Tagesfahrt in NRW: Teil 15 - RB 47: Der Müngstener
Die RB 47 "Der Müngstener" ist eine Regionalbahnlinie zwischen Wuppertal und Solingen. Dabei ist die Strecke keine Direktverbindung.
Sie führt vom Wuppertaler Hbf zunächst nach Nordosten, also genau entgegengesetzt von Solingen, nach Oberbarmen, knickt dort nach Süden ab und passiert Remscheid. Dann geht es wieder nach Westen bis Solingen Hbf.
Die Strecke ist größtenteils zweigleisig und unelektrifiziert. Bis Oberbarmen wird die südliche der beiden Magistralen NRWs, die "Wupperschiene" genutzt. Betrieben wird die Linie von DB-Regio, hier fährt der Müngstener inzwischen werktags im 20-Minuten-Takt, am Wochende immerhin im Halbstundentakt.
Eingesetzt werden modernisierte Dieseltriebwagen des Typs VT 628.4. Man plant jedoch, die Strecke zu elektrifizieren und die S-Bahn S7 zu erweitern. Für die Fahrt zwischen den Endbahnhöfen benötigt der Müngstener etwas weniger als eine Stunde. Es gäbe mit dem RE 7 eine schnelle Non-Stop-Verbindung zwischen Wuppertal Hbf und Solingen Hbf, die nur zehn Minuten fährt. |
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Die RB 47 deckt eher die kleinen Orte im Bergischen ab. Benannt ist diese Regionalbahn nach der nicht mehr existenten Ortschaft Müngsten an der Wupper zwischen Remscheid und Solingen.
Die Neuauflage der Exkursion zum Müngstener findet ein Jahr später als die erste Erkundung statt. Damals fuhr der Zug noch im Halbstundentakt, die meisten Bahnhöfe waren irgendwie Baustelle und das Wetter bescheiden. Mit der Hönnetalbahn geht es nach Unna, von dort mit... naja, zuerst kommt die Hellweg-Bahn, mit der fahre ich bis Holzwickede, um die Zeit totzuschlagen. In Holzwickede wiederum sehe ich am Informationsdisplay schon einen freundlichen Lauftext: "RE 7 nach Krefeld: 18 Minuten später". Wieso genau 18 Minuten? Ich hab in Oberbarmen doch nur 17 Minuten Umsteigezeit...! Das ist mit Absicht!

Die RB 47 "Der Müngstener" erreicht Oberbarmen |

Bahnhof Oberbarmen im Gegenlicht |

Schwebebahnhof und Bushaltestelle - gute Anbindungen |

Häuser in Oberbarmen |
Doch erstens kommt der RE 7 dann doch etwas eher - nach 17 Minuten - und dann holt er durch rasante Fahrweise Zeit auf. Punkt Abfahrtszeit komme ich in Oberbarmen auf Gleis 6 an - aber der Müngstener ist noch nicht da. Schlauerweise steht in der Zielanzeige in Oberbarmen nicht, dass der Müngstener nach Solingen, sondern nur nach Remscheid fährt. Und in der Laufzeile steht, dass er dann doch noch weiter geht. Das ist mal Logik, die verwirrt. Mit fünf Minuten Verspätung - ohne, dass es groß angekündigt wurde - rollt der rote Dieseltriebwagen Typ 628.4 ein.
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Zunächst geht es nach Lennep. Gott sei Dank nur ein kurzes Stück, denn im Zug riecht es nach übergelaufenem Abort. Lennep ist ein Vorort von Remscheid und der Bahnhof eine Riesenbaustelle. Wir halten ganz außen an einem Behelfsbahnsteig. Hier steht ein hölzernes, rohgezimmertes Wartehaus und der Bahnsteig ist über eine Holzbrücke, die auf den Gleisen zwischen Behelfsbahnsteig und Hausbahnsteig aufliegt, verbunden mit der Stadt. Das Bahnhofsgebäude ist groß, etwas baufällig und erinnert ein wenig an das von Erndtebrück - von den hohen Fenstern her.

