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Nahverkehr in NRW: Teil 3 - RB 59: Die Hellweg-Bahn

Die Hellweg-Bahn ist eine etwa 50 Kilometer lange Regionalbahnlinie auf der gleichnamigen Kursbuchstrecke 431 und verbindet den Dort-munder Hauptbahnhof mit Soest. Sie führt damit vom Ruhrgebiet in die Hellwegbörden, benannt nach der parallelverlaufenden, alten Salzhandelsstraße, der heutigen Bundesstraße 1. Der Verlauf der Bahnstrecke und der Linie RB 59 ist auf folgender Karte ersichtlich:

Karte Hellwegbahn

Die Bahnstrecke wurde 1855 nach zweijähriger Bauzeit eröffnet, nur zehn Jahre später zweigleisig ausgebaut und in den 1970er Jahren elektri-fiziert. Gleich fünf wichtige Knotenpunkte verbindet die Hellwegbahn. Neben dem Hauptbahnhof von Dortmund mit Fern- und Nahverkehrslinien in alle Richtungen bieten auch Unna, Soest, Holzwickede und Hörde gute Anschlüsse ins Münster- oder Sauerland. Streckenweise verlaufen andere Linien auf der Hellwegbahn, insbesondere zwischen Dortmund und Hörde sowie zwischen Holzwickede und Unna.

Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2002 hat die Hellweg-Bahn eine Linienkürzung erfahren. Zuvor fuhr sie über Soest hinaus bis nach Paderborn und verdichtete den Stundentakt des heute nicht mehr existenten RE 19 »Hellweg-Express«. Dieser Regionalexpress fuhr von Dort- mund aus über die selbe Strecke wie die RB 59 mit den gleichen Halten und dann über Paderborn weiter bis nach Warburg. Davor verkehrte zwischen Dortmund und Lippstadt seit 1991 die damals neue Zuggattung »CityBahn« (CB). Die CityBahn, definiert in alten Fahrplanheften als "Qualitätszug des Verdichtungsverkehrs" im ländlichen Raum, entstand Mitte der 80er Jahre. Eine der ersten Verbindungen und Versuchsträger zur Steigerung der Fahrgastzahlen durch Verbesserung des Zugmaterials war seit 1984 »Der Aggertaler« zwischen Köln und Meinerzhagen auf der stilllegungsbedrohten Aggertalbahn (heute RB 25 »Oberbergische Bahn«). Vor der CityBahn fuhren am Hellweg die üblichen Nahverkehrszüge (u.a. in den 80er Jahren mit ET 30). 1995 wurde die Gattung in »StadtExpress« (SE) umbenannt. Schließlich folgte auf der Hellwegbahn 1998 die zweite Umbenennung der Gattung zum Regional-Express (RE), bis dieser dann 2002 zugunsten der halbstündlich ver- kehrenden Regionalbahn, wie wir sie heute kennen, gestrichen wurde. Auf dem Abschnitt Soest-Paderborn verkehren heute RE 11 und RB 89.

Von Ost nach West nimmt der Haltestellenabstand und auch die Reisegeschwindigkeit drastisch ab. Für eine Fahrt von Dortmund nach Unna benötigt der Triebwagen ebenso wie von Unna nach Soest etwa 25 Minuten, wobei das Verhältnis der Entfernungen etwa 1:2 beträgt. Folgende Karte mit potenziellen Anschlusslinien und Fahrtzeiten stellt die Umsteigemöglichkeiten des Hellweg-Bahn-Fahrgastes dar:

Betrieben wird die Hellweg-Bahn heute von der eurobahn, die zu 100% zu Keolis gehört. Im Halbstundentakt bzw. am Wochenende im Stundentakt fahren vierteilige Triebwagen des Typs FLIRT (Flinker, leichter, innovativer Regionaltriebwagen) zwischen den Endstationen und benötigen dafür etwa 50 Minuten. Sie sind weiß - gelb lackiert und haben gelbe Türen. Im Innern weisen sie zwei Toiletten auf, Mehrzweckabteile und einen Fahrkartenautomaten (weswegen an einigen Haltepunkten stationäre Fahrkartenautomaten abgebaut wurden). Die Sitze sind in der zweiten Klasse dick gepolstert und in einem blau-gelben unregelmäßigen Muster gestaltet (Hintergrundbild dieser Seite), in der ersten Klasse sind sie schwarz-gelb - passend zu den Vereinsfarben von Borussia Dortmund. Die Wagen sind kameraüberwacht. Haltestellenansagen werden von einer Radiomoderatorin gesprochen und zeichnen sich durch Klarheit und gute Verständlichkeit aus. Der Stationsname wird kurz vor Erreichen eines Haltes wiederholt, außerdem wird auf grobe Anschlussmöglichkeiten hingewiesen. Sämtliche Ansagen werden durch einen melodischen Jingle angekündigt.

Vor Dezember 2008 fuhr auf dieser Linie DB-Regio NRW. Zum Schluss setzte sie hier "Bügelfalten" der Baureihe 110 mit Rotlingen ein, zuvor für kurze Zeit "Trabbis" der Baureihe 143 und davor jahrelang "Knallfrösche" der Baureihe 141. In der Vor-Eurobahn-Zeit waren hohe Verspätungen und Zugausfälle nahezu Alltag. Dazu kommt das alte eingesetzte Wagenmaterial, dessen Türen sehr schwergängig waren und daher sehr unbeliebt bei Pendlern war. Häufig war der erleichterte Satz "gut, dass Sie mit aussteigen, ich krieg die Türen nämlich alleine nicht auf..." zu hören und ab und an haben Fahrgäste einen Halt weiterfahren müssen, weil die Tür klemmte und ein Spurt zur nächsten nicht reichte...

