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Der Niederrheiner ist eine fast 40 Kilometer lange Regionalbahnlinie zwischen Duisburg und Xanten bzw. Duisburg und Moers. Sie verläuft im Niederrheinischen Tiefland linksrheinisch im Nordwesten des Landes NRW. Die Linie wird seit 2009 von der NordWestBahn (NWB) betrieben. Sie läuft auf der Niederrheinstrecke (KBS 498), die einst über Xanten hinaus nach Kleve weiterführte, 1989 jedoch auf dem letzten Teilstück stillgelegt wurde. Der inoffizielle Name der Strecke ist »Hippelandexpress«, wobei ein Bezug auf die Hippe, die niederrheinische Bezeichnung für eine Ziege, Bezug genommen wird. Hierbei wird die damalige ländliche und ärmliche Struktur des Niederrheins deutlich.
Die Einstreuung einiger lateinischer Worte und eine geringfügig antike Aufmachung basiert auf dem »Archäologischen Park Xanten«, der auf dem Gelände der alten Römerstadt Colonia Ulpia Traiana liegt, der alten Hauptstadt der römischen Provinz Niedergermanien und eine der wichtigsten Städte nördlich der Alpen. Die Colonia wurde vom römischen Kaiser Trajan (Marcus Ulpius Traianus, 53 bis 117 n.Chr.) gegründet .
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Gut, ich gebe zu: Vor allem wegen der Namen von Orten an der Strecke bin ich auf diese Linie aufmerksam geworden. Im Raum Niederrhein hat man wirklich eine Gabe für interessante Ortsnamen. Entenfang kennen Sie schon von der RB 37. Trompet, Rumeln, Fischeln und Dong sind neu. Abgesehen davon ersetzt man fehlende Höhenzüge durch gebirgige Ortsnamen: Alpen oder Rheinberg.
Xanten ist ein kleines Glanzlicht. Wann kann ein Webmaster schon einmal den am seltensten verwendeten Buchstaben des Alphabets, benutzen, ohne gleich eine Pornoseite zu basteln?! Okay. Wenn Xaver in einem Fax über Xenonscheinwerfer schreibt, Maximiliane über Xylophone, Alex über Koaxialkabel in seinen gleichnamigen Fernsehturm in Berlin, der orthodoxe Axel über Ilex und Schweinshaxn oder Xanthippe über Taxis in Karl-Marx-Stadt.
Genug gesponnen, der Zug fährt ein. Besser so.
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Los geht es einigem Abraten trotzend in Duisburg Hauptbahnhof am Tag eins nach Betriebsbeginn der NordWestBahn auf dem Niederrheiner, also am Montag. Mehrfach hat man mir im Vorfeld geraten, besser nicht zu fahren - immerhin kann man nicht davon ausgehen, dass am ersten Tag alles wie geschmiert läuft. Die Anreise erfolgt unproblematisch von Fröndenberg mit dem RE 57 nach Dortmund, von dort mit dem RE 11. Hier in Duisburg bestehen zum Niederrheiner nur wenige Minuten Umsteigezeit, die durch eine Überholung in Essen fast zunichte gemacht werden. Der Hauptbahnhof ist schon sehr weiträumig, weswegen es sehr passend ist, dass der niegelnagelneue LINT41 (Leichter Innovativer Nahverkehrstriebwagen; zweiteilig und 41 Meter lang) im schönen blau-gelb-weißen Design auf dem Nachbargleis wartet. Jetzt kann man in Ruhe den Geruch des brandneuen Triebwagens aufnehmen. Er ist im Grunde wie alle übrigen Triebwagen des Typs eingerichtet, jedenfalls von der Sitzanordnung her. Die Sitze tragen das übliche Polster im NWB-Design (Hintergrund der Seite). Der Boden ist hell mit dunklen, unregelmäßigen Punkten befleckt. Unter der Decke hängen Kameras. Die Türen haben Trittstufen.

