
Ausflugstipp: Mit der Draisine durchs Externtal
Ein Ausflug führt zu einer Strecke im Extertal zwischen Rinteln und Alverdissen und ist der mit der größten körperlichen Belastung für alle Beteiligten. Es ist nämlich eine stillgelegte Strecke, auf der man mit einer Draisine fahren kann. Eine Draisine ist grundsätzlich ein kleines Schienenfahrzeug, ursprünglich für Wartungszwecke für Personal o.ä., das grundsätzlich durch Menschenkraft oder Motoren bewegt wird.
Die Extertalbahn ist die ehemalige länderübergreifende Bahnstrecke zwischen Rinteln und Barntrup. Sie ist erst vergleichsweise spät entstanden, nämlich zwischen 1924 und 1929 und zudem noch in drei Abschnitten. Als zweite Nebenstrecke im norddeutschen Raum war die Extertalbahn von Anfang an elektrifiziert, und zwar mit 1500 Volt Gleichstrom. Daher mussten spezielle Triebwagen und Loks angeschafft werden. Ende der 1960er Jahre wurde der Personenverkehr eingestellt und 1970 die Verbindung an die Weserbahn in Rinteln gekappt, da diese mitten durch den Ort führte. Seitdem ist der Bahnhof Exten das nördliche Streckenende, heute als Bahnhof Rinteln-Süd bezeichnet. Am 1. November 2007 wurde der Abschnitt Rinteln-Süd - Bösingfeld endgültig stillgelegt. Auf dem übrigen Strecken- abschnitt finden Sonderfahrten statt. Zwischen Bösingfeld und Alverdissen ist die historische Oberleitung erhalten und wurde nach einigen Kabeldiebstählen in den letzten Jahren wieder aufgebaut.
Wenn gerade keine Sonderfahrt stattfindet, kann sich der eisenbahninteressierte Tourist über 18 Kilo- meter lang und über eine Höhendifferenz von ca. 230 Metern sportlich auf Fahrrad-Draisinen betätigen.
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Telefonisch wurde eine Draisine reserviert, der Termin steht also fest. Schon Tage vorher habe ich den Wetterbericht studiert. Sowohl starke Hitze als auch Dauerregen sind nicht gerade angenehm für diese sportliche Betätigung. Angesichts einiger heißer Tage vorher drohten einige fest eingeplante Mitfahrer, zu Hause zu bleiben. Aber Petrus hat mich erhört und das ideale Wetter für die Fahrt bestellt: Leichte Bewölkung, nachts vorher noch heftige Schauer mit bis zu 30 Litern Niederschlag pro Quadratmeter. Im Tagesverlauf blauer Himmel mit kühlenden Haufenwolken. Besser geht es wirklich nicht!
Abfahrtszeit ist 07:30 Uhr. Zu fünft geht es im Privatwagen über die A44, A33 und A2 bis nach Rinteln in Niedersachsen.
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In Rinteln-Süd liegt der Draisinenbahnhof etwas versteckt. Uschi, unser Navi, führt uns direkt daran vorbei, auch wir finden die Zufahrt fast nicht einmal beim zweiten Vorbeifahren. Ein Parkplatz und ein großer Schuppen: Hier wird das Gefährt ausgegeben.
Es handelt sich dabei um eine Fahrraddraisine. Sie hat Spurkränze aus Plastik, damit sie auf den Schienen bleibt, läuft aber hauptsächlich auf Gummireifen, von denen ein Paar per Fahrradkette von den Pedalen angetrieben ist. In die Pedale treten können unabhängig voneinander jeweils zwei Personen, ganz rechts und ganz links sitzend. In der Mitte gibt es eine Holzbank, auf der ebenfalls bis zu zwei Menschen Platz nehmen können. Am Lenker, der hier schienentechnisch bedingt logischerweise nur als Haltegriff fungiert, gibt es jeweils zwei Fahrrad- bremsen, es bremsen also im Idealfall vier Bremsen. Eine simple aber funktionierende "Handbremse", bestehend aus zwei Gummiringen, die um Bremse und Lenker gefummelt werden, verhindert unbeabsichtigtes Wegrollen an der schiefen Ebene. |
Die Strecke ist, wie gesagt, stillgelegt und eingleisig. Ab 9:00 Uhr kann man die Draisine in Rinteln-Süd mieten und in Richtung Süden bergauf - nämlich flussaufwärts - fahren. Ab 14 Uhr muss jeder - egal wo er ist - umkehren und zum Draisinenbahnhof zurückfahren. Diese Regel verhindert unerwünschten Gegenverkehr. Das heißt, dass man, so man die komplette Strecke angehen möchte, relativ zeitig anfangen sollte.
Genug Theorie? Für Sie sicherlich. Uns steht sie noch bevor. Eine kurze Einweisung durch den Menschen an der Abgabe - dann kann es losgehen. "In Bösingfeld liegt ein Baum auf den Schienen, müssen Sie mal schauen, ob der bis gleich weg ist. Die Feuerwehr beseitigt ihn gerade." Na, mal sehen. Zwei Teams werden gebildet, die sich ab und an abwechseln sollen. Der "Versorgungswagen" mit dem zweiten Team fährt über die Landstraße. Vorbereitete topographische Karten mit eingezeichneten Möglichkeiten zum Wechseln dienen diesmal ohne Navigationstechnik zur Verständigung.

