
Tagesfahrt in NRW: Teil 23 - RB 69 / 89: Die Ems-Börde-Bahn
Die Ems-Börde-Bahn ist eine auf zwei Linien verteilte Regionalbahn mit drei Endpunkten, die Münster Hbf mit Paderborn Hbf / Warburg / Kassel-Wilhelmshöhe und Bielefeld Hbf verknüpft. Zentraler Knotenpunkt ist dabei Hamm (Westfalen). Es ist etwas kompliziert, aber zunächst einmal die Linie im Detail, die aussieht wie liegendes Strichmännchen oder ein Gartenstuhl:

1. Einleitung: Die Linien
Fangen wir einfach an. Die RB 89 fährt grundsätzlich im Halbstundentakt von Münster via Hamm nach Paderborn. Zweistündig fährt der Zug dann von Paderborn noch weiter nach Warburg an der Landesgrenze NRWs. Vier Züge am Tag fahren seit Dezember 2010 als Sprinter von Warburg weiter nach Kassel-Wilhelmshöhe in Hessen mit Zwischenhalt in Hofgeismar oder in Gegenrichtung. Bis 2008 begann die Fahrt der RB 89 teilweise in Rheine. Aber wir wollen es mal nicht noch mehr erschweren.
Die RB 69 fährt im Stundentakt von Münster via Hamm nach Bielefeld. Auch das ist noch einfach.
Kompliziert wird es, dass die stündliche RB 69 in Hamm mit einer der halbstündlichen RB 89 in Richtung Münster zu einer Doppeleinheit zusammengekuppelt bzw. auf dem Rückweg wieder in Hamm getrennt wird. Man spricht hierbei von einer Flügelung. Der eine Zugteil führt dann von Hamm nach Bielefeld, der andere nach Paderborn.
Seit Dezember 2008 hat Keolis den Betrieb der beiden Linien neben der Hellwegbahn und dem Lünener übernommen. Unter dem Namen eurobahn (Kleinschreibweise) fahren hier gelb-weiße FLIRT (Flinker Leichter Innovativer RegionalTriebwagen). Zuvor traf man hier die von DB-Regio gefahrenen »Quietschies« der Baureihe 425 an. Und weil nicht das gesamte Netz der Ems-Börde-Bahn ausgeschrieben wurde, fiel der Teil Münster-Rheine an DB-Regio, die hier seitdem unter der neuen Linie RB 68 "Emsauen-Bahn" mit den 425ern abwechselnd mit der RB 65 "Ems-Bahn" der Westfalenbahn fährt. Westfalen-Bahn wiederum war einst der Name der beiden Linien RB 69 und 89, bis eben jenes gleichnamiges Unternehmen aus Herford gegründet wurde und man so Verwechslungen vorbeugen wollte. Die Nummer 68 wiederum gab es einstmals unter dem Namen "Werse-Express", allerdings als Regionalexpresslinie zwischen Hamm und Münster.
2. Geographie: Von der Lippe an die Diemel
Beginnen wir mal im Norden. Die Strecke verläuft in Süd-Südost-Richtung durch das flache Münsterland bis nach Hamm. Dort wird die Lippe und der Datteln-Hamm-Kanal überquert. Hamm wird häufig noch zum Ruhrgebiet gezählt, wobei das ein sehr grenzwertiger Fall ist. Von dort aus fährt die RB 89 in die Hellwegbörden, die der Linie den zweiten Namensteil geben. Börden sind sehr fruchtbare und sehr flache Landschaftszonen, entstanden durch während der Eiszeit durch Wind gelöstes und in der Luft transportiertes feines Sedimentmaterial, welches sich am Nordrand der Mittelgebirge von Norden her kommend abgelagert hat. Man spricht von Löss-Böden. Zunächst wird die Werl-Unnaer Börde gestreift, bei Soest schließlich die Soester Börde erreicht, die von nun an in Ostrichtung durchquert wird. Tatsächlich ist die Landschaft recht flach. Man fährt jedoch parallel zum südlich gelegenen Höhenzug Haarstrang, weshalb die Sicht in Richtung Süden eingeschränkt ist. Auf dem Haarstrang sind inzwischen einige große Windparks zur Energiegewinnung entstanden. Es folgt die Geseker Börde, ehe man bei Paderborn - ohne es groß zu merken - das Münsterland ein letztes Mal berührt. Es geht die kalkreiche Paderborner Hochfläche hinauf nach Altenbeken. Hier durchzieht das Eggegebirge, der verlängerte Kamm des Teutoburger Waldes, die hügelige Landschaft. Hinter Willebadessen wird die Landschaft wieder flacher, die Bahnstrecke erreicht die Warburger Börde und den Endhalt Warburg kurz vor der Landesgrenze nach Hessen.
Beim Zweig der Ems-Börde-Bahn nach Bielefeld, der RB 69, ist die topographische Lage etwas einfacher. Bis kurz vor Bielefeld durchfährt die Bahn das Münsterland und durchquert den schmalen Teutoburger Wald in einem Einschnitt bei Bielefeld. Dann ist der östliche Endpunkt Bielefeld selbst erreicht.
3. Exkursion
Die Linie wird bereits teilweise abgedeckt durch Exkursionen nach Minden (RE 6). Sie können bei Interesse einfach den jeweiligen Abschnitt unter der Auswahlseite des Nahverkehrs in NRW aufrufen. Die eigentliche Exkursion beschränkt sich auf den Abschnitt Soest-Warburg, der der heutigen Linienführung der gesamten RB 89 und dem Nordabschnitt der RB 69 entspricht. Aber zwei, drei Sätze verliere ich noch zu Hamm.

