
Nahverkehr in NRW: Teil 50 - RB 38: Die Erft-Bahn
Die 50. Jubiläumsexkursion befasst sich mit der Erft-Bahn, die als Regionalbahn 38 zwischen Düsseldorf und Köln entlang des Flusses Erft fährt.
Wie hat doch jemand im Internet zur Strecke schön geschrieben: "Die Erftbahn: Der langsamste, aber auch interessanteste Weg, mit dem Zug von Köln nach Düsseldorf zu fahren" (P. Zimmer). Recht hat er. Allerdings wird man in der Bahn wenige Pendler zwischen Fast-Millionenstadt und Landes- hauptstadt finden, da diese vermutlich eher mit dem RE 1 oder ICE direkt fahren werden. Nein, diese Linie bedient die kleinen Städtchen im Rhein-Erft-Kreis (BM) sowie des Rhein-Kreises Neuss (NE). Sie folgt von Horrem dem Flüsschen Erft, welches bei Neuss in den Rhein fließt.
Die Fahrtzeit der Linie beträgt etwa 1 2/3 Stunden. Zum Vergleich: Der RE 1 benötigt für die direkte Strecke etwa eine halbe Stunde. So lohnt diese Route nichtmal als Alternative, wenn man einen RE verpasst hat. Aber wer fährt schon freiwillig von Düsseldorf nach Köln?!
Die Erft-Bahn verbindet die beiden Städte, die insbesonders in der Kar- nevalssession bekanntlich betont verfeindet sind. Wer allerdings glaubt, das sei alles Spaß, kann ja mal versuchen, in Düsseldorf ein Kölsch oder in Köln ein Alt zu bestellen. Mit dem Köbes (für alle Nicht-Rheinländer: Kellner im Brauhaus) hat man nun einen Feind mehr und wird nicht mehr beachtet, so sehr man auch winkt und fuchtelt. Und wenn man verdurstet.
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Es fällt zwischen Gustorf und Bedburg ein Schlenker im Linienplan auf. Hier musste die Strecke bereits einmal dem Tagebau weichen und wurde umgeleitet. Eine zweite Umleitung kam Anfang der 90er Jahre. Fuhren die Züge ursprünglich einmal von Neuss nach Düren, so musste der Abschnitt Bedburg-Düren dem Braunkohletagebau Hambach weichen. Seitdem erst fahren die Bahnen nach Horrem bzw. weiter nach Köln. Braunkohletagebau ist hier ein heißes Thema, nur wenige Kilometer westlich befindet sich der riesige Krater von Garzweiler, für den zig Dörfer und tausende Menschen umgesiedelt wurden. Die hier gewonnene Braunkohle geht direkt zur Stromgewinnung an die Kraftwerke Frimmersdorf und Neurath, an denen die Strecke auch vorbeiführt. Weitere Informationen zum Braunkohlentagebau Garzweiler finden sich unter dem Menüpunkt "Dokumentation & Spiele" oder im Artikel zum Rhein-Erft-Express der Linie RE 8.
Betrieben wird die Erft-Bahn von DB-Regio NRW. Eingesetzt werden Triebwagen der Baureihe 628.4 sowie blau-rote Triebwagen des Typs Talent (Talbot leichter Niederflurtriebwagen) mit dem euregiobahn-Logo auf der Seite. Diese fahren üblicherweise auf der RB 20 in Aachen.

Grevenbroich - Knotenpunkt an der Erftbahn
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Erft-Bahn hält in Grevenbroich
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Tagebau Garzweiler I westlich von Grevenbroich bei Jüchen
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Ausgangspunkt dieser Exkursion ist diesmal Grevenbroich (gespr. "Grevenbrooch" mit Dehnungs-i, vgl. Troisdorf "Troosdorf" und Soest "Soost"). Die Stadt, die durch Hape Kerkeling alias Horst Schlämmer, dem Chefredakteur des "Grevenbroicher Tagblatts" in ganz Deutschland berühmt geworden ist. Der Bahnhof liegt allerdings etwas außerhalb des eigentlichen Stadtzentrums. Dennoch sieht man zwischen Häuserschluchten die Braunkohlekraftwerke Frimmersdorf und Neurath. Wer von Grevenbroich schnell nach Köln will, nimmt den RE 8. Dennoch ist der Bahnsteig, an dem der VT 628.4 soeben aus Richtung Neuss eingefahren kommt, gut gefüllt. Er hat hier zehn Minuten Aufenthalt, weil der Gegenzug zunächst die eingleisige Strecke räumen muss. Es handelt sich um einen modernisierten seiner Art, also statt der Schweinchenrosa-Wänden und den grünen Sitzen innen mit hellgrauen Wänden und den gut gepolsterten Sitzen im typischen hellblau-dunkelblauen Quadratmuster.

