, wird eines der ältesten Empfangsgebäude Dortmunds mehr und mehr zum Schandfleck und von Besuch zu Besuch immer weiter zugewachsen.

RE 1 in Dortmund-Scharnhorst.
Fotos (2x) von Dorian Kerl - www.lokschuppen-loh.de. |

Der Gegenzug in Richtung Hamm.
. |
Nur drei Kilometer von Kurl entfernt liegt der Haltepunkt von Dortmund-Scharnhorst, der vom RE 1 ebenfalls durchfahren wird. Bewohner sprechen den Stadtteil im Ruhrpottplatt »Schannhoaast« aus - Sie wissen schon, ganz ohne R. Im heutigen Stadtteil Alt-Scharnhorst stand bis 1975 das Steinkohlebergwerk Zeche Scharnhorst. Neu-Scharnhorst oder auch Scharnhorst-Ost ist eine in den Sechzigern entstandene Großwohnsiedlung - heute wie so häufig durch die hohe Bevölkerungsdichte ein sozialer Brennpunkt. So wie Bausünden in den schlimmsten Plattenbausiedlungen der DDR darf man sich den Stadtteil jedoch nicht vorstellen - die Gebäudehöhen sind gemäßigt, der Abstand zwischen ihnen noch relativ hoch und es gibt vergleichsweise viel Grün. Im Zentrum befindet sich eine kleine Fußgängerzone, genannt EKS (Einkaufszentrum Scharnhorst). Hier sind allerlei Geschäfte angesiedelt. Mit der U42 Grevel- Hombruch ist der Stadtteil mit drei Bahnstationen an die U-Bahn, die in Dortmund »Stadtbahn« heißt, angebunden. Innerhalb von 15 Minuten ist die Bahn in der Stadtmitte angekommen. Der eigentliche Bahnhof liegt weit außerhalb des EKS. Mit dem Bus kann man die zwei Kilometer jedoch gut und schnell bewältigen. Er fährt auch regelmäßig alle 20 Minuten.
Vorbei geht es am Dortmunder Bahnbetriebswerk und der Westfalenhütte. Es handelt sich dabei um einen langjährigen Stahlstandort, wo unter anderem die Firma Hoesch mit Kaltwalzwerk und Feuerverzinkung. Von Hoesch gibt es durch die Fusion mit Thyssen-Krupp nichts mehr, auch auf der Westfalenhütte ist abgesehen von der Verzinkung nur noch wenig Aktivität. Es ist zu einer riesigen Brachfläche geworden. Lediglich das Hoesch-Museum in der Nähe des Borsigplatzes erinnert an die alten Zeiten. Hier am Hoeschpark befand sich lange Zeit die kürzeste und lächerlichste Umweltzone Deutschlands, wo man auf 250 Metern nur mit passender Plakette fahren durfte. In der Brackeler Straße steht nämlich eine Feinstaub-Messstation. Dadurch und durch regelmäßiges Befeuchten des Asphaltes in der Straße ist es in ganz Dortmund statistisch sehr viel sauberer geworden! Heute ist allerdings ein Großteil der Stadt eine Umweltzone.
Wir fahren in den Hauptbahnhof von Dortmund ein. Jetzt wird der Zug richtig voll. Auf dem Bahnsteig stehen Menschentrauben an den Türen.

Dortmund Hbf mit Mosaikfenstern der Halle und Königswall
|

Elektrotriebwagen der Baureihe 422 als S-Bahnlinie S2
|

RE 57 vor der Skyline von Signal-Iduna, RWE und Sparkasse
|

RB 59 "Hellwegbahn" udn RB 52 "Volmetalbhahn" nebeneinander
|

Sonnenaufgang über der RB 50 »Der Lüner« nach Münster
|

Alter RE 11 »Rhein-Hellweg-Express« an Gleis 11
|
Langsam geht´s die Treppe hinunter in die Unterführung - es stockt. Der Strom der Aussteiger fließt langsam Richtung Bahnhofshalle und wird von den Wartenden, die bereits in die Türen des Zuges drängen, aufgehalten. Wer es jetzt eilig hat, hat Pech gehabt. Oder er wird beschimpft, weil er andere Menschen anrempelt, Gepäck mitreißt oder halsbrecherisch wie in einem Slalomparcours durch die Menge hastet.
Es zweigen die ab, die zur U-Stadtbahn möchten. Andere kommen wie die Maulwürfe an einem anderen Bahnsteig wieder die Stufen hoch. Von ganz hinten fahren die »Westmünsterland- Bahn« nach Enschede (RB 51), die »Emschertal-Bahn« nach Dorsten (RB 43) oder der »Lüner« nach Münster (RB 50). In der Mitte halten RE 1, 3, 6 und 11, ICs und ICEs. Direkt an der Halle beginnen S-Bahnen der Linien 1 und 2. Einen relativ langen Weg muss man zu den Kopfgleisen des Bahnhofs nehmen. Die Gleise 2 bis 5 liegen etwas außerhalb. Von hier fahren alle Züge des Sauerland-Netzes, also der RE 57 »Dortmund-Sauerland- Express« nach Winterberg, die »Ardey-Bahn« (RB 53) nach Iserlohn und die »Volmetal-Bahn« (RB 52) nach Lüdenscheid. Außerdem die bereits bekannte »Hellweg-Bahn« der Linie RB 59 nach Soest über Unna sowie die S-Bahn S5 nach Mönchen- gladbach. Einen Bahnsteig am Gleis 1 gibt es in Dortmund nicht.
Das nebenstehende Foto aus dem benachbarten Harenberg- City-Center zeigt die Anlage. Auf Gleis 2 steht der RE 57 nach Bestwig (628.4), daneben auf Gleis 4 die alte Hellweg-Bahn (noch mit 141), daneben die S5. |

Blick vom HCC auf den Hauptbahnhof (2004, alte Kamera)
|
Ich stehe nun in der Bahnhofshalle, die Läden, Reisezentrum und Info-Point beinhaltet. An den Südfenstern der Halle finden sich industriell geprägte Mosaike. Eigentlich sollte hier schon lange ein neuer Bahnhof stehen. Es gab einige sehr sehr schöne Ideen, beispielsweise die eines Ufos. Der ganze Bahnhof sollte in Form einer großen, runden, fliegenden Untertasse über den Gleisen schweben. Das wäre doch ein richtiges Glanzlicht gewesen! Da hatte der Einzelhandel der Stadt aber ein Veto eingelegt. Dann sollte unter dem Namen "3Do" ein verschachteltes Multithemencenter gebaut werden (zur WM 2006 sollte es fast fertig sein). Nun wird der Bahnhof einfach nur saniert. Pech gehabt.
Der Hauptbahnhof liegt nördlich der City von Dortmund mit der langen Fußgängerzone, die abschnittsweise die höchsten Grundpreise in ganz NRW hat. Sie ist eingeteilt in den Westenhellweg und Ostenhellweg, etwa abgegrenzt durch den Markt an der Reinoldikirche. Dortmund ist bekannt für seinen großen Weihnachtsmarkt, der alljährlich über mehrere Plätze verteilt ist. Auf dem Hansaplatz steht jeden Advent der »größte Weihnachtsbaum der Welt«. Dabei handelt es sich allerdings um keinen echten Einzelbaum. Ein Stahlgerüst trägt eine große Anzahl an Bäumen, die insgesamt die Form einer fast 50m hohen Baumpyramide ergeben. Zur Feuersicherheit gibt es eine mächtige Sprinkleranlage im Gerüst.
Insgesamt fällt die Stadt für die recht breiten Boulevards und Straßen auf. Insbesonders der »Wall«, eine sechsspurige Straße, die sich rings um die Stadt zieht, verwundert. Das ist begründet durch den wohlgeplanten Wiederaufbau nach dem zweiten Weltkrieg, in dem große Teile der Stadt zerstört wurden. Hier wurde bereits an die Zukunft gedacht und Straßen für zunehmenden Autoverkehr großzügiger gestaltet.

