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Nahverkehr in NRW: Teil 30 - RE 13: Der Maas-Wupper-Express

Der Maas-Wupper-Express verbindet Hamm in Westfalen mit Venlo in den Niederlanden, nicht weit entfernt von der Staatsgrenze nach Deutsch-land. Die 160km lange Linie verläuft u.a. über die südliche der beiden Haupt-Ost-West-Strecken in NRW, die sogenannte "Wupperschiene":

Karte zum Maas-Wupper-Express

Seit Dezember 2009 fährt hier die Eurobahn mit weiß-gelben, fünfteiligen FLIRT (Flinker, leichter, innovativer Regionaltriebwagen). Wegen einer verhinderten Zulassung der neuen Triebwagen durch das Eisenbahnbundesamt (EBA) begann der Betrieb unter der Regie der Eurobahn mit einem Notfahrplan und zahlreichen Ausfällen. Im Januar 2010 ersetzten auf dem Abschnitt Hamm-Hagen zweiteilige Desiro-Triebwagen von Angel Trains in Solotraktion die Züge, im übrigen Abschnitt setzte die Deutsche Bahn im Auftrag der Eurobahn Ersatzzüge ein. Seit dem 1. Februar 2010 werden lokbespannte Reisezugwagen eingesetzt, kurzzeitig als Glanzpunkt mit Rheingold-Aussichtswagen in der ersten Klasse, oder nun zu einer Dreifacheinheit zusammengekoppelte Desiros. Haben viele Eisenbahnfreunde bereits für ein 1.-Klasse-Ticket im VRR gespart, um im auch genannten "Domecar" im Stil des Rheingold-Zuges reisen können, ist ein weiterer Einsatz nach nur einem Tag fragwürdig.

Im Volksmund bzw. beim Zoll hat der Zug den Namen "Drogen-Express" oder "Dope-Express" oder ähnliche rauschmittelbezogene Namensgebungen - dazu später mehr. Zuvor wurden auf der Regionalexpress-Linie von DB-Regio NRW Rotling-Personenwaggons (ehemalige "Silberlinge", n-Wagen) eingesetzt, die von einer Lok der Baureihe 111 gezogen wurden.

Eurobahn Desiro Maas-Wupper-Express

Bild mit Symbolcharakter: Zugelassener RB 59-FLIRT und Ersatz

Maas-Wupper-Express mit Desiro Januar 2010

Desiro auf dem Nordast des Maas-Wupper-Express, hier in Unna

Eurobahn Desiro Maas-Wupper-Express

Ab Februar 2010: Wagenmaterial u.a. der NordOstseeBahn (NOB)

Eurobahn Desiro Maas-Wupper-Express

Etwas außerplanmäßige Begegnung der bunten Ersatzzüge

Einführung: Geographie

Die Orte von Bönen bis Hagen lassen sich allesamt zum Ballungsraum Ruhrgebiet zählen. Dabei liegen Hamm, Bönen und Unna in der Hellwegzone. Hagen selbst ist das Tor zum Sauerland, welches damit leicht gestreift wird. In Hagen-Hengstey werden die Ruhr und die Lenne überquert. Ans Sauerland schließt sich das Bergische Land und das Tal der Wupper an. Dabei ist anzumerken, dass der Name des Bergischen Landes nicht wegen der hügeligen Landschaft so heißt, wie man annehmen könnte, sondern vom alten Herzogtum Berg abstammt. Sonst hieße es ja auch "Bergiges Land". Bei Düsseldorf wird das Niederrheinische Tiefland erreicht und das Ufer des Rheins gewechselt. Die Linie umfährt die Süchtelner Höhen knapp. Hinter Kaldenkirchen passiert der Zug die Staatsgrenze in die Niederlande. Noch auf dem östlichen Ufer, aber schon in Sichtweite der Maas, einem der beiden Namensgeber des RE 13, endet die Linie am Bahnhof von Venlo.

Die Exkursion

Hamm in Westfalen - ein Bahnknotenpunkt im Östlichen Ruhrgebiet. Hier fahren die wichtigsten Nahverkehrslinien des Landes ins Ruhrgebiet, ins Münsterland oder in die Hellwegbörden. In Hamm beginnt der RE 1 "Nordrhein-Westfalen-Express" seine Fahrt durch das Ruhrgebiet, ebenso der Rhein-Emscher-Express der Linie RE 3, der jedoch eine etwas andere Linienführung hat. Die Ems-Börde-Bahn bildet ein kleines Liniennetz zwischen Bielefeld, Münster und Paderborn. Im Hamm halten alle Fernverkehrszüge, womit der Bahnhof im Land, national und international sehr gut angebunden ist. Und dann beginnt in Hamm noch die recht junge Verbindung nach Venlo, die erst seit 2002 in dieser Relation verkehrt und Hamm, das östliche Ruhrgebiet und das Bergische mit den Niederlanden verknüpft.

Bahnhof Hamm

Bahnhofsgebäude von Hamm (Westfalen)

Ems-Börde-Bahn in Hamm

Alte Ems-Börde-Bahn nach Münster

Neue Ems-Börde-Bahn in Hamm

FLIRT der eurobahn in weiß-gelb

Sonderfahrt in Hamm

Hier noch Sonderfahrt, von nun an im Regelbetrieb auf dem RE13

Es geht jetzt etwas rappelig - halt im typischen Rotling-Stil - aber unspektakulär Richtung Südsüdwest. Zusammen mit dem RE 7 "Rhein-Münster- land-Express", der zwischen Hamm und Wuppertal auf der Trasse verkehrt, wird die Exkursion angegangen. "Meine Damen und Herren, herzlich willkommen im Maas-Wupper-Express nach Venlo über Unna, Hagen, Wuppertal, Düsseldorf, Mönchengladbach. Wir wünschen Ihnen eine angenehme Fahrt. Unser nächster planmäßiger Halt ist dann Bönen." - eine Frauenstimme. Kurze Zeit später: "Ich begrüße Sie im RE 13 von Hamm nach Venlo mit den wichtigsten Zwischenhalten in Unna...... Hagen..... öhm....Wuppertal....Düsseldorf.... *tüüüüt* ... Neuss... Mönchen- gladbach.... Dülken....Kaldenkirchen. In Mönchengladbach ändert unser Zug die Fahrtrichtung. Wir wünschen eine angenehme Fahrt! Nächster Halt ist Bönen, Ausstieg rechts." - der Lokführer hat wohl nicht mitbekommen, dass die Zugbegleiterin bereits über ihren Dienstraum entsprechende Durchsagen durchgeführt hat. Aber doppelt hält besser. Zumindest hat die Zugbegleiterin offensichtlich nicht gelogen.