Braunkohlekraftwerke Neurath...
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... und Frimmersdorf aus dem fahrenden Zug hinaus gesehen
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Auf dem Wege nach Süden fährt der Zug an den großen beiden Braunkohlekraftwerken vorbei, die zum einen eine Ladung Wasserdampf in die Luft jagen, zum anderen eine große Menge Treibhausgase und natürlich Strom ins Netz. Hinter Frimmersdorf, wo sich die Erft auf wenige Meter der Strecke annähert, passiert man eine Abraumhalde mit Windrädern zur regenerativen Stromgewinnung. Stärker kann der Kontrast nicht sein.

Haltepunkt Paffendorf
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Und der Ortskern
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Zunächst geht es nach Paffendorf. Volltreffer: Zug und Bahnsteig stehen im Kernschatten der bewachsenen Böschung. Paffendorf ist ein Vorort der Kreisstadt Bergheim, von der auch das Kennzeichen des Rhein-Erft-Kreises (BM) abstammt. Es gibt sogar ein Schloss im Dorf. Das habe ich allerdings erst später gelesen. Schade drum. Zeit hätte ich etwas gehabt.

Bahnhof und Stellwerk Bedburg mit RB 38 nach Neuss
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Wartehalle auf dem Mittelbahnsteig
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Es nähert sich der VT nach Neuss. Mit ihm fahre ich bis Bedburg (Erft; es gibt noch ein zweites, etwas besser bekanntes im Kreis Kleve). Hier liegt der Bahnhof ebenfalls etwas außerhalb. Vom Inselbahnsteig führt eine Unterführung zum alten Bahnhofsgebäude, die in einem übel nach Urin riechenden und zugeschmierten Kabuff (siehe viertes Foto unten) endet, bzw. in einem "Westausgang" auf der anderen Seite zu einem Wohngebiet führt. Direkt hinter der Unterführung steht das Stellwerk von Bedburg. Dies ist allerdings unbesetzt, da die KS-Signale und die Technik der Strecke zentral ferngesteuert werden. Dennoch bildet das Stellwerk ein nettes Fotomotiv. Noch während der 628 ausfährt, schlendert eine Gruppe Teenie-Mädels über den Bahnsteig. Die eine, keine 14 Jahre, schiebt einen Kinderwagen vor sich her. Im Vorbeigehen höre ich nur "... Züge sind ja soooooo schön, dass man die fotografieren muss!". Ich tu´ so, als hätt ich´s nicht gehört und erspare mir einen Kommentar. Dass es mehr als eine Baureihe und mal mehr und mal weniger schöne Wagen gibt, können die eh nicht auseinanderhalten - Diskussionen sind da nur unnötige Vergeudung von Energie. Im Bahnhofsgebäude ist ein Kiosk untergebracht. Gegenüber steht auf der "grünen Wiese" ein großer Real-Supermarkt. Zum Ortskern und zum Schloss wären es nochmal mindestens zwei Kilometer plus Rückweg, die mir meine Füße heute angesichts einer Besichtigung des Tagebaus Garzweiler und der stillgelegten Autobahn A44 verbieten.