Hamms Bahnhofsgebäude
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Die alte Ems-Börde-Bahn in Hamm im Sommer 2008
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Ems-Börde-Bahnen RB 89 / 69 Richtung Bielefeld und Paderborn |

Sonderzug zum eurobahn-Betriebswerk am 15.08.09 |
Hamm ist ein wichtiger Bahnhof im östlichen Ruhrgebiet. Hier beginnt der RE1, die Linie mit der höchsten Fahrgastzahl am Tag in Deutschland, seine Fahrt Richtung Aachen. In Hamm hält auch der Fernverkehr, der hier ebenfalls teilweise geflügelt wird. Das heißt, zwei ICE-Einheiten kommen zusammengekuppelt angefahren und werden getrennt. Der eine Teil fährt durch das nördliche Ruhrgebiet, der andere durchs südliche. Das Bahnhofsgebäude ist sehr schön gestrichen und die Bahnhofshalle besitzt ein hohes Rundgewölbe. Ein imposanter Eindruck, wenn man hier aussteigt und in die Stadt geht.
Auf dem Weg nach Soest hält die Regionalbahn noch an den kleinen Halten Welver und Borgeln, zwei Dörfer im Flachland der Börde. Dabei ist Welver ein ehemaliger Umsteigebahnhof mit abzweigender Bahnstrecke via Königsborn nach Dortmund, die im Abschnitt Unna-Dortmund als S-Bahn-Trasse der Linie S4 genutzt wird.
Um kurz nach Sechs am Morgen geht´s los. Mit der Hönnetal-Bahn nach Unna, von dort mit der Hellweg-Bahn nach Soest. Jeweils mit etwa sechs Minuten Umsteigezeit. Seit dem Betrieb durch die Eurobahn funktioniert dies (meistens) erstaunlich gut. Und in Soest findet tatsächlich ein reger Umstieg vom Bahnsteig 1 auf den Inselbahnsteig 2 statt – viele Umsteiger aus Richtung Unna fahren mit der Ems-Börde-Bahn weiter, das gleiche geschieht in Gegenrichtung am Nachmittag. Kommt es in der Ankunft zu Verzögerungen, passiert das kollektive »Hellweg-Bahn--catching«. Meistens stellt sich der erste sozialerweise dann immer auf Bahnsteig 1 in die Lichtschranke der Tür, bis alle Nachzügler eingetroffen sind. So gerne der Lokführer auch durch den Lautsprecher kriechen würde. Man sollte meinen, dass das Bahnfirmenintern besser mit Absprachen funktionieren würde.
Im Grunde ist es in der Beziehung schade, dass die Hellweg-Bahn von Dortmund kommend im Jahre 2002 vom damaligen Endbahnhof Paderborn auf Soest gekürzt und der parallellaufende RE 19 »Hellweg-Express« mit dem einzigen Unterschied in den nicht vorhandenen Halten Ehringhausen und Dedinghausen zugunsten des Halbstundentaktes der Regionalbahnen abgeschafft wurde.
»Links rein, rechts raus! Dass das immer noch keiner kapiert...!«, schimpft ein äußerst ungepflegter Mann mit gewissem Körpergeruch und drängt sich entgegen des Stroms der Aussteiger in den Triebwagen. »Idiot« bekommt er als Antwort. Die links-rein-rechts-raus-Regel (von welcher Seite?) habe ich auch noch nie gehört. Bei Doppelstockwagen des RE 1 zum Beispiel mit dem Geländer an der kurzen Seite würde das ja sogar noch ansatzweise Sinn machen, aber bei den schmalen Türen des FLIRT?!