Der Westenhellweg, die Fußgängerzone mit den höchsten Mieten |

Der »größte Weihnachtsbaum der Welt« - alljährlich in Dortmund |
Der »Dortmunder Dreiklang«: Kohle - Stahl - Bier. Dortmund ist eine alte Industriestadt - wie schon mit Hoesch erwähnt. Im Gegensatz zu an- deren Ruhrgebietsstädten hatte Dortmund neben Kohle und Stahl noch ein drittes Standbein: Bier. Es gab hier einmal zahlreiche Brauereien. Von der alten »Europas Bierstadt Nr. 1« ist allerdings heute wenig zu sehen, von den ehemalig acht Brauereien wie Union (DUB), Kronen, Hansa, Ritter, Thier, Stifts, Dortmunder Actien-Brauerei (DAB) und Bergmann existiert nur noch eine einzige (DAB der Fa. Dr. Oetker), die zugleich die meisten anderen Marken übernommen hat und diese vermarktet. Kronen- und Thierbrauerei bilden großflächige Brachflächen in der Innenstadt, das markante Gebäude der Union-Brauerei mit dem leuchtenden, goldenen U auf der Spitze wurde zum Kulturzentrum umgebaut.
Dortmund ist Heimat der Borussia BVB, die draußen im Süden das Westfalenstadion bespielt. Dazu benachbart ist der Messekomplex mit den Westfalenhallen sowie der Westfalenpark, Austragungsort von gleich drei Bundesgartenschauen in seiner Geschichte. Im Zentrum des Parks steht der weithin sichtbare Fernsehturm »Florian«, in dem sich oben ein drehbares Restaurant befindet. Während man isst, ändert sich mehr oder weniger langsam der Ausblick - falls man das Essen bei der Drehung verträgt. Vor der Stadt befindet sich die Technische Universität Dortmund. Ihre Besonderheit ist die Lage auf zwei Campus. Eine Einschienenbahn, genannt »H-Bahn« (für Hängebahn), verbindet die beiden Areale. Die H-Bahn wird auch im Bereich zum Nahverkehr in NRW beschrieben.
Teil 3: Dortmund - Düsseldorf: im tiefsten Ruhrpott
Nun geht es in das tiefe Ruhrgebiet. Zwar gehört Hamm - so man die weit verbreitete Definition des Ruhrgebiets mit der Deckungsgleichheit des Regionalverbandes Ruhr RVR einsetzt - bereits zu dieser Metropolregion, doch der harte Kern beginnt bei Dortmund. Zechen, Kohlekrise, Arbeitslosigkeit, Ausweglosigkeit, Sozialer Brennpunkt, Einwanderer-Ghettos und Strukturwandel sind Schlagworte, die häufig in diesem Zu- sammenhang fallen. Aber so schlimm ist es dann doch nicht. Aus Zechen wurden Kulturzentren, Bergehalden zu Naherholungsgebieten oder Kunstobjekten, Innenstädte zu beliebten Shopping-Meilen. Die ein oder anderen Objekte werden auch auf dieser Seite kurz und knapp vorgestellt. Ausführlicher können einzelne Ziele auf der Themenseite zur Industriekultur nachgelesen werden. Die Etappe Dortmund-Düsseldorf wird unter ein einfaches, aber sehr eingängliches Motto gemäß des sehr direkten Ruhrdeutsch-Umgangs gestellt:
 |
Dortmund Hauptbahnhof, Gleis 11, ein Inselbahnsteig mit benachbartem Gleis 16. Von der Unterführung erreicht man ihn durch zwei Treppen und zwei Rolltreppen. In der Mitte steht ein Kiosk, bei dem sich mir persönlich immer morgens der Magen umdreht, wenn man die Bockwürstchen im Dampfgarer oder die verkohlten Bratwürstchen auf dem Grill sieht. Wer kann sowas morgens schon essen?! Doch nur die, die so früh aufgestanden sind, dass das Frühstück zum Mittagessen wird! Mit dem Nordrhein-Westfalen-Express soll es heute weitergehen. Bis nach Bochum wird er begleitet von den RE-Linien RE 6 und 11 sowie von der S1, die jedoch auf einer eigenen Trasse über Dortmund-Universität, Oespel, Kley und Langendreer fährt. Anfangs steht man noch relativ alleine am Bahnsteig, verlassen doch zunächst zwei nebeneinanderstehende ICE Richtung München und Basel gleichzeitig den Inselbahnsteig 11 / 16. Doch zunehmend wird es voller:

Nordrhein-Westfalen-Express erreicht Dortmund Hbf und wird von der üblichen Menschenmasse bereits erwartet |
Es wird schließlich so voll, dass langes Umhergehen schwierig wird. Häufig mahnt besonders strenges Bahnpersonal, hinter die weiße Linie zu treten. "Fast hätte es wieder Bums gemacht", murmelt eine Frau mit Dienstmütze beim Vorbeigehen. Man hat wohl einiges schon erlebt.
"Bitte beachten Sie an Gleis 11: Der RE 1 nach Aachen hat wegen einer Störung an einem Wagen etwa 30 Minuten Verspätung." Na prima. Das bringt ja direkt am Anfang meinen Zeitplan durcheinander, passiert aber und ist nichts ungewöhnliches. "....Der ICE nach Basel, Abfahrt 10:37 Uhr von Gleis 16 ist daher bis Köln für Tickets des Nahverkehrs freigegeben!" Gerade wollte ich schon zur S-Bahn rüberlaufen, denn auch die S1, eigentlich längst abgefahren, fuhr vorhin erst ein. Jetzt wird es doch etwas bequemer.
"Meine Damen und Herren, hier spricht Ihr Zugchef. Ich heiße Sie...unser Bistro hat....wir freuen uns...Croissants mit Philadelphia...unser nächster Halt... Ihre weiteren Anschlüsse...". Durch die Fülle im Abteil hat sich der Aufkleber zur Aufforderung, hier im Silence-Abteil mucksmäuschenstill zu sein, auch erledigt. Im Funkloch von Marten versucht ein Mann seinem Chef klar zu machen, dass er später kommen wird. Schlechte Verbindungsqualität gleicht er mit Laustärke aus. "Ladies and Gentlemen! Welcome on board. Our next stop is Bochum Hauptbahnhof. Thank you for traveling with Deutsche Bahn. Goodbye!"
Wir passieren Langendreer und erreichen das Stadtgebiet Bochums (BO) - Kreis Nummer vier. Langendreer ist ein ehemaliger Fernbahnhof, von dem stationstechnisch nicht mehr viel zu sehen ist. Hier liegt heute an Ort und Stelle der alten Bahnsteige nur noch die Abzweigstelle der Strecke nach Hagen, etwas südlich ein S-Bahn-Haltepunkt an der Linie S1 und der große Güterbahnhof, in dem die fabrikneuen Fahrzeuge von Opel verladen werden. Bekannterweise ist Bochum Standort einer Produktionsstätte des Automobilherstellers. Das alte Bahnhofsgebäude von Langendreer wird heute für Kulturveranstaltungen genutzt. Das große Stellwerk am Streckenrand ist seit der Umstellung auf das KS-Signalsystem ungenutzt. In Fahrtrichtung Düsseldorf rechts ist der grüne Förderturm der ehemaligen Zeche Robert Müser erkennbar. Er steht über dem letzten Wetterschacht "Arnold" der Zeche. Schießt der Zug unter der nächsten Brücke durch, schließt sich rechts ein Feuchtgebiet an - die südlichen Ausläufer der Harpener Teiche. Besonders charakteristisch für sie ist die milchige Farbe des Wassers, das durch die Speisung von hochgepumptem Grubenwasser mit gelösten Mineralstoffen der ehemaligen Zeche getrübt wird. Denn das Naherholungsgebiet lenkt ein wenig davon ab, dass die Harpener Teiche eigentlich Klärteiche für eben diesen Zweck sind. Dahinter sind Teile des Ruhrparks erkennbar, eines der ersten Einkaufsparks auf der »Grünen Wiese« im Ruhrgebiet. Lange Zeit bekannt war vor allem das Aquadrom, ein ehemaliges Spaßbad mit Turbo-Rutsche im mediterranen Stil. Die Bahnstrecke überquert kurz darauf die Autobahn A43 Wuppertal-Münster. Von links nähert sich die S- Bahnstrecke aus Dortmund wieder der Hauptstrecke an, die Brücke der S-Bahn über die Autobahn ist während der Fahrt über die A43 weiter südlich sichtbar. Zunächst trennt eine Mülldeponie im Bereich der ehemaligen Zechen Caroline und Prinz von Preußen die Trassen, die kurz darauf zusammenlaufen. Vorbei an der Fiege-Brauerei erreicht der lange ICE als Ersatzzug für den RE 1 Bochum Hauptbahnhof.

Schmetterlingsförmiges Dach der Bahnhofshalle in Bochum
|

Glückauf-Bahn der Abellio nach Gelsenkirchen
|

IC1826/1926, der in Hannover geteilt wird. Daher Lok in der Mitte
|

RB 46 "Glückauf-Bahn" wartet an Gleis 1
|

Die Bahnsteigdächer haben eine eher ungewöhnliche Form
|

Flirt der Abellio (RB 40) vor der Fiege-Brauerei
|

Zu jeder Jahreszeit passend geschmückte Bahnhofshalle |

Altes Stellwerk - heute überflüssig |

U35 mit Tango-Triebwagen nach Hustadt an der Ruhr-Universität |

Das Bergbaumuseum Bochum - ein Wahrzeichen der Stadt |
Der Hauptbahnhof ist einer der kleineren im Ruhrgebiet. Er wurde 1947 nach dem zweiten Weltkrieg anstelle zweier zerstörter Bahnhöfe in Zentrumsnähe neu errichtet. Besonders markant ist die schmetterlingsförmige Dachkonstruktion der in Richtung Stadtmitte verglasten Haupthalle. Ab 1970 wurde der Bahnhof auch zu einer U-Bahnstation.
Durch Bochum fahren einige Fernzüge sogar durch. Die »Glückauf-Bahn« der Linie RB 46 hat hier ihre Endstation. Sie ist besser bekannt unter ihrem alten Namen »NOKIA-Bahn«, der ziemlich rasch umbenannt wurde, nachdem der finnische Handyhersteller die Produktion von Mobiltelefonen in Bochum aufgegeben hatte, um in Rumänien ein neues Werk zu eröffnen. Mehr dazu können Sie im passenden Bericht zu dieser Linie nachlesen. Der Innenstadt zugewandt ist eine Bahnhofshalle mit einem großen geschwungenen Dach. In ihr befinden sich neben dem Reisezentrum Geschäfte für den Reisebedarf, vor allem für Bücher / Zeitschriften und Nahrungsmittel. Die Bahnsteige und die Unterführung wurden erst 2008 Zeit renoviert. Aufzüge und jeweils zwei Treppen führen auf die vier Inselbahnsteige. Die nördlichen drei sind durch ein sehr markantes Beton-Pultdach vor Regen geschützt. Das südliche Flachdach schützt den S-Bahn-Inselbahnsteig, an dem die S1 / S7 hält. Der Hauptbahnhof fällt immer wieder für geschmückte Elemente auf. In der Adventszeit beispielsweise sind die Bahnhofshalle und die Unterführung mit künstlichem Tann und roten Kugeln geschmückt, im Frühling hängen dicke Blumen unter der Decke.
 |
Herbert Grönemeyer ist Sohn der Stadt. In seinem Lied »Bochum« besang er 1984 erstmals euphorisch die Vorteile der Stadt. Auch hier in Bochum finden sich einige stillgelegte Zechen. Eine davon beherbergt das Bochumer Bergbaumuseum. Bochum hat sich von einem Standort von Kohle und Stahl zu einem Dienstleistungs- und Gewerbezentrum entwickelt. Die Innenstadt hat durch Bahntrassen bedingt fast exakt die Form einer großen Kirchenglocke bekommen.
Im Süden der Stadt liegt die weit bekannte Ruhr-Universität. Die ist mit der U35 sehr gut an die Innenstadt angebunden. Der erste Eindruck ist durch den vielen Beton meist unterirdisch. Aufgebaut ist die Uni, die Anfang der 1960er Jahre erbaut wurde, als Campusuniversität. Im Zentrum steht die Bibliothek und das runde Audimaxgebäude mit seiner Muschelform. Darum liegen die Gebäude der verschiedenen Fakultäten wie Schiffe in einem Hafen, schön geordnet und farblich markiert nach den Themengebieten Medizin, Natur-, Ingenieur- und Sprachwissenschaften. Die Hafenanlage soll ein wenig philosophisch an das Vermitteln von Wissen in die weite Welt erinnern.