Ausfahrt vom Draisinenbahnhof vorbei am alten Bahnhof Exten
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Erster Bahnübergang mit technischer Sicherung |
Auf geht es zu dritt. Zwei treten, einer pausiert. Schon nach wenigen Metern nähert man sich dem Bahnübergang einer Hauptstraße. Die gefährlichsten Übergänge sind mit einer Ampelanlage gesichert. Das heißt, dass, sobald die Draisine sich der Auslöseschleife im Gleisbett nähert, die Autofahrer eine rote Ampel sehen. Für Draisinen wird dann mit einer grünen Ampel angezeigt, dass sie freie Fahrt haben. An anderen Bahnübergängen steht ein Stoppschild, dass nach aufmerksamer Beobachtung des Verkehrs überfahren wird. Auch Nutzer von Feldwegen haben Vorfahrt. Wir müssen im Zweifel immer warten. Soviel zum Thema "Schienenverkehr hat immer Vorrang".

Rückblick auf Rinteln - die erste Steigung ist zu bewältigen
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Tröööööt... Mangels Hupe muss man hier laut gröhlen.
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Apotheke im Bahnhof Krankenhagen |

Ein weiterer Bahnübergang mit Sicherung |
Noch auf niedersächsischem Gebiet liegt die erste, wenn auch kurze Steigung - quasi ein kleiner Vorgeschmack, was später folgen wird. Und schon jetzt ist man ziemlich kaputt! Alsbald folgt aber schon die erlösende Kuppe, die Schienen zeigen abwärts. Es ergibt sich allerdings schon bald ein Problem: Wir haben keine Hupe oder Klingel. Und das, obwohl hier so viele Pfeiftafeln stehen! Wir einigen uns auf kollektives, lautes Blöken. "TRÖÖÖÖÖÖT!" Hier ist weit und breit kein Mensch, den das stören könnte, hier darf man das. Nur ein paar Feldhasen rennen etwas verschreckt davon. Wieder ein Bahnübergang mit Ampeln - wir erreichen den Bahnhof von Krankenhagen. Vorerst ist die Schussfahrt bergab vorbei. Krankenhagen...Was für ein Name! Die Apotheke von Krankenhagen steht direkt am Bahnhof. Es gibt hier unter Unkraut verborgene Weichen, die man wohl auch umstellen kann, was aber unterlassen werden sollte. Das erste Etappenziel ist erreicht. Hier wartet der Versorgungswagen zur Nachfrage, wie denn unser körperlicher Zustand sei. Auf dem Bahnhofsgelände stehen Werbetafeln eines Cafés am Bahnhof. Aber so früh kann man uns noch nicht locken. Wir treten in die Pedale, legen den höchsten Gang ein. Jetzt geht es durch die Felder weiter stetig bergauf.