Soest Bahnhof - zu dem Zeitpunkt Baustelle
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So sah die alte Ems-Börde-Bahn aus. 425 nach Warburg
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Die neue Hellweg-Bahn: Endstation für RB 59 aus Dortmund |

Ems-Börde-Bahn nach Münster in Soest |

In der Innenstadt von Soest - altes Rathaus |

Fußgängerzone |
Im Zug unterhält sich ein Grüppchen von Schülern im Vierer nebenan. »Ey alta, hastu meine krasse Uhr gesehen?! Is neu.« – »Yeaaah, voll fett, Alter!« Dem weiteren Gespräch, dem man sich durch die Lautstärke kaum entziehen kann, lässt sich entnehmen, dass sie wohl nicht besonders viel Hoffnung auf einen Schulabschluss haben. »Ich hab gleich SLF!« – »Was heißt das?« – »Keine Ahnung. 'Selbstlernphase' glaub ich«. Das weitere Gespräch würde nur die Diskussionen über die Unlust der Jugend anstacheln und wird glücklicherweise zügig durch den nächsten Halt unterbrochen: Bad Sassendorf. Ausstieg in Fahrtrichtung Rechts.

Bahnhof Bad Sassendorf
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Der gelb-weiße Triebwagen bringt Leben in die Bude |

RE 11 "Rhein-Hellweg-Express" rast durch den Bahnhof (2009) |

Gradierwerk im Kurpark von Sassendorf |
Bad Sassendorf ist ein Kurort inmitten der Soester Börde. Er besitzt neben den Reha-Kliniken und Kurheimen einen großen Kurpark mit Gradierwerk, Ententeich und einem Thermalbad. Außerdem eine Vogelvoliere mit einem Beo, der Neugierige Vogelbeobachter mit einem feinen "Haaaaaaaallooo!" begrüßt. Immer wieder sieht man, wie Leute versuchen, ihm Schimpfwörter beizubringen. Der Vorort von Soest ist statistisch gesehen vom Alter der Bewohner der älteste in Nordrhein-Westfalen. Was sich allerdings nicht zwangsläufig in der Barrierefreiheit des Bahnhofs äußert.
Das Bahnhofsgebäude wirkt gepflegt und ist knallgelb gestrichen. Die beiden Bahnsteige verbindet eine Unterführung. Unter den kurzen Dächern der Bahnsteige laufen Dynamische Schriftanzeiger (DSA), die im Verspätungsfalle die entsprechende Information geben.
Wenn es Sie interessiert: Im Bereich »Fotos und Dokumentationen« finden Sie unter "Thermalbilder" einige Schnappschüsse aus dem Kurpark von Bad Sassendorf. Während des Wartens zischt der NRW-Express durch den kleinen Bahnhof. Und kurz darauf geht es auch schon weiter nach Lippstadt.

Ems-Börde-Bahn verlässt Lippstadt
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Der Bahnhof vom Mittelbahnsteig gesehen
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Eine kleine Bahnhofshalle - aber mit Reisezentrum |

Da winkt einer. Wenn er unbedingt aufs Foto möchte...! |

Der Bahnhof von außen |

Fußgängerzone von Lippstadt |

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Der Platz vor dem Rathaus |
Am Bahnhof spricht mich jemand an: »Ich habe noch nie gesehen, dass einer einen McDonald´s fotografiert!« Der Herr wird aufgeklärt. »Achso ... der Bahnhof ist aber auch nicht viel besser.« Er erzählt mir, dass hier früher einmal ein schöner Bahnhof im "Western-Stil", wie er es nennt, gestanden haben soll.
Ich stelle mir schon einen Western-Bahnhof mit viel Holz wie in den "Lucky Luke"-Comics vor. Und vor dem Mäkkes... ähm dem Saloon... steht Jolly Jumper, trinkt das Regenwasser aus einem Bottich und passt auf, dass Rantanplan, der doofe Hund, keinen Unsinn macht. Auf dem Bahnsteig bläst einer in seine Mundharmonika das Lied vom Tod und über den Bahnübergang rollt eine dieser berühmten Strohkugeln.
Das wäre schon seeeehr ungewöhnlich für Lippstadt, oder finden Sie nicht?! Auf hartnäckige Nachfragen meinerseits hat es sich dann aber - gemäß genauerer bildlicher Beschreibungen durch ihn - dann doch nur um ein Fachwerkgebäude gehandelt. Ist ja fast das Gleiche wie ein Westernhaus - das kann man ja wohl mal verwechseln. |

