
KBS 437 - Die Hönnetalbahn: Bahnhöfe und Haltepunkte
Haltepunkt
Ardey - "EARE": Das Dorf, in dem alle grüßen
"Ardey
am Samstagnachmittag: Gemeindehaus zu, Stehcafé geschlossen, Bäcker zu,
Frittenbude zu... nur der Bahnübergang ist offen, der besitzt nämlich keine
Schranke!" (Beschreibung im Radiosender L1VE in der Rubrik "Der allerbeste Ort")
Damit ist der Dorfcharakter Ardeys gut beschrieben, auch wenn
der Spruch nicht mehr ganz aktuell ist. Das
Dorf hat etwa 2400 Einwohner, bestand einst aus einigen Bauernhöfen und
wurde mit der Zeit erweitert um einige Neubaugebiete - ein Wohndorf ist entstanden. Besonders Fremde sind häufig irritiert, weil praktisch jeder beim Gassi-Gehen oder als Passant jemanden ob bekannt oder fremd grüßt.
Im zwölften
Jahrhundert wurde die Burg Ardey errichtet, noch heute sind die Ruinen vom
Zug aus sichtbar, sie wurden beim Bau der Hönnetalbahn im 19. Jahrhundert
ausgegraben. Es existieren kleinere Mäuerchen und Gräben, sind
allerdings im Sommer sehr zugewachsen und meist nur für Ortskundige
sichtbar. Mehr dazu weiter unten. Gewerbe,
Einzelhandel und Industrie sind rar. Für die Nahversorgung gibt es nach
mehreren Wechseln und endgültiger Schließung keinen
Lebensmittelladen mehr, sieht man von einem Drogeriemarkt ab. An die alte Poststation, wo sich der Schalter in einem Wohnzimmer unter einer Treppe befand, erinnern sich nur noch die Älteren.

Der "Ardeyer Hof", ehemalige "Gildenstuben" am Bahnhof
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So ist der Ardeyer für die Grundbedürfnisse auf Mobilität angewiesen. Heute existieren noch zwei
Banken, die jeweils nur selten geöffnet haben. Im alten Lebensmittelladen findet sich eine Versicherungs- niederlassung, benachbart dazu
ein Immobilienbüro und zurzeit nur noch einer von zwei Bäckern (teilweise nur morgens geöffnet). Der Gastronomiesektor ist schnell aufgezählt: Weiter außerhalb liegt eine kleine Pizzeria, die praktischerweise erst um 14:30 öffnet, im Ort eine
Pommesbude. Neu ist ein italienisches Restaurant im "Ardeyer Hof" direkt am Bahnhof. Ein Chinese oder Mongole - so genau weiß das keiner mehr - hat zuvor nur kurz durchgehalten. Vorher haben eine deutsch-französische Küche sowie bürgerliche Küche ihr Glück vergeblich versucht. Ein
Geflügelzüchter verbreitet die "Ardeyer Landhähnchen" auf den
umgebenden Märkten. Produkte wie Eier, Kartoffeln, ggf. Salat oder
auch Fleisch können in Bauernhöfen in der Umgebung direkt beim Erzeuger eingekauft werden, auch wenn diese ebenfalls nur selten geöffnet haben.
Hier kann man sein Rindfleisch noch lebend und persönlich kennenlernen.
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Der
Haltepunkt liegt zentral in der Dorfmitte am Kilometer 3,3 der Hönnetalbahn. Das besondere hierbei ist seine
alte Aufteilung: Die Strecke ist eingleisig, dennoch gibt es zwei Bahnsteige,
durchschnitten durch die Hauptstraße mit genanntem Bahnübergang. Heute wird
der südliche der beiden nicht mehr genutzt, bis Oktober 2007 wurde damit aber verhindert, dass bei Zugverkehr der Bahnübergang zu lange
"geschlossen" bleibt. Die Züge hielten in jeder Richtung jeweils
hinter dem Bahnübergang. Noch existiert dieser Bahnsteig als solcher mit fast seiner
kompletten Ausstattung, ist allerdings abgesperrt und unbenutzt. Im Januar 2010 wurde endlich das alte Wartehäuschen abgebaut. Der
Bahnübergang war bis 2007 lediglich mit einer Blinklichtanlage gesichert.
Seitdem gibt es hier eine Schrankenanlage. Jetzt ist am Samstag Nachmittag also
auch der Bahnübergang geschlossen, um den einleitenden Spruch zu korrigieren. Der
Haltepunkt ist ausgestattet mit einem Fahrkartenautomaten mit Touchscreen auf dem nördlichen Bahnsteig, Entwerter, einer gläsernen Wartehalle (vormals hölzerne Wartehäuser)
mit Informationskasten, Natriumdampflampen, einem
Mülleimer sowie einer solarbetriebenen Info- und Notrufsäule. Hinweisschilder verbieten das Rauchen auf dem
Bahnhof. Ein neuer Fernsprechkasten und ein neues Schalthaus zieren nun den Bahnsteig. Nur
auf dem nördlichen Bahnsteig steht ein Stationsschild in der alten Variante,
also nicht in blau mit weißer Schrift, sondern noch die alte Metallplatte mit
schwarzen Normbuchstaben auf weißen Grund. Informationssysteme wie Zielanzeiger
oder Lautsprecher gibt es nicht, wenn der Zug nicht kommt, kommt er halt nicht.
Man wird es schon merken.
Der
Bahnsteig hat eine Höhe von 38cm, ist also für Niederflurfahrzeuge geeignet -
ansonsten muss eine Stufe bestiegen werden. Die Länge der beiden Bahnsteige ist
verschieden. Ist der südliche 71m lang, so zählt der nördliche immerhin 89
Meter. Seit Oktober 2010 ist der Haltepunkt die bei Regen schlammige Schotterdecke los und ist in gänze geteert - abgesehen von den Bahnhöfen der Strecke der erste Haltepunkt an der Hönnetalbahn mit diesem Komfort. Der Stationspreis beträgt 2,95 Euro, der Haltepunkt wird zur Kategorie 6 gezählt.