Der Übergang mit der Eurobahn gestaltete sich etwas holprig, da der Winter 2008/2009 mit bis zu -22°C lange besonders eisig war und zu Ausfällen von Türanlagen und ganzen Fahrzeugen führte. Seitdem wurde der Betreiber eine Zeit lang von der Presse besonders kritisch betrachtet und Meldungen über Zugausfälle oder Defekte gerne aufgenommen. Dass es andernorts ebenfalls Mängel und Ausfälle gab, blieb meistens unerwähnt. Mangels einer funktionierenden Waschanlage im Betriebswerk Hamm-Heessen fuhren die Triebwagen in den ersten Monaten mit großflächigen Graffiti. Inzwischen hat sich die Eurobahn auf der Hellweg-Bahn als zuverlässig, sauber und pünktlich etabliert.

Die Geographie:

Die Hellwegbahn verläuft zwischen Dortmund im Ruhrgebiet und Soest am Hellweg. Der Hellweg ist - abgesehen von der Salzhandelsstraße, von der man nicht weiß, ob der Name von hal (Keltisch für Salz), hel (im Sinne von lichter Weg, um nicht überfallen zu werden) oder doch von hell (= Hölle) kommt - eine schmale Landschaft nördlich des Sauerlands und der Haar. In der Hellwegzone liegen einige der bekanntesten Börden, so zum Beispiel die Soester Börde oder die Werl-Unnaer Börde, die zusammengefasst werden zu den Hellwegbörden. Börden sind Ansam- mlungen von besonders nährstoffreichen Löss-Böden. Löss ist ein feines Sediment, das während der letzten Kaltzeit vom Wind in den vegeta- tionarmen Gebieten Norddeutschlands ausgeblasen wurde und mit den vorherrschenden Winden transportiert wurde. Am Mittelgebirgsrand hat sich das Material abgesetzt und bildet wertvolle Grundlage für Ackerwirtschaft. Daher findet man in der Gegend überdurchschnittlich viele Felder.

Das Ruhrgebiet selbst ist eine dichtbesiedelte Metropolregion, besteht aus elf Städten und vier Kreisen und ist mit rund fünf Millionen Ein- wohnern der größte deutsche Ballungsraum. Er ist industriell geprägt und entstand insbesondere während der Industrialisierung wegen der zahl- reichen Kohlelagerstätten. Noch heute wird mancherorts Ruhrkohle abgebaut. Inzwischen sind die meisten der Zechen und Kokereien allerdings geschlossen, ein Strukturwandel ist eingetreten. Neben Gewerbe, Dienstleistungen und Logistik setzt das Ruhrgebiet auch auf Tourismus und Kultur. Nicht umsonst ist das Ruhrgebiet mit Essen europäische Kulturhauptstadt 2010. Mehr Infos dazu unter "Industriekultur" hier auf Mytrainsim.

Die Exkursion Teil 1: Hellweg-Bahn Ost

Es ist zuvor anzumerken, dass die erste Exkursion, die den Hintergrundbericht der Dokumentation darstellt, zu Zeiten der alten Hellwegbahn unter der Regie von DB-Regio NRW stattfand. Die erwähnten Betriebsstörungen sind nicht mehr auf die heutige Situation zu beziehen.

Die Anreise zu dieser Linie ist vergleichsweise kurz - eine Viertelstunde benötigt die Hönnetalbahn nach Unna und schon ist man mitten im Geschehen. Die Umsteigezeit von der Regionalbahnlinie aus Richtung Menden und Fröndenberg ist tagsüber nahezu ideal - knapp fünf Minuten in Richtung Dortmund und zehn in Richtung Soest - umgekehrt ist der Zeitpuffer ähnlich. In den Morgenstunden, also zum Berufsverkehr, wird es Richtung Ruhrgebiet eng - die Hellweg-Bahn fährt eine Minute nach Einfahrt der Hönnetalbahn ab. Und die fährt dann auch wirklich ab. Also insbesondere dann, wenn am meisten Leute die Verbindung wählen, funktioniert der Umstieg nicht.