Stellwerk Bnf am nördlichen Ende des Bahnsteigs
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Ehemaliges Bahnhofsgebäude Bedburg
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Gegenzug ist ein Euregiobahn-Talent
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Der Zugang zum Bahnsteig vom Ort aus. Dreckig, kaputt, miefig.
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Inzwischen gesellen sich immer mehr Leute auf den Bahnsteig. Ich lehne essend am Fahplankasten und rücke zur Seite, als eine Frau die Abfahrtszeit nachsehen möchte. Sie greift zum Handy und wählt. "Du, hier fahren zwei Züge innerhalb von einer Minute in die gleiche Richtung! Einer nach Köln und einer nach Horrem. Welchen muss ich´n nehmen?!....Ja! Beide um 14 Uhr 44!... Okay... beides richtig?....Alles klar, bis Quadrath-Ichendorf...?"
Ich schlucke das Butterbrot runter und fange an, ihr zu erklären, dass der eine am Sonntag und der andere an Werktagen fährt.
"Woran sehen Sie das denn?"
"Na, da....das kleine Zeichen unter der Uhrzeit. Das da: † "
"Das 't'?"
"Äh... fast. Das ist ein Kreuz. Wie in der Kirche. Oder auf dem Kirchturm. Oder in Todesanzeigen. Steht für 'Sonntags'. Und das Zeichen da..."
"Was soll das denn darstellen? Ein X? oder auch ein Kreuz?"
"Nicht ganz. Das sind zwei Hämmer gekreuzt. Ein Zeichen für 'werktags'. Das kommt aus dem Bergbau!"
"Da muss man auch erstmal drauf kommen!"
Man kann sich also als Kartograf bei der Erstellung von Karten und Symbologien noch so viel Gedanken machen, es gibt immer irgendjemanden, der einfachste Zeichen nicht assoziieren kann. Dabei steht die Legende doch sogar drunter. Nur - wer liest die schon...?
Es fährt nun statt des 628ers ein zweiteiliger Talent ein. In der Mitte rot, vorne blau mit weißer Beschriftung "euregiobahn". Üblicherweise sind diese 643er auf der Euregiobahn der RB 20 zwischen Stolberg / Eschweiler-Weisweiler und Heerlen / Alsdorf anzutreffen. Mit dem relativ vollen Triebwagen geht es nur einen Halt weiter nach Glesch.

Gleschs Südbahnsteig mit RB 38 nach Köln
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Haltepunkt Glesch
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Etwas älterer Streckenfernsprecher auf dem Nordbahnsteig
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Der Haltepunkt liegt am Ortsrand. Es gibt einen südlichen und einen nördlichen Bahnsteig, getrennt durch die Straße. Gehalten wird immer hinter dem Bahnübergang. An den nördlichen Teil grenzen bereits Felder an, an den südlichen zumindest eine große Wiese mit Möglichkeit zum Pausieren. Hier steht ein kleines Häuschen mit Tisch und Bänken. Ein Gang durch die Wiese empfiehlt sich allerdings wegen der Menge an "Tretminen" nicht. Schnell ist man zu Fuß in der Ortsmitte. Zieverich ist ein kleiner Haltepunkt am Rande von Bergheim, der der Einfachheit halber heute ausgelassen wird. Nur ein kurzes Stück weiter befindet sich dann der Kreuzungsbahnhof der Kreisstadt.
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Bahnhöfe von Kreisstädte sind eine Sache für sich. Die einen sind groß und schön, andere weniger schön und Bergheims weder groß noch schön. Es ist ein Kreuzungsbahnhof mit zwei Bahnsteigen, die durch eine Unterführung miteinander verbunden sind. Auf einem steht ein Pluspunkt im Maxi-Format (Bild). In diesem Kreuzungsbahnhof begegnen sich die Züge aus beiden Richtungen.
Die Stadt gibt dem Rhein-Erft-Kreis auch das sinnvolle Kennzeichen BM - für Bergheim. Bewohner des Kreises fühlen sich beim österlichen und weihnachtlichen Papstsegen "urbi et orbi" besonders angesprochen, richtet er sich doch an die "Stadt und den Erftkreis" (Von einem Radiomoderator tatsächlich einmal so versprochen).
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Es ist etwas ungewöhnlich für ein Bahnlinienportrait, aber wenn es sich ergibt, wird die Exkursion in Abschnitten auch auf Busse verlegt. In diesem Falle wird erreicht, den nächsten Zug am nächsten Halt abzufangen und mit ihm die Fahrt fortzusetzen. Die Fahrt mit dem Bus dauert nur eine kurze Zeit, die dank lautstarker Musikbeschallung von sehr kleinen Halbwüchsigen künstlich in die Länge gezogen wird. Selbst auf immer bestimmtere Bitten des Busfahrers durch das Mikrofon wird das letzte aus dem Handy rausgeholt - bis der Busfahrer irgendwann rechts ran fährt und erst die Fahrt fortsetzt, bis Stille eintritt.
Es gibt Situationen, da muss man "leider" sagen, dass man Minderjäh- rige nicht aus Bus und Bahn werfen darf.
Die Bahnstation des Ortes mit dem ungewöhnlichen Namen Quadrath- Ichendorf ist modernisiert und nur noch ein Haltepunkt mit direktem Anschluss vom Bus zur Bahn und umgekehrt. |
Als nächstes folgt schon der Bahnhof von Horrem. Er hat die Form eines großen Dreiecks. Von Norden stößt die Erftbahn in zwei Verbindungskurven auf die Hauptstrecke Köln-Aachen. Die westliche Kurve führt dann Richtung Düren bzw. Aachen, die östliche Richtung Köln. In Horrem halten RE 1 und RE 9 sowie die S12. Deren Bahnsteige befinden sich auf der Hauptstrecke genau zwischen den Verbindungskurven und können von der RB 38 nicht angefahren werden - außer vielleicht nach aufwendigem Rückwärtsrangieren. An der Kurve nach Aachen hat die Erftbahn einen Extra-Bahnsteig mit der Nummer 10, der an die Unterführung zum Bahnhofsgebäude angebunden ist.
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Allerdings gibt es keinen an der Kurve nach Köln, was bedeutet, dass die Regionalbahnen in die Domstadt nicht in Horrem halten. Zugleich ist Horrem Endpunkt einiger Umläufe, insbesondere am Wochenende und im Berufsverkehr. Da mein 628er vorne die Zielanzeige "Köln Messe / Deutz" hat, fährt er an Horrem vorbei. Interessanterweise stehen hier zwischen Quadrath und Horrem ein Stück weit Oberleitungsmasten ohne Fahrdraht an der Strecke. Laut verschiedener Quellen extra für den starken Güterverkehr auf diesem Abschnitt.