LINT 41 der NordWestBahn wartet in Duisburg Hbf auf Einsätze |

Der alte "Niederrheiner": DB-TALENT als RB31 nach Moers |

Der »Wedauer« in Duisburg Hbf auf Gleis 1 |

Der Nordeingang des Hauptbahnhofs |
Und genau diese Trittstufen, die auf meiner "Hauslinie" berühmt berüchtigt sind, tun das, was sie häufig in RE 57, RB 52, RB 53 und RB 54 tun. Nämlich nix. Zumindest an einer Tür. Ein fabrikneuer Zug, dessen Defekt man wohl unter der Kartei Kinderkrankheit einsortieren muss. "Meine Damen und Herren, ich begrüße Sie im... ähh" – der Name der Linie ist für den Lokführer offenbar noch etwas ungewohnt bis völlig abhanden gekommen, was zu einer einfallsreichen Namensneuschöpfung führt – "öhh...'Xantener'...ähh...nach Xanten. Leider haben wir eine Türstörung, weshalb sich unsere Abfahrt verzögert." Ganz unauffällig fällt im Zielanzeiger auf dem Bahnsteig das Blatt "ca. 10 Minuten später". Super, in Moers bestehen genau zwölf Minuten Umsteigezeit. Das wird voraussichtlich nichts. Und die Ratschläge, die Fahrt heute nicht zu machen, hatten doch recht. Während der Fallblattanzeiger inzwischen das Blättchen "ca. 20 Minuten später" anzeigt, geht es endlich los. Die Trittstufe ist manuell eingefahren, trägt vermutlich die allerersten Dellen durch Hammerschläge und die entsprechende Tür ist verriegelt. Und somit prangt ein schöner Aufkleber "Tür unbenutzbar" am Ausgang. Eine Zugbegleiterin macht sich auf den Weg durch den Zug und fragt nach den Fahrkarten. Sie bittet noch, vorne auszusteigen, da die Tür hinten defekt sei. Naja, das Geschraube hat die gesamte Handvoll Leute schon irgendwie mitbekommen. Kurz nach ihr folgt eine zweite Zugbegleiterin. Sie spricht zwar auch jeden an, verlangt aber nicht das Ticket sondern drückt der jeweiligen Person etwas in die Hand. Hm??
"Möchten Sie auch ein Ausstechförmchen haben?" Klasse Aktion - in der Vorweihnachtszeit verteilt die NordWestBahn Formen zum Ausstechen für Plätzchen. Natürlich in Form einer Dampflokomotive. Mit entsprechendem Weihnachtsgruß der NWB und vom VRR. Hinter mir sitzt ein Mann mit schwarzer Hautfarbe, der mich in schwerem Deutsch fragt, ob er mit dem 'Dingen' irgendwas machen muss. Während wir an Rheinhausen vorbei sind und Rumeln und Trompet passieren, erkläre ich ihm die Funktion. Auf englisch geht es dann irgendwann einfacher. Wenn man jetzt ein Wörterbuch im Rucksack gehabt hätte, das gesagt hätte, dass es sich um einen cookie cutter handelt. So wird daraus etwas komplizierter ein kitchen utility to create little cakes in the shape of a steam locomotive. Zumindest hat er es verstanden und lehnt sich beruhigt zurück ins Eck.

Empfangsgebäude und Fahrradparkhaus des Bahnhofs Moers
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LINT41 der NordWestBahn in Moers
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Zugbegegnung immer um halb in Moers |

Die Bahnsteige haben kleine Wartehallen mit Runddächern |
Ich steige in Moers aus. Man darf Moers jetzt aussprachetechnisch nicht mit Soest gleichsetzen. Ist das E in Soest ein Dehnungs-E des Os, also "Sooost", wird Moers mit Ö ausgesprochen. Quasi "Mörs". Sieht so geschrieben aber bescheiden aus, oder? Doch genau so ist die alte Schreibweise dieses Ortes, die sich beispielsweise in hundert Jahre alten Topographischen Karten wiederfindet.
Der eigentliche Bahnhof von Moers sieht ebenso schäbig aus wie Moers mit Ö geschrieben. Er ist dreckig und in die Jahre gekommen. Im Gegensatz dazu steht etwas entfernt das Empfangsgebäude, dem eine neue Nutzung zugekommen ist. Es ist renoviert und ein echter Blickfang. Daneben befindet sich eine Radstation mit gläsernem Fahrradparkhaus. Ein jüngerer Wartender auf dem Bahnsteig 2 findet Interesse an einer kleinen Schweißdelle in der Schiene. "Das ist ja lebensgefährlich!" - spricht´s und steigt die Kante hinunter auf die Schienen, um die Stelle mit dem Fotohandy zu fotografieren. Soviel zum Thema "Lebensgefahr". Kurze Zeit später fährt ein Güterzug durch. Zu seinem Glück, als er wieder oben am Bahnsteig steht und noch immer die Delle mit offenem Munde anstarrt. Sowas aber auch...!