Bahnhofsgebäude Unna

Bahnhofsgebäude von Unna

Hellweg-Bahn in Unna

Hellweg-Bahn passiert den Bahnsteig Gleis 4 West

Bahnsteigdach Bahnsteige 2 / 4 in Unna

Historisches Bahnsteigdach auf modernisierten Bahnsteigen

Hönnetal-Bahn in Unna

Hönnetal-Bahn mit 2x VT640 an Gleis 18 in Unna

Hönnetalbahn in Unna

RB 54 "Hönnetal-Bahn" mit LINT 41

Busbahnhof Unna

ZOB und Katharinenkirche

Der Bahnhof von Unna hat eines der kürzesten Stationsschilder Deutschlands, befindet sich im Nordosten des Zentrums der Kreisstadt und besitzt zweieinhalb Inselbahnsteige, die im Bereich der Unterführung ihre historische Bahnsteigüberdachung tragen. An den beiden Durchgangsgleisen 1 und 2 halten neben der Hellweg-Bahn die Regionalexpresslinien 7 »Rhein-Münsterland-Express« und 13 »Maas-Wupper-Express« von Hamm, Münster oder Rheine in Richtung Krefeld, Venlo, Düsseldorf und Köln. Die Hönnetal-Bahn hält etwas außerhalb an Gleis 18 außerhalb des Bahnsteigdachs und hat hier ihre Endstation aus Richtung Menden und Neuenrade erreicht. Vom recht einzigartigen Gleis 4 West, einer Verlängerung vom Bahnsteig 4, fährt die S-Bahn S4 als eine der ältesten getakteten Schnellbahnlinien im Ruhrgebiet via Königsborn und Dortmund-Stadtmitte in Richtung Dortmund-Lütgendortmund. Dabei nutzt sie die ausgebaute parallel zur Hellwegbahn verlaufende Strecke von Welver über Königsborn nach Dortmund-Süd, die auf dem Abschnitt Königsborn - Welver stillgelegt und abgebaut ist. Zum zweiten Inselbahnsteig mit Gleis 2, 4 und 4 West führt in der Unterführung neben der Treppe ein Aufzug, Bahnsteig 1 / 18 ist nur durch einen nur von eingewisenem Fachpersonal zu bedienenden Treppenlift barrierefrei angebunden. Es kommt immer mal wieder vor, dass bei Störungen der Anlagen Leute mit Rollator oder Rollstuhl mit der Hellweg-Bahn bis nach Holzwickede oder Lünern weiterfahren müssen, um in Unna mit dem Gegenzug auf dem anderen Bahnsteig anzukommen. Das Bahnhofsgebäude wurde 2007 mustergültig modernisiert und erinnert seitdem ein wenig an die Rügener Bäderarchitektur. In güldenen Lettern steht am Gebäude, dass es sich um den Bahnhof Unna handelt. Neben einem Bäcker und Büros im Obergeschoss befindet sich hier ein Reisezentrum. Seit Einzug des Reisezentrums bemängelt man fehlende Sitzmöglichkeiten. So liest man in der Presse (immer noch) gerne von der zwischen dem Vermieter und der Bahn hin und her geschobenen Verantwortung. Neben dem Bahnhof steht die Radstation in einem gläsernen Haus, das nachts farbig beleuchtet wird. Rings um das elliptisch gebaute Bürohaus und den Eingang zur großen Tiefgarage am Bahnhof befindet sich zurzeit noch der zentrale Omnibusbahnhof. Dieser wird aktuell neu gebaut, zieht näher an den Bahnhof und hat später vom überdachenden Gebäude die Form eines Skateboards.

Die Kreisstadt Unna hat fast 70.000 Einwohner und ist eine der östlichsten Städte, die sich zum Ruhrgebiet zählen. In der Stadtmitte stehen historische Häuser entlang der Fußgängerzone "Bahnhofstraße", die am Marktplatz endet. Mittendrin befindet sich die Unnaer Stadtkirche, die weithin sichtbar ist in der flachen Hellwegzone und nachts durch die blau beleuchtete Turmspitze eine Landmarke darstellt. Beleuchtung ist ein wichtiges Thema in Unna. In den Gebäuden der In den 1970ern geschlossenen Lindenbrauerei an der Massener Straße befindet sich im Brauereikeller das »Zentrum für internationale Lichtkunst«, das weltweit einzige Museum nur für Lichteffekte. Es wird demnächst auf der Partner- Seite www.ruhrgebiet-industriekultur.de näher beschrieben. Zusätzlich findet alle zwei Jahre in der Innenstadt das größte italienische Fest nördlich der Alpen statt, bei dem die Innenstadt mit zahlreichen Lichterbögen bunt geschmückt wird.

Unnaer Stadtkirche - nachts in blau - vom Morgentor gesehen

Historische Fachwerkhäuser am Markt

Un(n)a Festa Italiana - Klein Italien am Hellweg

Marktplatz vom Turm der Stadtkirche aus gesehen

Lindenbrauerei Unna mit dem Zentrum f. internationale Lichtkunst

Camera Obscura von James Turrell auf dem Platz der Kulturen

"An Gleis 1 fährt ein: Hellweg-Bahn nach Soest über Lünern, Hemmerde, Werl, Westönnen. Abfahrt war acht Uhr eins. Vorsicht bei der Einfacht!" Mit der alten Hellweg-Bahn geht es auf die Hellwegstrecke östlich von Unna. Nach dem Zuschlagen der Türen rollt der Zug aus dem Bahnhof Rechts zweigt die Hönnetalbahn nach Fröndenberg ab, links hinter dem Stellwerk Uf die Bahnstrecke nach Hamm. Nach einem kurzen Zwischenhalt in Lünern ist Hemmerde erreicht.

Hellweg-Bahn in Hemmerde

Hemmerde, Gleis 1

Hellwegbahn Hemmerde

Bahnhofsgebäude und der verspätete Gegenzug auf Gleis 2

Bahnhof Hemmerde

Altes Bahnhofsgebäude am Bahnsteig 1

Hellweg-Bahn in Hemmerde

Die alte Hellweg-Bahn schleicht durchs Unkraut

Eurobahn in Hemmerde

Die neue Hellweg-Bahn: FLIRT fährt in Hemmerde ein

Bahnhof Hemmerde

Gaststätte am Bahnhof Hemmerde

Hemmerde ist der östlichste Vorort der Kreisstadt Unna und hat rund 3.000 Einwohner. Die Bahnsteige liegen vis á vis gegenüber, eine Straße führt direkt nebenan über einen Bahnübergang. Der Halt wurde unlängst modernisiert mit Hochbahnsteig, Infosäule, Wartehalle und ... äh... wo ist denn hier ein Fahrkartenautomat? "Ja, da müssen Sie einmal über den Übergang und da hinter den Bäumen ist ein Wartehaus mit Automat", erklärt eine Wartende dem suchenden Fahrgast, der wohl ebenfalls zum ersten Mal hier einsteigt. In der Tat, etwas übertrieben quasi in Ortsmitte steht ein Pluspunkt der Bahn und nebenan ein Dixi-Klo. "Das ist für den Schrankenwärter." Schrankenwärter?? Hier ist doch eine Halbschranke! Nun, wie ich erfahre, ist 2005 ein Teenie vom Gegenzug überfahren worden, als er über den geschossenen Übergang nach Passieren des ersten Zuges lief. Seitdem wird der eigentlich gesicherte Übergang zu Schulzeiten nochmal durch einen Menschen überwacht.