Bahnhof Bönen

Bönen Bahnhof

Bahnhofsgebäude Bönen "Bürger Bahnhof Bönen"

Zugang zum Bahnsteig durchs Empfangsgebäude

Bönen ist der Bahnhof einer Kleinstadt im Kreis Unna. Das Bahnhofsgebäude ist flach, geklinkert, klein und funktional und macht einen eher siffigen Eindruck. Immerhin ist ein Kiosk im Gebäude untergebracht und ein Teil der Stadtverwaltung. Es gibt einen Haus- und einen Mittelbahnsteig, der jedoch nur einseitig benutzt wird. Das dritte Gleis sieht unbenutzt aus. Am Bahnübergang steht ein markantes Stellwerk.

Die n-Wagen des RE13 rumpeln und kreischen. Ich mache das Schiebefenster zu - aus Rücksicht auf die anderen, die versuchen, ein Buch zu lesen. Es ändert sich aber lautstärketechnisch nichts, dafür fehlt jetzt der kühlende Wind. Trotz der Wärme draußen hatte jemand die Heizung auf Maximum gestellt. Und kein anderer wagt sich wieder an den Regler über der Tür. Oder es kommt keiner dran. Kann auch sein. Wir fahren derweil direkt an einem kubistischen Bauwerk vorbei, das man schon von Weitem sieht. Es handelt sich dabei um einen Förderturm der Zeche Königsborn. Als Landmarke trägt er den Namen Ostpol. Nachts markieren gelbe Neonröhren seine Umrisse (siehe Rubrik Industriekultur).

Am Horizont taucht hinter einer Baumreihe jetzt immer deutlich sichtbarer ein langgestreckter Höhenzug auf, auf dem in Richtung Osten Windräder in großen Windparks stehen. Das ist der Haarstrang, auch "die Haar" genannt, neben dem Teutoburger Wald die erste "richtige" Erhebung von der Nordsee kommend. Konnte man bisher im relativ flachen Münsterland sprichwörtlich schon am Freitag sehen, wer am Sonntag zu Besuch kommt, ändert sich das Relief nun zunehmend. Ich

Ostpol Zeche Königsborn

Als "Ostpol" bezeichneter Turm der Zeche Königsborn

befinde mich jetzt inmitten der Hellwegzone, einem schmalen Landstrich mit den fruchtbaren Börden genau an der scharfen Grenze zwischen Tiefland und den Mittelgebirgen Deutschlands. Benannt ist die Hellwegzone oder der Hellweg nach der uralten Handelsstraße Hellweg, die schnurgerade in Ost-West-Richtung entsprechend der heutigen B1 verläuft. Wobei man nicht genau weiß, ob es nun vom keltischen hal (= Salz, wegen des Salzhandels) oder von hel (= hell, licht - für die breite des Weges und der damit verbundenen Sicherheit) kommt. Oder doch von hell (= Hölle)? Die Krimibuch-Reihe "Mord am Hellweg" befasst sich mit dem Thema. Vor allem Unna, der nächste Halt, kommt gerne in den meist in Orten am Hellweg spielenden Kurzkrimis vor. Heimspiel - mein täglicher Umsteigebahnhof auf dem Wege zur Uni:

Bahnhof Unna

Bahnhofsgebäude von Unna

Hönnetal-Bahn in Unna

RB 54 "Hönnetal-Bahn" wartet auf Gleis 18

Hellweg-Bahn in Unna

Ein FLIRT der eurobahn in Unna

Bahnhof Unna

Bahnsteige mit historischer Überdachung

Unna Stadtkirche Morgentor

Unnaer Stadtkirche am Morgentor

Unna Marktplatz

Fachwerkhäuser am Markt

Un(n)a Festa Italiana vom Kirchturm gesehen

Un(n)a Festa Italiana: Italienisches Fest in Unna vom Kirchturm aus

Un(n)a Festa Italiana Fußgängerzone

Lichtbögen zieren die historische Altstadt

Im Bahnhof von Unna, der mangels eines Beinamens eines der kürzesten Stationsschilder der Region trägt, stößt die Strecke Hamm-Hagen auf die Hellwegbahn Dortmund-Soest. Außerdem beginnt hier die Strecke und Linie der Hönnetal-Bahn, die auf diesen Internetseiten separat behandelt wird. Die Bahnsteignummerierung ist etwas merkwürdig. Es gibt zweinhalb aktive Bahnsteige. Zwischen zwei Inselbahnsteigen liegen die Hauptdurchgangsgleise 1 und 2. Nach Norden schließt sich an Gleis 2 das selten benutzte Gleis 4 an. Nach Westen ist der Bahnsteig verlängert mit der Bezeichnung "Gleis 4 West". Hier beginnt die Linie S4, die von Unna via Dortmund Stadtmitte nach Dortmund-Lütgendortmund fährt. Gegenüber von Gleis 1 liegt Gleis 18, hier startet die RB 54 Hönnetal-Bahn. Praktischerweise immer außerhalb der historischen Bahn- steigbedachung, die wirklich sehr hübsch aufgearbeitet ist. Unna ist hier in der Region einer der wenigen grundsanierten Halte. Vor Jahren wurden die Bahnsteige aufgestockt und mit gelben Steinen gepflastert. Das Empfangsgebäude wurde 2007 kernsaniert und erstrahlt in einem neuen Glanz im Baustil von Neoklassizismus und einer Mischung von Rügener Bäderarchitektur - so wirkt es jedenfalls.

Hinter dem Bahnhof beginnt die Fußgängerzone in Richtung Marktplatz. In der Innenstadt stehen historische Gebäude verschiedener Baustile nebeneinander. Im Zentrum überthront die Stadtkirche alles und auch am Marktplatz gruppieren sich Fachwerkhäuser. Der hübsche, historische Stadtkern ist immer einen Besuch wert. Alle zwei Jahre findet in Pisas Partnerstadt das italienische Fest stadt. Unter dem Motto "Un(n)a Festa Italiana" wird die Stadt durch Lichtbögen geschmückt und allerlei italienische Waren werden angeboten.