Bahnhof Moers - Zwei Bahnsteige und keine Schönheit |
Es ist ein ziemliches Glück, dass, kaum an der Bushaltestelle angekommen, der Bus eintrifft. Den hatte ich längst abgeschrieben. Er hat zehn Minuten Verspätung und stand im Stau. Dies jedenfalls gibt der Busfahrer als Grund an die Zentrale durch – außerdem als weiteren einen Rollstuhlfahrer, den er ein Halt weiter als am Bahnhof aus dem Bus rollen muss. Wobei die Aktion weniger als zehn Sekunden dauert. Die Linie 929 Richtung Venlo bringt mich etwa zwei Kilometer vor den Fuß eines Berges. Westlich und östlich von Moers befinden sich zwei große Halden, die durch den Abraum aus Zechen entstanden sind und heute als Naherholungsgebiet oder Kunstobjekt nutzbar gemacht wurden. Die eine ist die Halde Rheinpreußen, auf der eine große Grubenlampe steht, ein sogenanntes Geleucht. Die andere ist Halde Norddeutschland in Neukirchen-Vluyn, etwa zwei Kilometer von der Bushaltestelle "Gewerbegebiet Nord" gelegen. Die Himmelstreppe führt hier auf das Plateau, auf dem ein großes Stahlgerüst in Form eines Gewächshauses ohne Glas steht, das sogenannte "Hallenhaus".
Beide Halden werden unter dem Themenbereich "Route Industriekultur" ausführlicher behandelt.

"Himmelstreppe" auf Halde Norddeutschland |

"Hallenhaus" auf der Halde im Sonnenaufgang |

Das Geleucht auf Halde Rheinpreußen |

Eine riesige Grubenlampe |
Im Laufschritt treffe ich um '57 wieder an der Bushaltestelle ein, nur eine Minute später kommt der Bus. Was für ein Timing. Der Bus bringt mich zurück zum Moerser Bahnhof. Die Grubenlampe auf Halde Rheinpreußen wurde vor längerer Zeit bereits mit dem Auto besucht.
Bei der ersten Exkursion zu dieser Linie fuhr ich Richtung Xanten.
Also geht es nun im Farbschema "Verkehrsrot", in TALENT (Talbot leichter Niederflur-Triebwagen) und im unverdichteten Stundentakt auf dem Nordabschnitt der Linie weiter.

Haltepunkt von Alpen
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Empfangsgebäude - Ähnlichkeit mit dem von Moers
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Schienenseite des Empfangsgebäudes |

Von der Bushaltestelle fährt richtig viel los... |
Bis Alpen fahre ich. Nein, nicht IN die Alpen, sondern NACH. Für ersteres fehlen mir Ticket, Zeit und Geduld. Alpen ist tatsächlich ein kleiner Ort bei Xanten. In einem Quiz fiel einmal die Frage "Wie hoch muss man in NRW steigen, um Alpen zu erreichen? - 25, 100, 500 oder 1000 Meter?" Der Kandidat hat auf 1000 Meter getippt (so hoch ist nichtmal der höchste Berg von NRW, der Langenberg), die richtige Antwort ist 25m. So hoch liegt dieser Ort nämlich über dem Meeresspiegel.
Am Haltepunkt steht ein altes Empfangsgebäude, welches anscheinend privat bewohnt ist. Jedenfalls spielen Kinder auf dem Hof Fußball und stocken, als ich auf der anderen Straßenseite das Haus auf Speicherkarte banne. Der schwarze Mann mit der Kamera. Neben dem Bahnhof befinden sich ein kleiner Parkplatz und eine Bushaltestelle. Schaut man sich den Fahrplan an, erkennt man, dass genau vier Busse hier am Tage halten. Um 7, 12, 13 und 14 Uhr. Der Fahrkartenautomat ist aufgebrochen. Offensichtlich hat die Gewalt aber nicht gereicht, die Geldbestände zu erhaschen. "Vorübergehend außer Betrieb" steht im Display, die Münzbehälter kann man durch das kleine, aufgehebelte Loch aber noch sehen.
Zwei Stationen vor Alpen wurde der Bahnhof von Rheinberg durchfahren.