Hellweg-Bahn mit einem vierteiligen Eurobahn-FLIRT auf dem Stadtgebiet von Unna in den Ausläufern der Börde

Der Lautsprecher knarzt. "Achtung in Hemmerde: Die Hellweg-Bahn nach Dortmund kommt etwa zehn bis 15 Minuten später." Aja. "Nicht schon wieder!", schimpft eine Frau mit Fahrrad am Bahnsteig. "Anfang des Jahres lief es doch besser, es häuft sich gerade wieder!". Meines Erachtens häuft es sich, seitdem ich mit der Linie zur Uni pendle. Ich muss meinen Plan, im üblichen Zickzack-Schema nach Lünern zurück zu fahren, vorerst begraben. Dort würde ich zu wenig Zeit zum Umschauen haben, der Gegenzug würde nur wenige Minuten später kommen - wenn ich überhaupt über den Bahnübergang auf die andere Seite käme. "Achtung in Hemmerde: Die Hellweg-Bahn nach Dortmund kommt jetzt etwa 20 Minuten später!". Mehr Leute am Bahnsteig meckern: "Da hätt ich ja sofort später fahren können!". Damals Alltag auf der alten Hellwegbahn.

Hellweg-Bahn Werl

Alte Hellweg-Bahn in Werl; rechts der ehemalige Güterschuppen

Bahnhofsgebäude Werl

Empfangsgebäude des Bahnhofs Werl

"Sind Sie Bahnkenner? Wissen Sie, ob das Fahrradabteil heute vorne oder hinten ist?!" - die ganze Zeit hatte die Frau sich an ihrem Drahtesel festgehalten. Lediglich im Steuerwagen ist Gelegenheit, das Gefährt abzustellen. Als der Zug endlich kommt, kann man ihr sagen: "Fahrradabteil ist vorne" - "Woran sehen Sie das denn auf die Entfernung?!" Um ihr den Unterschied zwischen dem Karlsruher Kopf und der Bügelfalte auf Entfernung zu erklären, fehlt leider die Zeit. Für sie sähe der Zug hinten wie vorne gleich aus, wie sie selbst sagt.

Ich bleibe in Hemmerde und werde den nächsten Takt nach Werl mitnehmen.

"Achtung in Hemmerde: Die Hellweg-Bahn nach Soest über Werl kommt etwa fünf Minuten später." Arghhh! Hätte ich das gewusst! Für Lünern hätte das dicke gereicht. Planmäßig habe ich in Werl etwa eine halbe Stunde Zeit für einen kurzen Stadtbummel. Einmal zur Wallfahrts-Basilika und zurück.

Dort, vor der Basilika, spricht mich ein älterer Mann an, ich sollte mir doch unbedingt den Richterstuhl in der anderen Kirche anschauen, wenn ich schon fotografieren würde. Ich bin mir sicher, dass ein Richterstuhl nicht wirklich auf eine Internetseite zum Thema Bahn, Bahnhöfe und deren Umfelder passt. Aber um ihn nicht zu verärgern, stimme ich ihm zu. Und bewege mich dennoch nach kurzer Zeit wieder Richtung Bahnhof, es wird Zeit. "Nein, das ist die falsche Richtung!" Er ist mir hinterher gelaufen. Mit kritischem Blick auf die Uhr den Weg zur anderen Kirche antäuschen, einmal um den Häuserblock flitzen und dann im Dauerlauf zum Bahnhof. Pünktlich auf die Minute komme ich auf dem Bahnsteig an - verdammte Fußgängerampel! "Achtung in Werl: Die Hellweg-Bahn nach Soest hat etwa 15 Minuten Verspätung! Grund ist..." Nur die Hälfte konnte man verstehen, die Soundqualität lässt sehr zu wünschen übrig. Jedenfalls hätte ich mir - wie üblich - keine Sorgen zu machen brauchen, diesen Zug noch zu erwischen. Und auch für den verdammten Richterstuhl wäre noch genügend Zeit gewesen.

Wallfahrtsbasilika Werl

Wallfahrtsbasilika Werl

Wenig später und einige Kilometer östlich bin ich der einzige, der in Westönnen aussteigt. Ein 3.000-Seelen-Dorf, gehörig zu Werl. Ein schönes, privat bewohntes Bahnhofsgebäude liegt am Haltepunkt, der diesmal versetzt angeordnet ist. Gehalten wird immer hinter dem zentralen Bahn- übergang, der auf den Hof einer Firma führt. Im Süden schließen große Sportplätze an die Station an.