Radeln durch die flache Feldflur
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Haltepunkt Bögerhof in NRW
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Wir passieren die Landesgrenze von Nordrhein-Westfalen. Das sieht man auch nur dank der topographischen Karte, die ich eingepackt hatte, anhand eindeutiger Liniensignaturen im Kartenfeld. Ein Schild weist nicht darauf hin. Ein kurzer Zwischenstopp am Halt von Bögerhof. Hier am Bahnsteig hinter einem Bahnübergang einer Bundesstraße mitten im Wald stehen Tische und Bänke zum Ausruhen. Man stelle sich das vor: Als Autofahrer schaltet eine Ampel am Bahnübergang auf rot. Und statt eines Zuges rollt eine kleine, vollbesetzte Draisine über die Straße! Ich würde zu gerne das Gesicht von Leuten sehen, die die Anlage nicht kennen und hier zum ersten Mal herfahren.

Haltepunkt am Café Rickbruch in Almena
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Haltepunkt Almena-Fütig mit Kinderspielplatz
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Gesicherte Bahnübergang in der Nähe von Fütig |

Einsamkeit der Wildnis im Extertal |
Entlang der Bundesstraße mit grüßenden und teils belustigt vorbeifahrenden Auto- und LKW-Fahrern nähern wir uns dem Ort Almena, wo am Café Rickbruch, benannt nach dem bereits passierten Gut Rickbruch, ein Parkplatz für Draisinen vorhanden ist. Wir heben das schwere Teil aus den Schienen, der Verpflegungswagen ist schon da. Kabelschloss, "Hemmschuh" alias Pflasterstein - und es gibt ein Käffchen auf der Terrasse des Cafés. Jetzt aber nicht zu viel Zeit verlieren - das Ziel ist noch weit weg. Wobei - Ein Drittel ist aber tatsächlich schon geschafft, doch es wird das leichteste sein, für das wir die kürzeste Zeit benötigen. Immerhin haben wir hier bereits eine Höhendifferenz von rund 60 Metern seit Rinteln beradelt. Für die schwere Draisine gar nicht so schlecht.
Die nächste Etappe ist relativ flach - leider auch sehr kurz. In Almena-Fütig ist der nächste Halt, hier findet sich am Bahnsteig ein Kinderspielplatz und wohl auch wieder ein Café, aber wir radeln frisch gestärkt vorbei.

Haltepunkt Nalhof mit Rastgelegenheit
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Angeschlossen ein technisch ungesicherter Bahnübergang
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Nun wird die Steigung höher und die Etappe ist auch etwas länger - der Schwierigkeitsgrad wird gesteigert. Durch Wälder hindurch und vorbei an einigen Fachwerk-Bauernhöfen erreichen wir Nalhof. Wieder ein kleiner Haltepunkt, an dem Tische und Bänke auf dem Bahnsteig zu finden sind. Nun sind wir hier rund 150m über Normalnull und etwa 91 Meter höher als der Lokschuppen in Rinteln. Zeit, ein paar der mitgebrachten Putenschnitzel während der Fahrt zu essen, man will ja nicht überholt werden! Die letzten "Konkurrenten" hatten wir in Almena im Café gesehen.