Haltepunkt Ardey |
Ein Stück weiter geht´s durch Felder des Haarstrangs |

Der alte Südbahnsteig, heute stillgelegt
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Ruhrtalradweg-640er (Fahrradwagen) auf der Hönnetalbahn
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Blick vom Bahnsteig auf das winterliche Dorf
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Wartehalle, Notrufsäule, Fahrkartenautomat und Entwerter |
Es gibt
keine öffentlichen Parkplätze. Der Haltepunkt ist nicht für P&R
ausgelegt. Eine Bushaltestelle nebenan ermöglicht den Umstieg auf das andere
Verkehrsmittel, dennoch ist die Dichte der Busfahrten eher gering. Tagsüber verkehren, abgesehen von einigen Schülerbussen, lediglich vier bis fünf Busse je Richtung. Am Sonntag
fährt gar kein Bus laut Plan. Ein Bürgerbussystem versucht, die Lage etwas zu verbessern.
Laut verschiedener Quellen ist dieser
Haltepunkt der meistgenutzte Halt seiner Kategorie der Strecke. Das mag
an der günstigen Lage im Zentrum des Dorfes liegen, viele andere Haltepunkte an
der Hönnetalbahn liegen außerhalb von Ortschaften. Es könnte aber auch an der miserablen Bussituation liegen. ÖPNV-technisch ist man hier abgesehen von der Hönnetalbahn am Ende der Welt.

Hönnetalbahn kurz vor dem Haltepunkt Ardey parallel zur Talstraße |
In den Wäldern rings um das Haarstrangdorf Ardey findet man einige kleine aber spannende Indizien auf eine alte, längst vergangene Zeit.
Im Wald zwischen Ardey und Strickherdicke wurde bis ins 20. Jahrhundert Kohle im Klein-stbergwerk "Frohe Ansicht" gefördert. Erste Kohlegrabungen erfolgten bereits im 16. Jahrhundert in oberflächennahen Pingen. Diese sind heute als kleine Kuhlen mit dem Durchmesser von wenigen Metern im Wald zu erkennen. Bis in die 1950er Jahre wurde hier gefördert - es sollen Teile der Verladung noch sichtbar sein. Schächte sind ebenfalls durch Kuhlen erkennbar, ebenso sichtbar sind Steinbrüche und eine bewachsene Halde. Fast alles wurde inzwischen von der Natur zurückerobert.
Wenn Sie den Ort des Abbaus besuchen möchten, so können Sie diesen fußläufig erreichen. An der Straße Thabrauck zwischen Ardey in Richtung Autobahn ist kurz hinter der abknickenden Vorfahrt ("Krauser Baum") etwa einen Kilometer hinter dem Ardeyer Ortsausgangsschild die rechts abgebildete Tafel an einem Feldweg links deutlich sichtbar angebracht. Im Zweifel können Sie hier kurzzeitig das Auto stehen lassen und gemäß der Kartenabbildung auf der Tafel dem Weg folgen - immer den Pferdehufabdrücken nach. Dort, wo der Weg die 90°-Kurve nach rechts macht, kann man ins Tal steigen und den ehemaligen waagerechten Schachtaustritt unten am Bach erahnen. Außer einer "Quelle" sieht man jedoch wenig. Dort, wo der Weg dann die 180°-Kehre macht, liegt rechterhand diagonal durch das Grün die Abbaustätte und links oben am Hang einige Exemplare der Pingen.
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Pingen als Hohlformen im Unterholz |