Bahnhof Westönnen

Westönnen, alter Bahnhof

Bahnhofsgebäude Westönnen

Bahnhofsgebäude Westönnen

"Hallo...? Entschuldigen Sie....!" Eine Frau hat im Auto, das neben mir am Bahnübergang stehen geblieben ist, das Fenster auf der Beifahrersei-te heruntergekurbelt. "Ja, bitte?" - "Wissen Sie zufällig, wo hier die Schokoladenfabrik ist?!" Nein, weiß ich nicht. Nichtmal, dass es überhaupt eine gibt. Und auch mein Straßenatlas, den ich heute mit mir herumtrage, weiß es nicht. "Haben Sie einen Straßennamen?" - "Nein, dann könnten wir das ja mit unserem Navi finden..."

Und wieder hat mein Zug fünf Minuten Verspätung. Es gibt keine Durchsage, er kommt einfach später. Letzte Etappe Richtung Osten - mit Höchstgeschwindigkeit erreichen wir Soest. Es ist der längste Abschnitt und zugleich der mit der höchsten Geschwindigkeit. Die Endstation der Hellwegbahn liegt im Gleis 1 direkt am Hausbahnsteig vor dem Bahnhofsgebäude.

Bahnhofsgebäude Soest

Baustelle Bahnhof Soest

Hellweg-Bahn in Soest

Hellweg-Bahn an der Endstation Soest, Gleis 1 [m]

Ems-Börde-Bahn Soest

Neue Ems-Börde-Bahn nach Münster...

RB 89 in Soest

und die alte Variante der RB 89 nach Paderborn

Der Bahnhof von Soest ist ein Fernverkehrshalt. Er hat einen Haus- und einen Inselbahnsteig. Der Bahnhof wurde zum Zeitpunkt des Besuchs umgebaut. Neben der RB 59 hält hier die "Ems-Börde-Bahn" der Linie RB 89 Münster-Warburg, die heute ebenfalls von der Eurobahn betrieben wird, und alle zwei Stunden in jede Richtung der "Rhein-Hellweg-Express" als RE 11 von Düsseldorf nach Paderborn und zurück. Der Bahnhof liegt etwa einen Kilometer außerhalb der historischen Stadtmitte und ist durch romantische Gässchen zu erreichen. Neben dem Dom sind in Soest auch die Wiesenkirche (St. Maria zur Wiese) und Hohnekirche (St. Maria zur Höhe) weit bekannt.

Nur eine Minute vor offizieller Abfahrtszeit ist die Hellweg-Bahn in Soest angekommen. Mit der Ems-Börde-Bahn in Richtung Paderborn ist ein potenzieller Anschluss der Fahrgäste aus Richtung Unna inzwischen auch davongefahren. Der Lokführer hetzt zum Führerstand im Steuerwagen, das Signal schaltet bereits auf freie Ausfahrt und nur kurze Zeit später rollt der Zug fast pünktlich aus Soest in Richtung Dortmund raus.

Hellweg-Bahn in Lünern

Versetzter Bahnsteig 2 von Unna-Lünern

Hellwegbahn Lünern

Der Gegenzug aus Dortmund nach Soest

Endlich Halt in Unna-Lünern - vorhin hatte es ja nicht geklappt. Der Haltepunkt liegt malerisch am Rande des Dorfes und angrenzend an Feldern und versetzt wie in Westönnen. Das alte Bahnhofsgebäude ist heute wohl in Privatbesitz. Wieder kommt mein Zug wieder ohne Kommentar etwa fünf Minuten später. "Wozu gibt es Fahrpläne? - Damit man weiß, dass der Zug Verspätung hat!" Langsam gehen die Witze dazu aus.

RB 59 kurz hinter dem Haltepunkt Lünern in Richtung Dortmund

Mit Unna-Lünern ist der Ostabschnitt der Hellweg-Bahn abgeschlossen. Im üblichen Zickzack-Schema wenden wir uns nun dem Westteil ab Unna zu. Nun nemen die Abstände zwischen den Haltestellen ab und auch die Reisegeschwindigkeit sinkt. Wir erreichen langsam aber sicher das Ruhrgebiet.

Teil 2: Hellweg-Bahn West

Zunächst geht es vorbei an Holzwickede, Sölde und Aplerbeck zum Umsteigepunkt in Hörde.

Bahnhof Hörde

Hörde, die Baracke mit Gleisanschluss. Hinten der Florianturm

Dortmund-Hörde

Bahnhofsgebäude vom Bahnsteig aus gesehen

Dortmund-Sauerland-Express in Hörde

RE 57 aus Winterberg erreicht Hörde

Bahnhofsgebäude Hörde

Über die kleine Bahnhofshalle gelangt man zu den Bahnsteigen

Hörde ist bereits ein Vorort von Dortmund. Der Bahnhof wird liebevoll "Baracke mit Gleisanschluss" genannt und zurzzeit saniert, die Fotos zeigen den Zustand vor 2010. Zu dieser Zeit bestand er aus zwei Inselbahnsteigen, die mit einem Tunnel verbunden waren, der im Bahnhofsgebäude ans Tageslicht kam. Die Bahnsteige waren überdacht und ein Pflasterstein-Teer-Wiesen-Flickenteppich. Im Bahnhof trifft die Hellweg-Bahn auf die Züge Richtung Fröndenberg und Schwerte, namentlich den RE 57 »Dortmund-Sauerland-Express«, der erst wenige Jahre nach Dortmund fährt und den Sauerland-Express auf der Oberen Ruhrtalbahn verdichtet, und die RB 53 »Ardey-Bahn« nach Iserlohn. In den ersten zwei Jahren der Einführung des RE 57 nach Dortmund fuhr dieser durch Hörde durch. Er macht die Station heute zu einem RE-Regelhalt.

