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Nahverkehr in NRW: Teil 21 - RB 50: Der Lüner

Der Lüner ist eine Regionalbahnlinie zwischen Dortmund und Münster und damit zwischen dem Ruhrgebiet und dem Münsterland. Sie hat mit dem Wedauer, dem Bocholter, dem Weseler oder dem Warendorfer gemein, dass sie nach einer Stadt benannt ist, hier nach der Stadt Lünen im Kreis Unna. Die Linie gehört zum sogenannten Hellwegnetz und wird seit Dezember 2008 unter der Regie der eurobahn befahren.

Geographisch ist die Strecke wenig spannend. Vom Ruhrgebiet geht es ins flache Münsterland. Bei Lünen quert die Strecke die Lippe. Bis Werne läuft der Fluss mehr oder weniger parallel im großen Abstand zur Strecke. Dort erfolgt die Abkehr vom Fluss nach Norden. Erst in Münster wird mit dem Dortmund-Ems-Kanal wieder ein größeres Gewässer überquert. Typisch für das Münsterland sind die Wasserschlösser, von denen drei größere Exemplare im Laufe des Artikels auch besucht werden.

Die Strecke ist durchgehend elektrifiziert und größtenteils eingleisig, so gut wie jeder Halt ist jedoch gleichzeitig ein Bahnhof, der ein Ausweichgleis bietet. Ein zweites Gleis soll allerdings in den nächsten Jahren gebaut werden, so sieht es zumindest der Finanzierungsplan zwischen Land und Bahn vor. Generell kreuzen sich die Regionalbahnen des Lüners zur vollen Stunde in Capelle auf der Hälfte der Strecke, in Davensberg findet häufig eine Zugkreuzung mit den InterCitys statt, die ebenfalls auf der Strecke fahren, allerdings ohne Halt. Für die Gesamtstrecke von ca. 55 Kilometern benötigt die Regionalbahn etwa 50 Minuten.

Bis Lünen ist der Takt stark verdichtet. Neben der parallelfahrenden RB 51 »Westmünster- land-Bahn« von Dortmund nach Enschede betreibt die Prignitzer Eisenbahn einen unter den lokalen Eisenbahnfahrern als »Kleiner Lüner« bezeichneten Ableger des Lüners, der heute ebenfalls als RB 51 eingeordnet ist. Bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2010 hieß die Linie übrigens »Der Lünener«, hatte also eine Silbe mehr.

RB 50 Der Lünener Streckenkarte / Linienplan

Beim ersten Versuch wollte ich eigentlich zwei Fliegen mit einer Klatsche schlagen. Zu einem verabredeten Mittagessen in Dortmund war ich früh am Morgen aufgebrochen, um vorher viele Halte auf dieser Verbindung aufsuchen zu können. Damals fuhr der Lüner im letzten DB-Regio-Jahr in Form von »Bügelfalten«-110ern mit Rotlingen (n-Wagen) und Karlsruher Steuerwagen am Haken. Doch netterweise fiel der erste Lüner, damals noch »Lünener« hieß, direkt wegen Schadens am Steuerwagen aus. Der IC 2320 nach Hamburg-Altona bot zwar durch eine Freigabe zu Nahverkehrstarifen eine Alternative, aber mein gewohntes Zickzack-Schema konnte ich damals in die Tonne treten. Lange Zeit stand unter dem alten Artikel der Satz "Ich komme wieder" - nun war ich wieder da. Fast genau ein Jahr später im Oktober 2009.

Inzwischen hat die eurobahn die Linie erfolgreich übernommen und fährt seitdem hier mit FLIRT (Flinker leichter innovativer Regionaltriebwagen) im gelb-weißen Design - zumeist in Doppeltraktion von zwei Vierereinheiten. Die Triebwagen sind sehr hell und freundlich und innen im Champagner-Farbschema mit blau-gelben Sitzen (Hintergrundbild bei größerer Monitorauflösung ab 1280 × 1024 Pixeln). Zwei Toiletten finden sich in einer Einheit, außerdem Mehrzweckabteile mit Fahrrad- oder Kinderwagenparkplätzen und - was besonders fortschrittlich ist in NRW - Fahrkartenautomaten. Der Anfang gestaltete sich durch den kalten Winter 2008 / 2009 etwas holprig durch einfrierende Türen, hohen Verspätungen oder häufigen Zugausfällen. Als Notlösung fuhr man auf dem Lüner zunächst in Solotraktion, weil nicht genügend fahrbereites Fahrzeugmaterial vorhanden war. Es fiel dabei lange eine besonders kritische Beobachtung der eurobahn durch die Presse auf. Jeder Zugausfall war ein Artikel wert.