Die Ruhruni in Bochum: Audimax und Forumsplatz
|

Die Fakultätsgebäude: Betonblöcke in rechteckigen Grundformen
|
|

Beton, Beton und nochmals Beton in funktionaler Bauweise
|
Von Bochum aus geht es weiter. Neben den bereits genannten RE-Linien 6 und 11 sowie der S1 fährt von Bochum bis Essen ein weiterer Regionalexpress und die einzige Regionalbahnlinie auf der Trasse parallel zum NRW-Express. Es sind der RE 16 »Ruhr-Sieg-Express« von Siegen bzw. Iserlohn und die RB 40 »Ruhr-Lenne-Bahn« von Hagen, die beide von der privaten Abellio Rail NRW betrieben werden.

Stoßzeit in Bochum: RB 46 »Glückauf-Bahn«, RE 16 »Ruhr-Sieg-Express«, ICE-3, 2x S1 / S7 (v.l.n.r.). Hinten Hbf und Fiege-Brauerei |
Einstieg in den gerade eingefahrenen RE 1. Nicht ganz einfach, an den Türen sammeln sich wie in Dortmund wieder große Menschentrauben. Wer jetzt nicht schnell ist, darf stehen. Gerade »Gelegenheitsfahrer« schauen meistens in die Röhre bzw. in den Gang. Hierbei gibt es allerdings einen Trick: An der Türseite, an der das Ende des Wagens ist, kommen weniger Leute raus als auf der anderen Seite, also dort, wo es in die beiden Abteile hoch bzw. runtergeht. Man kann also meist außen schon einsteigen, während innen noch geströmt wird. Und weil die Leute auf dem Bahnsteig dann ungeduldig werden, warum es auf ihrer Seite noch nicht läuft, wird gegen den Strom angerannt. Häufig ist von Menschen, die offensichtlich seltener Bahn fahren, der Spruch »Lasst die Leute doch erstmal aussteigen!« zu hören. Die Türen der Doppelstockwagen sind hier im Ruhrpott einfach zu klein für die Menschenmassen. Sollte irgendwann einmal der RRX fahren, so sollte man bei der Wahl der Fahrzeuge auch auf die Anzahl der Türen achten.
Schließlich sind alle drin. Immer noch kommen Nachzügler die Treppe heraufgerannt. Solange die Lichtschranken der Türen blockiert sind, haben sie Glück. Irgendwann sind alle Türen zu, wir rollen langsam an. Mit sechs Minuten Verspätung. Einer, der frustriert ist, weil er den RE 1 verpasst hat, hämmert von außen mit der Faust gegen die Tür. In acht Minuten fährt doch der nächste nach Düsseldorf! Zunächst verläuft die Bahntrasse, auf der die S1 rollt, eine kurze Strecke parallel zur Hauptstrecke. An dieser S-Bahnstrecke liegt kurz hinter dem Hauptbahnhof die Station Bochum-Ehrenfeld direkt am Einfahrsignal aus Richtung Düsseldorf. Nächster Halt für den NRW-Express ist Wattenscheid.

RB 40 "Ruhr-Lenne-Bahn" in Wattenscheid
|

Bahnhofsgebäude von Wattenscheid
|

Die »Himmelstreppe« auf der Halde Rheinelbe
|

Ein Haufen Betonblöcke auf einem Hügel
|
Ein gängiger Aliasname ist hier »Watt´n Scheiß«, wobei dem Ort dabei unrecht getan wird. Er gehört heute zu Bochum. Geprägt ist der Ort durch die Zeche Holland. Der Bahnhof liegt direkt an der A40, dem »Ruhrschnellweg«, der im Volksmund häufiger »Ruhrstauweg« genannt wird. Es ist eine der wichtigsten Autobahn-Verkehrsachsen im Ruhrpott und im Jahr der Kulturhauptstadt 2010 durch die Aktion »Still-Leben Ruhrschnellweg« über die Landes- und Kontinentalgrenzen bekannt geworden. Dabei wurde die Autobahn am 18. Juli für wenige Stunden gesperrt und konnte von Fußgängern und Radfahrern genutzt werden. Die beiden Richtungsspuren wurden in die Mobilitäts- und Aktionsspur unterteilt. Während auf der einen alle unmotorisierten Fahrzeuge zugelassen waren, befanden sich auf der anderen 20.000 Bierzeltgarnituren als »längste Theke der Welt«. An jedem einzelnen Tisch konnten Einheimische oder andere Interessierte ein eigenes kulturelles Programm darbieten - meist stellten sich Vereine oder Institutionen vor. Etwa drei Millionen Besucher nahmen als Besucher oder Aussteller an der Aktion Teil und übertrafen die Erwartungen um das Dreifache. Und jeder, der dabei war, konnte mit Stolz von diesem Höhepunkt des Kulturhauptstadtjahres erzählen - allen Kritikern zum Trotze.
Zurück zu Wattenscheid. Der Bahnhof besitzt ein kleines Empfangsgebäude mit Bahnhofshalle und wenigen Geschäften. Der Bahnsteig selbst ist ungewöhnlich breit, ein Teil ist überdacht. In den letzten Jahren wurde der Bahnhof vom Gleisbild her massiv zurückgebaut - praktisch auf die beiden Durchgangsgleise. Gut für alle nachfolgenden Züge, dass meine letzte Türstörung an dieser Stelle kurz nach der Jahrtausendwende lag und alle anderen einfach rechts vorbeifahren konnten. Das geht jetzt nicht mehr.
Sobald der Zug wieder anfährt, kann man hinter Wattenscheid auf der rechten Seite auf einem etwas entfernt gelegenen Hügel einen markanten Steinhaufen erkennen. Es handelt sich hierbei um die sogenannte »Himmelstreppe« auf der Halde der Zeche Rheinelbe. So wie hier wurden einige Halden im Ruhrgebiet erschlossen und mit Kunstobjekten versehen. Bekanntestes Objekt ist sicherlich der »Tetraeder«, ein pyramidenförmiges, hohes Stahlgerüst in der Nähe von Bottrop (Vertiefender Artikel zur Halde Rheinelbe im Themenbereich Industriekultur).
Es ist sehr voll im Zug. Oben und unten müssen viele stehen. Älteren Mitmenschen wird aber häufig ein Sitzplatz angeboten - das funktioniert hier im Ruhrgebiet noch ganz gut. Als Aussteiger sollte man allerdings rechtzeitig den besseren der beiden Ausgänge ausmachen und sich auf viel »darf ich mal vorbei, bitte...« vorbereiten. Wir passieren den kleinen Haltepunkt Essen-Kray-Süd. Hier hält allerdings nur die Ruhr-Lenne-Bahn. Schließlich kommen wir im Hauptbahnhof der Ruhrmetropole und Kulturhauptstadt 2010 zum Stehen. Mit dem Strom der Menge geht es hinaus.

Essens Hauptbahnhof im Regen
|

Es klart dann doch noch auf!
|

Endstation des Ruhr-Sieg-Expresses an Gleis 9 in Essen Hbf |

Am anderen Ende steht der "Borkener" |

RE 14 als Albino-Talent nach Borken |

Westfalen-Express nach Minden erreicht Essen |
Essen ist eine kreisfreie Stadt (Kennzeichen E). Direkt am Hauptbahnhof verläuft die A40 vorbei. Witzigerweise gibt es hier die einzige Buslinie in Deutschland, die auf einer Autobahn fährt und hier auch hält! Man muss es sich allerdings nicht so vorstellen, dass auf dem Standstreifen Haltestellenschilder stehen. Nein, die Busse fahren in einer eigenen Busspur zwischen den Fahrbahnen und halten an vier Haltestellen.
Im sogenannten Südviertel stehen einige recht große Bürohochhäuser von RWE, Evonik und Postbank. Das höchste Gebäude ist der keksdosenförmige RWE-Tower am Opernplatz mit 120 Metern Höhe und 30 Stockwerken. Weitere fünf Häuser überschreiten die 70-Meter-Marke. In Essen sitzt außerdem der eingangs erwähnte Regionalverband Ruhr. Auch Essen ist für seinen Weihnachtsmarkt bekannt, der in der jeweiligen Weihnachtssaison viele Besucher anlockt.
 |
Der Hauptbahnhof im Süden der Innenstadt ist saniert - pünktlich zur Kulturhauptstadt 2010. Lange Zeit war dies ein riesiges Chaos mit wechselnden Gleisen, gesperrter Hauptunterführung und und und. Die Bahnsteige bestehen hier aus Teer, in den taktile Blindenleitstreifen eingesetzt wurden. Außerdem wurden Aufzüge und neue Rolltreppen verbaut. Grundsätzlich besteht die Hauptpassage aus zwei unterschiedlichen Höhenstufen nebeneinander. Die ersten sichtbaren Ergebnisse des Umbaus (vor allem der Teer auf den Bahnsteigen) haben in Dortmund die Angst ausgelöst, dass beim dortigen Umbau des Hauptbahnhofs ähnlich »billig« saniert werden würde...
In Essen enden wieder einige Nahverkehrslinien. Zum einen »Der Borkener« der Linie RE 14, der passenderweise nach Borken fährt und von der NordWestBahn betrieben wird. Diese Linie endet mit Gleis 8 auf einem Stumpfgleis ganz am Ende eines Bahnsteigs - meist sieht man Leute, die mit dieser Linie fahren wollen, suchend über den Bahnsteig laufen. Es ist praktisch möglich, den Leuten, die gemäß der Beschilderung die Treppe hochlaufen und oben nur andere Gleisnummern sehen, zuzurufen, dass sie einfach nur weiter gehen sollten, ohne dass sie gefragt haben. Am anderen Ende genau dieses Bahnsteigs Richtung Osten ist das Stumpfgleis Gleis 9. Hier endet die Fahrt für den »Ruhr-Sieg-Express« der Linie RE 16 und für die »Ruhr-Lenne-Bahn« (RB 40). Endstation ist in Essen auch für Fahrgäste der RB 42 »Haard-Bahn« aus Richtung Münster. Mit der S1, 2, 3, 6 und 9 gibt es zahlreiche Schnellbahnverbindungen im Ruhrgebiet. Eine Besonderheit bildet die S9, die zwischen Haltern (Münsterland) und Wuppertal Hbf (Bergisches Land) pendelt. Auf ihr fuhren bis 2009 die letzten Exemplare der alten Triebwagen der Baureihe 420 in NRW und war sehr verspätungs- und ausfallanfällig. Mit den neuen 422er-Triebwagen hat die Moderne Einzug gehalten.
War die Großstadt früher ebenfalls - wie alle Städte des Ruhrpotts - Schwerpunkt der Montanindustrie, ist die Stadt heute Einkaufsstadt. Damit wirbt sie auch. Spuren der alten Epoche lassen sich dennoch hier und dort finden. Ein Beispiel dafür ist die Villa Hügel, das Wohnhaus der Familie Krupp. Unter diesem Namen fanden sich zahlreiche Produktionsstätten für Stahl und Eisen.