Alte Hellwegbahn in Holzwickede

Die Hellweg-Bahn nach Dortmund Hbf in Holzwickede

Bahnhof Holzwickede

Mittelbahnsteig mit Pluspunkt, Wendehammer und Taxiplatz

Holzwickede Bahnhof

Stellwerk des Bahnhofs - dicht und verrammelt

Hellweg-Bahn in Holzwickede

Hellweg-Bahn von Dortmund nach Soest fährt ein

Bahnhof Holzwickede

Rhein-Münsterland-Express Richtung Münster in Howi

ICE durchfährt Bahnhof Holzwickede

ICE-2 Richtung Köln fährt durch den Bahnhof durch

Flughafen Dortmund

Dortmunder Flughafen - Terminalgebäude

Wizz air in Dortmund

Blick von der Aussichtsplattform aufs Rollfeld

Mit der Hellweg-Bahn der Linie RB 59 fahre ich bis Holzwickede, gerne "HoWi" oder "Howitown" genannt. Die A1 und die B1, der alte Hellweg, der dem Landstrich seinen Namen gibt, werden überquert. Hier in der Stadt entspringt die Emscher, die durch das nördliche Ruhrgebiet bis nach Dinslaken fließt. Nach ihr ist die Emschertal-Bahn benannt. Nördlich der Stadt liegt der Flughafen von Dortmund, die "Startbahn Ruhrgebiet". Es ist neben Düsseldorf der einzige Verkehrsflughafen der Region. Der Bahnhof wirkt sehr heruntergekommen. Es ist ein Keilbahnhof, weil im Wes-ten die Hellwegbahn von der Hauptstrecke nach Hagen abzeigt. Es gibt einen breiten Haupt-Mittelbahnsteig, auf dem ein Wendehammer für den Shuttle-Bus zum Flughafen eingerichtet ist. Hier stehen auch einige Pluspunkt-Wartehallen. Ein alter, knallgrün gestrichener Schuppen gammelt im östlich gelegenen Unterholz vor sich hin. Ein weiterer kleiner Inselbahnsteig ist an den südlichen Gleisen der Hauptstrecke zu finden. An den nördlichen Gleisen ist das Pendant dazu stillgelegt, ohne Zugang und wird von der Natur zurückerobert. Eine dicke, tote Ratte liegt in der Zufahrt.

"Excuse me...?" Er kommt gerade aus Melbourne in Australien und braucht eine Fahrkarte. Es scheitert fast daran, dass man beim Geldwechsel zu Hause meist nur Fünfzig-Euro-Scheine bekommt. Und genau die nimmt der Automat nicht - zumindest nicht für ein Ticket für knapp 19 Euro. Seine Kreditkarten, deren Namen ich noch nie gehört habe, auch nicht. Wechseln geht nur mit Mühe, besonders die anwesenden Taxifahrer weigern sich vehement. Irgendwann schaffen wir es aber doch irgendwie. Puh. Als nächstes versucht eine junge Frau ihr Glück am Automaten mit dem Ziel, ein Ticket nach Dormagen zu lösen. Kaum bin ich mit ihr fertig, spricht mich noch jemand an. "Excuse me, when will your train leave?!" Im Sinne von "Haben Sie auch für mich noch Zeit?" Zeit, auch ihm ein Ticket nach Dortmund zu kaufen. Es stellt sich heraus, dass er eigentlich noch weiter möchte - bis Münster. "Hauptbahnhof" hält er für einen Münsteraner Vorort, bis ich ihm erkläre, dass man beim englischen Dialog (damit sie nachvollziehen können, was ich genau mache, habe ich auf Englisch umgestellt) vergessen hat, "Hauptbahnhof" mit "central station" oder "main station" zu übersetzen. 13 Euro. Und er hat das selbe Problem wie der Australier am Anfang: Nur Fünfzig-Euro-Scheine. Aber - viel Kleingeld hat er. Sogar sehr viel, fast 13 Euro! Offensichtlich hat er im Flughafen schon ein Kaffee getrunken. Es fehlen zehn Cent. Die schenke ich ihm. "Next time I come to Germany I will organize more little money!" - "The next time you come to Germany you should better rent a car..." Für einen Flughafenbahnhof, der auch noch im RE 7 und auch in der neuen RB 59 stolz bilingual angekündigt wird, ist das einfach nur peinlich. Wie wäre es, wenn der Flughafen mal entsprechendes Personal einstellen und an den Bahnhof postieren würde? Welcome to Germany.

Der Flughafen liegt in relativer Nähe zum Bahnhof, falls gerade kein Bus fährt, kann man zum Bahnhof auch in zehn bis 20 Minuten laufen. Der Flughafen hat eine kleine Terminalhalle, die durch Etagen in die Bereiche Ankunft und Abflug gegliedert ist. Ganz oben befindet sich ein Café mit einer großen Aussichtsplattform, von der sich das Rollfeld (kostenlos) überschauen lässt. Der Flughafen ist der wichtigste im Ruhrgebiet und bietet hauptsächlich Billigflieger-Linien im nationalen und internationalen Bereich.

Bahnhof Schwerte

Schwerte ( Ruhr) Bahnhof

Bahnhofsgebäude Schwerte

Bahnhofshalle mit Buchhandlung

Ardey-Bahn in Schwerte

Ardey-Bahn aus Iserlohn nach Dortmund

Bahnhof Schwerte

Denkmalgeschütztes Eckhaus am Bahnhof

Am Bahnhof Howi fährt der Rhein-Münsterland-Express ein. Mittels des Ostberger Tunnels wird der Haarstrang durchfahren. Im Tunnel reagieren die Ohren auf den Druck und es ist eine Befreiung, wenn man wieder draußen ist. So extrem wie in diesem Tunnel habe ich das noch nie wahrgenommen. Auch erstmals die Strecke fahrende Fahrgäste sind überrascht und üben sich im Druckausgleich mit Nase und Ohren. Es ist sehr lustig, die Leute dabei zu beobachten. Viele versuchen zu gähnen, andere halten sich die Nase zu und versuchen, zu trompeten - wie beim Tauchen. Auch die Tunnelausfahrt an sich ist noch keine Befreiung - nun tritt zuerst der gegenteilige Effekt im Ohr auf. Am Abzweig Heide fädelt die Strecke aus Dortmund Hbf ein bzw. die Strecke Richtung Fröndenberg und weiter nach Kassel und Winterberg aus. Mit Schwerte ist das Ruhrtal erreicht.

Der Bahnhof besitzt ein Empfangsgebäude und drei Inselbahnsteige. Vom nördlichen fahren die LINT der RB 53 "Ardey-Bahn" nach Dortmund und Iserlohn, am südlichsten halten die RE 17 Richtung Warburg und Kassel. Noch bis vor kurzem war Schwerte ein Paradies für Liebhaber mechanischer Stellwerke. Die Formsignale sind leider inzwischen der neusten KS-Signaltechnik zum Opfer gefallen.