Los geht es endlich im Dortmunder Hauptbahnhof, der durch die anderen Berichte langsam bekannt sein dürfte. Es wird daher auf eine eingehende Beschreibung verzichtet. Wer sie dennoch gerne lesen möchte, sollte zum Artikel des RE 1 »NRW-Express« wechseln. Später.

Dortmund Hauptbahnhof

Dortmund Hauptbahnhof von der Innenstadt gesehen

Dortmund-Sauerland-Express nach Winterberg in Dortmund

Dortmund-Sauerland-Express nach Winterberg

Hellwegbahn und Ardey-Bahn in Dortmund

Hellweg-Bahn und Ardey-Bahn einträchtig nebeneinander

Der Lünener nach Münter in Dortmund

Der Lüner nach Münster - heutiges Exkursionsziel

Der alte Lünener in Dortmund

Der "alte" Lüner im sommer 2008...

Der neue Lünener der eurobahn GmbH

und der "neue". Und? Welcher ist schöner?

Um genau 09:35 Uhr werden die Trittstufen eingefahren. Auch das lästige Piepen hört jetzt auf, welches beim ständigen automatischen Schließen der Türen ertönt, sobald einer eingestiegen ist. Sitzt man hier zehn Minuten, kann das auf die Dauer ganz schön nervig sein.

Pünktlich geht es los. In Lünen wird die Strecke eingleisig. In Capelle wartet bereits der Gegenzug darauf, dass wir die Strecke räumen. In Davensberg ist erstmal Fahrtende am roten Signal. Es dauert wenige Minuten, dann schießt ein InterCity von hinten an uns vorbei - eine klassische Überholung. Es sollte eigentlich nicht lange dauern, bis der nächste Signalblock frei ist, aber wir stehen und stehen. Minute um Minute verkürzt sich mein Besuch in Amelsbüren. Schließlich brettert noch ein IC-Gegenzug durch Davensberg. Aus einer pünktlichen Regionalbahn wurde eine mit 15 Minuten Verspätung. In Amelsbüren wollte ich eigentlich zur Brücke über den Dortmund-Ems-Kanal gehen, doch das fällt jetzt aus. Natürlich braucht der Zug eine gewisse Zeit bis Münster und zurück, aber die 20 Minuten sind dafür zu knapp.

RB 50 Der Lünener am Bahnhof Münster-Amelsbüren

Der Lüner nach Münster in Münster-Amelsbüren

Bahnhof Münster-Amelsbüren

Stellwerk - dicht und verrammelt

Der Bahnsteig in Amelsbüren ist sehr lang. Der Ausgang befindet sich in Form der Unterführung ganz am Ende auf der Nordseite. Wer falsch aussteigt, darf weit laufen. Am Eingang steht auch ein kleiner Pluspunkt. Das angrenzende Stellwerk ist verlassen. Sämtliche Rollläden sind heruntergelassen. Auf dem Bahnsteig sind kleine Inselchen mit gemähtem Gras.

Während ich in Amelsbüren warte, fährt der FLIRT zehn Minuten lang nach Münster Hbf, macht dort Kopf und kommt zurück. Münster Hbf ist ebenfalls in epischer Breite beschrieben, beispielsweise im Artikel zum RE 2 → Rhein-Haard-Express. Daher fahre ich heute nicht noch einmal dort hin. Aber Bilder von vergangenen Besuchen kann ich wohl zeigen.

Münster Hauptbahnhof Front

Münster Hauptbahnhof

Emsauen-Bahn in Münster Hauptbahnhof

»Emsauen-Bahn« von Rheine

Haard-Bahn RB 42 in Münster Hauptbahnhof

Endstation der »Haard-Bahn« nach Essen

Teutobahn in Münster Hauptbahnhof

Endstation auch für die »Teuto-Bahn« aus Osnabrück (Nieders.)