Phoenix-West: Ehemaliges Hoesch-Hochofenwerk in Hörde

Hochöfen und Kühltürme werden in einen Park integriert

Silos an den übrig gebliebenen Hochöfen von Phoenix

Freitreppen und Kaskarden rings um die neue "Phoenix-Halle"

Hoesch-Gasometer am Rande des Hochofenwerkes

Ardey-Bahn in Höhe des ehemaligen Hochofenwerks Phoenx-West

Ardey-Bahn nach Iserlohn in Höhe der Halde Schallacker

Hörde ist ein Stadtteil im Umbruch, der bis 1998 bzw. 2001 vom Hochofen- und Stahlwerk "Phoenix" geprägt war - in der Wirtschaft, dem Stadtbild und in der Ökologie. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Vorläufer der Anlagen westlich und östlich des Ortszentrums gegründet, weshalb man bald - nach dem Zusammenschluss mit der Phoenix AG - von den Arealen Phoenix-West und Phoenix-Ost sprach. Den Ostteil passiert die Hellweg-Bahn übrigens vor Einlaufen in den Bahnhof Hörde. An dieser Stelle wird zurzeit ein See angestaut, der den Ort imagetechnisch und im Freizeit- und Erholungsbereich aufwerten soll. Auf dem Gelände von Phoenix-West, also aus Richtung Unna gesehen hinter dem Bahnhof, bleiben zwei Hochöfen und ein Gasometer und einige Fundamente und Gerippe von Kühltürmen erhalten. Der Gasometer weist den für ihn charakteristischen Schriftzug "HOESCH" auf. Aus dem übrigen riesigen Gelände entsteht ein Forschungs- und Gewerbepark. Die ehemalige Gasgebläsehalle ist zu dem Veranstaltungszentrum "Phoenix-Halle" geworden. Für Freunde der Industriekultur und Interessierte an Phoenix-West sei der neue Artikel auf der Themenseite zur Industriekultur ans Herz gelegt.

Blumenbeete und einer von vielen Teichen im Westfalenpark

Durch den Park fährt die »Emschertalbahn«, eine Parkbahn

Dahlien in den schönsten Ausprägungen und Farben

 

Blick talabwärts über weite Wiesen zu Phoenix West

Idyllischer versteckter Teich

Kurz hinter Hörde fährt die Hellweg-Bahn hinter den Gebäuden von Phoenix-West zwischen zwei Parks hindurch: Dem Phoenix-Park auf der linken und dem Westfalenpark auf der rechten Seite. Letzterer ist ein seit 1959 existierender Park, in dem bereits dreimal eine Bundesgartenschau stattfand, zuletzt 1991. Er zieht sich vom Ruhrschnellweg, der B1, bis zur Bahnstrecke. Größte Attraktion ist der etwa 210 Meter hohe Fernmeldeturm "Florian", der Dortmund meist schon von weitem markiert. Spielplätze und Spielpunkte sind für die Kinder wichtige Anziehungspunkte, Wiesen und blühende Blumenbeete für Botaniker und die, die einfach nur mal faul auf der Wiese liegen möchten. Gegen einen Zusatzeintritt kann man mit dem Aufzug auf den Florian fahren und die Aussicht über Dortmund und das östliche Ruhrgebiet genießen. Ausführlicher und mit Multimedia werden der Westfalenpark und der Florianturm demnächst auf der Themenseite zur Industriekultur vorgestellt.

Florianturm im Westfalenpark Dortmund

Blick von der Aussichtsplattform auf Dortmund

Hoch über der Stadt: Nicolai- und Kreuzkirche mit Telekomhaus

Das Westfalenstadion

Elegant kann mit dem letzten Foto vom Westfalenstadion wieder der Bezug zur Bahnlinienexkursion hergestellt werden, denn die Hellweg-Bahn hält nach Dortmund-Hörde das nächste mal am Bahnhof Signal-Iduna-Park direkt am Stadion und der Messe Westfalenhallen.

Bahnhof Signal-Iduna-Park

Signal-Iduna-Park, der WM-Bahnhof ("Florian" im Hintergrund)...

Brücke über den Bahnhof Westfalenhalle

Eine bunte Brücke überzieht die Gleise

Ardey-Bahn in Dortmund-Signal-Iduna-Park

Doppelte Ardey-Bahn von Iserlohn und Schwerte

Signal-Iduna-Park bzw. Westfalenstadion Bahnhof

Vorbeifahrt am Westfalenstadion, heute "Signal-Iduna-Park"

Dortmund-Sauerland-Express und Stadion

Dortmund-Sauerland-Express aus Bestwig nach Dortmund

Westfalenhalle 1 Intermodellbau

Kreisrunde Westfalenhalle 1 (Messe Inter Modellbau)

Der Bahnhof ist für Massenverkehr ausgelegt, was ermöglicht, dass theoretisch vier Züge gleichzeitig an den beiden langen Bahnsteigen stehen können. In der Woche ist es - abgesehen von einigen Schülern des benachbarten Gymnasiums - menschenleer. Wenn hier aber die Borussia spielt oder eine größere Messe in den Westfalenhallen stattfindet (oder beides), dann ist hier die Hölle los. Dann hält hier auch der RE 57 außerplanmäßig. Für die Fußball-WM 2006 wurde der Haltepunkt extra modernisiert. Die Bahnsteige sind daher im Vergleich zu früher deutlich breiter und die Böschungen lichter gestaltet. Neue Lampen wurden aufgestellt und die Zugänge verbessert. Dabei ist der Umbau allerdings noch eine "Sparversion", war für den WM-Bahnhof doch anfangs eine auffällige Überdachung vorgesehen. Beim Umbau wurden einige Hohlräume im Boden gefunden, die zeitintensiv verfüllt werden mussten. Eine Folge war, dass alle Züge, die hier verkehren, umgeleitet wurden oder ganz ausfielen - teilweise über mehrere Monate hinweg. Pünktlich zur WM wurde der Halt fertiggestellt und verkommt nun langsam nach einer kurzen Hochglanzphase wieder. Hier und da wachsen im Sommer schon Wälder von Gräsern, Müll liegt herum. Pflege ist teuer und aufwändig.