Der RE 17 aus Kassel - ein "RegioSwinger" der Baureihe 612 - bringt mich weiter nach Hagen. Unter der Autobahn A45 und A1 hindurch wird hinter Schwerte-Westhofen der Hengsteysee genau am Zusammenfluss von Ruhr und Lenne überfahren. Oben am Berg liegt die Hohensyburg mit dem bekannten Dortmunder Spielcasino. Benachbart dazu ist das Pumpspeicherkraftwerk "Koeppchenwerk", welches in Spitzenzeiten Energie durch Wasser aus einem hochliegenden See gewinnt. In schwachen Passagen wird das Wasser dann wieder hochgepumpt - bis zum nächsten kollektiven Weckerklingeln am Morgen, wenn tausende Kaffeemaschinen, Heizungen und Herde gleichzeitig angeschmissen werden. Es folgt der Abzweig Syburg, wo die Ruhr-Sieg-Strecke Richtung Siegen nach Süden abbiegt. Von rechts nähert sich das Gegenstück aus Essen, um parallel in den großen Güterbahnhof von Hagen einzulaufen. Mit langsamer Geschwindigkeit fährt mein Zug in die Bahnhofshalle des Hauptbahnhofs ein, um unter der großen Bahnhofshalle an Gleis 4 zum Stehen zu kommen. Ich habe jetzt 15 Minuten Aufenthalt.

Alter Maas-Wupper-Express in Hagen

Der alte Maas-Wupper-Express nach Venlo in Hagen

Hagen Hauptbahnhof

Markanter Turm des Bahnhofs

RE 13 in Hagen

Der Steuerwagen steht innerhalb des Stahlgerüsts der Halle

Hagen Hbf

Nicht weit entfernt hat der RE 17 seine Endstation an Gleis 4

Hagen ist ein wichtiger Umsteigebahnhof mit Anschluss ins Sauerland und ins Ruhrgebiet. Offiziell liegt Hagen so gerade noch im Sauerland, womit eine weitere der Nordrhein-Westfälischen Großlandschaften gestreift wird. Wichtigstes Hagener Ausflugsziel ist das Westfälische Frei- lichtmuseum, in dem in einem kleinen Tal alte Werkstätten und Häuser rekonstruiert wurden und die Arbeit von Früher demonstriert wird.

Der Maas-Wupper-Express steht ein Bahnsteig weiter und hat hier planmäßig wenige Minuten Aufenthalt. Am anderen Bahnhofsende fährt soeben der Gegenzug des RE 13 ein. Kraaach-Bumm, die unbeliebten weil ewig klemmenden Türen der ehemaligen Silberlinge schließen sich mit Kraft. Links zweigt die Strecke nach Brügge und Lüdenscheid (Volmetalbahn) ab, um im Goldberg-Tunnel unter der Stadt zu verschwinden. Jetzt rollen wir beschleunigt ins Bergische Land. Dabei muss man leider sagen, dass man auf der gesamten Strecke von den Schönheiten dieser Landschaft wenig erkennt. Ab Hagen sind so gut wie alle Abschnitte durch Wohnhäuser verbaut oder durch große Industrie- oder Gewerbebetriebe erschlossen. Viele Bahn-Abzweige und kleinere Bahnhöfe sind heruntergekommen und schäbig. Man kann nicht sagen, dass sich das Land hier von seiner schönsten Seite zeigt. Dazu kommt die Tatsache, dass das Bergische Land eine klimatisch sehr feuchte Region von NRW ist. Passend dazu fängt es nun an zu regnen:

Bahnhof Ennepetal / Gevelsberg

Ennepetal (Gevelsberg) Bahnhof

Bahnhofsgebäude Ennepetal

Ehemaliger Bahnhof von Milspe

Bahnhof Ennepetal

Aufenthaltsqualität pur. Das Wetter trägt dazu bei.

Bahnhof von Ennepetal

Von weitem gar nicht soo übel.

Mein Telefon klingelt. "Hey, Sebi, wo bist du denn?!" - "Im Zug. Bin gleich in Entenhausen." Böse Blicke vom Vierer nebenan. Ganz klar - sie stei- gen mit mir am nächsten Halt aus. "Nächster Halt: Ennepetal / Gevelsberg. Ausstieg links." Der Spitzname der Stadt ist Entenhausen, damit müssen die Bewohner wohl oder übel leben. Außerdem sind sie bezüglich ihres autofahrerischen Könnens "Europas Nieten" - abgelesen an ihrem Kfz-Kennzeichen "EN". Der Bahnhof von Ennepetal hieß früher Milspe und ist extrem heruntergekommen. Das Empfangsgebäude ist in einem unglaublich schlechten Zustand. Ein Umbau ist aber gerade am Bahnsteig im Gange. Nichtmal das Dach ist dicht. "...'Entenhausen' sagen, aber den Bahnhof fotografieren!" Kopfschüttelnd machen sich die Jungs auf den Weg in die Stadt. Ein ICE rauscht in Richtung Hagen durch und sprüht mit dem Pantographen das Wasser vom Fahrdraht. Blitze zucken dabei. Unter dem Dach des Mittelbahnsteigs versucht ein Mann, dem Regen auszuweichen. "Ich fahre einmal im Jahr Bahn und immer, wenn ich hier stehe, regnets durchs Dach!" Er fährt bis zum Köln-Bonner Flughafen. Und fliegt weiter nach Bangkok, erzählt er stolz. Jahresurlaub. Wenn er wieder kommt, hängt hier kein Blatt mehr am Baum.

Und weil der RE 4 Verspätung hat und vor dem RE 7 kommt, geht es mit ihm zunächst weiter. Der RE 4 heißt so ähnlich wie die betrachtete Linie, nämlich "Wupper-Express", gerne als "Wuppex" bezeichnet und verbindet dabei Dortmund mit Aachen. Er läuft von Hagen bis Mönchengladbach auf der Strecke des Maas-Wupper-Expresses. Es handelt sich dabei um eine relativ alte Linie, die aus dem StadtExpress SE4 von Aachen nach Iserlohn hervorgegangen ist, häufiger aber das östliche Linienende gewechselt hat.

Bahnhof Schwelm

Schwelms Bahnhof außen

Bahnhof Schwelm

...und innen


Weiter geht es nach Schwelm. Der Schauer hat hier bereits aufgehört. Hier fädelt die S8 aus Richtung Hagen, die den Weg über Gevelsberg Hbf genommen hat, wieder auf die Hauptstrecke ein. Gevelsberg ist dabei einer der kleinsten Hauptbahnhöfe Deutschlands und wird nur von einer einzigen S-Bahnlinie angefahren. Es ist damit vergleichbar mit Remscheid, wo nur der Müngstener von Solingen nach Wuppertal hält.