Bösingfeld Museumsbahnhof
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Es wartet eine etwa 2,5 km lange Etappe mit einem Höhenunterschied von rund 30 Metern auf uns. Es geht durch den Wald und bald wird die Bundesstraße in einer größeren Unterführung gequert - zur Verwunderung der Fahrer im Versorgungswagen, die verzweifelt den Bahnübergang suchen. Die Trapeztafel von Bösingfeld wird passiert, das Einfahrsignal in den Bahnhof. Es ist der einzige Bahnhof auf der Strecke zwischen den Endpunkten, abgesehen von Krankenhagen. Neben dem Busdepot der Region findet sich hier ein kleines Eisenbahnmuseum mit Waggons und kleinen Loks. Hier beginnt auch der elektrifizierte Teil der Strecke. Bösingfeld... das war das mit dem Baum! Der Verpflegungswagen steht hier wieder und uns wird gesagt, dass vor uns schon zwei Draisinen im Abstand von zehn Minuten fahren und diese bisher nicht zurückgekehrt sind. Also ist anzunehmen, dass der Schaden beseitigt ist. Zum Essen ist es noch zu früh, ein Gang in den Ort steht heute nicht auf dem Plan. Auch, wenn dieser auf der Webseite des Betreibers als sehenswert angepriesen wird. Aber wir sind hier zum Trampeln und nicht zum Altstadtschauen.

Ab jetzt ist die Strecke unter Strom
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Draisinenstrecke mit Oberleitung
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Es wartet wieder eine noch etwas steilere Etappe auf uns - 20 Höhenmeter auf 1,2 km Streckenlänge bis Asmissen. Von nun an unter dem Fahrdraht der historischen Oberleitung. Da gibt es auch nicht viele Draisinenstrecken, die das möglich machen. Zunächst radeln wir durch die Industriegebiete von Bösingfeld, dann wieder schön gemütlich durch Felder. Eine Frau läuft vor uns über die Gleise und weicht nur kurz vorher aus. Was kostet nochmal unbefugtes Überschreiten der Gleise? 25 Euro? Ohne Klingel müssen wir wieder laut blöken. Am Haltepunkt Asmissen steht ein Bushaltestellenschild. Einen Baum auf den Schienen haben wir nicht gesehen oder überfahren.

Haltepunkt Asmissen mit Haltestellenschild
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Der Versorgungswagen ist schon früh hier angekommen und hat ein Restaurant entdeckt, einen Kroaten. Tja, langsam könnte man wirklich essen. Also wird die Draisine aus dem Gleis gehoben und am Haltestellenschild angekettet. Leider - oder besser: Gott sei dank! - hat das Restaurant heute Ruhetag. Meine Skepsis, ob wir denn auch nach dem Essen bis zum Endhalt kämen (Um 14 Uhr muss man ja zwingend umkehren, sonst gibt´s Gegenverkehr), löst sich also in Luft auf. So verabreden wir uns für das Restaurant am Ende der Strecke im Bahnhof von Alverdissen. Ich öffne wieder das Fahrradschloss.

Eimke - langsam kommt das Ziel näher!
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Gut Ullenhausen
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Nun geht es also in den Endspurt. Dabei ist dieser letzte Abschnitt der längste und steilste überhaupt. Wie uns über Mobiltelefon von der Verpflegungseinheit vermeldet wird, kämen üblicherweise nur 10% aller Draisinen ganz oben am Ziel an. Das sage die Wirtin im Restaurant am Bahnhof. Tatsächlich sind es 64 Höhenmeter auf einer Streckenlänge von fünf Kilometern. Es geht durch Felder und kleine Wälder immer steiler bergauf. Einziger Lichtblick: Bergab muss das einen Höllenspaß machen! Dann endlich sehen wir die Stelle mit dem Baum. Er lag wirklich quer über den Schienen und wurde von der Feuerwehr ausgesägt. Die Oberleitung ist auf einer Strecke von 100 Metern heruntergerissen worden und hängt in Fetzen knapp über der Strecke. Hoffentlich ist der Strom abgestellt...!