Im Bahnhof fädelt die Volmetalbahnstrecke aus Süden ein. Auf ihr fährt die gleichnamige Linie RB 52 von Lüdenscheid nun zusammen mit der Hellweg-Bahn, der Ardey-Bahn und dem Dortmund-Sauerland-Express zur gemeinsamen Endstation im Dortmunder Hauptbahnhof.

Hellweg-Bahn Dortmund Hbf

Eingang zum Dortmunder Hauptbahnhof

Hellweg-Bahn und Ardey-Bahn in Dortmund

Hellweg-Bahn Seit an Seit mit der Volmetal-Bahn

Der FLIRT der Eurobahn rollt hinter dem Signal-Iduna-Park, der südlich von Dortmund liegt, von Osten aus Soest kommend in einem Bogen um die westliche Innenstadt herum und nähert sich dem Hauptbahnhof daher von Westen. Unter der Schnettkerbrücke zweigt die S-Bahn in Richtung Hagen ab. Die Brücke selbst führt den Ruhrschnellweg, ein autobahnähnlich ausgebautes Teilstück der B1, über das Emschertal. Dahinter kreuzt wiederum die S4, deren östliches Ende in Unna liegt, die Strecke der Hellwegbahn. Zukünftig ist an dieser Stelle ein neuer Haltepunkt in Form eines Turmbahnhofs geplant. Langsam nähert sich der Zug der Bahnstrecke Dortmund-Essen an. Mehrgleisig geht es von Westen in den großen Hauptbahnhof der Stadt Dortmund. An Gleis 4 endet die Fahrt mit der Hellweg-Bahn.

Die Hellweg-Bahn steht damit im Kopfbahnhofsbereich des Hauptbahnhofs. Hier fahren auch Ardey- und Volmetal-Bahn sowie der Dortmund-Sauerland-Express nach Winterberg und die S5 nach Hagen bzw. Mönchengladbach ab. Für weitere Ausführungen zum Dortmunder Hauptbahnhof wird auf den zentralen Artikel zum RE 1 verwiesen - der direkte Link dazu befindet sich am Ende der Seite.

Dortmund-Sölde Haltepunkt

Haltepunkt Sölde

Hellweg-Bahn in Sölde

Geh doch mal aus dem Bild!

Sölde Bahnhof

Das Schild wird überwuchert...

Sölde

 

Mit dem selben Zug fahre ich nun zurück. Vorbei am Signal-Iduna-Park, an Hörde und Aplerbeck bis kurz vor die Grenze der Stadt Dortmund nach Sölde.

Ausnahmsweise ist die Verspätung gering, der Zeitpuffer in Dortmund mit knapp 16 Minuten groß genug. Söldes Haltepunkt besteht aus einem Mittelbahnsteig, dessen Zugang über einen schmalen und siffigen Tunnel neben dem Bahnübergang erfolgt. Auf dem Bahnsteig selbst steht ein Plus-Punkt und einige Bäume, die Teile der Lampen und Beschilderung überwachsen.

Hellweg-Bahn in Aplerbeck

RB 59 nach Dortmund. Links Bahnsteig 2. Das braune da.

Bahnhof Aplerbeck

Aplerbeck mit Rolltor zum Bahnsteig.

Nochmal Richtungswechsel - mit dem Gegenzug geht es nur einen Halt zurück nach Aplerbeck. Die Besonderheit hierbei ist, dass es einen Haupt- und einen Mini-Mittelbahnsteig gibt. In einer Breite von einem Handtuch. Der Zugang erfolgt über einen hölzernen Übergang über Gleis 1. Damit kein Mensch überfahren wird, ist der Zugang zur Bahnsteiganlage durch ein Rolltor abgeriegelt. Es wird gewöhnlich bei Zugeinfahrt automatisch geöffnet. Meistens ist es jedoch defekt, daher wird ein kleines Gartentörchen nebenan vom Zugbegleiter immer auf- und wieder abgeschlossen. Welch ein Aufwand. So kommt auch Zeitverzögerung zustande. Manchmal wird aber auch einfach über den Zaun gestiegen.

Aplerbeck ist ein Stadtbezirk im südöstlichen Dortmund. Besonders bekannt ist es durch die Psychatrische Klinik, die LWL-Klinik Dortmund (LWL = Landschaftsverband Westfalen-Lippe). Im Ortszentrum steht das Wasserschloss Haus Rodenberg inmitten eines kleinen Parks. Mit der U47 ist Aplerbeck an die U-Bahn der Stadt angeschlossen, die in Dortmund "Stadtbahn" genannt wird und bis kurz vor der Stadtmitte parallel zur B1 und oberirdisch verläuft. Etwa 20 Minuten benötigt die Stadtbahn für die Fahrt bis in die Innenstadt.