Schwelm ist Kreisstadt des Ennepe-Ruhr-Kreises, nicht Ennepetal, wie ich bisher immer angenommen hatte. Hier sitzt also die Elite der Autofahrer. Schwelm ist insofern eine Grenze, dass hier der Übergang zwischen Westfalen und Rheinland liegt. Schwelm selbst gehört noch zu Westfalen, Wuppertal, die nächste Stadt, ist dem Rheinland zugehörig. Der Bahnhof ist wenig spektakulär. Es mag am Regen liegen und auch an der Tatsache, dass heute mal Sonntag ist. Der nächste Halt ist be- reits in Wuppertal-Oberbarmen.

Während der Zug eher unbeeindruckt tiefer ins Bergische Land abtaucht, weist für die Autofahrer auf der nahegelegenen A46 eines dieser braunen, touristischen Unterrichtungsschilder auf diese Gegebenheit hin. Es zeigt sanfte Hügel, Mischwälder und Schloss Burg auf dem Berg. Passenderweise reicht der Blick aus dem Auto bei der Vorbeifahrt an diesem Schild direkt auf eine Hochhaussiedlung bei Wuppertal. Mit diesem Momenteindruck wird gut beschrieben, dass das Bergische entlang der Wupper dicht bebaut und industrialisiert ist - zumindest wenig so, wie es auf dem Schild suggeriert wird.

Ein Widerspruch: Romantische Unterrichtungstafel und Realität

Wuppertal macht sich seinem Namen alle Ehre - es ist eine sehr langgezogene Stadt im Tal der Wupper. Fährt man mit dem Auto die A46 entlang, kommt man an zig Ausfahrten vorbei. Sonnborn, Cronenberg, Katernberg, Elberfeld, Barmen, Wichlinghausen, Oberbarmen - Man kennt sie aus den WDR2-Verkehrsnachrichten. Bekanntestes Objekt der Stadt ist sicherlich die Wuppertaler Schwebebahn .

Oberbarmen Schwebebahn

Schwebebahnhof Oberbarmen

Wuppertal Oberbarmen Bahnhof Müngstener

Der Müngstener nach Solingen

Bahnhofsgebäude Oberbarmen

DB-Bahnhof Wuppertal-Oberbarmen

Oberbarmen

Häuser am Bahnhof

Wuppertal-Oberbarmen ist der erste Bahnhof, der vom RE 13 angefahren wird. Weil Zugbegleiter oder Lokführer den Bahnhof gerne sehr hastig aussprechen, verstehen manche Fahrgäste nur "La Paloma". Daher wird Oberbarmen auch ab und an "La-Paloma-Bahnhof" genannt. Leider wird auch das auslaufen, da sämtliche Ansagen aller Züge - sofern sie denn inzwischen zugelassen wurden - nun vom Band kommen. Hier liegt direkt gegenüber des Bahnhofs die Endstation der Schwebebahn. In Oberbarmen zweigt die Regionalbahn "Der Müngstener" der Linie RB 47 nach Remscheid und Solingen ab, die über die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands fährt - die Müngstener Brücke. Der RE 7 hält auch noch in Wuppertal-Barmen, mein RE 13 fährt hingegen planmäßig durch. Ebenfalls durchfahren wird von allen RE-Linien der Bahnhof Unterbarmen - man hält erst wieder am Hauptbahnhof.

Wuppertal Hbf

Wuppertal Hauptbahnhof

Elberfelder Bahnhof Wuppertal Hbf

...In Goldlettern als Elberfelder Bahnhof bezeichnet

Wuppertal Hbf

Wuppertaler Schwebebahn fährt aus der Station "Hauptbahnhof"

Wuppertal Hbf

Der Wuppertaler Hauptbahnhof hat viel Dachfläche


Der Wuppertaler Hauptbahnhof liegt im Stadtteil Elberfeld, was in großen, goldenen Buchstaben am Bahnhofsgebäude (Straßenseite) steht. Es gibt einen Haus- und zwei Inselbahnsteige mit jeweils breiten Überdächern. Vom südlichsten fahren die Regionalbahnen und S-Bahnen ab. In Wuppertal beginnt die Linie der S9 Richtung Bottrop und Haltern, die neuerdings mit den modernen 422er-Triebwagen befahren wird. Es war bis 2009 die letzte Linie in NRW mit den alten Triebwagen der Baureihe 420. Außerdem endet hier in Wuppertal Hauptbahnhof auch die Linie RB 48 "Rhein-Wupper-Bahn" nach Bonn-Mehlem. Der Hauptbahnhof hat guten Anschluss zur Schwebebahn, hier muss man allerdings ein Stückchen weiter laufen als in Oberbarmen, wo die Station direkt neben dem Bahnhof liegt. Des weiteren wird die Schwebebahn die Strecke nur noch einmal unterqueren, einige Male bedingt durch die Mäander der Wupper näher herankommen. Ansonsten gibt es keine Umsteigemöglichkeit mehr. Selbst der Bahnhof von Vohwinkel, in dessen Stadtteil die Schwebebahn endet, ist relativ weit von der Haltestelle entfernt.

Ein abschließendes Wort zum Klima, während die Stadtgrenze von Wuppertal verlassen wird: Wuppertal ist mit fast 1200 Litern Nieder- schlag pro Quadratmeter im Jahresmittel die regenreichste Stadt in ganz Deutschland (Vergleich: Dortmund 850 Liter, Berlin 600 Liter, München 1000 Liter, Hamburg 770 Liter; jeweils pro Quadratmeter und mit der ebenfalls gebräuchlichen Einheit Millimeter gleichzusetzen). Es heißt im Volksmund, Wuppertaler Babys würden mit Regenschirm geboren und die Einwohner der Stadt hätten Schwimmhäute zwischen den Fingern.

Zur Untersuchtung der zweiten Redensart (auf eine empirische Untersuchung der Regenschirmfrage in den Kreißsälen der Stadt wurde verzichtet) wurde von einem wirklich in Wuppertal geborenen und hier lebenden Studikollegen eine Hand zur Verfügung gestellt - vielen Dank dazu an Til W. Es zeigt sich, dass Schwimmhäute nur ganz minimal bis gar nicht ausgebildet sind - man betrachte dazu das nebenstehende Bild. Womit diese Frage dann auch geklärt wäre.