»Bitte beachten Sie eine Zugverspätung: Eurobahn nach Dortmund kommt ca. fünf bis zehn Minuten später *klick* «. Naja, war zu erwarten. Dafür war der Puffer in Münster Hbf zu klein. Aber witzig, dass viele Durchsagen sämtliche Linien des Betreibers jeweils als "die Eurobahn" bezeichnen. Wie heißt es doch häufig so schön im NRW-Express aus Richtung Aachen: »Nächster Halt: Dortmund. Sie haben dort Anschluss an eine Prignitzer Eisenbahn nach Enschede, an eine Eurobahn nach Münster, an eine Eurobahn nach Hamm, an eine NordWestBahn nach Dorsten...«. Und in Bochum gab es halt »Anschluss an eine Abellio nach Siegen, an eine Abellio nach Iserlohn und an eine Abellio nach Gelsenkirchen«. Wir schweifen ab.

Die Eurobahn... oder besser: Der Lüner, um mal wieder den richtigen Namen zu nennen, kommt mit sieben Minuten Verspätung und setzt mich in Ascheberg ab. Das bedeutet zugleich, dass auch hier die Erkundungszeit von erst 15 Minuten auf etwa die Hälfte schrumpft.

Bahnhofsgebäude von Ascheberg in Westfalen

Bahnhofsgebäude von Ascheberg (Westf.)

Bahnhof Ascheberg

Auf dem Bahnsteig steht ein Maxi-Pluspunkt

Bahnhof Ascheberg mit Pluspunkt und Stellwerk

Bahnhof Ascheberg

Güterschuppen in Ascheberg

Neben dem Bahnhofsgebäude steht ein Güterschuppen

Aschebergs Bahnhof besteht aus zwei Bahnsteigen, die durch ein einziges Gleis getrennt sind. Der Zugang erfolgt - im Gegensatz zu den anderen Bahnhöfen - über einen kleinen Bahnübergang, der durch eine Schranke gesichert ist. Das kleine, schmucke Bahnhofsgebäude hat ein Uhrentürmchen auf dem Giebel, wird aber nicht mehr als Bahnhofsgebäude genutzt. Viel Spielzeug im Garten am Bahnsteig deutet auf eine Kindereinrichtung hin, aber es war zu wenig Zeit, den Gedanken am Klingelschild auf Richtigkeit zu überprüfen.

Der Lünener RB 50 in Davensberg

Bahnhof Davensberg

Bahnhof Davensberg

Markante Unterführung und breiter Bahnsteig

Mit dem Gegenzug, der soeben einfährt, reise ich bis Davensberg weiter. Hätte ich das vorhin gewusst, hätte man den Bahnhof auch eher besuchen können. Eine halbe Stunde verbringe ich an diesem Bahnhof am Rande des gleichnamigen Dorfes. Eine Unterführung endet niveaugleich auf einem Parkplatz, ein Schild verbietet das regengeschützte Parken von Autos im Tunnel. Auf die Idee, in die Unterführung mit dem Pkw hineinzufahren, muss man auch erstmal kommen. Aber das Schild wird wohl nicht umsonst stehen. Davensberg hat wieder einen Mittelbahnsteig, der sehr breit ausfällt und ähnlich wie in Amelsbüren in der Mitte bepflanzt ist. Hier wachsen allerdings dichte Büsche. Das Dach der auf dem Bahnsteig endenden Unterführung wird durch ein Betongerüst getragen, in das markante licht- und luftdurchlässige Segmentsteine eingebaut sind. Lange steht der Lüner noch in Davensberg, weil mal wieder ein InterCity-Gegenzug auf sich warten lässt. Es wird wirklich Zeit für den zweigleisigen Ausbau. Auch diese Triebwageneinheit fährt mit immerhin fünf Minuten Verspätung raus. Ich hoffe, dass der gleich pünktlich fährt, weil ich später auf einen Anschlussbus angewiesen bin...

Der Zug kommt pünktlich. Aber ein rotes Signal für den Lüner und ein soeben auf grün umgesprungenes für das Durchgangsgleis zeigt, dass wir mal wieder auf einen IC warten müssen. Aber der kommt kurz nach Einfahrt der Regionalbahn und wir können schon bald abfahren.