Brunnen auf dem Rathausplatz und die Marienkirche im Zentrum von Lippstadt |
»Der hier das sieht doch wirklich scheiße aus«, ruft er mir noch hinterher. Moderne der 60er bis 70er Jahre. Quadratisch, praktisch, gut. Immerhin halten hier mehrfach am Tage InterCity-Züge Richtung Berlin und Stralsund bzw. ins Ruhrgebiet.
Im Vierer bereitet sich ein Schüler auf eine Deutscharbeit vor. Den gesamten zu einem Spickzettel umfunktionierten Unterarm kritzelt er mit einem Fine-Liner mit einem Text voll, der ihm mit Sicherheit nicht helfen wird. »Ich darf nur nicht schwitzen! Und aufpassen, dass die Scheiße auch wieder abgeht. Beim letzten Mal musste ich im Sport mit wasserfester Farbe am Arm rumlaufen, das sah schon irgendwie verdächtig aus...«. Es muss ein gehöriger Schrecken gewesen sein, als er entdeckt, dass in Geseke sein Deutschlehrer nur zwei Reihen vor ihm aufsteht.
Vorbei an Dedinghausen und Ehringhausen erreicht meine Bahn nämlich Geseke. Es ist eine kleine Hellwegstadt vor den Toren Paderborns. Während der ersten Exkursion fiel das Thermometer schließlich auf 13°C - für August ein ganz mieser Wert - und es fing an zu nieseln. Das schlimmste, was auf Exkursionen passieren kann, war eingetreten. Statt Stadtführung stand absitzen auf dem Plan.

Bahnhof von Geseke |

Verträumte Nebenstraßen und Gassen mit historischen Häusern |

Kleine Fußgängerzone, hinten Stadtkirche St. Petri |

Stiftskirche St. Cyriakus |

Tatsächlich Strom-produzierendes Wasserrad |

Parkanlage entlang eines Baches mit Wasserrad |
Das Gebiet um den Bahnhof ist noch frisch renoviert, ebenso wie der Bahnhof selbst. Im Bahnhofsgebäude mit leichtem Fachwerkteil befindet sich ein Kiosk mit Fahrkartenverkauf, daneben eine Radstation. Ein kleiner Busbahnhof liegt westlich davon. Östlich befindet sich ein kostenloser P&R-Parkplatz.
Zu Fuß ist die Ortsmitte von Geseke mit der Mühlenstraße direkt erreicht. Am kleinen Marktplatz befinden sich Cafés und eine Eisdiele, vor der Stadtkirche St. Petri ein kleiner Brunnen. Ein Bach fließt quer durch den Ort, speist südlich der Stiftskirche einen Ententeich und treibt schließlich ein erst gerade aufgestelltes Wasserrad an – und das produziert tatsächlich Strom und ist nicht nur zur Dekoration gedacht! Entlang des Baches verläuft ein Park vorbei am Haus Toholte und endet praktisch in Bahnhofsnähe. Die gesamte historische Ortsmitte lässt sich über einen etwa drei Kilometer langen Weg, der offensichtlich auf einer alten Stadtbefestigung verläuft, umwandern. Es ist ein sehr verträumtes Örtchen mit durchaus idyllischen Winkeln, in dem allerdings mittags die Bürgersteige hochgeklappt und die Geschäfte geschlossen werden.
Zurück am Bahnhof. Die Dynamischen Schriftanzeiger tickern die Uhrzeit durch, was offensichtlich so viel heißt, dass der Zug pünktlich ist. Es näher sich aber zunächst ein Güterzug. Als dieser mit hoher Geschwindigkeit durch die Station rast, fängt die Uhr auf dem Inselbahnsteig heftig an zu schwingen, zur Erheiterung einiger Schüler, die auf den gleichen Zug warten wie ich und Hausaufgaben auf den Knien machen. Währenddessen schleicht hinter dem Güterzug der RE 1 aus Aachen nach Paderborn hinterher. Er verharrt vor dem Bahnsteig und rollt nur ganz langsam näher. Damit auch keiner auf die Idee kommt, aus oder einzusteigen. Schließlich wechselt das Signal auf grün, der Lokführer gibt Gas und schon ist der Zug weg.
Mein Anschluss kommt nur wenige Minuten danach und bringt mich nach Salzkotten. Aber Vorsicht! Korrekt spricht man den Ort mit Betonung auf der ersten Silbe, also dem Salz aus. Da sind die Einwohner sehr eigen und korrigieren das auch gerne. Die automatischen Lautsprecherdurchsagen im Zug, die übrigens von einer Radiomoderatorin eingesprochen wurden, machen es allerdings dagegen falsch vor.