Bahnhofsgebäude Remscheid-Lennep |

Einfahrt des Müngsteners auf dem Behelfsbahnsteig |

Brückenkonstruktionen zum Gleisqueren |

Ehemaliger Güterbahnhof - eine große, leere Fläche |
Zu Fuß läuft man gut fünf Minuten in die Stadt. Und die überrascht. Bisher kenne ich das Bergische Land nur als verbaut, industriell und irgendwie ein wenig schmuddelig. Ehrlich gesagt musste ich sogar etwas mit mir ringen, bei dem schönen Wetter diese Strecke und keine andere zu besichtigen. Gut, dass ich es doch gemacht habe. Denn gerade Lennep bildet eine kleine, schöne Insel im großen Ozean der Hässlichkeit.
Die Altstadt besteht fast nur aus Schiefergedeckten Häusern, so wie man sie aus dem Sieger- oder Sauerland kennt. Die Kirche hat einen Zwiebelturm und es gibt einen kleinen Markt. Die Geschäfte sind alle nur sehr klein und verstärken den Charakter der Stadt. Insgesamt ist sie sehr sauber. An einigen Laternen hängen blühende Sommerblumen - die jedoch häufiger gegossen werden müssten. Sie sind etwas mickrig und schon arg vertrocknet. Die Stadt quert man durch enge Gässchen. Eine davon heißt passenderweise "Sackgasse", ist aber keine. Doch auch hier finde ich noch siffige Ecken. Höhepunkt ist ein italienischer Imbiss mit der Aufschrift "Der ganz andere Imbiss". Es handelt sich dabei um eine total heruntergekommene und verbretterte Bude. Ist wirklich mal was ganz anderes.

Die Altstadt von Lennep: viel Schiefer, kleine Läden... |

Kirche mit Zwiebelturm im Zentrum |

Nicht viel los. Ist aber auch noch recht früh am Tage |

Gässchen und kleine Straßen in der gesamten Altstadt |

Marktplatz |

Man beachte das Straßenschild: "Sackgasse" an der Hauswand |
Mit dem übernächsten Takt geht es nach Remscheid selbst. Dabei habe ich den letzten Zug so gerade noch gesehen - er hatte wohl ebenfalls Verspätung. Und wieder steige ich in einen Zug, in dem es streng riecht. Duplizität der Ereignisse nennt man das wohl. Aber die Fahrt mit dem Dieseltriebwagen dauert nur knapp fünf Minuten. Und schon stehe ich auf dem Bahnsteig des Hauptbahnhofs. Hauptbahnhof?!

Die RB 47 in Remscheid Hauptbahnhof |

Brücke vom Bahnsteig zur Stadt |

Präsentiere stolz: Der große Hauptbahnhof von Remscheid |

Hier wartet der Müngstener nach Wuppertal auf Abfahrtszeit |

Blick Richtung Stadt. Die Erwartungen werden erfüllt. |

So eine Art Stadtmitte |
Zwangsläufig denkt man ja bei "Hauptbahnhof" an große Empfangshallen, ICEs, unterschiedlichste Bahnlinien in viele Richtungen, Reisezentren, VIP-Lounges, Lautsprecherdurchsagen in mehreren Sprachen und insgesamt an eine riesige Fläche. Und der Hauptbahnhof von Remscheid? Nix von allem. Es ist neben Gevelsberg der einzige Hauptbahnhof in ganz Deutschland, der von nur einer Linie - der RB 47 - angefahren wird.
| Seit 2008 existiert kein Empfangsgebäude mehr. Es wurde abgerissen und mit ihm auch eine stählerne Brückenüberführung und der gesamte Bahnhofsvorplatz. Wo früher der Bahnhof stand und Autos parkten, befinden sich nun Wiesen. Es gibt genau einen Bahnsteig, wo rechts und links der Müngstener hält. Über eine Brücke gelangt man entweder zum Kaufland oder in die Stadt. Zielanzeigen sind eher fehlanzeige, immerhin kommt man statt über die Treppe auch mit einem Aufzug auf das Bahnsteigsniveau.
Soeben knackt der Lautsprecher: "Achtung Sicherheitshinweis: Lassen Sie ihr Gepäck nicht unbeaufsichtigt! Attention - security advice..." Okay, es gibt Durchsagen und auch noch zweisprachig - wenn auch vom Band bzw. der Festplatte. Es fehlt allerdings die Durchsage, dass mein Anschlusszug Verspätung hat. Wir sind schon fünf Minuten über die Zeit und kein Ton kommt jetzt aus dem Lautsprecher. Er bleibt stumm, bis schließlich mit zehn Minuten nach Plan der 628 nach Solingen antuckert. Kaum steige ich ein - der riecht auch nach verstopfter Toilette! Das gibt´s doch gar nicht! Das ist ja nicht auszuhalten! Der Lokführer hat´s gut in seinem Kabuff. Nicht alle Fenster sind im Abteil angekippt. Zwei mache ich auf. Und da man jetzt bei mir gesehen hat, wie das mit dem Öffnen funktioniert, machen es mir einige Fahrgäste nach. Und schon meldet sich hinten Oma Maier, dass es doch zöge und die frische Frisur durcheinander- gewirbelt würde. Ich habe irgendwie darauf gewartet. Es fehlt nur noch die Fraktion, die |
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argumentiert "es ist noch keiner erstunken, aber viele erfroren!". Ey, es ist Sommer! Und angenehm temperiert draußen!
Remscheid Güldenwerth passiere ich. Dahinter lichtet sich der Wald plötzlich und in gefühlten mehreren hundert Metern schweben wir über den Grund. Wir fahren über die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands - die Müngstener Brücke. Weit unter uns schlengelt sich die Wupper durchs Tal. Dummerweise kommt genau jetzt ein Prüfdienst vorbei und möchte den Fahrausweis sehen. Eine Minute eher oder später....! Schließlich fahren wir wieder durch Wald und erreichen direkt hinter der Brücke den Halt Solingen-Schaberg. Der kommt aber erst gleich dran. Zunächst fahre ich bis Solingen.