Schacht XII der Zeche Zollverein in Essen-Katernberg |

Industriehallen im Bauhausstil |

Benachbarte Kokerei Zollverein |

Wie das Zechengelände auch öffentlich zugänglich |
Wesentlich bekannter als die Villa Hügel ist aber sicherlich die Zeche Zollverein, berühmt durch den großen Förderturm in Doppelbockbauweise über Schacht XII, den man in zahlreichen Dokumentationen und Reiseberichten über das Ruhrgebiet findet. Hier auf der Zeche wurde Steinkohle gefördert und in der benachbarten Kokerei gleichen Namens weiterverarbeitet. Heute wird das Gelände für kulturelle Zwecke genutzt. Zum einen ist das Areal grundsätzlich 24 Stunden am Tag frei besuchbar. Zum anderen findet sich hier ein Besucherzentrum, das Ruhr-Museum und ein Schwerpunkt von Gestaltung und Design. Vertiefende Erläuterungen finden Sie im Artikel zur Zeche und Kokerei Zollverein auf der Themenseite.
Im Gegenpol zur Zeche Zollverein im Norden befinden sich im Süden der Stadt zwei weitere Ausflugsziele. Zum einen der für Freizeitbeschäf- tigungen rege genutzte Baldeneysee, einer der wenigen Ruhrstauseen im Revier, auf den hier nicht näher eingegangen wird, und die ebenfalls industriekulturell geprägte Arbeitersiedlung Margarethenhöhe. Unter der Stiftung von Margarethe Krupp (Ehefrau des Industrieunternehmers Alfred Krupp) enstand ab 1906 die Gartenstadt mit Kleinstadt-Charakter. Auch dieses Ziel wird (in Kürze) auf der Themenseite beschrieben.

Margarethenhöhe in Essen |

Von Margarethe Krupp gegründete Siedlung im Essener Süden |
Alle genannten Ziele sind vom Essener Hauptbahnhof bequem ohne Umstieg mit dem U-Bahn-Netz erreichbar.
Bis Duisburg fahren die altbekannten Linien RE 6 und 11 auf der Strecke, die auch der NRW-Express befährt. In Essen dazugekommen ist jedoch der RE 2 »Rhein-Haard-Express« aus Münster nach Mönchengladbach und die S-Bahnlinie S3.
Kurz nach Abfahrt des RE 1 ab Essen geht plötzlich das Akkordeon los. Dass hier täglich tausende von Menschen mitfahren, ist nicht unbemerkt geblieben. So wird die Fahrt immer wieder, mal mehr und mal weniger häufig für Bettelei durch Musikspieler benutzt. Vorne spielt einer laut Akkordeon, sein Kollege geht durchs Abteil und lässt das Becherchen rumgehen. »Ich geb Ihnen 2 Euro wenn Sie aufhören!« - soll mal einer gesagt haben. Es klingt wirklich schief und einfach furchtbar. Im Becher liegen wenige Centstücke. Bevor der Zugbegleiter in den Wagen kommt, verschwinden sie so schnell und unaufällig, wie sie gekommen sind. Manchmal kommt die Durchsage »Die im Zug befindlichen Musiker sind nicht von der Bahn bestellt!«.

Hauptbahnhof von Mülheim / Ruhr
|

...und sein Bahnsteig
|
Es ist ein kurzes Vergnügen in Mülheim (kreisfreie Stadt mit dem Kennzeichen MH). Mülheim ist eine der am meisten falschgeschriebenen Städte des Landes, wird hinter den Umlaut doch meist ein H angehängt.
Die genannte S3 ist die einzige Linie, die ein Halt weiter am Bahnhof Mülheim-West hält, weswegen diesem Halt in diesem Artikel keine weitere Beachtung geschenkt wird. Auch an der übernächsten Station hält der Nordrhein-Westfalen-Express nicht. Doch Mülheim-Styrum, ausge- sprochen generell mit einem Ü, also »Stürum« - die Variante mit dem i (»Stirum«) kommt allerdings ab und zu auch vor -, ist ein in der Vergangenheit nicht unwichtiger Bahnhof an der Strecke Hamm-Düsseldorf. Zugleich ist er der letzte Bahnhof auf dem nördlichen Ruhrufer.

Bahnhof Mülheim-Styrum |

Hier halten nur S-Bahnen, der Nah- und Fernverkehr fährt durch |

Einfahrt für die S1 nach Dortmund in Styrum |

Styrum besitzt einige Rangiergleise für den Güterverkehr |

Styrumer Wasserturm mit dem Aquarius-Wassermuseum |

Multimediales Museum über die Ressource Wasser |
Im Jahre 1864 wurde eine Querverbindung von Styrum nach Duisburg-Meiderich eröffnet. Sie führte über Alstaden und Duisburg-Dümpten zum Bahnhof Meiderich-Süd, wo sie auf die Strecke Oberhausen - Ruhrort traf, die heute von der RB 36 »Ruhrort-Bahn« befahren wird. Bekannt wurden die Strecken um Meiderich unter Eisenbahnfanatikern durch den Einsatz der Akkutriebwagen ETA 150, die Baureihe 515. Sie fuhren bis 1995 als Nahverkehrszug der Linie N94 auf der nur etwa neun Kilometer kurzen Verbindung zwischen Styrum und Ruhrort, wobei Meiderich ein Umsteigebahnhof in Richtung Oberhausen war.
Heute halten in Mülheim-Styrum nur S-Bahnen der Linien S1 / S7 und S3. An der Südseite existiert ein Empfangsgebäude, außerdem drei Bahnsteige mit insgesamt fünf Gleisen. Fußläufig ist ein bekanntes Denkmal der Industriegeschichte erreichbar, nämlich der 1893 erbaute Wasserturm von Styrum direkt neben dem gleichnamigen Schloss. Dieser diente der Wasserversorgung der Thyssen-Stahlwerke sowie nach deren Umzug der Bevölkerung. Nach Außerdienststellung 1982 eröffnete 1992 hier ein vom Wasserversorger RWW betriebenes Museum, das sich ausschließlich mit der Ressource Wasser befasst. Über multimediale Stationen erfährt der Besucher wissenswertes über Quellen, Wasserchemie, Wassergewinnung, Kläranlagen, Speicher, Gefährdungen und und und. Insbesondere für Kinder sind die Themenstationen anschaulich erklärt. Auch dieses Objekt wird demnächst auf der Industriekultur-Seite vorgestellt.
Kurz hinter Styrum passiert der Zug die ehemalige Zeche Alstaden sowie das alte Solbad der Zeche, auf dessen salzhaltiges warmes Wasser beim Abbau der Kohle gestoßen wurde. In Folge dessen entstand in Speldorf das Solbad Raffelberg. Vorbei an der Solbadhalde und dem Ruhrpark erreicht der Nordrhein-Westfalen-Express die Ruhrbrücken von Alstaden.

Der funktionale Klotz der Bahnhofshalle von Duisburg Hbf
|

RE 3 "Rhein-Emscher-Express" nach Hamm in Duisburg
|

In der stählernen Bahnhofshalle: Der "Wedauer" der RB 37
|

"NRW-Express" und "Niederrheiner" der NordWestBahn
|

Stahlgerüst der Bahnsteigüberdachung |

"Rhein-Emscher-Express" der Eurobahn |
Es geht weiter nach Duisburg, wo das nächste Kfz-Kennzeichen (DU) angetroffen wird. Duisburgs Bahnhof hat eine sehr eigentümliche Form bzw. ein auffallendes, grünes Stahlgerüst. Duisburg, gesprochen »Düüsburg«, bildet die Grenze zum Ruhrgebiet. Hier fließt die Ruhr in den Rhein. In der Mündung liegt der Hafen der Stadt, welcher der größte Binnenhafen der Welt ist. Natürlich ist die Stadt auch bekannt für ihre Industrie für Kohle und Stahl. Berühmt ist der Stadtteil Meiderich für sein stillgelegtes Hüttenwerk. Dieses Werk wurde nach seiner Schließung nicht abgerissen, sondern in einem Landschaftspark integriert. So ist ein Naherholungsgebiet inmitten einer Industriekulisse entstanden. Einen alten, ehemaligen Hochofen kann man besteigen und das einstige Werk, teilweise von der Natur zurückerobert, von oben betrachten. In den alten Kohle- und Eisenbunkern finden sich Möglichkeiten zum Klettern, im benachbarten Gasometer kann man tauchen. Nachts wird das Gelände mit dem Namen »Landschaftspark Duisburg-Nord« am Wochenende und an Feiertagen farbig illuminiert (Artikel Landschaftspark Nord auf der Themenseite zur Industriekultur).
Im Juli 2010 fand auf dem Güterbahnhofsgelände am Duisburger Hauptbahnhof die letzte »Love Parade« statt, bei der es im dichten Gedränge zu Toten und einer Massenpanik mit hunderten Verletzten kam.