Das Finale: Größte und längste Steigung kurz vorm Ziel
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Rückblick - es ist wirklich steil!
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An der Tapeztafel ist der Bahnhof von Alverdissen erreicht |

In der Kurve gespannter Fahrdraht in Alverdissen |
Die Strecke folgt nun einer Allee. Nach vorne zu schauen schafft wenig Kraft, denn die Steigung wird nicht schwächer. Im Gegenteil: Man kann sehr gut ganz hinten den weiteren Verlauf der Strecke erahnen. "Da oben?! Das kann nicht sein!" - "Doch, guck doch, da sind Oberleitungsmasten!" Vorbei am Gut Ullenhausen sind es "nur" noch zwei Kilometer. Aber das sind die schwersten. Ein Rastplatz mit dem Hinweis, dass es hier auch eine Toilette gäbe. Wir verharren nur für ein paar Fotos von uns und der Schafherde, die hier nebenan neugierig die verrückten Draisinenfahrer anschaut. Ein langes, schier nicht endendes, schnurgerades und extrem steiles Stück geht es hoch in den Endbahnhof. Vorsignaltafel... also noch etwa einen Kilometer zum Einfahrsignal! Es ist schon am Ende der Geraden das Einfahrsignal von Alverdissen in Form einer Trapeztafel zu sehen. Puhh... Einer steigt aus und schiebt, dann steigt noch einer aus, um das Gewicht zu senken. Jetzt wird der Ehrgeiz ausgepackt. Trapeztafel - wir sind fast dort. Am Fuße der Steigung, da, wo die lange Gerade in die Kurve übergeht, taucht eine Verfolger-Draisine auf. Mal sehen, wie lange die brauchen! Es geht um die Kurve - noch ein Stückchen. Unter einer Brücke her, noch ein Ampel-Bahnübergang. Da! Die erste Weiche. Die Strecke wird vollkommen eben, wir treten nochmal kräftig in die Pedale. Wir fahren am Stoppschild, an dem die Draisinenstrecke endet, vorbei. Hier parken schon zwei Fahrzeuge. Wir rollen bis zum Stationsschild von Alverdissen aus. Geschafft!