Empfangsgebäude von Horrem
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Und die S-Bahn nach Düren
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Ohne Halt vorbei an Königsdorf, Weiden, Lövenich und Müngersdorf erreicht der Triebwagen Köln-Ehrenfeld. Hier steht direkt neben dem Halt ein Leuchtturm, der einst zu Testzwecken und Versuche für Leuchtmittel diente. Er heißt Heliosturm und ist eine kleine Landmarke geworden. Ein Leuchtturm in der Stadt ohne irgendwelche Nähe zu einem Seehafen ist ja auch relativ ungewöhnlich. Schräg südöstlich wird er überragt vom Fernsehturm der Stadt Köln. Schließlich ist der Hauptbahnhof erreicht.

Köln Hauptbahnhof |

Gelegen direkt neben dem berühmten Dom |

Große Kuppelhalle mit Transregio-TR26 |

Kölner Dom und Hohenzollernbrücke vom Deutzer Ufer gesehen |
Köln, Kölle, Colonia, Cologne - Vermutlich zusammen mit Berlin, Hamburg, dem Hofbräuhaus und Heidelberg eine der berühmtesten Deutschen Städte im Ausland. Wahrzeichen ist natürlich der Dom, den man schon von weiter Ferne erkennen kann. Nicht weniger berühmt ist der Kölner Karneval, bei dem man hier in Köln zwischen Weiberfastnacht und Aschermittwoch kein Bein an die Erde bekommt. Köln ist fast Millionenstadt, die Einwohnerzahl beträgt gerundet knapp 1 Mio Einwohner, damit ist sie nach Berlin, Hamburg und München die viertgrößte Stadt der Bundesrepublik und zugleich größte Stadt in NRW - dennoch aber nicht dessen Landeshauptstadt. Wo wir schon wieder beim Zwist mit Düsseldorf wären. Weitere Informationen und ein Aufstieg auf den Südturm des Kölner Doms finden Sie unter dem Artikel zum RE 1 (Link unten).