Landschaftspark Nord in Meiderich: Hochofen 5
|

Erz- und Kohlebunker
|

Illumination bei Nacht
|

Das Krokodil im Sturm
|
Der Nordrhein-Westfalen-Express fährt mit fünf Minuten Zeitverzögerung ein und ist voll bis zur Dachkante. Hinein kommt man noch, sofern man sich einen abgelegeneren Einstieg am Ende des Zuges auswählt, aber Sitzen kann man im Ansatz vergessen. Weiter als in den Flur kommt man nicht, aber es dauert ja nicht lange. Der Lokführer spricht jetzt schon zum dritten Mal gebetsmühlenartig »Geebt doch mal bitte eeendlich die Türen frei!« Es ist heiß, die Klimaanlage wirkt hier unten im Flur nicht. Man versucht sich zusammenzuquetschen - und es geht irgendwann los. Umfallen kann keiner mehr. Wertsachen sind auf Tuchfühlung und mindestens einer der umstehenden Leute hat eine Duschwasserallergie.
Es sind nun fünf Regionalexpress-Linien, die zwischen Duisburg und Düsseldorf parallel auf der schnurgeraden Trasse fahren. Neben den alten RE 6 und 11 sind wieder der bekannte RE 3 aus Richtung Oberhausen sowie der RE 5 »Rhein-Express« aus Emmerich dazugekommen. Und den vollsten habe ich mir ausgesucht. Ebenfalls parallel fährt die S-Bahn, die an zahlreichen Zwischenstationen hält und daher keine wirkliche Reisealternative darstellt.

RE 1 "NRW-Express" am Flughafenbahnhof Düsseldorf
|

Geschwungene Dachkonstruktion des Flughafenbahnhofs
|

Der Skytrain zum Terminalgebäude
|

Eine Einschienen-Hängebahn zwischen Bahnhof und Flughafen
|
»Nächster Halt: Düsseldorf Flughafen.... Next stop: Dusseldorf airport«. Zunächst geht es mit einen Tunnel unter einer Startbahn des Flughafens hindurch, schließlich kommen wir im Fernbahnhof des Flughafens zum Stehen. Nach frischer Luft ringend steigen ein paar Leute mit aus, allerdings steht bereits ein großes Grüppchen mit sperrigem Fluggepäck auf dem Bahnsteig und möchte mitfahren. Der Zug steht noch lange und hat inzwischen eine Viertelstunde Verspätung. In Duisburg war er noch recht zeitig eingetroffen. Der Lokführer, der geduldig aus dem Fenster zuschaut, hat es aufgegeben.
Der Bahnhof ist ein moderner und auch relativ neuer Halt. Geschwungenes Dach und statt Rolltreppen Rollbänder, auf dem man auch Koffer oder Kulis bequem fahren kann. Im Jahre 1996 gab es im Flughafen einen schweren Brand, bei dem zwei Terminals stark beschädigt wurden. Ursache dabei waren Schweißarbeiten. Die Terminalgebäude wurden neu gebaut, weshalb Düsseldorf International heute einer der modernsten und brandtechnisch sichersten Flughäfen der Welt ist. Direkt vom Bahnhof fährt eine Einschienen-Hängebahn mit dem Namen »Skytrain« zum Terminalgebäude des Flughafens. Der Skytrain wurde unter der Rubrik Nahverkehr in NRW auf diesen Internetseiten ebenfalls betrachtet.
Mit dem nächsten Anschluss, dem »Westfalen-Express« der Linie RE 6, geht es weiter zu dessen Endstation Düsseldorf Hauptbahnhof.

Düsseldorf Hbf Eingang Altstadtseite
|

Skyline am Rheinufer
|

Hochhaus in Form eines großen Stadttors
|

Gehry-Bauten im Medienhafen
|
Düsseldorf ist die Landeshauptstadt von NRW und zugleich kreisfreie Stadt mit dem Kennzeichen D. Hier am Rheinufer befindet sich der Landtag im Schatten des markanten Rheinturms und in unmittelbarer Nähe zur Altstadt, in der sich Kneipe an Kneipe reiht, wo das typische Altbier oder kurz "Alt" gezapft wird. Hier heißt die Bedienung "Köbes" und man sollte bloß nicht versuchen, bei dieser traditionell strengen und rheinisch herben Person ein Kölsch zu bestellen. Bekanntlich besteht zwischen Köln und Düsseldorf eine alte Hassliebe - nicht nur beim Karneval, der auch hier in Düsseldorf groß gefeiert wird. Hier grüßt man sich traditionell dann mit "Helau", in Köln mit "Alaaf".
Die Stadt hat ein gut ausgebautes Straßen- bahn- und U-Bahnnetz, wenn die Bahnen auch nicht mehr die neusten ihrer Art sind. |
|
|
Direkt vor der Tür und unter dem Bahnhof hält der Stadtverkehr. Apropos Stadtverkehr: Düsseldorf kann man als Neapel von Deutschland bezeichnen - betrachtet man das Fahrverhalten der Autofahrer. Meist rücksichtslos, schnell, etwas aggressiv und grundsätzlich ohne Geduld. Für Auswärtige kann eine Fahrt durch die Stadt anstrengend werden. Dafür gibt es an Fußgängerampeln eine Gelbphase. Ein orangefarbener Strich bildet die Vorwarnung vor dem roten Ampelmännchen, welches zeitgleich mit der grünen Ampel des Straßenverkehrs aufleuchtet.
Der Hauptbahnhof besteht größtenteils aus einer langgestreckten Passage, die zugleich die Unterführung darstellt. Zahlreiche Inselbahnsteige werden über Treppen oder Rolltreppen erreicht. Natürlich hält in der Landeshauptstadt sämtlicher Fernverkehr unter der markanten Bahnsteighalle. Es gibt praktisch Anschlussmöglichkeiten in alle Himmelsrichtungen. Düsseldorf ist Endstation für die Linien RE 10 »Niers-Express« nach Kleve und Krefeld, RE 13 »Maas-Wupper-Express« nach Hamm und Venlo - der bereits vom Bahnhof Hamm bekannt ist -, die ebenfalls erwähnten RE-Linien 3 und 6 sowie die Regionalbahn RB 38 »Erft-Bahn« aus Köln via Grevenbroich, die später noch einmal erwähnt wird. Zahlreiche S-Bahnen erschließen den Bahnhof, eine besondere ist die »RegioBahn«, die als S28 zwischen Mettmann und Kaarst verkehrt.
Teil 4: Düsseldorf - Aachen: Durch das Rheinische Tiefland
BRRMRMMMM....BRRMRMMMM... Kleiner Tipp: Sich nie vom Handy wecken lassen, wenn es auf dem Boden auf Holzparkett liegt und Vibrationsalarm eingestellt ist. Wenn man dann noch standardmäßig die Auswahl zwischen Carmen und Tschaikowski...Gesundheit!...hat, die beide relativ laut beginnen - Man steht senkrecht im Bett. Aber so ist man wenigstens wach. Laut Wetterbericht müsste das Wetter bescheiden sein - dennoch scheint die Sonne durch das Fenster herein. Nach dem Frühstück tauchen zwar erste Wolken auf, aber ich bleibe hoffnungsvoll. Früh geht es von Düsseldorf nach Leverkusen-Mitte. Ich verlasse in Düsseldorf-Benrath das Gebiet des VRR.
Sind es fünf RE-Linien plus S-Bahn, die Düsseldorf von Norden erschließen, führen nur noch zwei Regionalexpresse und eine S-Bahn nach Süden raus. Einzig der RE 5 von Emmerich nach Koblenz erweist dem NRW-Express noch die Treue.

Nordrhein-Westfalen-Express in Leverkusen Mitte
|

Bahnhof mit Wasserturm am Bayer-Werk
|
Die kreisfreie Stadt mit dem Kennzeichen LEV steht unter fünf Buchstaben - Bayer. Ein Chemiewerk dominiert hier die Industrie und seinen Fußball. »Achtung: Ein Zug fährt durch«. Ein doppelter ICE-3 nähert sich mit hoher Geschwindigkeit dem kleinen Bahnhof, der drei Bahnsteige hat, und erzeugt bei seiner Durchfahrt eine enorme Druckwelle. Die Warnung ist also berechtigt gewesen.
Köln-Mülheim lasse ich aus. Dieser Vorort ist Medienstandort, finden sich hier doch einige Fernsehstudios, in denen Sendungen von Privat- und öffentlich-rechtlichen Sendern gedreht werden, beispielsweise »Harald Schmidt«, »Schlag den Raab« oder »TV Total«. In Mülheim wird der RE 1 jedoch ergänzt durch die Regionalbahn 48 »Rhein-Wupper-Bahn«, die aus Wuppertal kommt und bis Bonn-Mehlem fährt. Ähnlich wie im RE 1- Abschnitt Paderborn-Hamm mit der Ems-Börde-Bahn ist diese als kleinere Bahnhöfe versorgende Linie parallel zum meist durchfahrenden RE 7 aus Rheine anzusehen. Der hält zum Beispiel nicht in Köln-Mülheim, wohl aber in Deutz, dem nächsten Halt des NRW-Expresses:

ICE-T durchfährt den Bahnhof Köln-Deutz
|

Bahnhofsgebäude Köln Messe / Deutz
|

Die letzte Linie mit 218 in NRW: Der »Eifel-Mosel-Express«
|

KölnTriangle am Bahnhof
|

Die »Mittelrheinbahn« nach Koblenz: Desiro ML der transregio |

RE 12 von Köln nach Trier (Umgestellt auf BR 644 Ende 2009) |
Der nächste Halt des Nordrhein-Westfalen-Express ist Köln Messe / Deutz, zweisprachig angekündigt als »Cologne Tradefair Deutz«. Der Bahnhof mit vier Inselbahnsteigen liegt direkt am Rheinufer. Hier enden die meisten Linien, die von Westen kommend bis Köln führen, beispielsweise RE 12 und 22 aus Richtung Gerolstein und Trier, die Regionalbahnen 24 aus Kall, RB 26 aus Koblenz und RB 38 aus Düsseldorf via Horrem. Der Fernverkehr hält hier teilweise ebenfalls. Eine Zeit lang war Deutz für den Thalys aus Richtung Paris und Brüssel Endstation. Das ist erstaunlich, da der Hauptbahnhof von Köln nur wenige hundert Meter entfernt ist. Aus Richtung Süden fahren RE 8 und RB 27 als ebenfalls parallellaufende Regionalbahn und Regionalexpress von Koblenz nach Mönchengladbach (bzw. Stommeln) ein, außerdem der RE 9 »Rhein-Sieg-Express« aus Siegen, die S-Bahn-änliche RB 25 »Oberbergische Bahn« aus Marienheide und die S-Bahnen aus Troisdorf und Au.
Direkt neben dem Bahnhof erhebt sich das 2006 eröffnete, im Prinzip dreieckige und etwa 104 Meter hohe Gebäude mit dem Namen KölnTriangle oder auch CologneTriangle - um es vollständig anglizistisch zu machen. Es ist ein Bürohochhaus in bester Lage, die auch der Tourist nutzen kann. Unter Bezahlung einer mäßigen Gebühr von derzeit 3,- Euro fährt ein separater Expressfahrstuhl bis aufs Dach. Hier bietet sich eine weite Sicht über die Kölner Bucht mit der Innenstadt, dem Dom - natürlich -, dem Rhein mit der Hohenzollernbrücke, aber auch bis zum Siebengebirge bei Bonn, der Eifel, der Ville, der Sophienhöhe im Braunkohlerevier und und und. Drei Euro, die sich wahrlich lohnen, wenn das Wetter einigermaßen mitspielt. Die folgenden Bilder entstanden am späten Nachmittag eines etwas düsteren Frühherbsttages 2010:

Aussichtsplattform auf dem KölnTriangle |

Beste Aussicht auf die Innenstadt, den Dom und den Bahnhof |

Unterhalb liegender Bahnhof Köln-Deutz |

Einfahrt der Mittelrheinbahn der Transregio in Deutz |

Alt überholt neu: ICE-Wettrennen der Generationen |

Betriebswerk Deutzerfeld: Der Baumarkt passt ins Farbschema |

Fernsehturm Colonius und Kraftwerk in Weisweiler |

Kölner Altstadt am Rheinufer |

An sich überflüssige Erläuterung an den Glasscheiben |

Siebengebirge bei Bonn. Wer zählt nach? |
Mangels Alternative wird beim Vorbeigehen beim schottischen Schnellrestaurant im Deutzer Bahnhof Essen zum Mitnehmen bestellt. Nur eine Person steht in der Schlange - ein etwas verwahrlost aussehender älterer Mann, der seine offensichtlich gesammelten Kleingeldmünzen für einen Burger zusammenkratzt. 20 Cent fehlen. Mit Hundeblick erbettelt sich der Mann bei der jungen und offenbar noch nicht lange hier arbeitenden Verkäuferin das Essen. Es ist ziemlich offensichtlich, dass sie mir die Pommestüte anschließend so voll wie möglich macht, nur weil ich gerade noch 20 Cent passend hatte, damit später nichts in der Kasse fehlt...
Man könnte sehr bequem zu Fuß laufen, aber es hat etwas bewegendes, rumpelnd und metallisch dröhnend im Schleichtempo über die große Hohenzollernbrücke zu fahren. Diese 1911 als Nachfolge der zuvor hier existierenden Dombrücke erbaute Brücke besteht aus drei nebeneinanderstehenden Einzelbrücken mit jeweils drei markanten Stahlbögen. Es handelt sich entgegen der ursprünglichen Bauweise seit dem Wiederaufbau nach dem Krieg um eine reine Eisenbahnbrücke mit Fußgängerwegen in exakter Ausrichtung zum Kölner Dom - eine der Brücken bildet die Verlängerung des Dachfirstes des Hauptschiffes der Kathedrale. Bahnfahrern, die sich vom Anblick des Rheins losreißen können, wird am Trenngitter zu den Bahnschienen am Fußgängerweg eine große Anzahl glänzenden Metalles auffallen. Es handelt sich um den jungen Brauch, Liebesschlösser nach der Hochzeit aufzuhängen, den Schlüssel in den Rhein zu werfen und damit die ewige Liebe zu schwören. Inzwischen ist die Anzahl der Schlösser so groß geworden, dass tatsächlich aus statischen Gründen über ein Entfernen nachgedacht wird, sollte dieser Brauch weiterhin Überhand nehmen.
Der Nordrhein-Westfalen-Express erreicht den Hauptbahnhof der größten Stadt des Landes und damit das linksrheinische Ufer. Hoffentlich sind die politischen Verhältnisse hier besser geworden.

Der Kölner Dom und die Hohenzollernbrücke
|

Die Hohenzollernbrücke - eine reine Eisenbahnbrücke
|

Kölner Hauptbahnhof von der Domplatte aus gesehen |

TR 26 von Koblenz kurz vor der Endstation in Köln Hbf |
Köln, Kölle, Colonia, Cologne - Vermutlich zusammen mit Berlin, Hamburg, dem Hofbräuhaus und Heidelberg eine der berühmtesten deutschen Städte im Ausland. Wahrzeichen ist natürlich der Dom, den man schon von weiter Ferne erkennen kann. Nicht weniger berühmt ist der Kölner Karneval, bei dem man hier in Köln zwischen Weiberfastnacht und Aschermittwoch kein Bein an die Erde bekommt. Köln ist fast Millionenstadt, die Einwohnerzahl beträgt gerundet knapp 1 Mio Einwohner, damit ist sie nach Berlin, Hamburg und München die viertgrößte Stadt der Bundesrepublik und zugleich größte Stadt in NRW - dennoch aber nicht dessen Landeshauptstadt. Wo wir schon wieder beim Zwist mit Düsseldorf wären. Wenn Sie in Düsseldorf kein Kölsch bestellen dürfen, so unterlassen Sie es besser hier, ein Alt zu ordern. Sie werden vom Köbes im Weiteren Verlauf des Abends ignoriert. So sehr Sie auch winken und rufen. Mit Glück bekommen Sie irgendwann einen Topf Spülwasser und ein Handtuch vorgesetzt. Und es gibt immer wieder Leute, die das ausprobieren müssen...
Ich folge ein Stück weit den Menschenmassen, die vom Hauptbahnhof auf den Dom zustreben, der direkt neben dem Bahnhof steht. Sehr praktisch - die Haupt-Touristenattraktion mit Bahnanschluss. Sein richtiger Name ist »Hohe Domkirche St. Peter und Maria«. In ihm steht der Goldene Schrein mit Gebeinen der Heiligen Drei Könige. Über den neugebauten und sogenannten »Tiefhof« kann man den Südturm des Kölner Doms zu Fuß erklimmen. Es kostet nur ganz geringfügiges Eintrittsgeld, wobei die meisten Menschen der Meinung sind, nach Auf- und Wiederabstieg des Turmes Geld herausbekommen zu müssen - für die Strapazen. Aber sind die 532 Stufen der Zugänge und der steinernen Wendeltreppen (teilweise mit Gegenverkehr, weiter oben zwei engere Treppenhäuser mit Einbahnstraße) überwunden, hat man - gutes Wetter vorausgesetzt - wieder einen unglaublich guten Blick über Köln und das Umland. Die Plattform liegt ganz grob auf etwa 100 Metern über dem Grund. Der Südturm selbst ist fast 160 Meter hoch. Eine gewisse körperliche Kondition ist für die Erzwingung der Plattform daher von Vorteil. Einen Aufzug gibt es nicht (für den Fall muss man wohl nach Deutz zum Triangle-Gebäude fahren).

Unterirdischer Zugang zum Turmaufstieg |

Der Aufstieg erfolgt über ausgetretene Wendeltreppen |

Blick in die Altstadt und Groß St. Martin. Hinten: Siebengebirge |

Vierungsturm und Hohenzollernbrücke mit Thalys und S-Bahn |

Triangle, Bf. Deutz und Lanxess-Arena. Hinten Bergisches Land |

Reger Betrieb an der Hohenzollernbrücke |

Colonius (der Fernmeldeturm) und Braunkohlekraftwerke |

Blick nach Nordwest: Hansa-Hochhaus und St. Ursula |

Rathaus, Alter Markt (links unten) und Heumarkt (hinten) |

Ehemalige Abtei Deutz auf der anderen Rheinseite |

Blicke durch kleine Luftlöcher im Treppenturm |

Kölner Dom von der Domplatte aus. Ganz schön hoch... |
Auf- und Abstieg dauern etwa eine halbe Stunde - steht auf einer Informationstafel unten. Bei mir dauert es eine Stunde, wobei ich nicht so lange für die Stiegen brauche, sondern mich einfach nicht von der Aussichtsplattform losreißen kann. Nach mehr als einer halben Stunde oben komme ich doch so langsam runter und gehe zu Fuß zurück über die Hohenzollernbrücke zum Deutzer Rheinufer. Neben mir versuchen drei Touristen ebenfalls Fotos zu machen. Jeweils zu Zweit stellen Sie sich an die Brüstung und lächeln in die Kamera, die der jeweils dritte bedient. Sie sprechen englisch - und ich biete mich an, von allen dreien ein Foto zu machen. Freudig nehmen sie das Angebot an. »Please, with the cathedral in the background!«, rufen sie noch. Achwas! Von Deutz geht es nun mit der S-Bahn Köln der Linie S12 nach Horrem.
Mit Halt in Köln-Ehrenfeld fährt der RE 9 »Rhein-Sieg-Express« aus Siegen auf der Strecke bis Aachen als Taktverstärker mit, wochentags auch noch die RB 38 »Erft-Bahn« nach Düsseldorf über Grevenbroich. Somit sind es vier Linien, mit denen Kerpen-Horrem erreicht werden kann.