RB 50 der Lünener in Capelle

Bahnhof Capelle

Kreuzungsbahnhof Capelle

Hier kreuzen sich die Regionalbahnen auf der eingleisigen Strecke

Es geht bis nach Capelle, also wie die kleine Kirche nur mit C. Der Bahnhof liegt etwa eineinhab Kilometer außerhalb der Ortsgrenze von Capelle. Regulär kreuzen sich hier die Regionalbahnen. Da man hier grundsätzlich aufeinander wartet, ist so ein Kreuzungsbahnhof immer ungünstig für ausführliche Besuche, weil man hier sonst genau eine Stunde lang verbringt (verbringen muss). Vor allem, weil an diesem Bahnhof wenig spannendes zu dokumentieren gibt. Doch der Bahnhof Capelle hat die Eigenart, genau mittig zwischen zwei der für das Münsterland so typischen Wasserschlössern zu liegen, nämlich dem fünf Kilometer entfernten Schloss Nordkirchen im Westen und dem Schloss Westerwinkel bei Herbern im Osten, etwa drei Kilometer entfernt. Praktischerweise fährt eine Regiobuslinie vom Capeller Bahnhof am Schloss Nordkirchen vorbei - die Linie verbindet außerdem den Ortskern von Capelle mit dem Bahnhof und ist dabei erfreulicherweise sehr gut auf den Zugverkehr ausgerichtet. Er kommt fünf Minuten, bevor der erste Zug einfährt, und fährt fünf Minuten, nachdem der zweite eintrifft. So besteht in beiden Richtungen ein exzellenter Anschluss. Was allerdings passiert, wenn der Zug oder der Bus Verspätung haben, möchte ich ehrlich gesagt gerade nicht testen. Aber wir sind pünktlich und der Mini-Bus wartet bereits. Die Ausmaße sind effektiv angepasst an die Nachfrage - es ist ein Minibus. Es handelt sich übrigens um den R53 von Capelle nach Lüdinghausen.

Zehn Minuten später steige ich als einziger an der Haltestelle »Nordkirchen Capeller Tor« aus. Potenziell gäbe es noch die Haltestelle »Schlosspark Nordkirchen«. Lichtet sich der Wald des Schlossparks, erblickt man das größte Wasserschloss Westfalens:

Schloss Nordkirchen von Süden

Schloss Nordkirchen - das westfälische Versaille

Schlosspark Nordkirchen

Gepflegter Schlosspark

Skulpturen im Schlosspark Nordkirchen

Skulpturen und dekorative Hecken und Büsche

Hauptgebäude des Schloss Nordkirchen

Hauptgebäude von Schloss Nordkirchen

Brücke zum Schloss Nordkirchen

Schmucke Brücken verbinden die Schlossinsel mit dem Festland

Wassergraben und Brücke zum Schloss Nordkirchen auf der Westseite

Gepflegtes Umfeld

Es wurde Anfang des 18. Jahrhunderts gebaut und ist im Baustil des Barocks errichtet. Daher nennt man es auch »Versaille von Westfalen«, in Anlehnung an das bekannte Barockschloss bei Paris. Der Hauptkomplex liegt auf einer rechteckigen Insel innerhalb eines ebenfalls rechteckigen Wasserbeckens. Es ist an vier Sichtachsen ausgerichtet, die über vier Brücken auf der Insel zusammentreffen. Vom Hauptgebäude im Norden zweigen nahezug symmetrisch Gebäudetrakte nach Südosten und Südwesten ab. Nördlich davon liegt ein gepflegter Park mit Skulpturen und künstlerisch geschnittenen Büschen. Auf Wegen lässt sich der Park erkunden. Man trifft auf viele Radfahrer, die ihre Touren durch das flache Münsterland vorbei an diesem Schloss planen. Sollten Sie einmal in dieser Form in der Ecke sein, so ist ein kleiner Umweg eigentlich ein Muss.

Eine halbe Stunde später stehe ich wieder am Capeller Tor. Der R53 kommt auf die Minute pünktlich. Es ist der selbe Bus und der selbe Busfahrer und ich setze mich auf den selben Platz wie vorhin. Ich bin zwar der einzige Fahrgast, aber auf dem Weg steigen noch ein, zwei Leute an verschiedenen Stationen ein. Am Bahnhof kommen wir um '53 an, die Zugverbindung wäre also unproblematisch. Doch ich fahre in dieser Stunde noch nicht weiter. Wie schon erwähnt, liegt Capelle mittig zwischen zwei Wasserschlössern. Das eine wurde eben besucht, das andere, Schloss Westerwinkel bei Herbern, ist jetzt an der Reihe. Es gibt leider keinen Bus dorthin, so wie zum Schloss Nordkirchen. Das heißt, dass innerhalb der mir zur Verfügung stehenden Stunde zwischen zwei Regionalbahnen nach Dortmund knapp drei Kilometer hin und drei Kilometer zurück zu laufen sind. Der Weg ist sehr einfach. An der Kreuzung der L671 mit der Straße »Am Bahnhof«, etwa 100 Meter vom Bahnhof entfernt, nach Osten in eine Allee, immer geradeaus über das Feld und in den Wald. Es ist wenig motivierend, den Weg kilometerlang geradeaus zu sehen, dann zischt ein Radfahrer an einem vorbei, der den Horizont in der Zeit unter zwei Minuten schafft. Aber extra dafür ein Fahrrad mit in den Zug zu nehmen - Nein danke. Und Inliner sind auf Waldwegen auch eher mäßig zu gebrauchen. Eine Viertelstunde später lichtet sich der Wald und der Golfplatz am Schloss ist erreicht. Im Hintergrund scheinen die Türme des Schlosses durch die Bäume.