eurobahn nach Münster macht Station in Salzkotten
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Das Polizeimuseum im alten Bahnhofsgebäude
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Passenderweise mit der »Davidwache« als Bistro |

In mehreren Sprachen wird man hier begrüßt |

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Hier sieht man deutlich das Flackern der Anzeige... |
Im schmucken Bahnhofsgebäude, einem auffallend schönen, roten Fachwerk-Ziegelbau, ist das überregional bekannte Polizei-Museum untergebracht. Der alte Güterschuppen in ähnlicher Architektur ist jedoch nicht annähernd so schön renoviert und wirkt dagegen trostlos. Insgesamt ist der Bahnhof ebenfalls neu gestaltet mit Unterführung und jeweiligem Zugang durch Serpentinen - also auch ohne Aufzüge für Rollstuhlfahrer geeignet. Die Unterführung ist farbig gestaltet, im südlichen Teil mit Willkommen-Schriftzügen in vielen Sprachen auf knallrotem Grund. Etwas abseits steht auf dem südlichen Bahnsteig ein Pluspunkt im Maxi-Format, daneben das alte Stellwerk. Die Rollläden sind am dunklen Backsteingebäude heruntergelassen und es wird von Bäumen langsam zugewachsen. Bevor sich die Züge der Ems-Börde-Bahn fahrplanmäßig in Salzkotten begegnen, fahren einige Güterzüge und InterCitys durch den kleinen Halt.

Eine Methode, einen Zug von zwei Seiten gleichzeitig auf den Monitor zu bannen
Der nächste gelb-weiße FLIRT nähert sich. Mit ihm fahre ich bis Paderborn Hauptbahnhof - seiner Endstation. Rein von der Wortbedeutung kann man darauf kommen, dass hier in der Stadt tatsächlich der Fluss Pader entspringt, also geboren wird. Nach vier Kilometern fließt die Pader in die Lippe und ist damit der kürzeste Fluss Deutschlands. Im Gegensatz zur Stadt wird der Fluss sogar so ausgesprochen wie er geschrieben wird. Die westfälische Allgemeinheit spricht die Stadt etwas kräftiger mit verdoppelten D und verschlucktem R aus: »Paddaboaan«.

Paderborn Hauptbahnhof |

Eurobahn nach Münster. Diesmal tatsächlich mit Displayfehler. |

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Rathaus von Paderborn |

Gymnasium Theodorianum und Theologische Fakultät der Uni |

Im Paderborner Dom |
Die Stadt ist Bischofssitz und Universitätsstadt. Der Bahnhof ist etwas außerhalb der Stadt, weshalb eine Besichtigung bei vergangenen Exkursionen zeitlich immer etwas enger war. Heute steige ich aber in den Bus und lasse mich am Westlichen Ende der Innenstadt absetzen. Okay, so weit ist das auch nicht - aber bis zum Dom oder zum Rathaus ist es ja auch noch ein ganzes Stück weit. Der Paderborner Dom ist ein mächtiger, gotischer Natursteinbau mit Grünspandächern und wurde größtenteils im 13. Jahrhundert gebaut. Vor dem Dom befindet sich ein kleiner Marktplatz, der leider durch einen nicht besonders hübschen Bau des Diözesanmuseums vom Dom getrennt ist.
Nur ein paar Schritte zurück zum Bahnhof stößt man auf das Rathaus der Stadt. Hier beginnt eine Fußgängerzone bis zum Westerntor. Mit dem Bus ist es von hier aus ein Katzensprung, den man gut und gerne auch hätte laufen können. Aber da der Takt der Busse auf dieser Strecke so gut ist - man könnte fast von einer Art Stammstrecke sprechen - braucht man meist nicht länger als ein, zwei Minuten auf den nächsten Zubringer zum Bahnhof zu warten. Wenn man das Ticket eh hat, lohnt das. Und da ich heute noch genug laufe, sowieso.
Abbildung rechts: Paderborner Dom St. Liborius |