Kehren wir zum ernsten Teil des Artikels zurück. Der Maas-Wupper-Ex-

Beweis: Hand eines echten Wuppertalers ohne Schwimmhäute

press verlässt jetzt die gemeinsame Trasse mit dem RE 7, der bei Haan nach Süden Richtung Köln abbiegt. Ohne Halt geht es für den RE 13 nach Düsseldorf. Vorbei an Gruiten (wo auch keiner weiß, wie man es richtig ausspricht. Ich habe mal gehört, es würde "Grüüten" ausgesprochen. Aber ob das stimmt? "Grojten" habe ich auch schon mal gehört), Erkrath und Gerresheim. Hier zweigt die S28, die einzige Diesel-S-Bahn des VRR mit dem Namen "Regiobahn", nach Mettmann-Stadtwald ab. Nächster Halt ist erst wieder der Hauptbahnhof in der Landeshauptstadt Düsseldorf. Das Bergische Land ist hinter uns gelassen - auf geht´s an den Rhein.

Düsseldorf Hbf

Düsseldorf Hauptbahnhof

Düsseldorf Rheinpromenade

Rheinpromenade mit Burgturm

Düsseldorf Rathaus mit Jan Wellem

Rathaus von Düsseldorf

Stadttor Hochhaus Düsseldorf

Stadttor-Hochhaus am Landtag

Gehry-Bauten Medienhafen Düsseldorf

Gehry-Bauten am Medienhafen

Medienhafen Düsseldorf

Der Medienhafen von Düsseldorf

Der Düsseldorfer Hauptbahnhof ist ein wichtiger Knotenpunkt in NRW. Hier enden die wichtigen RE-Linien 3, 6, 10 und 11 sowie die Erft-Bahn der Linie RB 38. Außerdem hält hier sämtlicher Fernverkehr sowie S-Bahnen des Ballungsraums Rhein / Ruhr und der Stadt Köln.

Mit U- und Straßenbahnen gelangt man in die Innenstadt und das Umland. Bekannt für Düsseldorf ist die Altstadt, die "längste Theke der Welt" mit ihren Kneipen, in denen das Altbier ausgeschenkt wird. Im Kontrast dazu steht die Königsallee, meist nur als "Kö" bezeichnet. Hier befinden sich die teuren Hotels, Läden, Auktionshäuser und großen Passagen. Man kann am Rhein flanieren. Die Promenade endet am Landtag, der Regierung des Landes Nordrhein-Westfalen. Der Landtag wiederum steht im Schatten des alles überragenden Rhein-Turms, dem Fernsehturm mit seiner umgekehrt kegelförmigen Spitze. Der Rhein macht hier die Form eines großen Knies - weswegen eine der Rheinbrücken passenderweise "Rheinkniebrücke" heißt. Auf der anderen Seite liegt der Vorort Oberkassel, bekannt für recht hohe Grundstückspreise und Mieten. Auf den Wiesen am Rhein findet alljährlich die große Rheinkirmes statt.

Ich bleibe im Zug sitzen, weil im Zuge der Exkursion des RE 1 Düsseldorf bereits besucht wurde. Hinter dem Hauptbahnhof verlaufen die "Fernbahngleise" neben denen der S-Bahn. Man rumpelt durch die Vorstädte von Düsseldorf. Ab und an wird eine S-Bahn bestehend aus 143er-Trabbis und den alten, rumpeligen x-Wagen, überholt. Und manchmal kommt ein Talent der Regiobahn-S28 entgegen. Schließlich wird bei Düsseldorf-Hamm der Rhein überquert, der Zug erreicht Neuss. In Höhe der Neusser Ölmühle sollte man je nach Windrichtung die Fenster zu schließen - sie verbreitet einen mächtigen, üblen Gestank. Der Neusser Hafen wird umfahren. Nach einem kleinen Zickzack und mehreren Richtungswechseln hält der Zug um Voll am Neusser Hauptbahnhof. Der Gegenzug kommt ebenfalls.

Neuss Hbf

Erft-Bahn in Neuss Hauptbahnhof

Neuss Hbf

Der südliche von drei Ausgängen

Neuss ist die Kreisstadt des Rheinkreises Neuss mit dem Kennzeichen NE. Eine beliebte Kfz-Kennzeichen-Kombination ist übrigens NE-MO. Und wenn dann noch DO-RI aus Dortmund daneben parkt, ist der Pixar-Film perfekt. Der Bahnhof ist etwas trapezförmig angelegt. Das Bahnhofsgebäude samt Radstation liegt in der Mitte der langen Senkrechten des Trapezes an einem kleinen Vorplatz. In Neuss Hbf zweigt die Erftbahn nach Grevenbroich und Horrem ab, auf ihr fährt die gleichnamige Regionalbahnlinie 38. Noch vor dem Hauptbahnhof biegt der Niers-Express ohne Halt in Richtung Krefeld und Kleve nach Norden ab. Außerdem verlässt uns hier die Regio-Bahn auf ihrer Fahrt nach Kaarst.

Erft-Bahn in Neuss

Endstation der Erft-Bahn in Neuss Hauptbahnhof

Von Neuss aus fährt der Zug rasch durch das Gebiet des flachen Niederheins, vorbei an der markanten Skihalle von Neuss sowie ohne Halt an den Orten Büttgen, Korschenbroich und dem ersten Vorort von Mönchengladbach in Lürrip. Schließlich rollen wir bedächtig in den Hauptbahnhof der Stadt ein. Für einen Teil der Mitreisenden ist hier erst einmal Raucherpause angesagt.

Maas-Wupper-Express in Mönchengladbach

Alter Maas-Wupper-Express im Hbf von Mönchengladbach

Bahnhof Mönchengladbach Hbf

Bahnhofsgebäude des Hauptbahnhofs

Mönchengladbach

Es gibt historische Häuser in der Stadt...

Mönchengladbach einkaufsstraße

Hauptachse ist jedoch eine moderne Einkaufsstraße

Mönchengladbach Hbf

RE 2 an seiner Endstation

Mönchengladbach Hbf mit RB33

Düstere Halle über den Bahnsteigen - RB33 nach Aachen

Schwalm-Nette-Bahn in Mönchengladbach

Im Dunkel der Halle steht die Schwalm-Nette-Bahn

Ah, wieder der Bahnhof Goch / "Neustadt". Den kennen wir doch.