Vorburg von Schloss Westerwinkel bei Herbern

Vorburg von Schloss Westerwinkel

Eingang zur Vorburg von Schloss Westwerwinkel

Auch hier führen Brücken zum eigentlichen Schloss

Zentrales Gebäude der Vorburg von Westerwinkel

Nördlicher Bereich der Vorburg

Vorburg von Schloss Westerwinkel

Vorburg mit Schatten des Glockenturms des Schlosses

Innenhof von Schloss Westerwinkel

Innenhof des Schlosses Westerwinkel

Schloss Westerwinkel bei Herbern

Das eigentliche Schloss Westerwinkel auf einer weiteren Insel

Westerwinkel ist - wie Nordkirchen auch - ein Barockschloss, allerdings aus dem späten 17. Jahrhundert (Vorburg). Das eigentliche Schloss liegt auf einer Insel und ist rechteckig - in jeder Ecke des Schlosses steht ein mächtiger Turm. Im Inneren ist ein kleiner Hof angelegt. Diesen Hof erreicht man über eine Vorburg, die ebenfalls auf einer großen Insel innerhalb eines Wassergrabensystems liegt. Einfacher gesagt: in einem großen See befindet sich eine Insel, in deren Mitte noch ein See und noch eine Insel liegen. Abgesehen vom Golfplatz wirkt die Anlage weniger gepflegt - offenbar ist sie nicht so touristisch erschlossen wie Schloss Nordkirchen. Dennoch hat auch Westerwinkel einen ganz eigenen Charme.

Nicht viel Zeit! Drei Kilometer Rückweg zum Bahnhof. Um zehn vor qualmen die Sohlen der Schuhe, als ich direkt neben dem Bahnhof an einem Gebäude mit dem Schild »Fahrrad-Verleih« vorbeikomme. Spitzenklasse. Hätte auf dem Hinweg hier vielleicht kein großer LKW vor geparkt, hätte ich es vielleicht auch gesehen. Das Geld hätte ich sogar investiert. Kurz nach mir kommt auch der Zug an. Was für ein Timing.

Bahnhof Werne an der Lippe

Wernes Bahnhof

Der alte Lünener in Werne

Der alte Lüner mit defektem Steuerwagen in Werne

Rathaus von Werne

Renaissance-Rathaus von Werne

Fußgängerzone in Werne

Fußgängerzone von Werne

Weiter geht es nach Werne an der Lippe. In Werne sitzt die Polizei im Bahnhofsgebäude. Der Vorplatz ist nett bepflanzt und das Areal wirkt gepflegt. Das Blumenrondell erinnert in dem Zusammenhang an die »Police-Academy«-Reihe. Es gibt eine Radstation und einen Park-and-ride-Platz. Etwa 1,5 Kilometer weit ist das Stadtzentrum entfernt. In der Uni mussten wir in einer Klausur das Rathaus der Stadt Werne einem Baustil zuordnen. Es müsste Renaissance sein - und das möchte ich dann doch gerne mal selber sehen. Ich kenne nur ungefähr die Richtung, hatte das am Vortag in GoogleEarth kurz vermessen, wie weit ich laufen muss. Aber auch Hinweisschilder weisen den Weg - zumindest am Bahnhof. Es verliert sich irgendwann. Aber die Richtung habe ich auch so ungefähr im Kopf.