Zieleinfahrt: Endsation Bahnhof Alverdissen
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Praktischerweise mit angeschlossenem Restaurant
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Das Fahrgerät wird von den Schienen gehoben und am Schild gesichert. Dicke Wolken ziehen auf. Im Restaurant wird erstmal eine Runde Getränk bestellt. Die Wirtin warnt uns vor, dass Pommes Frittes "aus" seien. Gestern sei der Andrang unplanbar übermäßig gewesen - rund 70 Leute in der Kneipe. Wenn das alles Leute auf Draisinen waren und pro Draisine 4 Menschen Platz nahmen, dann müssen alleine 17 Stück hier hochgekommen sein. Und wenn DAS alleine nur 10% sind - dann war hier gestern die Hölle los. Volle Auslastung, ständiges Überholen, Warten. Da war das heut doch sehr angenehm, wir haben nicht eine andere Gruppe auf freier Strecke gesehen.
Zweimal Toast Hawaii, zweimal Strammer Max und Riesenhamburger. Wegzehrung für fast 20 Kilometer Rückweg. Inzwischen wurde es 14 Uhr - Umkehrzeit. Aber wir lassen uns Zeit zum Erholen. Die unteren Körperpartien schmerzen. Oberschenkel, Unterschenkel, Füße, Hintern. Aber auch die Hände zeigen Ermüdungserscheinungen. Eigentlich wäre es im Auto am bequemsten, aber bergab zu radeln ist auch schön....
Gut, dass wir nicht sofort um 14 Uhr wieder losgefahren sind. Ausgerechnet auf dem höchsten Gefälle wäre uns eine andere Gruppe entgegen gekommen - entgegen der Absprachen. Es sind die, die wir von oben am Fuße der langen Geraden gesehen hatten. Respekt - fast eine Stunde für zwei Kilometer! Wir warten noch, bis diese in den Bahnhof rollen. Dann satteln wir unser treues, sechsrädriges Gefährt.
"Auf die Plätze - Fertig - Los!" Erster Gang, dritter, siebter. Wir halten noch einmal an dem Ampelübergang an der Einfahrt, bremsen einmal scharf für spielende Kinder an der Strecke, die einfach nicht ausweichen wollen und uns die Zunge herausstrecken. Und dann geht´s abwärts. Und wie! Was für ein Gefühl! Selbst im siebten und höchsten Gang erreicht man nichts mehr an zusätzlichem Vortrieb - die Höchstgeschwindigkeit ist erreicht. Nach wenigen Sekunden ist das lange und gerade Gefälle, das wir in Gegenrichtung bergauf so mühevoll bewältigt haben, hinter uns gelassen. Die Spurkränze zittern und schleifen in der ersten Kurve. Wir haben zwar keinen Tacho an Bord, wohl aber eine Uhr mit Sekundenzeiger und die Kilometertafeln an der Strecke. Das Navi, welches die aktuelle Geschwindigkeit angeben kann, hängt natürlich im Auto. Anhand der Uhr und der Kilometertafeln machen wir eine mittlere Geschwindigkeit des Nordabschnitts bis Gut Ullenhausen von ca. 30 km/h aus. Dort wird es kurz flacher, wir müssen sogar wieder zum trampeln einen Gang herunterschalten. Per Telefon werden wir gewarnt vor zufällig gesehenen Gegenverkehr, der, wohlweislich eine Stunde nach eigentlich vollzogener Umkehr, immer noch bergauf fährt. Und das bei unserem Tempo! Mit der Hand an der Bremse für den Notfall (wobei die Bremse keine besonders große Wirkung zeigen würde bei der Geschwindigkeit) geht es durch die Kurven und Wälder vorbei an der heruntergerissenen Oberleitung bis nach Asmissen. Dort sehen wir die andere Gruppe vor uns "flüchten". Bösingfeld - Nalhof - Almena - Krankenhagen. In einem Bruchteil der Zeit schaffen wir die Strecke, für die wir auf dem Hinweg Stunden gebraucht haben. In Krankenhagen ist die einzige große Steigung des Rückwegs zu erklimmen. Dann geht es bis zum Ziel nur noch abwärts. Vor Rinteln-Süd ist noch einmal die Straße zu überwinden, dann rollen wir bis zum Prellbock im Bahnhof, wo die Draisine abgegeben wird. Streckenende. Komplett geschafft. Fast 40 Kilometer bei ca. 400 Höhenmetern Differenz.
Bei einem Eis in der Stadtmitte von Rinteln erholen wir langsam unsere müden Knochen. Aufstehen fällt schwer!
Jetzt, wo ich weiß, wie anstrengend die Tour ist, weiß ich nicht, ob ich das nochmal bis nach Alverdissen komplett hoch schaffen würde. Als Draisinenneuling haben wir uns wohl eine Strecke mit höchster Beanspruchung als Einstieg ausgesucht. Aber wir haben uns tapfer geschlagen und gehören zu den 10%, die die Strecke komplett bewältigen. Und? Wer von Ihnen hat nun Lust, das ganze nachzumachen?
Es sei darauf hingewiesen, dass besondere Veranstaltungen und Abendfahrten angeboten werden. Auch, wenn es sehr anstrengend ist, macht es viel Spaß, mit einem nicht alltäglichen Gefährt auf Schienen eine stillgelegte Strecke abzuradeln. Vielleicht ist das ja ein Geburtstags- geschenk für einen Eisenbahnfan?
Zusatzinformationen:
Zum Nutzen der Draisinenstrecke ist üblicherweise eine telefonische Anmeldung oder eine solche über die Webseite des Betreibers (Link siehe unten) nötig. Informationen zur Anreise per Auto und Bahn inklusive Eingabedaten für das Navigationssystem, Preise und Sehenswürdigkeiten bzw. Einkehrmöglichkeiten an der Strecke finden Sie hier ebenfalls.
Sebi mit Team on Tour - Demnächst vielleicht auch in Ihrer Nähe ;-)
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(c) Bilder, Text und Grafiken: S.Hellmann - www.mytrainsim.de |