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Ich steige von der eurobahn auf die Nordwestbahn um - das nächste private Eisenbahnunternehmen. Mit ihr geht es auf in die Paderborner Hochfläche. Schon bald liegt die Stadt hinter uns tief in der Ebene, ganz hinten am Horizont am Ende der Ebene lassen sich schwach die Höhen des Teutowaldes als blaue Schemen erahnen. Wir verschwinden nun in der bewaldeten Hochfläche und überfahren gleich das wichtigste architektonische Objekt der Strecke: das Altenbekener Viadukt. Ich steige am zugehörigen Bahnhof von Altenbeken aus.

Altenbeken. Ein Landbahnhof. Endstation des "Leinewebers"
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Empfangsgebäude
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Ein Versuch, den Bahnhof erblühen zu lassen |

Die Egge-Bahn nach Holzminden |

Ostwestfalen-Bahn von Bielefeld nach Paderborn |

Der etwas unscheinbare Haupteingang des Landbahnhofs |

Die Egge-Bahn von Holzminden nach Paderborn |

S5 von Paderborn nach Hannover |
Mit Altenbeken verbindet man häufig einen der kleinsten IC / ICE-Halte Deutschlands. Ja, im 9400 Einwohner kleinen Ort hält tatsächlich der Fernverkehr auf dem Weg nach Kassel und weiter nach Leipzig oder Richtung Ruhrgebiet. Häufig hört man Sätze wie "warum ist x kein ICE-Halt, aber Altenbeken, wo keine 10.000 Einwohner wohnen?!" Zunächst ist die übergroße Dimension des Landbahnhofs Bahnhofs historisch bedingt.

Wartehalle im Flur des EGs
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Außerdem ist Altenbeken ein nicht zu unterschätzender Umsteigeknotenpunkt - auch für den Fernverkehr. Sie werden es nicht glauben, aber schauen Sie mal auf den Linienplan (oder Netzspinne, falls man den bei Ihnen so nennt):
Mit der RB 84 gelangt man nach Höxter und Holzminden, kann aber in Ottbergen in den Nahverkehr von Niedersachsen umsteigen, um nach Göttingen, in den Solling oder den Harz zu fahren. Außerdem beginnt in Altenbeken die Linie des RE 82 "Der Leineweber", der über Detmold nach Bielefeld fährt und so Anschluss an weitere IC- und ICE-Linien sichert. Mit der RB 72 "Ostwestfalenbahn" gibt es zusätzlich eine Verbindung nach Herford. Mit der S5 gelangt man nach Hannover.
Der Bahnhof ist keilförmig angeordnet mit einem Empfangsgebäude in Insellage. Neben dem Hausbahnsteig gibt es an jeder Seite noch einen Inselbahnsteig. An der dritten Seite des Bahnhofs befinden sich noch einige Sackbahnhofsgleise. Diese wirken allerdings größtenteils seit langem ungenutzt, Pflanzen wachsen im Gleisbett und die Schienen sind sehr verrostet. Ein einzelner Kofferkuli wartet dort auf seine Benutzung, einige LCD-Zielanzeigen sind mit Folien zugedeckt.
Ein typischer Landbahnhof, der langsam seine Wichtigkeit eingebüßt hat.
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Doch nun wird es Zeit, zum Viadukt zu marschieren. Es existiert am östlichen Widerlager eine neu geschaffene Aussichtsplattform, der Zugang vom Ort aus ist etwas versteckt. Doch vom Fuße der Brücke führt ein Treppenstufenweg direkt dorthin. Das Viadukt ist etwa 1,5 Kilometer vom Bahnhof entfernt und nicht zu verfehlen. Ich verzichtete zugunsten der Rucksacklast auf Karten und Navigationssysteme, war ich doch der Meinung, dass man das Viadukt nicht übersehen könne. Und es war eine richtige Entscheidung. Übersehen kann man es wahrlich nicht und der Weg ist zusätzlich auch noch ausgeschildert. Okay, um die Aussichtsplattform zu finden, musste ich die Wegbeschreibung auswendig lernen. Dumm nur, dass sich ein Straßenname geändert zu haben scheint. Gefunden hab ich´s trotzdem.