Werne ist eine ganz schöne Stadt mit vielen historischen Bauten, vor allem vielen Fachwerkhäusern. Leider ist des Ensemble an der Kirche durch kleine Festzelte verbaut. Soeben wird der große Grill aufgebaut. Ich finde tatsächlich das Rathaus und stelle fest, dass es in Wirklichkeit schöner ist und besser ins Stadtbild passt, als es auf dem Dia während der Klausur war. Nunja, in der Klausur hat man keinen Sinn für schöne Architektur, wie man sich sicher denken kann.

Lünen Hauptbahnhof

Lünen Hauptbahnhof

Bahnsteig der Westmünsterlandbahn in Lünen Hauptbahnhof

Westliche Bahnsteige Richtung Coesfeld und Enschede

Ein Halt weiter liegt Lünen Hbf. Es ist einer der kleineren Hauptbahnhöfe in NRW - hier halten nur ganze zwei Linien. Kleiner können fast nur noch Remscheid Hbf (mit dem Müngstener eine Regionalbahnlinie) und Gevelsberg Hbf (eine S-Bahnlinie) sein. Der Bahnhof ist wie ein Y angelegt, in der Gabel befindet sich das Empfangsgebäude. Östlich und Westlich dazu liegen die Bahnsteige des Lüners und der Westmünsterlandbahn, die von hier aus von Dortmund kommend in Richtung Enschede in den Niederlanden weiterfährt.

Persiluhr und Hotel an der Persiluhr in Lünen

Lünens Persiluhr am Nordende der Fußgängerzone

Brücke über die Lippe in Lünen

Die Fußgängerzone führt über diese Brücke über die Lippe

Fußgängerzone in Lünen

Gemischte Architektur im Stadtzentrum

Rathaus von Lünen

Das Rathaus ist ein Hochhaus

Lünen selbst ist eine Stadt im nördlichen Kreis Unna. Sie liegt direkt an der Lippe. Eine größere Fußgängerzone führt über eine Stahlbrücke über den Fluss. Sie endet an der Persiluhr, auf die die Stadt besonders stolz ist. Sie steht hier - soweit nachvollziehbar - seit Anfang der 1990er Jahre und sollte meines Wissens erst in Unna stehen, wo man allerdings an dem nostalgischen Objekt wenig interessiert war.

Mit dem Bus gelangt man recht schnell vom Hauptbahnhof zu einem weiteren, recht bekannten Schloss: Cappenberg. Es liegt südlich des Ortes Cappenberg über der breiten Niederung der Lippe. Der Hauptteil ist ein dreiflügeliges Barockgebäude aus dem 17. Jahrhundert als Nachfolge eines 1122 gegründeten Prämonstratenserstiftes, das vmtl. im 30-Jährigen Krieg zerstört wurde. Das Schloss ist U-förmig angelegt, beherbergt ein Theater und ein Museum des Kreises und umgibt durch seine Form die 1148 gebaute romanische Stiftskirche mit dem freistehenden Glockenturm. Weitere Gebäude innerhalb der Schlossmauern sind das Alte Pastorat, ein alter unter Denkmalschutz stehender Wasserturm und zwei Restaurationen. Den Eingang markieren zwei Torhäuser. Rings um das Schlossgelände verläuft bzw. verlief ein Wildpark. Noch heute grasen dort Rehe und Hirsche, aber er ist nicht mehr öffentlich zugänglich. Das Areal ist frei zugänglich und der Wasserturm kann gegen 50 Cent Automatengebühr bestiegen werden. Von seiner obersten Plattform lässt sich die Umgebung weit überblicken - kein Wunder: Cappenberg liegt so gut exponiert, dass das Schloss selbst auch von vielen Standpunkten in Lünen, Unna und sogar Dortmund erkannt werden kann.

Cappenberg

Schloss Cappenberg bei Selm

Cappenberg

Weinschänke unterhalb des Wasserturmes

Cappenberg

Blick vom Wasserturm auf die Stiftskirche (mit Einzelturm vorne)

Cappenberg

Braunkohlekraftwerk in Bergkamen

Cappenberg

Torhäuser von Cappenberg

Cappenberg

Markanter Mittelbau von weiter entfernten Wiesen und Feldern

Zurück zur Bahnlinie. Ab Lünen ist - wie bereits beschrieben - der Takt verdichtet. Zusammen mit der »Westmünsterland-Bahn« und dem inoffiziell genannten »Kleinen Lüner« der Prignitzer Eisenbahn lassen sich die folgenden Halte bequem abklappern.