Offensichtlich künstliche Wälle und Hohlformen |
Es gibt Fachleute und Heimatpfleger, die von diesen Landschaftsformen begeistert sind. Es ist aber nicht schlimm, wenn Sie nicht genau so denken...! Östlich von Ardey finden sich andere, deutlicher sichtbare Relikte. Beim Bau der Hönnetalbahn (häufig hier als "Haarstrangbahn" bezeichnet) und den erforderlichen Sprengarbeiten für den Einschnitt der Trasse wurden Teile der Burg Ardey gefunden. Man kann vom Zug aus - zumindest im Winter - zwischen Fröndenberg und Ardey rechts am Hang vorspringende Gemäuer erkennen, von dem sich schon viele Fahrgäste gefragt haben, um was es sich dabei handeln könnte. Im Sommer ist die Szene hoffnungslos zugewachsen. Oben am Berg finden sich weitere kleine Ecken mit Mäuerchen, Gräben und Erdwällen im Wald. Die Burg wurde Ende des 12. Jahrhunderts urkundlich erstmals erwähnt. Bewohnt wurde diese kleine Höhenburg von den "Edelherren von Ardey". Später lag die Burg auf dem Gebiet der Grafen von der Mark. Der Sage nach existiert hier ein Schatz, in der Eile auf der Flucht in einen tiefen Brunnen geworfen.
Das Erreichen der Burg Ardey ist nicht ganz problemlos: Aus Richtung Fröndenberg: kurz hinter dem höchsten Punkt der L673 zwischen Fröndenberg und Ardey (an der UNION, kurz hinter der Grenze zwischen 70km/h und 50km/h, wo häufig der mobile Blitzer steht) verläuft hinter dem Feld und vor dem Wald links in der langen Rechtskurve der Straße ein Trampelpfad. Die einfache Variante führt dann genau am Feld vorbei bis zum Bahneinschnitt, wo sich auch direkt die Burg befindet, ein etwas schwer zu laufender Weg führt etwas unterhalb vom Feld durch den Wald. Parkmöglichkeiten an der L673 gibt es hier keine. Es besteht jedoch die Möglichkeit, das Auto einige hundert Meter weiter in der zweiten scharfen Linkskurve in der Nebenstraße abzustellen und dann zurückzulaufen.
Vom Haltepunkt Ardey: zu Fuß über die Hauptstraße nach Osten auf der anderen Straßenseite, dann nach etwa 50 Metern rechts in die Dorfstraße. Nach wenigen hundert Metern hinter dem Haus mit dem grünen Dach links in die Sackgasse, dort am Ende dem Feldweg folgen. Ein Stück dahinter durch das tiefe Tal hindurch (gutes Schuhwerk sinnvoll!) und dann wie oben beschrieben rechts am Feld oder unterhalb im Wald nach Süden. Wegen der Tiefen Einschnitte ist die Burg nicht zu verfehlen.
Eine Gang über die Bahnschienen von Ardey aus ist nicht nur verboten, sondern durch die Kurvenlage auch extrem gefährlich!!

Mauerreste im Wald: die ehemalige Burg Ardey |

Der Abhang zur Hönnetalbahn: Auch hier Gemäuer |

Wenige hundert Meter vor´m Einfahrsignal liegt sie oben am Hang |

Noch mehr Mauern - mit Erde bedeckt |

Neben Mauern findet man auch Gräben und Wälle |

Hönnetalbahn erreicht gleich den Haltepunkt Ardey |
Stand: Dezember 2010
(c) Bilder, Text und Grafiken: S.Hellmann - www.mytrainsim.de |