Haltepunkt Solingen-Mitte |

Südpark mit alten Güterhallen am ehemaligen Hauptbahnhof |
Bis vor Kurzem befand sich der Hauptbahnhof von Solingen nahe an der Innenstadt. Er wurde zunächst 2006 umbenannt in Solingen-Süd und anschließend stillgelegt, dafür wurde der ehemalige Bahnhof Solingen-Ohligs weitab der Stadt Solingen umbenannt in "Solingen Hauptbahnhof" - dorthin fährt ja heute auch der Müngstener. Als Ersatz für den stillgelegten Hauptbahnhof errichtete man zwei neue Haltepunkte - Solingen-Mitte und Solingen-Grünewald - wenige hundert Meter westlich und östlich des alten Bahnhofs. Keinen Kilometer auseinanderliegend.

Ehemaliger Hauptbahnhof von Solingen |

modernisiertes Ex-Bahnhofsgebäude |

Denkmalgeschützte Stahlkonstruktion als Übergang |

Der Müngstener fährt hier nur noch durch |

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Ehemaliges Bahnhofsgebäude |
Am östlichen der beiden neuen Haltepunkte, also Solingen-Mitte, steige ich aus. Von hier aus gelangt man in den sogenannten Südpark. Dieser liegt auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs. Güterschuppen beherbergen heute Cafés und das Plagiatmuseum "Plagiarius". Der alte Hauptbahnhof steht unter Denkmalschutz - insbesondere das Bahnhofsgebäude und eine markante stählerne Überführung über die Gleise, über die man von Bahnsteig zu Bahnsteig laufen konnte. Der Denkmalschutz sorgt dafür, dass ein Großteil des Bahnhofs bis heute erhalten wurde. Die Regionalbahnen fahren mittig durch den Bahnhof hindurch. Bis zu einem Zaun kann man einen der alten Bahnsteige betreten. Der zweite Bahnsteig ist eingeebnet. Hier liegen Teile des Bahnsteigdachs verstreut herum. Die Überführung ist durch ein Tor und auf der anderen Seite durch einen Bauzaun versperrt.
Von Solingen führte einst die sogenannte Korkenzieherbahn nach Wuppertal-Vohwinkel. Den Namen erhielt sie durch ihren Trassenverlauf, der entfernt an einen Korkenzieher erinnert. Auf der Bahnstrecke verläuft heute ein Fahrradweg. Rostige Stahlsteelen weisen den Weg.