Kurz bevor der Lüner die Lippe überquert, passiert er die Bergehalde der Zeche Victoria. Bis 1983 existierte hier die Schachtanlage. Insgesamt drei Bergehalden wurden von der Zeche aufgehäuft, die heute mehr oder weniger als Naherholungsgebiet und Aussichtspunkt genutzt werden. Die teils bewachsenen steilen Böschungen sind vom Zug aus während der Überquerung der Lippe in Fahrtrichtung Münster auf der rechten Seite gut sichtbar und auch von der Halde aus bietet sich ein guter Blick über die Brücke und die Bahnstrecke.

Victoria

Halde Victoria I / II

Victoria

Blick von der Halde auf die Bahnstrecke und die Innenstadt

Victoria

Nach Osten fällt der Abraumberg flach ab

Victoria

Steile Böschungen markieren den künstlichen Berg

Der erste Halt auf diesem letzten Abschnitt ist Preußen, ein Halt, der vom Namen her immer wieder für Erstaunen sorgt - bis hin zum ernsthaften hektischen Aufwachen von Personen, dass man doch schon viel zu weit gefahren ist! Der Bahnhof liegt zwischen den Lüner Ortsteilen Horstmar und Lünen-Süd, einen Ort Preußen findet man hier nicht. Mit dem ehemaligen Staat Preußen hat der Bahnhof auch nur wenig zu tun. Benannt ist er nach den beiden Schachtanlagen Preußen I und II, die im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts stillgelegt wurden. Den Namen findet man auch im Preußenhafen wieder. Dieser Hafen liegt einige hundert Meter nördlich des Bahnhofs am Datteln-Hamm-Kanal und war der wichtigste Kohleumschlagplatz der Zeche Preußen und der Zeche Gneisenau in Derne. Heute ist er touristisch genutzt, einen großen, alten Hafenkran kann man vom Zug aus sehen, der unmittelbar neben dem Hafen den Kanal über eine Brücke überquert. Auf der anderen Seite wurde aus der Preußenhalde - die nächste an dieser Strecke - und dem Horstmarer See der Seepark Lünen, ein Naherholungsgebiet mit Sportangeboten.

Preußenhalde und Preußenhafen werden unter der Partnerseite www.ruhrgebiet-industriekultur.de ausführlicher betrachtet.

Bahnhof Preußen in Lünen Horstmar mit Westmünsterlandbahn

Preußenbahnhof in Lünen-Horstmar

Preußenbahnhof Lünen

Bahnhofsgebäude von der Gleisseite

Straßenseite des Bahnhofs Preußen in Lünen

und von der Straßenseite: gewerblich ausgenutzt bis unters Dach

eurobahn-FLIRT in Preußen

Der Lüner der eurobahn nach Dortmund fährt ein

Mohr-Kran im Preußenhafen

Ein Rundweg führt über den Rand der Halde

Horstmarer See, Seepark und Schloss Cappenberg

»Krater« in der Preußenhalde

Der Preußenbahnhof hat ein Bahnhofsgebäude, in dem Bäcker, Sonnenstudio und Friseur untergebracht sind. So kann man hier in der Unterführung frühstücken. Die Unterführung endet auf einem Mittelbahnsteig. An der Wand ist ein Bild von Jim Knopf, Lukas dem Lokomotivführer und Emma gemalt, die Hauptfiguren aus dem gleichnamigen Kinderbuch von Michael Ende.

Bahnhof Dortmund-Derne

Bahnhof Dortmund-Derne

Derne mit Zechenturm Gneisenau

Über dem Ortsteil steht der Förderturm der Zeche Gneisenau

Förderturm auf der Zeche Gneisenau in Dortmund-Derne

Eines der wenigen S/W-Bilder bei Mytrainsim: Zeche Gneisenau

Förderturm von Zeche Gneisenau in Dortmund-Derne

Von der Zeche steht nicht mehr viel, es ist eine Brache

Zechenbrache Gneisenau in Derne

Feinkost Albrecht (Nord) auf dem Industriegelände

Westmünsterlandbahn in Derne

»Westmünsterland-Bahn« von Enschede nach Dortmund in Derne

Mit dem nächsten Lüner geht es einen Halt weiter nach Dortmund-Derne. Derne hat ein heruntergekommenes Bahnhofsgebäude und einige ungenutzte Gleise im Unterholz. Überall liegt Müll und Teile der Bahnsteigaustattung oder Straßenschilder, heruntergeworfen von einer nahegelegenen Brücke. Auch Derne ist geprägt durch ein Bergwerk, nämlich die bereits genannte Zeche Gneisenau. Von ihr stehen mit zwei Fördertürmen samt Maschinenhallen noch einige Relikte inmitten eines zugewachsenen Brachlandes. Gegenüber erschließt man gerade einen neuen Gewerbepark.