Bahnhofsgebäude Köln-Deutz
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Bahnhof Deutz auf dem östlichen Rheinufer
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TR 26 aus Koblenz |

ICE-T auf dem Weg ins Betriebswerk Deutzerfeld |
Weil ja keine einzige Linie ihr Ende im Kölner Hauptbahnhof hat, rollt der VT über die Hohenzollernbrücke über den Rhein in den Stadtteil Deutz. Das östlichste Ende der RB 38 ist erreicht. Der Bahnhof mit vier Inselbahnsteigen liegt direkt am Rheinufer. Hier enden die meisten Linien, die von Westen kommend bis Köln führen, beispielsweise die RE 12 und 22 aus Richtung Gerolstein und Trier, die Regionalbahnen 24 aus Kall, 26 aus Koblenz und halt RB 38 aus Düsseldorf via Neuss und Horrem. Der Fernverkehr hält hier teilweise ebenfalls. Eine Zeit lang war Deutz für den Thalys aus Richtung Paris und Brüssel Endstation. Das ist erstaunlich, da der Hauptbahnhof von Köln nur wenige hundert Meter entfernt ist.
Fertig für heute. Nein! Stopp! Halt!! Es fehlt ja noch ein Teil!
Den Nordabschnitt von Grevenbroich über Neuss nach Düsseldorf hatte ich überschlagen. Und an den geht es jetzt.

Bahnhof Holzheim
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Bahnhofsgebäude
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Früher eigenständig, ist Holzheim ein Vorort von Neuss.
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Heute fährt es sich mal wieder mit Talent....
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Von Grevenbroich fährt der Zug noch etwa 15 Minuten, ehe er die Kreisstadt Neuss erreicht. Er folgt dabei weiterhin dem Lauf der Erft. Zunächst passiere ich den Halt Grevenbroich-Kapellen, steige aber dann in Neuss-Holzheim aus. Ein kleiner Bahnhof mit gelb geklinkertem, geschlossenen und teilabgesperrten Empfangsgebäude. Die Bahnsteige sind Beton-Fertigteile.
In direkter Nähe zum Bahnhof befindet sich die Brauerei Frankenheim, die hier ihr Altbier produziert. Etwas außerhalb des Ortes liegt die Museumsinsel Hombroich – Gelegenheit für eine Exkursion innerhalb der Exkursion.
Das Museum Insel Hombroich
Auf einer Insel zwischen der Erft und Altarmen des Flusses sowie in einem anschließenden Auen- und Wiesengebiet wurde 1987 die Museumsinsel Hombroich im Süden von Neuss-Holzheim eröffnet. Inmitten der wunderschönen Landschaft mit weiten wilden Wiesen, Tümpeln, Teichen und kleinen Erhebungen sind Gebäude und Objekte aufgestellt, die zum Teil eine sehr eigentümliche Form besitzen und (im Innern) meist skulpturelle oder Bildkunst ausstellen. Das Gelände ist durch breite Wege erschlossen, Hinweisschilder oder überhaupt Erläuterungen zu den Ausstellungsstücken und Skulpturen findet man jedoch nicht. Einzig eine handliche Karte hilft bei der Orientierung. Sinn und Zweck dieses Konzeptes ist die eingänglichere Beschäftigung des Besuchers mit dem Park und der Kunst und die Erkundung des Geländes auf eigene Faust.
So stößt der Besucher nacheinander je nach eingeschlagenem Weg auf den Turm, das Labyrinth, die Hohe Galerie, die Schnecke, die Zwölf Räume, den Tadeusz-Pavillon, die Scheune, die Orangerie oder den Graubner Pavillon. Jedes Gebäude ist unterschiedlich gestaltet und folgt anderen Konzepten, wobei die Architektur meist sehr ungewöhnlich ist, was die Häuser selbst zu Skulpturen macht. Manche Gebäude sind leer und wirken durch ihre Architektur an sich, andere haben ein so durchdachtes Raumkonzept, dass man sich (fast) verlaufen könnte. Im Park selbst besteht das Auenland aus flachen Wildwiesen mit Tümpeln und Teichen und geht nach Westen mit der Terrassen- und Gartenanlage in eine hügelige Landschaft über. Im Süden liegt die eigentliche Insel, die über zwei Brücken erreicht wird, inmitten der Flussarme der Erft. Sie ist sehr bewaldet und trägt zugleich viele blühende Büsche, die gerade im Frühjahr ihre Schönheit entfalten und sich im Wasser spiegeln.
Es ist ein recht happiger Eintrittspreis von derzeit 12,- Euro pro Person (ermäßigt 6,- Euro) zu entrichten. Dabei trifft die Kunst nicht unbedingt Jedermann Geschmack, vor allem leere Gebäude (= Verschwendung) sorgen regelmäßig für kritische Kommentare in Erfahrungsberichten. So kann es grundsätzlich durchaus sein, dass der ein oder andere Besucher enttäuscht nach Hause gehen würde. Aaaber: Es ist dringend anzumerken, dass Essen in der in der Parkmitte befindlichen Caféteria quasi kostenlos ist! An einem kleinen Buffet werden kleine Speisen und auch Getränke wie Kaffee oder Wasser angeboten. Hier findet man Brot und verschiedene wählbare Aufstriche wie Schmalz, Apfel- oder Pflaumenmus, gekochte Eier, aber auch manchmal warmes Essen wie gebratene Kartoffeln oder Risotto. Es liegt in der Gunst des Besuchers, ob er eine freiwillige Spende für das Essen gibt. Mit dem Pappteller in der Hand (den man immer wieder nachladen kann) kann man sich entweder in der gläsernen Caféteria oder bei entsprechendem Wetter an unter den Bäumen ringsum versteckten Tischen niederlassen.
Im Folgenden werden einige Impressionen der Anlage gezeigt. In Gebäuden mit Kunstausstellung ist das Fotografieren aus Gründen der Lizenz- rechte nicht gestattet, weshalb nur die Außenbereiche gezeigt werden. Wenn Sie annähernd Interesse bekommen, so sollten Sie vielleicht selber überprüfen, was Ihnen besser gefällt. Kunst, Landschaft oder das Essen? → www.inselhombroich.de