O-Bus am Haltepunkt Solingen-Grünewald |

Aufzug und Treppe zum Bahnsteig |

Solingen-Grünewald - brandneu |

Hinter der Brücke das alte Stellwerk des ehem. Solinger Hbf |
Vom alten Bahnhofsgebäude ist es ein Katzensprung zum Haltepunkt Solingen-Grünewald. Hier am Bahnhof fährt auch eine Linie der berühmten Solinger Oberleitungsbusse, kurz O-Busse, vorbei. Damit ist Solingen eine von drei Städten in Deutschland, wo Busse mit Elektroantrieb und Fahrdraht noch fahren. Knapp sechs Kilometer sind es von hier aus bis zur Endstation in So-lingen-Ohligs, wo die Linie am heute so genannten Hauptbahnhof von Solingen weitab von der eigentlichen Innenstadt endet.
Der Bahnhof in Ohligs ist recht groß. Er hat ein funktionales Empfangs- gebäude und drei Bahnsteige. Hier halten auch Fernverkehrszüge. Heute fahre ich nicht noch einmal dorthin, ich war ja im Januar zuletzt dort. Also bitte nicht wundern, wenn in den Fotos von eben Laub an den Bäumen hängt und nun rechts Schnee auf dem Randstreifen liegt.
Und nun freue ich mich schon auf den Besuch der Müngstener Brücke. Mit dem Müngstener (ausnahmsweise riecht der nicht nach Toilette) fahre ich bis Solingen-Schaberg.
Im Führerstand schauen zwei Kinder dem Lokführer über die Schulter.
Kind: "Du-huuu...? Darf ich dich was fragen?"
Lokführer: "klar doch! Was möchtest du denn wissen?"
Kind: "wo parkst du denn den Zug zu Hause?"
Lokführer: "Den nehme ich nicht mit nach Hause. Den stell ich in einem Bahnhof ab. Ich habe auch ein Auto, damit fahre ich nach Hause!"
Kinder - verwundert: "Ach...?!" |

Solingen Hauptbahnhof, ehemals Solingen-Ohligs |
Hier in Schaberg bzw. an der Müngstener Brücke war ich ja schon einmal, daher kenne ich mich ein wenig aus. Es gibt ein Bahnhofsgebäude, das aber augenscheinlich Privatbesitz ist und ein Restaurant beinhaltet. Damals wie heute ist es jedoch geschlossen. Ob es überhaupt jemals öffnet, weiß ich nicht.
Zwei Bahnsteige liegen versetzt gegenüber. Eine Unterführung verbindet sie. Der Bahnhof sieht recht modern aus - allerdings wie so ziemlich alle Halte des Müngsteners. Aber besonders hier ist mit hohem Touristenaufkommen zu rechnen - man hat sich etwas herausgeputzt. So viele Einwohner hat Schaberg nicht, dass es sich für die Regionalbahn lohnen würde, hier zu halten.

Der Müngstener in Solingen-Schaberg |

Die Gegenrichtung zum Hauptbahnhof |

Bahnhofsgebäude, Privat und Restaurant |

Brücken hinter dem Haltepunkt |

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Den Bahnhof "Ohligs" gibt es nicht mehr... |
Hinter dem Bahnhof verläuft ein unbeschilderter Weg entlang der Bahnschienen, um schließlich auf einen großen Abhang zu stoßen. Das ist der Weg nach unten ins Tal der Wupper, zur Basis der Brücke (Wegbeschreibung zur Müngstener Brücke finden Sie ganz unten!).
Die Stadt Solingen hat den Abstieg sehr kinderfreundlich gestaltet. Es finden sich Rutschen am Hang, Musikspielzeuge und eine Kletteranlage, mit Hilfe derer man die Serpentinen abkürzen kann. Das verhindert sehr erfolgreich bockiges "ich-will-nicht-mehr-weiter". Und macht sogar mir sowie einigen Eltern, die mit ihren Kindern dort runtersteigen, Spaß. Und viel schneller als gedacht, hat man die große Höhendifferenz überwunden und steht nach zehn Minuten im Brückenpark.
Unter der Brücke ist nämlich ein kleiner Park entstanden. Zum Einen gibt es hier eine Promenade entlang der Wupper, zum Anderen Möglichkeiten zum Baden, Kioske, Minigolfanlage, Spielgeräte und Liegewiesen. Es ist eigentlich ganz nett gemacht und die Kinder haben sichtlich Spaß. "Pascal!! geh nich so weit raus! Wenn du nicht hör'n kannst, müssen wir gehen...!" Ob das Wasser wirklich so sauber ist, wenn es einmal durch ganz Wuppertal geflossen ist und hier ankommt, um geschätzte 20 Flusskilometer weiter südwestlich in den Rhein zu fließen? Nichtmal Wasserpflanzen geben sich hier die Ehre. Dafür gibt es hier im Süden der Brücke eine andere technische Besonderheit: Eine Seil-Schwebefähre. Hier bezahlt man 50 Cent, um wie bei einer Draisine die Platform, die auf Seilen über der Wupper liegt, fortzubewegen.
Doch nun mal zur Brücke an sich: 107 Meter über der Talsohle verläuft die Strecke, gestützt von einer großen genieteten Stahlkonstruktion, die im Zentrum eine Parabel besitzt. Vielleicht musste der ein oder andere von uns in der Schule schon damit rechnen? Ich jedenfalls musste es in einer Klassenarbeit. Erbaut wurde die Brücke im Jahre 1897, damit vermutlich ziemlich genau hundert Jahre vor der Klassenarbeit, und erhielt zunächst den Namen "Kaiser-Wilhelm-Brücke", benannt nach dem ersten der beiden Wilhelmkaiser. Zur Zeit der Weimarer Republik wurde sie dann umbenannt nach der ehemaligen kleinen Ortschaft Müngsten, die in Steinwurfnähe von der Brücke liegt. Berüchtigt ist die Brücke für die häufigen Suizidversuche.
Doch auch so finde ich es mutig, sich genau im Schatten unter die Brücke auf die Wiese zu legen. Hat der 628.4 eigentlich ein geschlossenes WC-System? Wenn jetzt jemand oben auf der Toilette des vorbeifahrenden Zuges die Spülung betätigt oder seinen Müll aus dem Fenster wirft... Die Brücke ist nämlich unten offen, man kann durch die Schwellen den Unterboden des Triebwagens erkennen. Und damit ist die Brücke auch nicht besonders dicht für gewisse Fäkalien...!