Lanstroper Ei

Wasserturm »Lanstroper Ei« bei Dortmund-Grevel

Deponie Nordost

Stadt Lünen, gesehen von der Deponie Grevel

Zeche Gneisenau

Fördergerüste der Zeche Gneisenau

Deponie Nordost

Wasserturm bei Lanstrop von der Deponie Grevel

Ehe er den Bahnhof des Dortmunder Vororts erreicht, fährt der Zug an der nächsten größeren Halde vorbei. Dabei handelt es sich allerdings nur in Teilen um eine Bergehalde, die »Halde Links der Tettenbachstraße«, denn der große Rest ist die riesige Mülldeponie Dortmund-Nordost oder die Deponie Grevel. Teilweise lässt auch sie sich auf alten und renaturierten Teilen aus Richtung Dortmund-Grevel erklimmen und bietet eine weite Aussicht auf Lünen, Schloss Cappenberg (klein am Horizont), die Dortmunder Innenstadt und das nahegelegene »Lanstroper Ei«, einem ehemaligen und denkmalgeschützten Wasserturm zwischen den Vororten Grevel und Lanstrop gelegen. Er sorgte in Lünen und Derne für den entsprechenden Druck im Netz und versorgte vor allem die Zeche Gneisenau mit Wasser. Er ist durch seinen rostigen Wasserbehälter in Ei- Form zu einer weithin sichtbaren Landmarke geworden.

Keine vier Minuten Fahrtzeit benötigt der Talent der Prignitzer Eisenbahn, um mich zur nächsten Station zu bringen: Kirchderne. Der Haltepunkt liegt irgendwo mittig zwischen Kirchderne und Alt- Scharnhorst in einem Wäldchen. Die Bahnsteige liegen gegenüber, was angesichts des benachbarten Bahnübergangs recht ungewöhnlich ist. Üblicherweise werden in solchen Ausgangslagen Bahnsteige versetzt angeordnet, damit der Übergang nicht zu lange blockiert wird. Bei drei Linien summiert sich die Schrankenschließzeit stark, was sich auch an langen Staus ablesen lässt.

Es ist die Eurobahn, die mich zum Endbahnhof Dortmund Hbf bringt. Zuvor passieren wir die Westfalenhütte. Ist dies heute einer der flächenmäßig größten Industriebrachen in Deutschlands, begann hier 1871 unter der Regie der Firma Hoesch die Produktion von Eisen und Stahl. Mit der Übernahme der Firma Hoesch durch Thyssen-Krupp begann der Rückgang der Produktion, die auf das Rheinland konzentriert werden sollte. Heute erinnern nur noch einige Namen (z.B. Hoesch-Park) und das Hoesch-Museum an die alte Zeit.

Westmünsterlandbahn in Dortmund-Kirchderne

Die selbe RB 51 in Kirchderne

Bei der Vorbeifahrt an diesem großen Gelände der Westfalenhätte passiert man den 1993 geschlossenen Haltepunkt Dortmund-Hoesch. Bis vor kurzem konnte man die Bahnsteige und alten Wartehäuschen erkennen. Heute ist nicht mehr viel davon zu sehen. In einer engen Kurve nähert sich die Strecke der Hauptschienenverbindung Dortmund-Hamm an. Über die Oerstermärsch-Straße führt eine gekreuzte Doppelbrücke, die obere Trasse ist die ehemalige Verbindung zum Dortmunder Südbahnhof über Dortmund Ost, heute in größten Teilen ein Fußgängerweg. Schließlich rollen wir in den Hauptbahnhof ein. »...Wir bedanken uns für die Fahrt mit der eurobahn!« Ich schließe mich an - diesmal hat alles gut funktioniert. Ich bin wieder am Ausgangspunkt und habe endlich - nach einem Jahr - das Versprechen eingelöst.

Sebi on Tour - Demnächst vielleicht auch in Ihrer Nähe ;-)

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(c) Bilder, Text und Grafiken: S.Hellmann - www.mytrainsim.de

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