Bahnhof Rheinberg (6 Fotos: A. Schedlinski) |

Durch Brand beschädigtes Bahnhofsgebäude |

Architektonische Ähnlichkeit mit dem Bahnhof von Moers |

Restaurant und Kiosk bis März 2010 |

Bahnsteig von Rheinberg |

Stellwerk am Bahnübergang |
Vor Jahren stand hier ein ziemlich heruntergekommenes, grün angestrichenes Bahnhofsgebäude, an dem offenbar eine Zeit lang das Banner »Rheinberg schämt sich für diesen Bahnhof« gehangen hat. Nach einer Renovierung und erfolgreicher Revitalisierung kam es allerdings im März 2010 zu einem Brand im Bahnhofsgebäude, in dem inzwischen eine Gaststätte untergebracht war. So ist das eigentlich sehr ansprechende und schön hergerichtete Gebäude wieder teilweise verbrettert und eingezäunt. Schwarze Spuren des Rauchs sind an einigen Fensteröffnungen auf dem weißen Putz noch immer sichtbar, denn auch knapp ein Jahr nach dem Feuer hat sich offenbar noch nicht allzu viel getan.
Für die Fahrt zum Bahnhof und einen großen Stapel zur Verfügung gestellter Fotos sei an dieser Stelle Herrn Schedlinski herzlich gedankt!

Bahnhof Millingen (b. Rheinberg)
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Ankunft des "Niederrheiners" aus Xanten
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Ein kleiner Landbahnhof
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Bahnhofsgebäude mit Fahrdienstleiter
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Nur ein Halt zurück geht es für mich. Bis Millingen (bei Rheinberg). Der Ort ist nicht zu verwechseln mit Millingen bei Emmerich, gar nicht so weit von hier entfernt. Hier sitzt ein "Strippenzieher" im Empfangsgebäude. Der zugehörige Rangierbahnhof, auf dem gähnende Leere herrscht, ist der letzte unter Strom. Kurz hinter Millingen endet der Fahrdraht über der seit kurz hinter Moers eingleisigen Bahnstrecke. Am Bahnhof ist ebenfalls eine Bushaltestelle. Hier ist der Fahrplan noch dünner als in Alpen. Einmal pro Tag fährt hier ein Bus vorbei. Da lohnt es ja kaum, den Fahrplan zu schreiben!
Ein gutes Zeichen für die Ankunft des Zuges: Der Fahrdienstleiter kommt in sein Kabuff herunter und drückt ein paar Knöpfe. Tatsächlich schließen die Schranken und das Einfahrformsignal schwingt auf hp1. Kurz darauf hält der rote Triebwagen in Millingen und ich bin der einzige, der einsteigt. Kein anderer ist ausgestiegen. Vorbei an Alpen geht es in die letzte Etappe, dem heutigen Endbahnhof in Xanten.