Die Müngstener Brücke über die Wupper mit Brückenpark |

Mit Getöse überfährt der Triebwagen die Brücke |

107 Meter über Grund zuckelt der VT 628 Richtung Wuppertal |

Die Brücke überspannt ein bewaldetes Tal |

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Kletterpfad vom Brückenpark zum Bahnhof Schaberg |
Und nun zurück zum Anstieg. Der ist natürlich erheblich erschwerlicher als der Abstieg. Man benötigt auch etwas länger zum Verschnaufen und Innehalten. Ich brauche etwa eine Viertelstunde und überhole dabei eine Kindergruppe, die sich auf den Rückweg macht.
Ein Richtwert ist die Überquerung der Brücke durch einen vorherigen Zug - dann sollte man zurück. Ab dann läuft die Zeit von 20 Min. herunter.
Die Zeit ist jetzt schon lange abgelaufen. Ich stehe inzwischen am Bahnsteig 2 und der Zug kommt mal wieder nicht. Man kann nicht sagen, dass der Müngstener eine der pünktlichsten Linien des Landes ist. Er kommt mit fast zehn Minuten Verspätung. In Remscheid ist zwar eine Wartezeit eingeplant - bedingt durch die Baustelle in Lennep. Aber auch die ist nur knapp sechs Minuten lang. Verspätung haben wir immer noch, wennschon sie sich nun mit einem Schlag etwa halbiert hat.

Remscheid-Lüttringhausen |

Ehemaliges Bahnhofsgebäude |

Ein rostiger Eaos-Wagen sonnt sich... |

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Aber ich habe keine Anschlüsse zu erwischen, sondern fahre nur bis Lüttringhausen weiter. Dass die Wartezeit hier nur 15 Minuten bis zum nächsten Takt beträgt, ist nicht weiter tragisch. Lüttringhausen ist der nördlichste Stadtteil von Remscheid und grenzt bereits an Wuppertal.
Auch Lüttringhausen hat zwei vis-á-vis liegende Bahnsteige, der westliche ist ein am Abhang schwebender Bahnsteig aus großen Modulblöcken. Es gibt auch ein Bahnhofsgebäude, das jedoch einige hundert Meter weiter nördlich steht. Hier befindet sich auch ein ehemalig genutzter Bahnsteig, der allerdings langsam zuwächst. Das Bahnhofsgebäude ist verlassen. Dennoch findet man noch die blauen Schilder mit dem Richtungshinweis, wo man langgehen müsse. Der Richtung Remscheid weist jedoch auf den Geisterbahnsteig. Da fährt nix mehr. Nur durch.