Ems-Börde-Bahn nach Warburg auf dem Altenbekener Viadukt
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Kurze Zeit später die Egge-Bahn der NWB nach Holzminden
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24 Säulen mit einer Maximalhöhe von 35 Metern über Grund |

Ein Kapellchen und die S5 nach Hannover. Wie ein Spielzeug. |

Die Ostwestfalen-Bahn kehrt aus Paderborn zurück nach Bielefeld |

Und die nächste RB 84 auf dem Weg in die Egge |
Das Viadukt wurde 1853 eingeweiht und ist die größte Kalksandsteinbrücke Europas. Es hat eine Länge von ca. 480 Metern und eine Höhe von maximal ca. 35 Metern (Höchste Distanz zum Talgrund), beschreibt dabei einen großen Bogen. Es wurde im zweiten Weltkrieg mehrfach bombardiert und zerstört. Erst Anfang der 50er Jahre konnte der Betrieb wieder aufgenommen werden. Zuvor mussten Reisende auf der Strecke am einen Ende aussteigen, den Hang hinunterklettern, auf der anderen Seite wieder hinauf und den Anschlusszug nehmen.

Von Weitem sieht so ein Quietschie auch ganz nett aus. Solange man nicht mit fahren muss ;-)
Natürlich hält es mich nicht eine Stunde lang auf der Plattform. Ich entdecke irgendwann die kleine Kapelle unterhalb der Brücke, die meiner Meinung nach ein schönes Vordergrundmotiv abgibt. Nach sieben Personen- und einem Güterzug schaue ich mir den Ort an.

Einzelhandelszentrum im Ortskern (links) und die Beke |

Egge-Museum |
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Das Tal, in dem Altenbeken liegt, ist relativ schmal. Zu den meisten Häusern - und auch zum Bahnhof - muss man recht steile Straßen hochlaufen.
Im größten Teil besteht der Ort aus Neubauten, wie man relativ schnell erkennnen kann. Die Tatsache, dass Altenbeken sogar IC- oder ICE-Halt ist, verwundert nicht nur viele Leute, sondern führte wohl auch zu einer Expansion im Ort. Es gibt aber auch ältere Gebäude in einem alten Kern und zwei Kirchen. Das "Zentrum" oder besser die Ortsmitte selbst besteht größtenteils aus einem langgestreckten, recht modernen Einzelhandelskomplex, der entlang einer Prommenade am Ufer der Beke angelegt ist. Man gibt sich hier aber offensichtlich Mühe für eine ansprechende Bepflanzung. In der Nähe des Viadukts befindet sich das Egge-Museum, davor steht sehr demonstrativ eine Dampflok der Baureihe 44 - samt Wasserkran. |
Es dauert eine Stunde, bis wieder eine RB89 nach Warburg durchfährt. Wie schon erwähnt, fahren die Regionalbahnen nur zweistündig bis nach Warburg weiter. In die Richtung ist ansonsten relativ tote Hose. Es sei denn, man wollte IC-Aufschlag bezahlen. Aber selbst der fährt nur alle zwei Stunden. So kommt es auf der weiteren Strecke zu einem Stundentakt, wobei der IC natürlich den Bahnhof von Willebadessen nicht anfährt, sondern erst wieder in Warburg hält.
Über 30 Kilometer beträgt das letzte Teilstück - eine recht lange Etappe, die in immerhin zwanzig Minuten bewältigt wird. Der Hauptzug des Eggegebirges wird durch einen Eisenbahntunnel durchfahren und die Warburger Börde erreicht. Hier an der Grenze liegt der Bahnhof von Willebadessen. Es ist ein moderner Bahnhof mit zwei Bahnsteigen, wobei der östliche an einer Art Ausweichgleis liegt. So sind hier beispielsweise Zugüberholungen möglich.
In Google Earth fällt auf, dass das Luftbild vom Vektor-Layer der Bahngleise abweicht. Seit 2003 wurde die Strecke, die bisher über Neuenheerse führte, durch den beschriebenen fast drei Kilometer langen "Egge-Tunnel" und eine Galerie umgeleitet. Im Zuge dieser Arbeiten wurde auch der Personenhalt von Willebadessen erst reaktiviert - seit 1992 war dieser nämlich stillgelegt. Der Halt ist also brandneu und wurde quasi gerade erst eingeweiht. |

Kirche in Altenbeken |
Eine Querung von einem zum anderen Bahnsteig gibt es nicht. Man muss schon etwa 350 Meter von einem Zugang zum nächsten entlang einer Straße und unter eine Straßenunterführung hindurch. Ein Fakt, der mich fast den Anschlusszug verpassen lässt. Im Laufschritt habe ich ihn dann doch noch erreicht. Es wäre bitter gewesen, der nächste fährt erst wieder in zwei Stunden zur Endstation. Und so richtig viele Busse scheinen hier auch nicht zu fahren. Insgesamt ist es hier etwas ruhiger.

