
Nahverkehr in NRW: Teil 9 - RB 46: Die Glückauf-Bahn
Die Glückauf-Bahn ist eine kurze Regionalbahnlinie zwischen Gelsenkirchen und Bochum mitten im Ruhrgebiet. Es ist eine der wenigen Nord-Süd-Verbindungen im nördlichen Ruhrpott und profitierte durch den finnischen Handykonzern NOKIA, der in Bochum bis 2007 eine Produktionsstätte für Mobiltelefone betrieb. Bis zum 10.11.2008 hieß die Linie daher "NOKIA-Bahn" und der Bahnhof Riemke bis 2009 "NOKIA". Wegen der enttäuschenden, unverständlichen und in der Bevölkerung der Region vieldiskutierten Werksschließung war der Name nicht mehr zeitgemäß. In einem Wettbewerb wurde der neue Name gefunden. Er bezieht sich auf den traditionellen Bergmannsgruß "Glück auf!".
Betrieben wird die Linie seit 2004 von der Abellio Rail NRW. Die Glückauf-Bahn war bis 2017 als alleinige Linie im sogenannten "Emscher-Ruhrtal-Netz" ausge- schrieben. Die Abellio Rail betreibt in NRW neben der RB 46 auch das Ruhr-Sieg-Netz mit dem RE 16 "Ruhr-Sieg-Express", der RB 40 "Ruhr-Lenne-Bahn" und der RB 91 "Ruhr-Sieg-Bahn" auf der Achse zwischen Essen, Hagen, Iserlohn und Siegen. Damit gehört Abellio zu den größeren privaten Bahnunternehmen.
Auf der nebenstehenden Karte ist der Linienverlauf der Glückauf-Bahn ab- gebildet. Von Gelsenkirchen bis nach Wanne-Eickel Hbf läuft die Linie auf der Strecke, die auch der RE3 Hamm-Düsseldorf benutzt. Kurz vor Herne zweigt die Glückauf-Bahn dann nach Süden ab, trifft in Bochum auf die Magistrale Düsseldorf-Dortmund und endet im Hauptbahnhof am Puffer von Gleis 1.
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In der Woche fährt der eingesetzte Dieseltriebwagen des Typs LINT 41 (Leichter, innovativer Nahverkehrstriebwagen, 41 Meter lang) in der für das Unternehmen typischen Lackierung silber-schwarz mit rotem Logo und der rot-schwarzen Sitzpolstergestaltung (Hintergrund dieser Seite) auf der durchgängig elektrifizierten Strecke im Halbstundentakt und benötigt für die Gesamtstrecke von rund 16 Kilometern etwa 25 Minuten. Am Wochenende ist daher ein Stundentakt mittels Pendel eines Triebwagens möglich. Dann werden meist zweiteilige Elektrotriebwagen des Typs FLIRT (Flinker, leichter, innovativer Regionaltriebwagen) einsetzt, wie sie im Alltag im Ruhr-Sieg-Netz fahren. Bis 1995 fuhren hier Akku-Trieb- wagen der Baureihe 515, die von 628er-Triebwagen abgelöst wurden.
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Getreu dem Motto aus Grönemeyers Lied "Bochum" gehts heute in den tiefen, tiefen Ruhrpott. Das ist eigentlich mehr ein Zufall. Das Wetter an diesem Sonntag ist schön sonnig und warm - und eigentlich wollte ich mir die Emschertal-Bahn Dortmund-Dorsten vornehmen. Entgegen der Tabelle eines Flyers, den ich jetzt noch in der Hand halte, hat die Emschertal-Bahn nämlich Sonntags keinen Stundentakt, sondern einen Zweistundentakt. Das macht meinen Plan natürlich zunichte. Also muss die Erkundung der RB 43 verschoben werden. Aber wo ich schon mal hier bin...