Der Turm, ein interessant geformtes Gebäude ohne weiteren Inhalt |

Lupinen in den zahlreichen wilden Wiesen im Auengelände |

Caféteria in der Parkmitte in Form eines Glashauses |

Das Gebäude der Caféteria |

Skultpurelle Kunst im Außenbereich |

Margeritenwiesen in den Terrassenanlagen |

Einfach ein Buch nehmen und die Aussicht genießen |

Stuhlkreis aus rostigem Stahl |

Eigentliche Insel in der Erft mit vielen Teichen und Tümpeln |

Der sonst leere Graubner-Pavillon |
Anreise: Auf der A57 bis Neuss-Reuschenberg und der braunen Beschilderung bis zum Museum folgen.
Weiter geht es im Text:
Für die, die sich weniger für Kunst begeistern können, gibt es auf der anderen Seite des Ortes eine weithin bekannte Sportstätte: Die Jever-Skihalle von Neuss. Hier kann man ähnlich wie in Bottrop Sommer wie Winter in der Halle Ski oder Snowboard fahren - hier herschen ganzjährig Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Und dies alles gestaltet im Alpenländischen Stil mit passenden Sessel- oder Schleppliften.
Falls Sie mit Ihrer Familie auch mal dort hin möchten, so rechnen Sie allerdings mit einem recht teuren Spaß; Eine Tageskarte kostet z.Zt. etwa 30 Euro pro Nase (Wochentags nach 10 Uhr), dazu kommen ggf. noch 15 Euro Leihgebühr für Ski oder Snowboard sowie passender Schuhe, Hosen und Jacken und ein Pfand. Kinder kommen etwas günstiger in die Halle. Es werden auch teils mehrstündige Einsteigerkurse in Kleingruppen zum Lernen von Ski- oder Snowboardfahren angeboten - natürlich gegen entsprechendes Entgeld. Es gibt allerdings auch Sonderaktionen und Ermäßigungen. Aber irgendwie muss ja auch der Strom für den großen Kühlschrank bezahlt werden, nicht wahr?! Aus eigener Erfahrung als Snowboard-Laie kann ich sagen, dass es unglaublichen Spaß macht. Aber echte Profi-Skifahrer fahren vermutlich lieber ins Sauerland oder noch besser direkt in die Alpen. Zumindest kenn ich jemanden, der solche Hallen grundsätzlich nichtmal mit dem Hintern anschaut ;-) Man kann sich hier übrigens auch eine LKW-Ladung Schnee kaufen. Wer im Sommer im Garten lieber alleine rodeln möchte...Äh... bevor ich im Schnee stecken bleibe und abschweife: Ich erreiche nun Neuss.
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Samstägliche Endstation der RB38 in Neuss Hauptbahnhof
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Am Wochenende ist hier Endstation am Hauptbahnhof, wochentags geht es noch bis zum Düsseldorfer Hauptbahnhof - einmal wieder zurück auf die östliche Rheinseite. Heute ist Samstag - Pech gehabt. Aber es besteht fast direkter Anschluss an den Maas-Wupper-Express aus Venlo, der die Meute aus dem Zug nach Düsseldorf bringt.
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RB 38 an der Samstags-Endstation Neuss. Gleich geht´s wieder zurück nach Horrem... |
Nur kurz hinter Neuss durchquert der Zug den Hafen der Stadt. Parallel verläuft eine S-Bahn-Trasse, auf der zum einen die S8 (Mönchengladbach-Hagen-Dortmund (letzter Abschnitt als S5 bezeichnet)) und S11 (Köln-Wuppertal) mit 143ern und x-Wagen bzw. 423er-Triebwagen fahren, zum anderen die kleinen, zweiteiligen Talent der Regiobahn, der einzigen Diesel-S-Bahn in Nordrhein-Westfalen mit der Nummer S28. Diese fährt zwischen Kaarst und Mettmann und ist die einzige S-Bahn, die hier portraitiert wird.
Wir überqueren den Rhein bei Düsseldorf-Hamm. Schon von Weitem ist der Rheinturm, der Fernsehturm der Stadt Düsseldorf, zu erkennen. Es geht im Bummeltempo durch die Vororte der Landeshauptstadt, ehe der Maas-Wupper-Express in die Halle des Hauptbahnhofs einfährt. Hier wäre auch die Endstation der Erft-Bahn.