Benannt ist die Stadt nach dem Gladbach, der auf dem Stadtgebiet entspringt. Und weil der Name so lang ist, wird er häufig nur M'gladbach od-

er sofort MG abgekürzt - wie das Autokennzeichen. Es ist nämlich eine kreisfreie Stadt. Ein langes Stationsschild, eine sehr düstere Bahnhofshalle. Heute spielt die Borussia, der Gladbacher Fußballverein, gegen Köln. Dementsprechend viele Menschen mit merk- würdigem Eindruck trifft man auf dem Bahnhofsvorplatz, dem Europaplatz. Weiß die EU wohl, dass die Stadt einen riesigen Busbahnhof als Europaplatz bezeichnet? Hier steht ein riesiger Omnibusbahnhof mit überdachten Haltestellen. Die Bedachung versucht man zu begrünen, große Rankgitter sollen Pflanzen die Richtung zeigen, in der sie wachsen sollen. Vom Europaplatz aus verläuft die Hindenburgstraße nach Südwesten. Es handelt sich dabei um die Haupteinkaufsstraße. Sie ist als Fußgängerzone ausgeschildert, allerdings führen viele Buslinien hier durch. Es geht etwas steil nach oben zum Alten Markt. Einige Schritte südlich vom Markt, auf dem heute auch tatsächlich Markt stattfindet, liegt die Münsterbasilika etwas versteckt hinter dem als Rathaus benutzten Benediktiner- klosters.

Weil die Zeit fortgeschritten ist, mache ich mich nicht zu Fuß auf den Rückweg. Auf der gesamten Fußgängerzone fahren alle paar Minuten die Busse irgendwie am Haupt- bahnhof vorbei. Keine zwei Minuten stehe ich an einer der modernen Haltestellen und fahre mit einem MöBus zum Europaplatz zurück.

In Mönchengladbach macht der RE13 Kopf. In Gegenrichtung fährt er dann kurze Zeit später wieder rückwärts aus der Halle hinaus - das obligatorische, große Umsetzen beginnt: "Sagen Sie, darf ich in Fahrtrichtung sitzen? Ich kann rückwärts nicht fahren..."
 

Viersen Bahnhof

Viersen: RB 33 aus Wesel

Bahnhofsgebäude von Viersen

Viersens Empfangsgebäude

RE 2 in Viersen

RE 2 in Viersen Richtung Münster

Viersen Bahnhof

Und sein Gegenzug nach Mönchengladbach


Viersen ist Kreisstadt des gleichnamigen Kreises mit dem Kennzeichen VIE. Womit sich auch so nette Worte vie VIE-L, VIE-H oder VIE-R bilden lassen. Der Trennungsbahnhof ist gerade im Umbau - aber schon jetzt glänzt das weiße Bahnhofsgebäude. Im Innern wird noch gewerkelt.

Mit dem nächsten RE 13 geht es in die letzte Etappe. Im Bahnhof von Viersen zweigt die Strecke in Richtung Niederlande von der Hauptstrecke nach Krefeld ab, wobei beide Strecken einen nahezu spiegelbaren Bogen vollziehen - die eine nach Westen, die andere nach Osten. Meine nach Westen wird hinter Dülken, dem nächsten Bahnhof, eingleisig. Es zieht sich nun durch das flache Land vorbei an Feldern. Hinter Boisheim wird die Stadtgrenze von Viersen erreicht, Breyell gehört bereits zu Nettetal. In beiden Halten wird die Strecke kurz zweigleisig, nur in Breyell gibt es jedoch zwei gegenüberliegende Bahnsteige. Auffällig ist hier die Allee an Bäumen, die unmittelbar neben dem Bahnsteig steht.

Eingleisig geht es weiter, bis wir den letzten Bahnhof auf deutschem Boden erreichen: Kaldenkirchen. Der Erste Eindruck für Holländer.

Steigt man in Kaldenkirchen aus, denkt man, hier sei die Zeit stehen geblieben. Offensichtlich fanden hier im Bahnhof einst Kontrollen zum Grenzübertritt statt.

Bahnhof Breyell

Bahnhof Breyell mit Baumallee

Seit 1995 setzt Deutschland jedoch das Schengen-Abkommen um, weshalb grunsätzlich keine Grenzkontrollen mehr durchgeführt werden. Augenscheinlich wurde seitdem am Bahnhof auch nichts mehr getan. Es fehlt eigentlich nur noch die Durchsage "Herzlich willkommen in der Bundesrepublik Deutschland. Am Schalter bekommt jeder Bürger der DDR ein Begrüßungsgeld...". Genau so stelle ich mir die Grenzbahnhöfe der 80er Jahre vor.

Bis 2002 war Kaldenkirchen der Endbahnhof des Maas-Wupper-Expresses, der mit der Linienführung Düsseldorf-Kalden- kirchen einige Jahre lang nur einen Ausschnitt der heutigen Linie fuhr. Bis 2002 fuhr nämlich der RE 8, der heutige "Rhein-Erft-Express" Koblenz-Mönchengladbach, als "Rhein-Holland-Express" bis Venlo.

Ins Auge fallen die uralten Anzeigen auf den Bahnsteigen. Keine LCD-Technik, auch keine Fallblattanzeigen. Nein, hier drehten sich einst Papier- oder Kunststoffrollen mit Text darauf! Aktiv sind die Anzeiger jedoch nicht mehr. Die meisten zeigen ein weißes Blatt oder den ausgeblichenen Text "Bitte auf Lautsprecher achten". Durchsagen gibt es allerdings keine. Erst recht keine mit "Willkommen..." Die Bahnsteige sind niedrig und bestehen aus vergilbtem Teer oder Pflastersteinen. Ein Mann mit Krücken wackelt erst einmal am Geländer der Unterführung, bevor er sich dran festhält. Es ist nur noch mit einem Draht an einer Halterung festgebunden und schwingt damit frei und bietet keine Haltegelegenheit mehr. Mit vereinten Kräften von Mitreisenden und unter Flüchen gegen die Bahn seinerseits wird er nach unten geleitet.

Das Bahnhofsgebäude ist verschlossen. Es liegt mittig zwischen den Bahnsteigen und einigen westlich verlaufenden Gleisen - ein Inselbahnhof also. Hinter dem Bahnhof befinden sich Relikte vergangener Zeiten: Schuppen, Bahnhofsgebäude, Laderampen. Die meisten Häuser sind verbrettert, hier und da eingeworfene Scheiben. Zugewachsen sind sie alle. Eine kleine Garage ist abgebrannt. Nur noch blass prangt die Aufschrift "Kaldenkirchen" an einem Gebäude. Ein Straßenschild mit dem Geschwindigkeitsgebot "10 km" wäre mit dem Suffix heute gar nicht mehr gültig. Im Schotterbett liegt ein Schild mit der Aufschrift "IRCHEN", also der zweiten Hälfte eines ehemaligen Stationsschildes.