Wanne-Eickel Hauptbahnhof in Herne-Wanne |

Glückauf-Bahn von Gelsenkirchen nach Bochum in Wanne-Eickel |
Wanne-Eickel ist eigentlich keine Stadt mehr, sondern zwei Bezirke der Stadt Herne: Herne-Wanne und Herne-Eickel. Einzig in der Bezeichnung dieses Hauptbahnhofs taucht der zusammengesetzte Name noch auf - außerdem noch im Lied "Der Mond von Wanne-Eickel". Okay, und im "Mondpalast von Wanne-Eickel", einem vor kurzer Zeit gegründeten Volkstheater, das auf Ruhrpott-Klischees setzt. Gegen Überlegungen, den Bahnhof umzubenennen, beispielsweise in "Herne Hauptbahnhof", wurde heftiger Widerstand eingelegt.
Im Bezirk Wanne findet alljährlich in Crange die große Cranger Kirmes statt. Viele Eisenbahnfans bzw. Computerspieler des Train-Simulators kennen spätestens seit dem GR-Addon "Schnelltriebwagen auf der Rollbahn" die Rollbahn zwischen Münster und Bremen. Was kaum einer weiß: Offiziell beginnt die Rollbahn in Wanne-Eickel Hbf. Hier halten nicht nur einige Fernverkehrszüge, es besteht auch ein guter Umstieg in die verschiedenen Regionen des Ruhrgebietes.
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Der Bahnhof ist ein Vorbild für Renovierung. Während man in Menden (verkommenster Bahnhof in NRW) beispielsweise noch drauf und dran ist, den alten Bahnhof abzureißen und durch postmoderne Gebäude zu ersetzen, wurde hier die alte Substanz erneuert und das Umfeld an- sprechend gestaltet. Und es kann sich sehen lassen. Kein Wunder, dass hier sogar ein Fernsehfilm gedreht wurde: "Ein Mann, ein Fjord!" von und mit Hape Kerkeling alias Horst Schlämmer. Sie werden dort das ein oder andere in der entsprechenden Szene wiedererkennen.
Stillschweigend und ohne Ankündigung oder elektronischen Anzeigetafeln rollt pünktlich der Silberpfeil der Abellio in den Bahnhof. Ein LINT, wie er auch auf der Hönnetalbahn fährt - jedoch etwas anders designed. Innen mit roten Sitzen samt typischem Abellio-Muster - extra so gestaltet, dass Beschmierungen oder Tags keine Wirkung zeigen können. Sie würden im wilden Durcheinander der Farben einfach nicht auffallen! Außerdem ist der Triebwagen kameraüberwacht.
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Außen besitzen sie natürlich den verbreiteten silbergrauen Anstrich mit schwarzem Fensterbalken sowie dem dicken roten Feld samt senkrechtem "Abellio"-Schriftzug am Führerstand. Vorne prangert das Wappen mit dem Dach, welches das Abellio-A darstellt. Innen wie außen gehören die Abellio-LINTs zu denen mit dem meiner Meinung nach gelungensten Design und außerdem zu den gepflegtesten ihrer Baureihe.

Glückauf-Bahn in Gelsenkirchen - Endstation...
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Hauptbahnhof von Gelsenkirchen, Eingang von der City
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Fußgängerzone von Gelsenkirchen
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Die neuen 422er-Triebwagen auf der S2
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Gelsenkirchen - eine Stadt, die stolz ist auf ihren Fußballverein aus dem Ortsteil Schalke. Hier steht die bekannte "Arena auf Schalke", heute gemäß des Sponseringvertrages als "Veltinsarena" bezeichnet. Die Arena lässt sich gut betrachten von der Halde Rungenberg im Norden der Stadt an der Grenze zu Gladbeck. Hier wurde auf der Halde ein Landmarkenkunstwerk geschaffen. Halden sind Ansammlungen von Abraum, der zur Vermarktung für die Zeche wertlos ist. Er wird auf hohen Bergen aufgehäuft. Das Kunstwerk bildet ganz oben zwei Pyramiden mit einem durchschnittenen Tal in der Mitte, welche in der Dunkelheit durch Scheinwerfer zu einer einzigen großen Pyramide geschlossen werden. Die Halde Rungenberg wird auf der Themenseite zur Industriekultur näher betrachtet.

Halde Rungenberg mit den halben Pyramiden
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Arena auf Schalke bzw. "Veltinsarena" von der Halde gesehen
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Nach dem Kopfmachen nehme ich den selben Zug zurück nach Bochum. In Bochum-Hamme steige ich aus. Hier liegt der Bahnhof auf einer Brücke, unter der direkt die Straßenbahn der "Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen" herfährt. Unter dem Kürzel "BOGESTRA" wird auch die zur Glückaufbahn im gewissen Abstand parallel verlaufende U35 zwischen Herne, Bochum und der Ruhr-Universität sowie der Siedlung Hustadt betrieben. Sie ist für die ehemalige NOKIA-Bahn allerdings kaum eine Konkurrenz, da die Fahrt durch die vielen Zwischenhalte sehr viel länger ist und Herne Bahnhof selbst nicht von der Glückauf-Bahn bedient wird.

Haltepunkt Bochum-Hamme
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Straßenbahn der Bogestra unter dem Haltepunkt Hamme
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Hamme. Großer Arbeitgeber hier war einmal die "Zeche Präsident". Diese ist jedoch nicht wie viele andere Zechen im Laufe des Struktur- wandels im Ruhrgebiet zu Grunde gegangen, sondern wurde im zweiten Weltkrieg zerstört. Und nicht wieder aufgebaut. Der Bahnhof verläuft in einer Kurve. Kurz zuvor wurde die Strecke eingleisig. Die im Bild sichtbaren zwei weiteren Gleisstränge werden hauptsächlich von Güterzügen benutzt. In Hamme zweigt die Strecke von der Güterbahn ab und endet in Bochum Hbf auf Gleis 1 am Puffer.