Panorama Bahnhof Aplerbeck

Panorama Bahnhof Aplerbeck: Mini-Bahnsteig links, Bahnübergang, Hauptbahnsteig und Rolltor (wo sich die junge Dame in Rot draufsetzt).

Letzter fehlender Halt ist Holzwickede, im Volksmund "HoWi" oder auch liebevoll "Howi-town" genannt. Was glücklicherweise nicht mit dem mit ähnlichem Vornamen behafteten Sänger Carpendale zusammenhängt. Hier in Howi zweigen nach Westen zwei Strecken im spitzen Winkel voneinander ab. Irgendwie wirkt der ganze Bereich provisorisch, dabei ist der Bahnhof doch eigentlich DER Umsteigebahnhof für Flugreisende. Von hier fährt ein Shuttlebus zur "Startbahn Ruhrgebiet", dem Flughafen von Dortmund. Der großflächige Bahnhof teilt die Stadt in Nord und Süd, wobei jeder Einwohner des jeweiligen Teils stolz darauf ist, gerade dort und nicht im anderen zu wohnen.

Es gibt einen Inselbahnsteig im Süden, an dem die Züge zwischen Hamm und Hagen halten und die beiden Bahnsteige der Hellwegbahn, die durch einen Parkplatz, einen Wendehammer und eine Plus-Punkt-Anlage voneinander getrennt sind. An dieser Stelle stand bis 1994 das Empfangsgebäude des Bahnhofs.

Hellweg-Bahn in Holzwickede

Hellweg-Bahn in Holzwickede Richtung Dortmund

Bahnhof Holzwickede

Holzwickedes Hauptbahnsteig

Stellwerk Bahnhof Holzwickede

Altes Stellwerk

Hellwegbahn in Holzwickede

Rechts die Bahnsteige des RE 7 und 13

ICE in Holzwickede

ICE nach Köln rast durch...

Hellweg-Bahn: Eurobahn FLIRT in Holzwickede

Hellweg-Bahn nach Soest am Flughafenbahnhof Holzwickede

"Excuse me...?" Der, der mich anspricht, kommt gerade mit dem Flieger aus Melbourne in Australien bzw. mit dem Shuttle-Bus vom Flughafen und braucht eine Fahrkarte. Es scheitert fast daran, dass man beim Geldwechsel zu Hause meist nur Fünfzig-Euro-Scheine bekommt. Und genau die nimmt der Automat nicht - zumindest nicht für ein Ticket für knapp 19 Euro. Seine Kreditkarten, deren Namen ich noch nie gehört habe, auch nicht. Wechseln geht nur mit Mühe, besonders die anwesenden Taxifahrer weigern sich vehement. Irgendwann schaffen wir es aber doch irgendwie. Puh. Als nächstes versucht eine junge Frau ihr Glück am Automaten mit dem Ziel, ein Ticket nach Dormagen zu lösen. Kaum bin ich mit ihr fertig, spricht mich noch jemand an. "Excuse me, when will your train leave?!" Im Sinne von "Haben Sie auch für mich noch Zeit?" Zeit, auch ihm ein Ticket nach Dortmund zu kaufen. Es stellt sich heraus, dass er eigentlich noch weiter möchte - bis Münster. "Hauptbahnhof" hält er für einen Münsteraner Vorort, bis ich ihm erkläre, dass man beim englischen Dialog (damit sie nachvollziehen können, was ich genau mache, habe ich auf Englisch umgestellt) vergessen hat, "Hauptbahnhof" mit "central station" oder "main station" zu übersetzen. 13 Euro. Und er hat das selbe Problem wie der Australier am Anfang: Nur Fünfzig-Euro-Scheine. Aber - viel Kleingeld hat er. Sogar sehr viel, fast 13 Euro! Offensichtlich hat er im Flughafen schon ein Kaffee getrunken. Es fehlen zehn Cent. Die schenke ich ihm. "Next time I come to Germany I will organize more little money!" - "The next time you come to Germany you should better rent a car..." Für einen Flughafenbahnhof, der auch noch im RE 7 und auch in der neuen RB 59 stolz bilingual angekündigt wird, ist das einfach nur peinlich. Wie wäre es, wenn der Flughafen mal entsprechendes Personal einstellen und an den Bahnhof postieren würde? Welcome to Germany.

Der Bus fährt direkt zum Flughafen, der etwa einen Kilometer vom Bahnhof entfernt liegt. Fast könnte man im Notfall laufen, wenn man denn dringend einen Anschluss erreichen muss und gerade kein Bus fährt. Der Flughafen hat eine große Halle, die sich in Stockwerken in die Abflug- und Ankunftsebene gliedert. Von einer (kostenlos besuchbaren) Terrasse lässt sich der Flugbetrieb auf der Startbahn und auf dem Rollfeld beobachten - häufig ist diese Terrasse auch sehr voll. Hauptsächlich fliegen die sogenannten "Billig-Airlines" an diverse Ziele in In- und Ausland.

Dortmund Flughafen

Abflugebene des Flughafens Dortmund

Dortmund Flughafen W!ZZ Wizzair

Blick von der Aussichtsplattform auf das Rollfeld

Mit Holzwickede ist der letzte fehlende Bahnhof auf der Hellwegbahnstrecke besucht. Der Maas-Wupper-Express bringt mich die eine Station zurück nach Unna, von wo ich nach gewissem Aufenthalt in die Hönnetalbahn nach Fröndenberg umsteigen kann.

Sebi on Tour - Demnächst vielleicht auch in Ihrer Nähe ;-)

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