Der Hauptbahnhof von Düsseldorf
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Erft-Bahn - teilweise außerhalb der Bahnhofshalle Düsseldorf
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Rhein mit der Prommenade und Burgturm
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Eingang des Landtags
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Düsseldorfer Rathaus
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Gehry-Bauten im Medienhafen
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Düsseldorf ist die Landeshauptstadt von NRW und zugleich kreisfreie Stadt mit dem Kennzeichen D. Hier am Rheinufer befindet sich der Landtag im Schatten des markanten Rheinturms und in unmittelbarer Nähe zur Altstadt, in der sich Kneipe an Kneipe reiht, wo das typische Altbier oder kurz "Alt" gezapft wird. Hier heißt die Bedienung "Köbes" und man sollte bloß nicht versuchen, bei dieser traditionell strengen und rheinisch herben Person ein Kölsch zu bestellen. Bekanntlich besteht zwischen Köln und Düsseldorf eine alte Hassliebe - nicht nur beim Karneval, der auch hier in Düsseldorf groß gefeiert wird. Hier grüßt man sich traditionell dann mit "Helau", in Köln mit "Alaaf". Die Stadt hat ein gut ausgebautes Straßenbahn- und U-Bahnnetz, wenn die Bahnen auch nicht mehr die neusten ihrer Art sind. Direkt vor der Tür und unter dem Bahnhof hält der Stadtverkehr.
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Rheinturm am Landtag
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Gehry-Hochhäuser Fortsetzung
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Apropos Stadtverkehr: Düsseldorf kann man als Neapel von Deutschland bezeichnen - betrachtet man das Fahrverhalten der Autofahrer. Meist rücksichtslos, schnell, etwas aggressiv und grundsätzlich ohne Geduld. Für Auswärtige kann eine Fahrt durch die Stadt schonmal etwas anstrengend werden. Dafür gibt es an Fußgängerampeln eine Gelbphase. Ein orangefarbener Strich bildet die Vorwarnung vor dem roten Ampelmännchen, welches zeitgleich mit der grünen Ampel des Straßenverkehrs aufleuchtet. Etwas gewöhnungsbedürftig also für Ortsfremde.
Mit dem RE 13 "Maas-Wupper-Express" geht es für mich bis nach Hagen. Hier steige ich in den Sauerland-Express nach Fröndenberg, dort in die Hönnetalbahn Richtung Unna. Fertig mit den Nerven für heute.
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"Mammi, Mammi! Wo kommen Wolken her?" - "Aus Frimmersdorf..." |
Weiterführende Informationen:
Sebi on Tour - demnächst vielleicht auch in Ihrer Nähe ;-)
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