Bahnhof von Wuppertal-Ronsdorf - ein Kiosk, sonst nichts |

Moderner Bahnsteig |
Es geht nun ein Stück entlang der Autobahn A1 "Hansalinie" Richtung Norden. Wobei das nicht ganz richtig ist. Zwischen Lüttringhausen und Ronsdorf hat die Bahnstrecke eine dicke Beule - betrachten Sie dazu die Karte ganz oben.
Der schönsten einer ist der Bahnhof nicht. Das Bahnhofsgebäude ist ein weniger hübscher Flachdachbau, in dem ein Kiosk untergebracht ist. Er liegt am Ende einer Sackgasse. Es gibt einen Wendehammer für Busse. Eine Fußgängerbrücke verbindet diese Seite der Gleise mit einem Wohngebiet auf der anderen. Gegenüber des Bahnhofs beobachtet mich der Pförtner einer größeren Firma, dass ich auch keine Fotos vom Firmengelände mache.
Gleichzeitig nähern sich etwas später aus beiden Richtungen die Dieseltriebwagen. Ich steige in den Richtung Wuppertal - kein WC-Geruch . Wir nähern uns wieder der A1 und folgen ihrem Lauf ein kurzes Stück nach Norden. An der Ortschaft Rauental befindet sich ein besonderes Tunnelportal mit drei Röhren. Die westlichen beiden gehören zum Rauenthaler Tunnel, der nach Oberbarmen führt, die östliche Röhre zweigt ab in Richtung Langerfeld und heißt Langerfelder Tunnel. In diesem liegt jedoch kein Gleis mehr, die Verbindungskurve zum Güterbahnhof Langerfeld ist stillgelegt. Wir fahren also in eine von drei Röhren, von denen nur zwei am anderen Ende ankommen.
Gott sei dank existiert aber unsere Strecke noch, weshalb wir heile in Oberbarmen ankommen - Ende der Reise für heute. Nur 15 Minuten später fährt der RE 7 in Richtung Unna ein - pünktlich ausnahmsweise. In Unna steige ich in die Hönnetal-Bahn nach Hause um.
Hinter Oberbarmen hält die Regionalbahn noch in Barmen und Unterbarmen - hier als einzige Nicht-S-Bahn, ehe sie den Endbahnhof Wuppertal Hauptbahnhof im Stadtteil Elberfeld erreicht.
| Zusatzinformationen: Anfahrt zur Müngstener Brücke
Mit dem Auto: Es existiert ein Parkplatz an der B229 / Kreuzung L74. Von dort aus kann man etwa 800 Meter laufen, ehe man unter der Müngstener Brücke steht.
Mit der Bahn: Der Müngstener (RB 47) von Wuppertal oder Solingen hält in Solingen-Schaberg direkt an der Brücke (20-Min-Takt in der Wo-che, Halbstundentakt am Wochenende). Vom Bahnhofsgebäude muss man sich zunächst nach Südost wenden und den Gleisen folgen (keine Beschilderung - rechts vorbei am Wohnhaus). An der Rutsche den steil-en Hang hinunterlaufen. Festes Schuhwerk ist angeraten! Für Kinder gi-bt es Unterhaltung in Form von Hangelseilen, Musikinstrumten, Rutsch-en oder Riesentreppenstufen. Für den Abstieg braucht man etwa zehn bis 15 Minuten. Im "Brückenpark" gibt es Möglichkeiten zum Spielen, Schwimmen und Wandern; Außerdem sorgt ein Kiosk für Getränke, Eis und Co. Eine Minigolfanlage und eine Seilschwebefähre sind beson- dere Attraktionen.
Mytrainsim.de wünscht viel Spaß beim Familienausflug! |

Müngstener Brücke im Train Simulator (WupperExpress 11 von G15) |
Fotografien der Brücke / Fahrtzeiten von Zugüberquerungen der Müngstener Brücke:
Von der Südseite (Sonne im Rücken) sieht man eigentlich nur die Züge Richtung Wuppertal sehr gut. Die Gegenrichtung wird meist verdeckt, je nachdem, wie tief man steht. In der Woche fahren die Züge im 20-Minuten-, am Wochenende im Halbstundentakt. Die aktuellen Zeiten entneh-men Sie bitte der Reiseauskunft der Deutschen Bahn für den Abfahrtsbahnhof Solingen-Schaberg. Derzeit liegen die Zeiten bei '15, '35 und '55 (Werktags Mo-Fr) bzw. '25 und '55 (Wochenende) Richtung Wuppertal. Rechnen Sie mit etwa einer Minute Zeitversatz und möglichen Verspä- tungen. Es verkehren gewöhnlich rote Triebwagen des Typs VT 628.4. Zum Abfahrtsmonitor der DB
Folgen Sie einfach dem Weg durch den Brückenpark Richtung Süden. Er mündet an der Seilschwebefähre in einen bergaufführenden, geschot-terten Waldweg. Hier ergibt sich nach ca. hundert Metern eine Lücke im Wald und auch Rastgelegenheit an einer Bank.
Ach so, es fehlt noch der Standardspruch. Sebi on tour - Vielleicht auch bald in Ihrer Nähe!
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Die Wuppertaler Schwebebahn |
(c) Bilder, Text und Grafiken: S.Hellmann - www.mytrainsim.de
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