Endbahnhof Xanten |

Kiosk am Bahnhof |

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Ein sinnvoll eingesetztes 'X' |
Der Ort ist bekannt für den benachbarten "Archäologischen Park Xanten", intern als APX bezeichnet. Er wurde 1977 eröffnet und ist das ganze Jahr über zu besuchen. Der Park stellt die römische Stadt Colonia Ulpia Traiana dar, die zur Zeit der Römer etwa 100 n. Chr. das Stadtrecht als "Colonia" durch Kaiser Trajan bekommen hat. Es war der Hauptort der römischen Provinz Niedergermanien mit etwa 10.000 Einwohnern.
Die Stadt besaß einen Hafen am Rhein, Tempel, ein Amphitheater, Wasserleitungen, ein Kanalnetz, das typische Forum in der Mitte und eine Stadtmauer samt Tore. Alles das natürlich im römischen Schachbrett- muster angeordnet. Im 4. Jh. wurde die Stadt zerstört und diente nun als Steinbruch der neuen Stadt Xanten, vor allem für die Kirche.
Im APX finden sich originale und rekon- struierte Bauwerke aus der Römerzeit. Teilweise wurden Gebäude nicht vollständig rekonstruiert, um einen Einblick über Bau- stoffe und Baustil zu geben. Der Betrachter muss das Gebäude in seiner Phantasie zusammensetzen. Für Asterix-Leser und Ge- schichtsfanatiker ist der Park ein Muss.
Eine Internetseite zum Park finden Sie am Ende des Berichts.
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Hafentempel und Amphitheater im Archäologischen Park Xanten (Scan eines Dias)
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Zurück in Richtung Ausgangspunkt: Bereits zu Duisburg gehört der Ortsteil Trompet, der zwar geschrieben sehr lustig aussieht, von der automatischen Ansagerin hinten sehr kurz und mit der Betonung auf der ersten Silbe ausgesprochen wird. Dennoch muss man irgendwie die ganze Zeit an ein ganzes Blechblasorchester denken, während die Wartezeit auf dem heruntergekommenen Bahnsteig kürzer verwünscht wird. Heruntergekommen als Beschreibung trifft es sehr gut. Der Bahnhof ist verlassen, verrammelt und dreckig. Der Weg zum Mittelbahnsteig, an dem einseitig der Zug in Richtung Moers und Xanten hält, führt über eine zugefrorene Pfütze und durch eine dunkle Unterführung, die recht bunt aber sicher ungewollt verziert ist. Man hat einige lichtbringende Fenster – vermutlich zerstört – einfach zugemauert. Vorne am Bahnhofsgebäude war mit erhabenen Buchstaben das Wort "Bahnhof Trompet" geschrieben. Offenbar fehlten passende Ersatzlettern schon zu Zeiten eines Personals, denn einzelne Buchstaben wurden einfach durch aufgepinselte Farbe ersetzt. Heute ersetzt keiner mehr etwas. Was runterfällt fehlt.

Taktverdichter von Duisburg nach Moers in Trompet |

Bahnhof Trompet |

Bahnhofsgebäude. Eine Wohlfühl-Oase |

Auf der Straßenseite fehlen bereits Buchstaben |

Der Weg zum anderen Bahnsteig führt durch eine Galerie |

Der Niederrheiner |
Hinter Trompet folgt der Halt Rumeln. Der ein oder andere Leser insbesondere aus den ostdeutschen Gefilden mag vielleicht Rummeln kennen. Das sind Mini-Trockentäler, die vor allem im Fläming in Brandenburg vorkommen und für Begeisterung bei Geographen, Ökologen und Touristen sorgen. Mit Duisburg haben die jedoch wenig zu tun. Es reicht allerdings, dank der Erinnerungen an eine Uni-Exkursion dorthin, die Blechbläser aus dem gedanklichen Bild zu entfernen. Ich bleibe jedoch sitzen und fahre bis Rheinhausen weiter.

LINT der NordWestBahn als RB 31 in Rheinhausen
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Der Bahnhof von Rheinhausen
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Kleiner Vorplatz und Taxiplatz |

Kleiner Wermutstropfen: "Wegen einer Streckensperrung...." |
Rheinhausen ist ein kleiner Umsteigeknotenpunkt. Hier trifft der Niederrheiner auf die Strecke Duisburg-Krefeld. Neben der RB 31 hält hier der "Rhein-Haard-Express" der Linie RE 2 und die RB 33 "Rhein-Niers-Bahn" von Aachen nach Duisburg bzw. von Mönchengladbach nach Wesel. Der Bahnhof hat zwei Inselbahnsteige, die ein kurzes Stück überdacht sind und mit der Straße über eine kleine Unterführung verbunden sind.