Empfangsgebäude von Horrem mit Bushaltestellen
|
Treffen zweier RE9-Züge in Horrem |

Altes Stellwerk von Horrem im Gleisdreieck |

Außerhalb gelegener Bahnsteig der RB 38 »Erft-Bahn« |
Für die Strecke zwischen Köln und Horrem benötigt die S-Bahn rund zwanzig Minuten. Es geht durch den kleinen Höhenzug Ville, hinter dem die Zülpicher Börde beginnt. Es wird flacher - die S-Bahn erreicht Horrem. Es ist ein Vorort von Kerpen im Rhein-Erft-Kreis mit der Kreisstadt Bergheim (BM). Die Erft ist dabei ein Flüsschen, das direkt an Horrem vorbeifließt, aus der Eifel kommt und bei Neuss in den Rhein fließt.
Der Bahnhof Horrem sieht aus wie ein Dreieck. Dabei bildet die südliche Seite die Hauptstrecke von Köln nach Aachen, die nordwestliche die Erftbahn nach Düsseldorf mit einem Bahnsteig und die nordöstliche eine Verbindungsbahn zur Erftbahn aus Richtung Köln. Auf der Strecke fährt die gleichnamige Linie RB 38 »Erft-Bahn« halbstündlich im Wechsel zwischen Horrem oder Köln nach Neuss und wochentags weiter nach Düsseldorf. Damit bildet Horrem stündlich den Endpunkt dieser Linie. Mehr Informationen dazu stehen im eigenen Artikel zur Linie.

Panoramabild mit außerhalb liegendem Bahnsteig 10 mit Talent der Erft-Bahn nach Düsseldorf in Kerpen-Horrem |
Eigentlich hatte ich etwa 15 Minuten Zeit zum Besichtigen geplant, aber die Zeit hat sich etwas verlängert. Kaum stehe ich auf dem Außen- bahnsteig, von dem mich der Zug nach Düren bringen sollte, kommt die automatische von einer Computerstimme vorgelesene Durchsage, dass der RE 1 in Folge eines Triebfahrzeugschadens etwa 20 Minuten später kommt. Für Düren waren dreißig Minuten Aufenthalt vorgesehen - die scheinen sich auf zehn Minuten zu verkürzen. Wenig später kommt die nächste Durchsage, dass der RE1 in Folge eines Notarzteinsatzes etwa 30 Minuten später käme. Was denn nun - Schaden an der Technik oder doch am Menschen? Kurzerhand nehme ich die nächste S-Bahn nach Düren. Sie würde dann in etwa gleichzeitig mit dem geplanten RE in Düren ankommen. Mal sehen, was sich so ergibt.

Empfangsgebäude in Düren mit RE 9 aus Gießen
|

Regiosprinter der Rurtalbahn: RB 21 nach Heimbach (Eifel)
|

RB 21 nach Linnich am Nordende des Bahnhofs
|

Eine alte Drehscheibe rostet vor sich hin
|

Funktionale Bauten der 50er Jahre in Düren: Das Rathaus... |

... und die Fußgängerzone |
Die S-Bahn rollt gemächlich durch die Zülpicher Börde in den Kreis Düren (DN). Wir fahren in einen Regenschauer. Es wird dunkel und nass. In Merzenich steigen Leute ein, die aussehen wie begossene Pudel. In Düren ist der Schauer dann schon durchgezogen und es ist trocken, hier und da ist sogar ein blauer Flecken im Himmel zu erkennen. Wieder diese automatische Stimme. Der NRW-Express habe in Folge von Störungen im Betriebsablauf etwa 40 Minuten Verspätung. Was denn nun? Schaden? Arzt? Betriebstörungen?
In Düren stehen zwei Regiosprinter der Rurtalbahn. Hier hat die Dürener Kreisbahn in den 1990er Jahren eine stillgelegte Bahnstrecke in die Eifel für den symbolischen Gegenwert von einem Euro gekauft. Nun wird die Strecke und der Betrieb von einer eigenen Gesellschaft erfolgreich unterhalten. Die kleinen Triebwagen fahren als RB 21 »Rurtal-Bahn« von Düren mit gutem Anschluss in Richtung Heimbach und Linnich.
Die Stadt Düren selbst ist sehr belebt, aber weniger schön. Das liegt daran, dass Düren nach dem zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört und dann im damals hochmodernen Architekturstil der 50er Jahre wiederaufgebaut wurde. So finden sich im ganzen Stadtzentrum diese funktional wirkenden, hässlichen, bauhausartigen Gebäude. Mehr zu Düren können Sie in den Artikeln der RB 21 erfahren.
Seit 2010 fährt von Düren die »euregiobahn« nach Heerlen. Die als RB 20 bezeichnete Linie ist dabei ein kleines Netz im Raum Aachen, das im Vordergrund die Orte Stolberg, Eschweiler, Düren, Langerwehe, Herzogenrath, Alsdorf und Heerlen in den Niederlanden mit der Kaiserstadt Aachen verbindet. Bis Langerwehe fahren die blau-roten Talent auf der Hauptstrecke. Sie wechseln damit von Köln kommend die begleitende S-Bahnlinie S12 ab, die in Düren ihre Endstation hat.

Rhein-Sieg-Express in Langerwehe, nebenan die euregiobahn |

RB 20 »euregiobahn« nach Alsdorf |

Südlicher RE-Bahnsteig der Züge Richtung Köln |

ehemaliges Bahnhofsgebäude von Langerwehe |

Der Thalys durchfährt Langerwehe mit hoher Geschwindigkeit |

"Dampflok" RB 20 verlässt den Neubau-Haltepunkt in Langerwehe |

Mit Windkraftanlagen bestückte Halde Nierchen in Langerwehe |

Braunkohlekraftwerk Weisweiler, vorne die Bahnstrecke |
Langerwehe ist eine 15.000 Einwohner kleine Gemeinde im Kreis Düren. Geprägt ist die Region weiterhin durch den Braunkohleabbau und die Energiegewinnung aus dem Rohstoff. So finden sich hier einige große Kraftwerke, Tagebaue und wieder Halden, die den Abraum aufnehmen. Ist die Sophienhöhe die bekannteste hier, findet sich ein unbekanntes Exemplar direkt an der Bahnstrecke hinter dem Bahnhof Langerwehe: Die Halde Nierchen. Sie ist dicht bewachsen - zumindest an den Hängen - und damit heute nicht mehr als Halde erkennbar. Oben besitzt sie ein großes, flaches Plateau, das landwirtschaftlich für Ackerbau genutzt wird. Neun Windkraftanlagen stehen auf der Halde und gewinnen Strom aus Windenergie. Die Halde kann frei besucht und bestiegen werden.
Der Bahnhof ist recht breit. Neben den zwei Hauptdurchgangsgleisen liegen rechts und links zwei Ausweichgleise mit Bahnsteiganschluss. Hier halten RE 1 und 9. Ganz außen befindet sich ein neu eingerichteter Haltepunkt für die RB 20 mit charakteristischer Architektur - spitze Wartehallen, Notrufsäule und entsprechende Beleuchtung mit typischen Überwachungskameras und Lautsprechern. Kommt oder fährt die RB von oder nach Düren, so hält sie jedesmal am Bahnsteig 4. Von dort aus fährt sie Richtung Eschweiler über eine Neubaustrecke, die Langerwehe mit der sogenannten Eschweiler Talbahn verbindet.
Es fährt nun der verspätete RE1 ein, mit dem ich bis Eschweiler ( Kreis Aachen - AC) fahre. Der mit dem RE 1 nun alleine parallel auf diesem Abschnitt fahrende RE 9 hielt bis vor kurzer Zeit noch in Nothberg, einem kleinen Vorort von Eschweiler. Seit dem Lückenschluss der durch die euregiobahn befahrenen Eschweiler Talbahn von Langerwehe nach Stolberg wurde der Halt aufgegeben. Anwohner müssen entweder vom neuen an der Talbahn liegenden gleichnamigen Haltepunkt mit der RB 20 fahren oder direkt von Eschweiler Hauptbahnhof. Hier steigt mit mir eine ältere Frau aus, die mich einfach mal anspricht. »Schlimm ist das, mit der Bahn.« ich zuck mit den Achseln, weil ich nicht genau weiß, was sie meint. Vermutlich die Verspätung. »Ach, in Mülheim hatte der Zug schon fünf Minuten und dann standen wir überall auf der Strecke und mussten ICEs vorbeilassen.« Von Störung oder Arzt habe sie nichts mitbekommen oder gesehen.

Eschweilers frisch saniertes EG
|

Thalys nach Paris fährt durch
|
|
|
Auf dem Bahnsteig liegt ein Fahrrad, hier spielen Kinder. Ob das die Eltern wissen? Eines der Kinder wirft einen Stock gegen eine Tür des ausfahrenden Zuges. Grinst mich an, freut sich über sein Tagwerk und überhört absichtlich meine Frage, ob er noch ganz dicht wäre. »Was machen Sie da? Warum fotografieren Sie? Die Züge sieht man doch jeden Tag! Warum? Wieso?« Ich muss mich aber losreißen, da laut meiner groben Zeitplanung gleich ein Thalys durch den Bahnhof fahren müsste. Ich hatte vergessen, in Köln die Ankunftszeit in Aachen abzulesen, aber von den RE-Zeiten mit gewissem Abzug auf ein Treffen mit dem französischen Schnellzug in Eschweiler getippt. In der Tat wechselt das Signal auf dem mittleren der drei Gleise zwischen Haus- und Mittelbahnsteig von rot auf grün. Ob er das wirklich ist? Ich flitz´ durch die Unterführung auf den Mittelbahnsteig. Das Empfangsgebäude ist gerade frisch saniert, das Reisezentrum vom Container noch nicht ganz umgezogen. Ein schönes Gebäude! Die Gleise knirschen - und tatsächlich fährt der Thalys auf seinem Weg von Köln über Aachen, Lüttich und Brüssel nach Paris durch Eschweiler durch. Die drei Kinder schauen mich noch komisch von der Seite an und fahren dann weg.