Eigentlich möchte ich auf den Bahnsteig Richtung Mönchengladbach. Doch in der Unterführung... Hm. Zugemauert?! Wie zum Teufel kommen denn die Leute auf den Bahnsteig?? Man muss es wissen: Hinter der Unterführung liegt versteckt noch ein zweiter Tunnel. Man sieht ihn nicht unbedingt, wenn man die Treppen heruntersteigt. Er ist etwas kürzer als der parallelverlaufende und endet auf dem Bahnsteig. Was für eine Baukunst.

Bahnhof Kaldenkirchen

Bahnhof Kaldenkirchen: Zu und geschlossen

Unterführung Kaldenkirchen Bahnhof

Den hinteren Tunnel sieht man auch erst, wenn man ihn sucht.

Maas-Wupper-Express in Kaldenkirchen

RE 13 erreicht Kaldenkirchen

Rollbandanzeiger in Kaldenkirchen

Antike Rollbandanzeiger

Schuppen in Kaldenkirchen

Verriegelt, verrammelt und vergammelt

Bahnhof Kaldenkirchen

Alle Häuser ungenutzt und in schlechtem Zustand

Kaldenkirchen Stationsschild

Hälfte eines Stationsschildes am Rand

Häuser in Kaldenkirchen

Einer von beiden war mutiger. Wohnhaus am Bahnhof

Ein Prüfdienst geht durch den Zug. Natürlich habe ich das richtige Ticket. Am Automaten in Mönchengladbach hatte ich aus Spaß mal geschaut, was es denn kosten würde, über die Grenze zu fahren. Sieben Euro hätte der Automat von mir verlang. Dass ich nicht lache. Anders als bei der Exkursion nach Enschede ("Westmünsterland-Bahn" RB 51) gilt in Venlo nicht mehr das Tarifgebiet von NRW. Generell braucht man für die Überfahrt über die Grenze lediglich ein VRR-Zusatzticket im aktuellen Preis von 2,10 Euro. Hin und zurück also 4,20 Euro. Jeder Kilometer zwischen den Bahnhöfen ein Euro. Kein Wunder, warum so viele aussteigen und zu Fuß oder mit dem Fahrrad weiter gehen.

Es verhält sich nun ähnlich wie bei der Westmünsterland-Bahn. Zuerst niederländische Vorsignalbaken, ein Vorsignal, ein Hauptsignal. Niederländische Oberleitungsmasten wechseln die deutschen ab. Ein Bahnübergang. Das schrille Läuten habe ich noch aus Enschede im Kopf, welches mit der Zeit in der Lautstärke anschwillt und auch noch während der Zugdurchfahrt erklingt. Neben dem Andreaskreuz das blaue Schild mit dem "Waacht!" - man solle auch auf Gegenzüge achten. Macht besonders an eingleisigen Strecken Sinn. Nur zwei Minuten später rollt der Zug in Venlo an den Bahnsteig. Ein kurzes Vergnügen. Auf Kinderkarussells darf man für vier Euro und Zwanzig länger fahren.

Maas-Wupper-Express im Bahnhof Venlo

Alter Maas-Wupper-Express an der Endstation Venlo

Bahnhof Venlo (NL)

Reger Austausch von Ein- und Aussteigern

Und wieder heißt es "Groetjes van de nederlande". Ein Haufen Mobiltelefone piept oder singt jetzt auf einmal, dass eine SMS gekommen ist. Klar, kollektiver Netzwechsel und Begrüßung samt Tarifinformationen durch die niederländischen Netzbetreiber. Ich habe mein Telefon sicherheitshalber schon in Viersen ausgeschaltet. Sonst würde es im Anrufsfalle teuer werden. Mein Studententarif ist nicht ganz auslands- geeignet. Au weia - draußen ist es voll. Eine große Menschenmenge mit vielen Einkaufstüten möchte nach Hause in Deutschland. Im Gegensatz zur Enschede-Fahrt habe ich jetzt keine Zeit mehr für das Umfeld in Venlo. Einmal am Zug entlang - rein und wieder raus aus den Niederlanden. Mir kommt zu Gute, dass es so lange dauert, bis alle einsteigen. Auch der Lokführer, der die Seite wechseln muss, braucht eine längere Zeit. "Vertraging +/- 5 Min", sagt der Fallblattanzeiger auf "Spoor 3" bereits. Waren wir vorher ein Regionalexpress, so heißen wir jetzt "stoptrein". Ein "Stoptrein" entspricht einer Regionalbahn, die überall hält. Im Gegensatz dazu steht der "Sneltrein", der eigentlich mehr dem Regionalexpress entspricht, weil er nicht an jedem Hühnerstall hält. Nunja. Bis Mönchengladbach halten wir ja auch überall. Passt schon.

Mein Stoptrein, der eigentlich nach deutscher Definition ein Sneltrein ist, verlässt die Niederlande ein paar Minuten später wieder rückwärts in Richtung Deutschland. Es fehlt jedoch in diesem Artikel noch die Erläuterung der Spitznamen der Linie. In unserem kleinen Nachbarland ist bekanntlich der Verkauf von Cannabis in Coffee-Shops erlaubt. Einige Grenzreisende nutzen die Gelegenheit, ein wenig des gekauften Stoffs über die Grenze zu schmuggeln. Es kommt zu einem sogenannten Drogen-Tourismus. Der Besitz und Kauf sind aber in Deutschland verboten, daher unternimmt der Zoll regelmäßige Kontrollen. Gerade, weil der RE 13 ein großes Gebiet abdeckt. Mit einmal Umsteigen im Nahverkehr ist man im kompletten Ruhrgebiet, im Sauerland und auch im Raum Köln / Bonn / Koblenz. So ziehen häufig Zollbeamte mit Drogenspürhunden durch den Zug und filzen potenzielle Drogenkuriere. Daher wird der Zug intern bei den Zöllnern und in der Bevölkerung gerne als "Drogen-Express" oder "Dope-Express" bezeichnet. Wobei es heißt, dass die Präsenz und die Kontrollen zu einem starken Rückgang des Schmuggels geführt haben sollen. Von Kontrolle oder Präsenz habe ich viel gesehen. Bis auf einen Prüfdienst, der sich nur für Tickets interessiert, war keiner an Bord.

Sebi on Tour - Demnächst vielleicht auch in Ihrer Nähe ;-)

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