Ehemalige NOKIA-Bahn am ehemaligen Halt Bochum-NOKIA
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Glückauf-Bahn in Richtung Bochum am Westbahnsteig
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Ausfahrt des LINTs am Stellwerk Brn (Bochum Riemke Nord)
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Ostbahnsteig von Bochum Riemke
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Ohne weitere größere Vorkommnisse geht es mit dem nächsten Gegenzug zurück. Zur Zeit der Exkursion hieß der nächste Halt noch Bochum-NOKIA, wie die Schilder zeigen. Dieser Halt hat bereits mehrere Namensänderungen über sich gehen lassen müssen. Zunächst hieß der Halt "Bochum-Riemke Nord". Schließlich wurde er nach der gleichnamigen Firma Bochum-Graetz benannt und ab 1993 nach dem unmittelbar benachbarten Werk des finnischen Herstellers von Mobiltelefonen, der wiederum die Gelände der Firma Graetz übernommen hat.
Das NOKIA-Werk Bochum wurde unter großem Protest der Arbeiter, Bewohner des Ruhrgebiets und durch Medien wegen angeblich schlechter Produktivität geschlossen und in Rumänien neu eröffnet. Die Schließung führte dazu, dass Handys dieses Herstellers in dieser Region unbeliebt sind, teils unter dem Motto "No kia" bzw. "No Nokia" boykottiert und Diensthandys von Städten beispielsweise durch Mobiltelefone anderer Firmen ersetzt wurden. Da die ehemalige NOKIA-Bahn bereits umbenannt wurde, lag es nahe, dass auch diese Station ihre längste Zeit so geheißen hat. Der Schritt wurde zum Winter-Fahrplanwechsel 12/2009 gemacht. Damit ist der Handy-Hersteller mit keinem Wort mehr erwähnt.
Man kann sich vorstellen, dass hier am Bahnhof NOKIA noch vor Wochen jeden Morgen und zu jedem Schichtwechsel größere Menschenmassen auf dem Bahnsteig standen. Heute am Sonntag - und erst recht nach Schließung des Werkes - ist hier nicht ein Mensch. Ich bin hier, nachdem die zwei, drei Menschlein, die mit mir ausgestiegen sind, sich in alle Winde zerstreut haben, alleine zwischen Fabriken und Firmengeländen. Kein Auto, kein Mensch. Es sollte noch die nächste halbe Stunde hier so einsam bleiben.

Haltepunkt Bochum West
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Die Glückauf-Bahn fährt in Richtung Bochum aus
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Jahrhunderthalle Bochum
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Die "Erzbahnschwinge", eine Brücke im Westpark Bochum
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Westpark mit Hochbrücke |

Eine als "Colosseum" bezeichnete Stützmauer |
Nächste Station: Bochum-West. Westlich grenzen einige Industriegebiete an. Das der ehemaligen Zeche Präsident und das der Krupp-Stahl AG. Hier ist heute mit dem Westpark Bochum ein kleiner Park mit Industrierelikten und das Ausstellungs- und Veranstaltungszentrum Jahr- hunderthalle mit seinem markanten Wasserturm zu finden. Auch der Westpark wird unter der Themenseite ausführlicher beschrieben (Link).
Hinter Bochum-West wird die Strecke aus Herne über eine erst 1979 eröffnete Verbindungskurve an den Bochumer Hauptbahnhof über das berühmte Kneipenviertel "Bermuda3eck" geleitet. Zuvor war Bochum Hauptbahnhof gar nicht Halt von Zügen auf der Verbindung, die über Bochum-Nord bis nach Langendreer fuhren.
Nach kurzer, intensiver Inspektion des Haltes mache ich mich zu Fuß auf den Weg zum Hauptbahnhof. Zehn Minuten Zeit, um fünf nach fährt der RE 1 nach Dortmund. Der Weg zieht sich, ich falle in einen Trab. Eine rote Fußgängerampel nach der nächsten. Am Hauptbahnhof angekommen, fällt direkt die neue LCD-Anzeige in der frühlingshaft geschmückten Bahnhofshalle ins Auge: "ca. 40 Minuten später", "ca. 25 Minuten später", "Zug fällt aus".... Ich erfahre auf dem Bahnsteig, dass sich ein Mensch des Ruhrgebiets wohl entschlossen hat, auf den Schienen seinem Leben ein Ende zu setzen. Mit der Folge, dass der komplette Sonntagsverkehr quasi zusammengebrochen ist.

Endstation Gleis 1 in Bochum Hbf am Puffer
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Abellio-LINT im Profil
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Bahnhofshalle - immer nett geschmückt. Zu jeder Jahreszeit
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Bochums Bahnsteigdachkonstruktion
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Endstation in Bochum |

Bergbau-Museum in Bochum |
Der Nordrhein-Westfalen-Express hat etwa dreißig Minuten Verspätung. Zu viel - in Dortmund würde der Anschluss lange weg sein. Dank einer Baustelle fährt der nämlich heute eher aus Dortmund raus, um durch die Umleitung nicht allzuviel Verspätung mitzunehmen. Also muss ich mit dem ebenfalls ca. zwanzig Minuten verspäteteten RE 16 nach Hagen. Währenddessen fährt die Glückaufbahn seelenruhig und pünktlich auf die Sekunde aus dem Bahnhof hinaus nach Gelsenkirchen zurück...
Sebi on Tour - Demnächst vielleicht auch in Ihrer Nähe ;-)
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