Bahnhofsgebäude von Willebadessen |

Von der Straßenseite gesehen |

Bushaltestelle und der über 150 Meter hohe Fernmeldeturm |

Noch recht neue Bahnsteige von Willebadessen |
Weiter geht es in Richtung zeitweiliger zweiter Endstation. Von rechts nähert sich die unelektrifizierte Bahnstrecke nach Hagen, die Obere Ruhrtalbahn. Parallel laufen beide Strecken in Warburg ein.

Sauerland-Express aus Kassel erreicht Warburg
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Inselbahnhof, die hinteren Gleise sind zugewachsen
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Markante Giebelform |

Endstation der Ems-Börde-Bahn |
Das Ziel ist erreicht. Zweistündlich fährt der Sauerland-Express weiter nach Kassel Wilhelmshöhe - vorbei an Hofgeismar und Kassel Hbf. Morgens und abends verkehrt hier mit der RegioTram RT 3 ein ganz besonderes Verkehrsmittel. Im Grunde handelt es sich um eine Art Straßenbahn auf normalen Bahngleisen, die in etwa einer Stunde Kassel erreicht. Sie fährt allerdings nur in der Hauptverkehrszeit, also morgens und abends und ist damit für mich unereichbar, sofern ich nicht in Warburg übernachtete. Zwei Züge der Ems-Börde-Bahn fahren zusätzlich über die Landesgrenze nach Kassel-Wilhelmshöhe weiter bzw. kommen zurück. Die Erkundung der dritten Endstation dieser Linie fällt allerdings flach, da das NRW-Ticket verständlicherweise nicht für den hessischen Tarifraum gilt.
Zum Bahnhof Warburg zurück: auffällig ist der Baustil des Empfangsgebäudes. Es ist ein Gebäude in Insellage, d.h. dass sowohl vor als auch hinter dem EG Schienenstränge verlaufen. Der Bahnhof hat heute zwei Bahnsteige, neben dem Haus- einen Mittelbahnsteig, der durch Aufzüge und eine Unterführung angebunden ist. Es ist ein modernisierter Bahnsteig in Hochbauform. Der Bahnhof besitzt moderne LCD-Anzeiger. Und diese zeigen direkt an, dass der nächste RE 17 nach Hause später kommen würde. Aber ich schaue mir erst einmal die Stadt an.

Marktplatz der Neustadt von Warburg |

Blick von der Neustadt zur unterhalb liegenden Altstadt |

Das Rathaus in der Neustadt vom Friedhof aus gesehen |

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Ehrlich gesagt liegt der Bahnhof nicht besonders nah an der Stadt. Grob geschätzt einen Kilometer muss man laufen, um erst einmal in die eigentliche Neustadt zu gelangen, einen weiteren in Richtung Altstadt. Beide Stadtteile liegen auf verschiedenen Höhenstufen. Die Altstadt unten im Tal der Diemel, die Neustadt auf einer Anhöhe. Steile Stiegen und Straßen verbinden die beiden Stadtteile.

Panorama von der Diemelbrücke: Altstadt von Warburg mit der Neustadt (oben). Eigentlich sollte die Sonne scheinen...! |
Beide Stadtteile für sich sind sehr sehenswert. Sie bestehen zu einem großen Teil aus historischen Gebäuden, vor allem Fachwerkhäusern. Unten begrenzen die Ufer der Diemel die Altstadt. Von den Wiesen hat man ein schönes Panorama auf die Stadt mit den unterschiedlichen Höhenschichten. Doch nun ist es Zeit für den Rückweg zum Bahnhof. Mit dem Sauerland-Express kürze ich ab und fahre von hier aus direkt in die Heimatstadt Fröndenberg durch.
Zusatzinformationen:
Sebi on Tour - demnächst vielleicht auch in Ihrer Nähe ;-)
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