TALENT des alten "Niederrheiners" in Rheinhausen |
Für den Niederrheiner ist von Rheinhausen aus Richtung Duisburg Hauptbahnhof die letzte Etappe angebrochen. Durch die Halte Rheinhausen-Ost und Hochfeld-Süd rast der Zug ohne Halt durch, ebenso der Regionalexpress. An diesen beiden Stationen hält nur die Rhein-Niers-Bahn, die hier im Halbstundentakt verkehrt, bedingt durch die Überlagerung der zwei stündlich fahrenden Linieneinheiten zwischen Mönchengladbach und Duisburg. Zwischen Rheinhausen und Hochfeld überquert die Strecke über der großen Hochfelder Eisenbahnbrücke den Rhein.
Normalerweise. Rheinhausen hat im Dezember eine Weichenstörung. Nachdem der NWB-Lokführer die Fahrgäste erst zur nachfolgenden RB 33 nach Duisburg verweist, in der der Lokführer allerdings ebenfalls das Ende der Zugfahrt ankündigt, wird die Meute im Stich gelassen. Die ersten vier stürzen sich auf das einzige Taxi. Busse fahren hier nur nach Rheinhausen-Mitte. "Von da aus haben Sie aber guten Anschluss nach Duisburg!" Möglich. Aber der nächste Bus nach Rheinhausen-Mitte fährt in einer halben Stunde. Die Fahrgäste zerstreuen sich in Grüppchen in alle Richtungen - jeder beherzigt irgendeinen Vorschlag. Die Intuition, dass eine Weichenstörung eigentlich gar nicht lange dauern muss, ist goldrichtig. Eine halbe Stunde später teilt der Lokführer der NWB mit, dass er nun nach Duisburg fahren würde. Einer sagt am einen Bahnhofsende Bescheid, der andere am Vorplatz. Und in einer Kleingruppe geht es kurz darauf auf dem linken Gleis in Mopsgeschwindigkeit mit Halt an allen Unterwegsbahnhöfen zum Einsammeln der Wartenden nach Duisburg. Während die einen ein teures Taxi bezahlen, die anderen irgendwohin gelaufen sind, haben wir paar Leute durch Verharren ausnahmsweise die richtige Entscheidung getroffen. Und eines merkt man immer wieder bei derartigen Vorfällen: Plötzlich reden die Menschen miteinander. Fremde kommen miteinander ins Gespräch. Passenderweise haben alle ein Thema: "Das ist eine Scheiße mit der Bundesbahn" :-)
Weiter. Wir waren bei der Hochfelder Eisenbahnbrücke. Es ist der vierte Brückenbau an dieser Stelle. Der freistehende Brückenkopf neben der heutigen Brücke stammt vom ersten Bau, der 1873 fertiggestellt wurde. Die Brücke wurde in den 1920er Jahren durch einen Neubau ergänzt und die alte Brücke von 1873 bis auf den markanten Brückenturm abgerissen. Die Brücke wurde gegen Ende des zweiten Weltkriegs von deutschen Truppen selbst zerstört. 1945 wurde von den Amerikanern eine Behelfsbrücke errichtet. 1949 war der Bau der heutigen Brücke abgeschlossen. Neben der doppelgleisigen Bahntrasse trägt sie auf der Nordseite einen Fußgängerweg. Unter der Brücke ist auf dem östlichen Ufer der RheinPark entstanden - ein kleiner begrünter Park.

Durchfahrt des Niederrheiners durch Rheinhausen-Ost |

Duisburg-Hochfelder Brücke |

Hochfelder Brücke und RheinPark |

Rheinhausen Ost, der westliche von zwei Bahnsteigen |
In Duisburg Hauptbahnhof endet die Fahrt mit dem Niederrheiner. Mit zirka einer Stunde Verspätung. Der Triebwagen wird in den Rangier- bereich des Bahnhofs vorgezogen und wartet auf neue Aufgaben. Und zu Hause werden erstmal Eisenbahn-Plätzchen gebacken.
"Ave Caesar. Amici vehiculum ferrum te salutant!"
Informatio ascripto (Zusatzinformationen):
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(c) Bilder, Text und Grafiken: Seb. Hellmann - www.mytrainsim.de |