In rund 200km hat dieser Zug sein Ziel Hamm erreicht.
|

Empfangsgebäude - nicht mehr ganz taufrisch.
|

Talent der Regiobahn nach Alsdorf
|

Stolberg mit der großen Burg über der Stadt
|
Kurze Zeit später steige ich in Stolberg aus. Das Bahnhofsgebäude liegt keilförmig zwischen der Hauptstrecke und der Strecke nach Stolberg Altstadt. Der eigentliche Ort liegt abseits des Bahnhofs und wird von hier durch die Euregiobahn erreicht. Daher werden am laufenden Band Zugreisende mit Autos am Bahnhof abgesetzt. Ein benachbarter Parkplatz ist proppevoll.
Neben dem Hausbahnsteig, an dem die euregiobahn Richtung Eschweiler und Stolberg-Altstadt hält, existiert ein langer, versetzt gelegener Mittelbahnsteig. Die Züge der RB 20 werden im Bahnhof geflügelt. Auf dem Weg aus Aachen werden die aus zwei Einheiten bestehenden Talent-Züge getrennt. Der eine Teil fährt nach Düren oder Langerwehe über die Indetalbahn bzw. die Neubaustrecke bei Langerwehe weiter, der andere nach kurzer Wendung im Güterbahnhof zur Stolberger Altstadt. In Gegenrichtung erfolgt eine für fremde Fahrgäste gewöhnungsbedürftige Zugzusammenfügung im Güterbahnhof. Dabei fährt der Zug aus Langerwehe kommend auf den aus Stolberg eingefahrenen Triebwagen auf. In der entstandenen Doppeltraktion geht es nun mit Halt am Stolberger Hauptbahnhof weiter nach Heerlen oder Alsdorf - zur halben Stunde jeweils abwechselnd.
Die Stolberger Innenstadt besitzt eine sehr sehenswerte Altstadt, die von der markanten Burg überragt wird. Ein entsprechender Reisebericht sowohl von einem Stadtrundgang als auch zur »euregiobahn« befindet sich unten verlinkten Artikel zur Linie RB 20.
Vorbei an Eilendorf führt die Fahrt langsam weiter ans Ziel. Bei Eilendorf verhält es sich ähnlich wie bei Nothberg: Der Haltepunkt wird nur noch von der Regionalbahn RB 20 angefahren und nicht mehr vom RE 9. Gegen dieses Vorgehen hat sich sogar eine Bürgerinitiative zum Ziel der Wiedereinrichtung des RE-Haltes gegründet. Für eine weitere Reise als nach Düren oder Aachen muss einmal umgestiegen werden, außerdem verlängert sich die Reisezeit von diesem Halt aus. Demgegenüber steht jedoch der Vorteil der kürzeren Fahrtzeit für Fernreisende mit dem »Rhein-Sieg-Express«. Der nächste Halt mit dem Regionalexpress 1 ist also Aachen-Rothe Erde.

RB 20 in Aachen-Rothe Erde im Bahnsteigbereich ohne Dach |

Zugang zum Bahnhof von der Ostseite durch einen Tunnel |

Der ebenerdige Tunnel endet an einem westlichen Ausgang |

Bahnsteig von Aachen-Rothe Erde |
Es ist ein modern ausgebauter Bahnhof in Form eines Inselbahnsteiges zwischen den Gleisen. Auf ihm steht ein kurzes Bahnsteigdach. Eine Treppe und ein Aufzug verbinden den Bahnsteig mit einem Tunnel, der auf Straßenniveau unter der hier hoch über der Umgebung verlaufenden Bahnstrecke quert. Außerhalb des Bahnsteigs macht der Halt einen heruntergekommenen Eindruck, offenbar wird hier aber demnächst saniert.
Tatsächlich wurde der Halt erst 2007 renoviert, dabei auch einige vor dem heutigen westlichen Ausgang befindliche Gebäude abgerissen, die die Stützmauer mit »Flickenteppichmuster«, also alten Fenstern, zugemauerten Bereichen oder Löchern, begründen.

Aachen Hbf - Linienende des Nordrhein-Westfalen-Express
|

RE 29 »EuregioAIXpress« nach Liége (Lüttich) in Belgien
|

Der Dom von Aachen...
|

...und sein güldenes Inneres
|
|
|
Über ein Viadukt fährt der nächste Zug in den Hauptbahnhof ein. Endstation. Eine Viertelstunde muss man mindestens stramm laufen, um in die eigentliche Innenstadt zu gelangen. Dom, Rathaus und Altstadt stehen auf dem Programm. Der Dom wird auch von innen besichtigt.
Der Rückweg zum Bahnhof steht etwa eine Stunde später an. Rucksack auf dem Rücken, die schwere weil volle Tasche lastet auch schon die ganze Zeit abwechselnd auf einer Schulter - ich habe keine Lust mehr, zum Bahnhof zu laufen. An der nächstbesten Bushaltestelle nehm ich den Bus zum Hauptbahnhof. Nebenan im Blumenladen bewundere ich noch überteuerte Teichrosen. Fünf Euro das Stück. Leider sind diese völlig vertrocknet. Mensch, das sind Unterwasserpflanzen! Der Busfahrer kennt - natürlich - noch nicht mein Ticket. Aber ich darf trotzdem mitfahren. Bis der RE 1 hier bereitgestellt wird, vergeht noch etwas Zeit. Man kann einen belgischen Regionalzug bei der Abfahrt beobachten. Eine Viertelminute vor Abfahrt bläst einer seine Pfeife, zehn Sekunden vorher schließt er die Falttüren. Punkt Zeigerschlag fährt er raus.
Es handelt sich übrigens um den RE 29, den »EuregioAIXpress«, einem Regionalexpress nach Liége (Lüttich) in Belgien, der nur ein ganz kurzes Stück auf deutschem Boden fährt und für mich nicht besuchbar ist. Dann kommt mein Zug aus dem Wartebereich angefahren. In der Hoffnung auf eine ruhige Bahnfahrt pflanze ich mich in einen Vierer, schlage ein ungelesenes Buch auf und fange an zu Lesen.
Ich komme genau bis Seite Zwei. Noch in Aachen setzen sich eine Frau mit kleinem Kind genau gegenüber hin. Leider fängt das Kind an, zu randalieren. Lesen kann ich so nicht. Und meine helle Hose leidet unter einigen Fußtritten des Kleinen, die von Mutterseite nicht unterbunden werden. Ich verzichte auf die Frage, ob die Frau kein Erziehungsgeld bekomme - und falls ja, ob sie es nicht fairerweise zurückzahlen wolle. Stattdessen begebe ich mich einen Wagen weiter. Seite zehn. Drei Halte weiter - in Eschweiler - steigt ein Paar mit Kleinkind zu. Auch dieses versetzt mich immer wieder mit Fußtritten. Lesen? Pffffff. Und Kurz vor Köln wird schließlich ein anderer Vierer frei, in den ich mich direkt umsetze. Mein dritter seit Aachen. In Köln steigt dann eine Familie mit zwei Kindern ein und geht suchend durch den
|

Jaja, am Anfang ist der RE 1 noch leer...
|
Mittelgang. Nein! Doch!! Natürlich kommen sie in meinen Vierer. Ich hab bisher aus dem 250 Seiten starken Buch etwa 50 geschafft. Aber die Kinder bleiben ruhig auf ihren Plätzen und beschäftigen sich leise. »Ich sehe was, was du nicht siehst, und das ist grün!« - »Baum!« - »Ja. Ich sehe was, was du nicht siehst, und das ist grün!« - »Baum.«- »Ja! Ich sehe was, was du nicht siehst, und das ist ... öhh...grün!« - »Maaaaamma, der nimmt immer das selbe!« - »Stimmt nicht, das war ein anderer Baum!« Der kleine Bruder fängt irgendwann plötzlich an, vor sich hin zu brabbeln. »Achtung... Der Zug fällt aus...« Woher er das wohl hat? Die Familie steigt in Düsseldorf aus, stattdessen setzt sich ein junges Pärchen gegenüber hin mit Kopfhörern im Ohr. Es wird ruhiger. Ich komme bis Seite 126 bis Dortmund. Mit dem Dortmund-Sauerland-Express geht es weiter bis Fröndenberg. Rund drei Stunden Fahrtzeit fast durchgängig von Aachen bis nach Fröndenberg. Zumindest kann ich in Dortmund von einem in den nächsten RE umsteigen - welcher dann auch direkt losfährt. Beinahe hätte ich vergessen, dass der Zug heute am Samstag früher fährt! Glück gehabt. Mit dem Buch habe ich die Seite 172 erreicht. Nach 3 Stunden und 55 Minuten Bahnfahrt komme ich endlich zu Hause an.
Sebi on Tour - Demnächst vielleicht auch in Ihrer Nähe ;-)
Zur Auswahlseite des Nahverkehrs in NRW - Berichte zu allen anderen Nahverkehrslinien in NRW.
Weitere, thematisch passende Nahverkehrs-Artikel:
RE 3 | RE 6 | RE 12 | RE 14 | RE 16 | RB 20 | RB 21a | RB 21b | RB 25 | TR 26 | RB 37 | RB 46 | RB 50 | RB 51 | RB 59 | H-Bahn | Skytrain
(c) Bilder, Text und Grafiken: S. Hellmann - www.mytrainsim.de |